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13.Leinentage im Schloss Rammenau,30.-31.08.08

13. Internationale Oberlausitzer Leinentage in Rammenau 30./ 31.08.08
„Welchen Bezug hat Ihr Verein zu Leinen und zu den Leinentagen hier im Barockschloss Rammenau?" So lautete die Frage einer Pressedame, bei deren Interview unserer Vereinsvorsitzenden Silvia WEISE während unserer aktiven Teilnahme an dieser Veranstaltung.
Die Antwort fiel nicht schwer, - die historisch nachempfundenen Zelte unseres kleinen Biwaklagers sind aus dem hier gefeierten Material. Die Kulisse des Barockschlosses drückt das aus, was unser Anliegen ist, nämlich die Pflege des Barock und das allseitige Näherbringen dieser Zeit. Unsere Roben sind rundweg aus Naturstoffen gefertigt. Den Beweis lieferte die interviewte „Gräfin von KÖNIGSMARCK" augenscheinlich auf dem Fuße, indem sie ihre Röcke leicht anlüpfte und das durchweg leinene Darunter zeigte.
Wir vom TDB fühlten uns hier im Areal des Barockschlosses am richtigen Ort und, obwohl wir auch lohnenswerte Einladungen nach Berlin (Historiale) und Gotha (Schloss Friedenstein) hatten, unsere Teilnahme in der eigenen Region war uns wichtig und entpuppte sich als richtig. Vom Publikum sehr gut aufgenommen, - es handelte sich um einen hervorragenden, sehr aufgeschlossenen, interessierten und netten, sehr zahlreichen Besucherstrom - hatten wir mit Erklärungen über unseren Verein, unser Anliegen und die von uns verkörperten Personen, sowie über die Zeit des Barock in Sachsen, viel zu tun und waren an beiden Tagen sehr in Anspruch genommen. Das war teilweise anstrengend, aber ebenso machte es einen Heidenspaß und brachte uns viel Befriedigung.
Zu diesen „13. Internationalen Oberlausitzer Leinentagen" (30./ 31.08.08) gaben wir wie gesagt unser Debüt, und das Drumherum, das herrliche Areal des Parks und der schöne barocke Schlossbau, die weiteren Beteiligten, ob nun als Händler (wie das nette „Zittauer Sternchen" Kerstin, der wir ein Geburtstagsständchen brachten) oder Darsteller, sowie das Rahmenprogramm, haben uns ausgesprochen gut gefallen. Wir waren uns der Ehre auch bewusst, dass wir unsere Leinenvillen auf dem Rondell vor dem Schloss aufstellen durften, war es doch in den Vorjahren noch verpönt, dass die Besucher der Leinentage dieses geheiligte Grün betreten. Heuer war diese Wiese arg strapaziert, denn der Dresdner Hofstaat mit August dem Starken hatte viel Besuch darauf zu empfangen. Besonders freute uns das Wiedersehen mit unseren Potsdamer Freunden der Gruppe „les danseurs de San, Souci" mit Mike SPRENGER als Maitre de plaisier an der Spitze. Noch mehr erfreute es uns, dass sich anfängliche Nebelschwaden sehr schnell im Laufe dieses Wochenendes wieder verzogen haben, und so war die gemeinsame Tafel des Dresdner Hofstaates und der Adelsleute aus Preußen für uns, und nicht weniger für die Festbesucher, ein besonderer Höhepunkt. Den Besuchern bot das Rahmenprogramm einige Höhepunkte mehr, und es seien hier beispielhaft genannt: die „Big Band Bischofswerda", das „Sächsische Polizeiorchester" und stark umlagert die Band aus Irland „MC COLGAN-Trio".
Aber uns vom TDB hat ein Künstler ganz besonders gut gefallen, was gewiss seinem Können, aber auch seiner aufgeschlossenen und freundlichen Art zuzuschreiben war. Der „französische" Akkordeonspieler Mattheu PALLAS bezauberte uns mit seinem Charme, seinen Liedern und seinem Vermögen, aus dem Stehgreif heraus, mit unserer Hofsängerin gemeinsam zu musizieren. So kamen die Besucher der Leinentage auch noch in den Genuss barocken Liedgutes und das nicht nur einmal. In den Rahmen dieses Festes hätte das „Kurfürstlich-Sächsische Barockensemble" gut gepasst und dem Motto der Veranstaltung „Rendezvous mit unserem Schloss" den passenden musikalischen Schwung gegeben. Daher sollte man, seitens der Veranstalter, bei den nächsten Leinentagen dieses kulturelle Angebot annehmen. Das Eröffnungszeremoniell am Samstagmittag vor der Schlosskulisse, mit Adelsleuten aus Sachsen und Preußen, Handwerkern und Landleuten mit ihren Erzeugnissen, unvermeidbar auch einigen Offiziellen aus Landrat und Schlossverwaltung, sowie Figuren aus dem Volksgut der Sorben, mit ihrem reichen Sagenschatz, sorgte für einen weiteren Höhepunkt.
Der „Sorbische Faust" KRABAT und der SCHWARZE MÜLLER kamen per Kutsche mit feurigen Rappen bespannt aus der „Krabat- Mühle Schwarzkollm" und zeugten damit von der lebendigen sorbischen Folklore hier im Gebiet der Oberlausitz.
„Tradicije Serbow maja prichod" - ja, die sorbische Tradition hat eine Zukunft und sie bereichert unser Leben. Uns hat KRABAT und SCHWARZER MÜLLER sehr gefreut, und ihr Besuch in unserer „Zeltstadt" hat uns geehrt. Das hätte, nach einem Besuch unseres Vorstandes beim Chef der Schlösserverwaltung und dessen zugesagter Unterstützung für künftige Unternehmungen unseres Traditionsvereins, auch ein Besuch des Direktors STRIEFLER an unseren Zelten bewirkt. Und wir hätten einige Ideen für die lebendige Barockpflege in Sachsen anzubieten....
Im Spiegelsaal des Schlosses konnten die Besucher mehrmals den Tanzkünsten der Potsdamer Gruppe ansichtig werden. Erfreulicherweise nahmen sich die Freundinnen und Freunde der „le danseurs de Sans, Souci" die Zeit, um mit einigen interessierten Hofschranzen aus Dresden Tanzschritte der Barock-/ Rokoko-Zeit einzustudieren. Derweil gab im Schlosshof der Drehorgelmann die musikalische Untermalung zu einigen Liedern beliebter Operetten, dargeboten von unserer „Sächsischen Nachtigall". Der Kurfürst/ König Friedrich August, nebst seinem treuen Kämmerer, Mätressen, Hofdamen und seiner Tochter Anna Catherina von Orczelska, Herzogin von Holstein (dargestellt durch unsere Freundin Sabine) hingegen waren stark mit der Beantwortung von Fragen der Besucher beansprucht. Zu einer dieser Runden gesellte sich, ganz unauffällig aber ebenso interessiert, der Träger eines großen Namens, der hier zu Rammenau gehört, Herr von KLEIST, mit seiner Feststellung, dass wir zu den Historiendarstellern aller bisherigen Leinentage gehören, die ihm am Besten gefallen haben: „Ihr Auftritt gefällt durch die edlen und stilechten Roben, ihr Wissen über die Zeit des Barock und ihr stilechtes und würdevolles Auftreten...". Diese Einschätzung, von den uns umlagernden Besuchern bestätigt, fast zum Ende der 2008'er Leinentage, hat uns sehr gefreut und wird uns Auftrieb geben auch künftig bei derartigen Events in dieser hervorgehobenen Art und Weise zu agieren.
Eine Einladung für die nächsten, die 14. Leinentage, würden wir bestimmt gern annehmen. Nun ist die Schlossherrin Frau Roswitha FÖRSTER gefordert. Uns ist es ein Bedürfnis, Ihr und Ihren (nur) acht Mitarbeitern ganz herzlich für dieses stimmige Event zu danken. Wie wir hörten, haben gut 18 000 Besucher den 13. Leinentagen die Ehre gegeben, (trotz gestiegener, nicht eben sehr familienfreundlicher, Eintrittspreise) was dem Organisationskollegium hohe Anerkennung für ihr Fest bezeugt.
Hoffen wir, dass die zahlreichen Händler mit ihren Ständen an Leinenprodukten, Kunstgewerbe, typischen landwirtschaftlichen Erzeugnissen der Lausitz u. v. m. auch zufrieden sein konnten. Ihre „Budenstadt" gab dem Fest ebenfalls ein gutes Gepräge, ohne sich mit dem barocken Ambiente von Schloss und Park zu reiben.
Rammenau war ein Erlebnis, und den Leinentagen ist eine gute Zukunft zu wünschen.

 



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