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Festungsspektakel zu Pfingsten 2018 in Magdeburg

Spectaculum Magdeburgensis zu Pfingsten anno d. J. d. H. 2018 

Zog es die Vereinsfreunde, die nicht den falschen Wetterprognosen von Funk und Fernsehen glaubten und frohen Mutes gen Leipzig zogen , um auf grüner Wiese des Clara- Zetkin- Parks >Wave Gotik< zu frönen und wie im Vorjahr am Viktorianischen Picknick teilzunehmen, so war das Ziel der anderen Magdeburg. Hier war in und um den Gemäuern von Ravelin 2 über das gesamte Pfingstfest (18. – 21. 05. 2018) ein großes Festungsspektakel im Gange, was vom Mittelalter über das Barock/Rokoko bis in die Kaiserzeit mit hohem Personalaufwand ablief. Wir Teilnehmer aus dem TDB, - Silvia WEISE, Annerose und Siegmar JENTZSCH und Regina und Bernd SCHWABE, konnten feststellen, noch nie ein Event besucht zu haben, wo so eine große Teilnehmerzahl anwesend war.

Ehe wir uns aber in diesen Trubel stürzten, war am Freitag erst einmal ein geruhsamer Stadtbummel durch die sächsisch - anhaltische Landeshauptstadt angesagt. Silvia, Regina und Bernd, die schon am frühen Nachmittag vor Ort (Quartier in Langenweddingen) waren, besichtigten u. a. den Dom, das Hundertwasserhaus und so manche verborgene Attraktivität Magdeburgs. Am Abend saßen wir dann noch mit den „Späteinsiedlern“ Annerose und Siegmar im netten Quartier beisammen und veranstalteten Unser >Anhaltinisches Picknick<, - ohne Wave Gotik zwar, aber sehr nahrhaft und feucht…

Nach guter Nacht und Frühstück stiegen wir in die Kalesche und strebten dem Festplatze zu. Mit Glück bekamen wir auch einen platznahen Parkplatz und das Prunkzelt unserer Freunde von der >Flaniergesellschaft der Garnisonsstadt Magdeburg<, welches wir nun über Pfingsten in unsere Obhut und als Obdach in Beschlag nahmen, war auch schnell gefunden.

Zwar lag die Leinwandvilla etwas arg am Rande des Geschehens und wir argwöhnten schon, dass sich nach hier kaum ein Besucher verirren würde, aber das war an allen Eventtagen ein Irrtum. Wir waren für das Publikum, welchem der Rabatz und Radau des Mittelalters zu arg war, ein Ruhepol.

Aber zunächst begann der Tag mit dem Umzug, der (einiger) Festteilnehmer zum Dom. Hier gab es Begrüßungen, Reden und Reden und Gebet und Salven aus den Flinten der Kaiserlichen… Hatte auf der Herfahrt nur das Grafenpaar Zu Nau das Glück einen Platz in einer der Kutschen zugewiesen zu bekommen, wurden dann auf der Rückfahrt alle Herrschaften des Dresdner Hofstaates vom Magdeburger Adel in den Pferdekaleschen heimkutschiert. Bei der „wonnigen“ Hitze eine Wohltat, so wie das kühle Getränk, welches wir uns von den mittelalterlichen Schankleuten einschenken ließen.

Die Adelsherren Graf Watzdorff und Graf zu Nau besichtigten ausgiebig das Festareal mit den vielen mittelalterlichen Händlern und Gewerken, Kräuterweiblein, allerlei finsterem Volke, unüberhörbaren Musikanten,   Malteserrittern (mit ihrer Sau am Spieß), Kaiserlichen und den Schießvorführungen… Das geradezu ohrenbetäubende „Trommelfeuer“ „japanischer“ Paukenschläger hingegen kam zum Barock und sorgte für taube Ohren der Adelsleute. Egal, - das Programm war an allen Tagen vielseitig, - auch wir trugen unseren Teil bei, - und zog die Magdeburger in hehren Scharen an. Besuch bekamen wir auch von den Freunden des Festungsvereins, die sich freuten, dass wir Dresdner erneut bei ihrem Fest anwesend waren, - und das bei einer beinahe unerträglichen schwülen Hitze.

Auch konnten wir, zumeist im Schatten dichtbelaubter Bäume, wieder einige interessante Bekanntschaften schließen. Wenn man genügend Vorstellungskraft hat und gedanklich die Mittelalterkledage mit Bekleidung seiner Zeit tauscht, sollte, - im Karl- Marx- Jahr, - der große deutsche Philosoph nicht zu verkennen gewesen sein… Nette Nachbarn hatten wir auch in den polnischen Soldatendarstellern, die sich mit Stolz als Schlesier vorstellten. Ihrer Einladung zum Besuch ihres Biwaks wurde rege angenommen. Wir hingegen nahmen gern einen kühlen Trunk, spendiert vom Festungsverein, an und gaben das Versprechen ab, nicht das letzte mal hier im Festungsareal mit ihnen zu feten.

Nichtstun, zumal in beinahe unerträglicher Hitze, macht müde und so haben wir das Festzelt der Adelsgesellschaft um Gabi SCHIEBOLD gegen 18:00 Uhr zugeschnürt und uns in unser Quartier unter die abkühlende Dusche begeben. Der Preis war, dass wir Feuerspiele und andere abendliche Bühnenprogramme, nicht mitbekommen haben. Ein Grund unseres „frühen“ Aufbruches war, dass wir unsere Vorsitzende zu ihrer Kutsche bringen mussten, da sie aufs dringlichste gen Heimat zurück musste.

Am Sonntag war der Tagesablauf ähnlich, nur hatten wir nun die Freude, die Adelsgesellschaft der Garnisonsstadt Magdeburg, angeführt von Prinz Rudi, begrüßen zu können. Wir treffen immer wieder gern auf unsere Magdeburger Freunde, - zumal dann, wenn wir deren Besuche unserer Lustlager mit Gegenbesuchen bei ihren Festlichkeiten erwidern können.  Nicht nur Prinz Rudi nahm unsere Huld entgegen, auch Prinz Jano und ein kaum überblickbares Geschwader von Prinzessinnen tat dies ebenfalls. Im Schatten der alten Bäume wurde geratscht, geplant und viel gegen zu trockene Kehlen getan…

Weil es dem ollen Cämmerer auch nicht gerade so sehr gut ging, entschloss sich die Dresdner Hofgesellschaft zum Aufbruch. In der Nähe des Quartiers fand sich keine Gaststätte, die geöffnet hatte, sodass die Suche nach einer gastlichen Lokalität etwas aufwändig war. Aber zurück nach Magdeburg, fanden wir an der Peripherie der Stadt einen Genusstempel asiatischer Küche, wie wir einen derartigen noch nie gesehen haben. Riesig groß und temperiert, mit vielen Bedienkräften, einer überaus gut schmeckenden Küche, riesigen Portionen und (wohl, weil wir in Robe erschienen) mit persönlicher Begrüßung durch den Geschäftsführer. In der Tat, - wo erlebt man dies sonst noch? Alles war gut und der Cämmerer hatte sich daher wieder etwas erholt. Am Abend wurde noch etwas geschnackt und der Ablauf des Pfingstmontags geplant. Danach gute Ruh…

Den Montagmorgen gingen wir ganz gemütlich und ohne Hektik an. Schnell war die Bagage in den Autos verpackt und wir starteten gen Heimat. Zunächst per Landstrasse, denn wir wollten den dort gelegenen Stammsitz unseres sächsischen Fürstengeschlechtes, die Stadt Wettin besuchen. Hoch über der Saale grüßte die Burg schon von weitem und steil bergan eroberten wir uns den Ursprungsort unserer Wettiner. Wir (Regina und Bernd) waren nicht das erste Mal hier und sie hatten Annerose und Siegmar nicht zuviel versprochen. Wer als Sachse die Geschichte seiner Heimat lebt, muss schon mal hier gewesen sein. Eine wunderbare Panoramaaussicht über das liebliche Saaletal mit seinen sanften Hügelketten, entschädigt für die Schweißtropfen des Aufstieges.

Nun ging es endgültig heimwärts, - ganz ohne den befürchteten Feiertagsrückstau auf der BAB, - womit sich ein wunderbares Pfingstwochenende für Heidrun, Günther, deren Gästen Yo Hsuan, Tao und Yu- Ju, Silvia, Annerose, Siegmar, Regina und Bernd dem Ende zuneigte. Dabei ist keiner von ihnen unter Pomeranzenbäumen gelustwandelt…

Also dann aufs Picknick 2019 bei Clara im Grünen und anschließendem Trubel einer aufgemischten altehrwürdigen Festung in Magdeburg. Text und Fotos: Bernd Schwabe (eingestellt am 30.05.2018)

     

 

 

 

 



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