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09.06.2007 - 350. Jahrestag der Gründung des Herzogtums Sachsen-Merseburg

Das 39. Merseburger Schlossfest - Event mit Ecken und Kanten

Beim Fest der Drei Herzöge in Zeitz angesprochen, haben wir uns an dem Gedanken begeistert, beim Schlossfest in Merseburg - einem der früheren Sekundogenitur- Herzogtümer Sachsens - mitzuwirken.
Das Schlossfest war dem 350. Jahrestag der Gründung der Sekundogenitur-Herzogtümer Sachsens gewidmet. Ein großer Festumzug war als Höhepunkt gedacht.
Wir wurden darin mit viel Mühe an der zugewiesenen Stelle ziemlich unpassend eingeordnet, und der sächsische Kurfürst und König in Polen, nebst seinem Hofstaat, folgte „ganz im Stile seiner Zeit" zu Fuß den in Karnevalskostümen schlecht ausgestatteten, Sekt trinkenden Honoratioren und Sponsoren der Stadt, welche recht mitleidig auf das hochedle Fußvolk herab sahen und großes Amüsement dabei hatten, diese um die Endprodukte der Pferdeverdauung hüpfen zu sehen.
Der schwitzende Tross hatte mit kühlem Wasser vorlieb zu nehmen, was freundlicherweise von aufmerksamen Bürgern (Wirtsleute ect.) an der Wegstrecke des Umzuges gereicht wurde.
Im Nacken hatte der Dresdner Hofstaat des Starken August eine grölende Meute von angeblichen Soldaten Friedrich August II., angeführt von einem Grafen Brühl, der schlechter und unpassender nicht dargestellt werden konnte. Erstaunlich, dass sich die Merseburger die Beleidigungen, die von dieser Horde ausgingen, gefallen ließen. Wir, als Darsteller des Kurfürsten Friedrich August I. und der Hofedelleute, ernteten dafür unverdientermaßen Buhrufe.
Uns entschädigte dennoch das große Interesse, was uns rechts und links des Weges entgegen gebracht wurde. Das Publikum spendete mehrmals begeisterten Applaus, als der Dresdner Hofstaat an ihnen vorbei gezogen kam.
Im Festumzug selbst fanden sich viele engagierte Darsteller, die wie wir dem wohlmeinenden Wettergott und seinem Hitzewetter trotzten und bei alledem mit viel Freude und Enthusiasmus bei der Sache waren. Unter aller Allongeperücken war der Durst groß, den zu stillen nun der Griff ins eigene Portemonnaie vorausging. Wenigstens den Darstellern hätte eine Erfrischung gesponsert werden können. Verwöhnt von Zeitz, harrte nun unsere Majestät auf die öffentliche Tafel, an der er wiederum nicht im Mittelpunkt stehen sollte. Der war von den Organisatoren, dem Bürgermeister zugedacht, welcher aber den Unsinn erkannte, als Zivilist inmitten historischer Kostüme zu sitzen und gab seinen Platz dem Kurfürst König ab.
Ein Teil des sächsischen Hofstaates durfte nun noch die besten Sonnenplätze an der Tafel füllen, der Rest, der darauf verzichtete, verzog sich in die kühlenden Gemäuer des Schlossmuseums und Domes - als zahlende Besucher versteht sich (für Merseburg).
Einige lohnende Programmpunkte dieses 39. Schlossfestes konnten wir noch aufspüren. Die Musik des tollen Mädchenblasorchesters klang uns auch dann noch angenehm in den Ohren, als wir uns erleichtert auf dem Rückweg befanden.
Wir wünschen dem Organisationsteam für 2008, wenn das 40. Schlossfest in Merseburg steigt, eine glücklichere Hand. Wenn das gelingt, sind wir gern wieder mit von der Partie. B.S.

 



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