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Familienfest HISTORICA in Hoyerswerda, - 04. - 05.05.2019

Das Mittelalter trifft das Barock – Familienfest in Hoyerswerda

HISTORICA ein Fest im u. am Schloss der Reichsfürstin von Teschen 

Da das Familienfest HISTORICA heuer schon zum zweiten Mal  in der Stadt  Hoyerswerda veranstaltet wurde, - wie im Vorjahr wieder mit unserem Mitwirken, - scheint sich, neben dem Teschen- Markt, ein weiterer Dauerbrenner mit historischem Hintergrund zu etablieren.

Stark vertreten war das Mittelalter, was auf das Barock traf, welches durch unsere Traditionsgemeinschaft vertreten war und Verkörperung fand. Ich denke, dass das, was unsere Truppe an barocken Elementen gestaltete, sich sehen lassen konnte.

Das sei im Voraus bemerkt. Doch lasst uns chronologisch berichten. Im Dresdner Westen wurden die Pferde gezäumt und es ging über den Berg nach Freital- Zauckerode. Hier stiegen noch Nadin SCHUBERT und Arina ADLER zu und komplettierten mit Regina und Bernd SCHWABE unsere Reisegesellschaft. Gegen 14:30 Uhr setzte sich die Fuhre in Bewegung und los ging es in Richtung Lausitz. Als Ziel hatten wir Hoyerswerda im Kopf, aber ganz so einfach war es nicht. Unsere Silvia hatte Quartier in Wittichenau gemacht und zwar im OT Mauckendorf. Leider kannte die Dame vom Navi die neue Straße noch nicht, sodass wir zunächst eine Lausitz- Rundfahrt unternehmen mussten.

Gegen 16:30 Uhr konnten wir dann an der Pension schellen, unseren ganzen Krempel verstauen und uns häuslich einrichten. Das gelang umso besser, da die Unterkunft von gutem Standart war.

Unsere Chefin Silvia WEISE war schon in der Mittagszeit dort gewesen und eilte dann zum Ort der Veranstaltung. Hier im Schloss stellte sie ihr Geschick unter Beweis, was das Dekorieren von barocken Festtafeln betrifft. Damit die Tafel für alle avisierten Adelsleute komplett angerichtet werden konnte, steuerten Annerose und Siegmar JENTZSCH den Lehnsitz der Teschen direkt an und brachte fehlende Geschirrstücke mit. Als Mitfahrerin saß eine barocke Modepuppe namens Pandora mit in deren Chaise, und die hatte Kleedage reichlich im Reisegepäck …

Im Quartier wurde inzwischen das Abendmahl vorbereitet. Beim Eintreffen der Tafelausstatter konnte die Chefköchin Regina lecker Zungen von Rind und Sau, nebst Zuckererbsen und Abern, auftischen. Alle merkten jetzt das übersprungene Mittagessen und schlugen kräftig zu. Unser Gourmet Rudi FRITZSCHE war des Lobes für die Küchenbesatzung voll und ließ sich gern Nachschlag reichen. Gesättigt und voller guter Erwartungen auf unser Mitwirken am Familienfest, wurde nun noch mit etwas schärferen und weniger scharfen (Cämmerer, Arina) Tropfen nachgespült. Bald zeugten etwas merkwürdige Geräusche, die durchs Haus zogen, dass der Gott Hypnos seinen Tribut gefordert hat.

Am Samstagmorgen wartete auf uns ein opulentes Frühstück „Made in Eigenwork“. Silvia hatte überreichlich Verpflegung rangekarrt, sodass wir alle gut gesättigt in die Roben steigen und gen Hoyerswerda starten konnten.

Wir wurden pünktlich 9:00 Uhr durch die Schlosswache der Fürstin eingelassen und hatten bis zur Eröffnung des Festes 10:00 Uhr noch genügend Zeit um die letzten Handgriffe an der Barocktafel zu tätigen. Gleichfalls ließ sich in dieser Zeit die Madame Pandora von ihren Kammerzofen Heidrun und Martina komplett einkleiden.

Immer wieder ging unser Blick nach Draußen über das Bärenschaufenster des Zoos hinweg zum grauen Himmel hinauf, aber unsere Sehnsuchtsblicke nach Sonne und Trockenheit ernteten keine Gegenliebe. Es regnete, goss, regnete, schüttete, goss und schüttete weiter, was im Außenbereich des HISTORICA- Festes fast alle Aktivitäten unmöglich machte und, verständlicherweise die Besucher fernhielt. Unser erster Auftritt gegen 11:00 Uhr litt auch nicht an Besucherüberfüllung, aber die folgenden drei Auftritte profitierten durchaus von den widrigen Wetterverhältnissen im Schlossaußen- und Zoogelände.

An beiden Veranstaltungstagen wurden wir mit unseren Darbietungen vom Publikum sehr gut angenommen. Es hat sich mancher Schweißtropfen beim Tanztraining gelohnt, denn, ohne Meistertänzer zu sein, haben wir die (meisten) barocken Tanzschritte gut gesetzt. Drei Tänze standen dem Programm zur Verfügung. Davon war einer ein Contratanz und zwei waren Gassentänze. Wir staunten, dass unsere Aufforderungen an die Besucher, mitzutanzen, so regen Anklang fanden, - vor allem am Sonntag.

Silvia führte souverän durch unser kleines Programm Darin hieß es, dass die Dame Pandora, ihre Hüllen fallen lässt. Das machte mit vielen interessanten Kommentierungen, die ehrenwerte Freifrau von Erdmannsdorff. Hilfreich assistierten ihr die Gräfin zu Kostritz. Das Publikum verfolgte dieses barocke Striptease mit viel Interesse und lautem Händegeklapper.

Aber man wollte nicht nur modisches an der Puppe Pandora sehen, sondern auch gern mal selbst als Graf und Gräfin in Erscheinung treten. Vom Museum des Schlosses wurde eine reiche Auswahl an mittelalterlichen Bekleidungsstücken aufgeboten, die von unserer Heidrun mit Barockkleidung, Perücken und Hüten ergänzt wurde.

Mancher sah etwas hohnepiepelig aus, andere direkt schnuckelig. Da war z. B. ein junger Mann aus Löbau, den wir auf der Stelle zum Kurfürsten gemacht hätten, wenn der nur gewollt hätte.    

In einer Pause hatten wir Besuch von altbekannten Mitstreitern der Parade der Geschichte in Rottleberode, den Akteuren der Mittelalterband „Speluden Kahlschlag“ und da wurden Hände geschüttelt. Das nach und nach Erkennen alter Bekanntschaft hatte viel Heiteres an sich, - auf beiden Seiten.  

Mit mehreren Auftritten in unserem Programm integriert, begrüßten wir mit der Hexe Chipraxa auch eine alte Bekannte. Am Kleinen Schloss in Blankenburg konnten wir bereits ihren Geschichten, Sagen und Märchen zuhören. Was auch heuer wieder ein Genuss war.

Bekanntermaßen ist die Frau Reichsfürstin sehr wortlaut und gesprächig, sodass ihr Platz an der Festtafel teilweise frei blieb. Aber während der beiden Veranstaltungstage gab sie uns doch noch die Ehre.

Am Samstag hatten wir, wetterbedingt, wenig Interesse, das ganze Festareal in Schloss und Zoo zu erkunden. Aber am sonnigen Sonntag tat ein Flaniergang, an Kräuterweiblein, Schneeeule, Kinderschminken, Rappenantilope, Ritter, Wurzelgeist und Leopard vorbei, allen unseren guten Sinnen gut.  

Bis zum Ausklang des Festes 18:00 Uhr waren wir an beiden Tagen aktiv präsent, - vor allem am Sonntag war der Saal bis auf fast jeden Platz gefüllt und beflügelten mit ihrem Interesse und Beifall den Tänzer und die Tänzerinnen der TDB- Tanzgruppe. Mit jedem Auftritt klappte es besser und besser. Und am Ende unseres jeweils letzten Tagesauftrittes, ließen Gräfin von Königsmarck und die Hofsängerin Baronessa de Moretti ihr Abschiedslied erklingen.

Der Samstagabend sah uns im Quartier beim Pelmeni- Schmaus, den uns Nadin, als Gruß aus ihrer alten Heimat, kredenzte. Der Sonntagabend hatte zunächst das Ziel, wieder in Zivilklamotten zu steigen und die ganze Pracht der Festtafel und allen Zubehörs reisefertig zu verpacken und dann gen Heimat zu starten.

Das Treffen zwischen Mittelalter und Barock war erlebnisreich und schön, aber auch anstrengend, sodass sich wohl jeder von uns auf die eigenen Federn gefreut hat.

Dass uns das Familienfest HISTORICA so gut gefallen hat und wir wiederum das Gefallen des Publikums fanden, ist dem Einsatz aller unserer Freundinnen und Freunde der TDB zu danken. Silvia hat alles Vertragliche geregelt und die barocke Tafel gestaltet, - assistiert von Annerose und Siegmar. Sie führte auch durch das Programm. Heidrun und Martina hatten viel zu sagen, was die Mode damaliger Zeit angeht, was auch am Sonntag von Silvia übernommen wurde. Unsere Nadin hat mit viel Geduld und Können mit den Kindern gebastelt und war stets stark umringt, fütterte uns mit Pelmeni satt und tanzte mit. Auch Silvia, Regina, Arina, Annerose und Siegmar setzten ihre barocken Tanzschritte zum Gefallen des Publikums.

Danke ist auch Christoph RULAND zu sagen, der unsere Hofgesellschaft mit seiner Person des Reichsgrafen von Hoym verstärkte und Rudi danken wir, dass er den weiten Weg von Leipzig bis nach Hoyerswerda nicht scheute, um als Staatsgast unseres August, den Herzog von Orleans zu geben.

Der olle Cämmerer hätte auch gern mehr getan, als seine kranken Knochen zu schonen. Dafür hat er in seiner Hofcantzeley und Scriptencammer fleißig den Federkiel geschwungen, um Euch wissen zu lassen, was es wiederum in Hoyerswerda zu erleben gab. Dabei sollen seine Lichtmalereien unterstützend wirken. (eingestellt am 07. 05. 2019)

 

Lausitzer Rundschau Ausgabe der Stadt Hoyerswerda vom 06.05.2019

Hoyerswerda. Das Familienfest „Historica“ in Hoyerswerda lud in Schloss und Zoo zur Zeitreise ein. 04. – 05. 05. 2019 Von Katrin Demczenko

Auf eine Zeitreise durch die Jahrhunderte sind am Wochenende die Gäste der 2. Historica – des Familienfestes in Schloss und Zoo Hoyerswerda – gegangen. Kälte und Dauerregen erschwerten zwar am Samstag die geplanten Freiluftpräsentationen. Trotzdem hatten die Besucher bei den Vorführungen des Traditionsvereins Dresdner Barock, bei den mittelalterlichen Handwerkern, bei Schwertkämpfen und den Kinderbelustigungen ihre Freude.

Der fünfjährige Karl ist ein richtiger Mittelalterfan und hat seine Familie überredet, Samstag in den Zoo zu gehen. Mit Regenschirm und wetterfester Kleidung ausgestattet, erkundeten sie den Festplatz und bestaunten bemalte Holzschilde, Schwerter, Streitäxte und Ritterrüstungen der Gruppe Elblandkrieger. Bei besserem Wetter zeigen die Männer in ihren Outfits Schaukämpfe, doch jetzt war die Reparatur ihrer metallenen Kettenhemden dran. Sarwürker heißen die Handwerker, die diese Teile einer Rüstung herstellen und reparieren können, erklärte Alexander Stein mit einer Sarwürkerzange in der Hand. Das Kettenhemd besteht aus 17 000 bis 20 000 Flachringen, die mit dreieckigen Keilnieten verknüpft werden. Es schützt den Oberkörper vor Hieben und Stößen mit Schwertern und anderen Waffen. „Kettenpanzer haben schon die alten Kelten erfunden“, erzählte der junge Mann.

Leon Söhnel ist der Färber der Elblandkrieger, denn Ritter trugen ja Kleidung, wenn sie nicht gerade kämpften. „Krappwurzel färbt rot, Brennessel grün und Löwenzahnblüten gelb“, gab der Lehramtstudent Einblick, der später Chemie unterrichten will. Zuerst muss er die naturfarbene Wolle in einer heißen Lösung mit Alaunsalz und Weinstein beizen. Dann wird sie gespült, getrocknet und kann nun den Farbton des Pflanzensudes annehmen.

Der kleine Karl interessierte sich nun am Stand von Karsten Wollny-Sanftleben für die aufgebauten handlichen Katapulte. Auf den Schlachtfeldern im römischen Reich und später im Mittelalter waren wesentlich größere Exemplare im Einsatz, erfuhren der Junge und seine Familie. Die Waffen wurden vor jeder Schlacht aus Holz und Stricken neu gebaut und sie hatten Räder, um sie in die richtige Schussposition zu bringen. Wie damit auf Burgen geschossen wurde, konnte Karl ganz praktisch ausprobieren. Das genaue Zielen und die Wucht, mit der die Kugel abgeschossen wurde, bestimmten den Erfolg seiner Treffer. Einige Holzklötzchen, die Burgwächter symbolisierten, konnte der Junge von den Palisaden abräumen. Dafür bekam er einen kleinen geschliffenen Achat geschenkt. „Ich will noch Bogenschießen“, drängte er gleich darauf seine Eltern.

Karsten Wollny-Sanftleben gehört zur Gruppe Federwolf aus Torgau. Er zeigte den Besuchern auf der Zoowiese auch die Glasbläserei und das muskelkraftbetriebene Kinderkarussell, das der Verein aufgebaut hatte.

Im Schlosssaal kamen vorwiegend Mädchen auf ihre Kosten, denn sie durften für ein Foto eine Robe aus vergangenen Zeiten anziehen und mit Adligen aus der Zeit des Dresdner Barock tanzen. Das erfreute die elfjährige Josefine aus Rietschen, die mit ihrer Mutter zur Historica gekommen war. „Ich fühle mich toll“, sagte die Schülerin, als sie mit Charlotte Christiane Zarewna von Russland, Anna Catherina Gräfin Orcelska aus Polen und dem Kammerherrn von August dem Starken fotografiert wurde. Die adligen Persönlichkeiten lebten einst wirklich und wurden alle von Mitgliedern des Traditionsvereins Dresdner Barock dargestellt. Die aufwändigen Gewänder entsprechen den historischen Vorbildern, sagte „Gräfin Orcelska“. Der Verein will den Zuschauern Historie, Lebensstil und Kultur dieser Zeit nahe bringen. „Die feine Gesellschaft hat zwar auf eine blasse Haut wert gelegt, gepudert wurde diese aber erst später im Rokoko“, erklärte die Gräfin aus dem Barock.


              

 

  

 

 



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