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Pfingstbarock auf Schloss Planitz.09.-11.05.08

Pfingstspektakel auf Schloss Planitz in Zwickau - 09. bis 11.05.2008

Wir hatten viel erwartet vom barocken Spektakel auf Schloss Planitz und wir freuten uns darauf. Im vergangenen Jahr hatten wir dort bei einer Stippvisite unseren Freund Rolf ZAHREN angetroffen und für uns stand fest, dass wir das Jahr darauf, mit ihm gemeinsam, in Planitz dabei sein würden. Leider gab es widrige Umstände, die eine Teilnahme des authentischsten Darstellers des „Alten Fritz" und seines Gefolges (M.MECHALA & Co.) verhinderte. Das war für uns schon ein Makel, zumal uns dort weder ein Soldatenkönig noch ein jugendlicher Friedrich (in der Rolle völlig überfordert und kaum mit Ähnlichkeit behaftet) begegneten, die uns überzeugt hätten. Nichtsdestotrotz bauten wir frohen Mutes schon am Pfingstfreitag unsere Zelte im weiträumigen Schlosspark auf. Unsere Freundin Sandra GERLACH aus Gotha, die die Oberhofmeisterin Frau von Buchwald, am Hofe Sachsen- Gotha, darstellt, war schon am Donnerstag angereist und wir begrüßten uns mit Hallo. Nach und nach rückten weitere Freunde wie Peter und Andreas aus Blankenburg,oder Ina und Roland aus Hamburg, ein. Eine sehr erfreuliche Tatsache war die, den (zweiten) Darsteller Friedrich des Großen, Steffen LEU, aus Freie Scholle, kennen zu lernen und engere Freundschaft mit ihm zu schließen. Was haben wir am Abend bei „schöngeistigen" Getränken und Laternenlicht gelacht... Der Stimmung Höhepunkt schien (mal wieder) mit den „Moorsoldaten" erreicht.
Allerhand harte Soldatenkerls hatten mittlerweile ihr Quartier aufgeschlagen und wir konnten ihre Exerzierübungen beobachten und uns freuen, „nur" höfische Darsteller zu sein, - völlig ohne den Zwickauer Makel des „verkörperten Militarismus" behaftet.
Einer der Mitorganisatoren Bernhard SCHARECK, der Mann vor Ort, war den ganzen Tag auf den Beinen um das Barockfest einigermaßen pannenfrei über die Bühne zu bringen. Hätte man ihn nur machen lassen, - offenbar gab es sehr viele Verantwortliche, dann wäre es ihm vielleicht auch gelungen. So musste er oft den Prügelknaben spielen, was er gewiss nicht verdient hatte. (Einer der Verantwortlichen kandidierte für das Oberbürgermeisteramt Zwickaus, was ihm letztendlich nicht gelang. Das war für die Stadt wohl ganz gut, denn so wie das Pfingstfest holprig verlief, darf Kommunalpolitik wohl nicht gestaltet werden.)
Wir haben das Beste daraus gemacht und waren am Samstag im Schlossareal präsent, als dort August der Starke und viel Adelsvolk ihren Auftritt hatten. Der Darsteller August II. überzeugte uns wohl, weniger sein Gast aus Preußen (ein Schauspieler der am nächsten Tag eine andere Rolle übernehmen musste) Friedrich Wilhelm der Soldatenkönig. Sein Sohn Friedrich war eher eine Lachnummer und auf die Darstellung August III. von Sachsen/Polen sollte man in dieser Form künftig verzichten. Sein „dummer August" war nicht mal zum Lachen. Mit dem sächsischen Landesherrn hatten wir in der Mittagspause ein vergnügliches Zusammentreffen und stellten fest, dass die Profidarsteller ganz nette Seiten haben.
Am Nachmittag war eine Militärparade im Programm, die unter das Motto „Zeithainer Lager" gestellt war. Es waren Hallerhand uniformierte Kerls anwesend ( „Offene Briefe", die eher lächerlich als ernst genommen werden können, haben offenbar keine abschreckende Wirkung gehabt!) und die zahlreichen interessierten Besucher und das höfische Adelsvolk warteten geduldig, dass sich der Tross endlich in Bewegung setzte. Das gelang nach ewigen Aufreihungsversuchen dann auch noch und das bunte Volk der Uniformierten konnte an den königlichen Herrschaften vorbei paradieren. Es war dann auch schön anzusehen und das bisschen Pulverdampf sollte nicht erneut Unruhe in die Zwickauer Gemüter gebracht haben.
Wir nahmen uns noch die Zeit um der benachbarten Lukaskirche und der Kapelle einen Besuch abzustatten. Wir wurden dort durch Gemeindemitglieder bzw. einen kundigen Führer sehr freundlich aufgenommen und konnten unseren Wissensdurst stillen. Da derartig erfreuliche Momente überwogen haben, konnten wir über manche organisatorische Unzulänglichkeit hinweg sehen, - bis auf eine und die stank zum Himmel, zumindest bis gegen 10 Uhr 00, als das Schloss und damit die gewissen Örtchen aufgeschlossen wurden. (Dafür war ab 9 Uhr 00 der Wasserzapfhahn in der Stadtgärtnerei schon wieder unter Schloss und Riegel.)
Wir meinen, dass die Organisatoren in Zwickau ihre Schlüsse ziehen sollten, - es geht nur besser zu machen und dann wird auch der Hofstaat aus Dresden (mit ihrem König/Kurfürst, - dem diesmal nicht eingeladenen) sich auch gern wieder über Pfingsten am Barockfest zu Planitz freudig ergehen. Für die diesmalige Einladung bedanken wir uns. Wir reisten Pfingstsonntag ab, da wir im Schlosspalais in Zabeltitz schon ungeduldig erwartet wurden.
Text und Fotos: Bernd Schwabe (3 Bilder: Frank.Weise)

Das Schloss zu Planitz in Zwickau

Über der sächsischen Industriestadt Zwickau thront das Barockschloss Planitz. Zerstörung und Verfall haben das Barocke im Inneren des Gebäudes weitgehend eliminiert, aber die Fassade zeugt noch davon, dass im 18 Jahrhundert in diesem Stil am Schloss gebaut wurde. Bauherr war Johann Georg II. von Arnim. 1712 war das Schloss bezugsfertig. Der Schlossgarten musste einem Park weichen, den zwischen 1868 - 1872 Gräfin Isolde von Arnim anlegen ließ und der sich heute noch bei den Zwickauern größter Beliebtheit erfreut. Seit einigen Jahren nimmt er die Biwakzelte anlässlich des Pfingstbarock auf.
Bevor das Schloss1945 aus Privatbesitz enteignet wurde, hatte es die unterschiedlichsten Nutzungsarten, wie Lazarett, Rathaus und Lager. Zu Zeiten der DDR beherbergte es eine Ausbildungsstätte der Deutschen Volkspolizei und war Zentrale der Transportpolizei der DDR. Nach diesen Mietern machte sich von 1991 - 1993 eine umfassende Renovierung und Restaurierung der altehrwürdigen Bausubstanz notwendig. Heute nutzen musisch begabte junge Leute diese Räume, denn das Schloss nahm das „Clara- Wieck- Gymnasium" auf.





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