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Gemeinsamer Opernbesuch des TDB in Leipzig - 11.02.2018

Ein Vereinstermin mit hohem kulturellem und unterhaltsamem Wert:

Als Dresdner Hofstaat Gast des Leipziger Opernhauses

Aufführung der Oper >>Der Rebell des Königs<< von Charles Gounod

 

Gern erinnern wir uns an den 1. Mai des Jahres 2014, als wir unsere Freunde der Dresdner Barockszene dazu einluden, mit uns gemeinsam und in Robe, die Semperoper zu besuchen, da dort gerade eine Barockoper gegeben wurde. Noch ganz voll positiver Erinnerung, hörten wir ganz aufgeschlossen, ja begeistert, den Vorschlag unseres Leipziger Vereinsfreundes Rudolf FRITZSCHE, der uns damit den Besuch einer, erst kürzlich dem Vergessen entrissenen Oper von Gounod, schmackhaft machte. Zumal, wie sich herumgesprochen hatte, dass es sich um eine prächtige Ausstattungsoper handelt, ganz im Zeitgeist der Handlung, die im Jahre 1642 spielt. Also musste nicht befürchtet werden, dass das Bühnenbild eine Ölraffinerie darstellt, oder eine Wäscheleine an der ein paar schmutzige Handtücher hängen und die Akteure in Weltkriegsuniformen auf der Bühne stehen. Rudis Begeisterung steckte an und unsere Vorsitzende Silvia WEISE kümmerte sich um alles Weitere.

Dann war es soweit. Am Sonntagmittag bestiegen wir unsere Chaisen und strebten die Stadt Leipzig mit ihrer Neuen Oper an. Damit wir auch unkompliziert die Zufahrt der unterirrtischen Remise finden würden, sammelten wir uns am Palais „De Sammete“ des Herzogs Philipp (Rudolf FRITZSCHE), der uns dann in der Kutsche des Grafen Weißenberg zu Ossig, als Scout diente,- denn ein Verfehlen der Einfahrt des Kutschhofes (Parkhaus) würde eine ausgiebige Stadtrundfahrt zur Folge haben. Die hatte dann die Kutsche des Reichsgrafen von Watzdorff (Siegmar JENTZSCH) auch, da der im Palaver mit dem Cämmerer Grafen zu Nau (Bernd SCHWABE) die Einfahrt doch verpasste. Irgendwann, - aber noch überpünktlich, konnten dann doch noch die Rosse am vorgesehenem Ort ausgespannt werden.

Im Gefolge unserer Weiblichkeit (die die besseren Kaffeeschnüffelnasen hat), - Gräfin von Königsmarck (Silvia WEISE) und der Baronessa de Moretti (Regina SCHWABE), sowie der Reichsgräfin von Watzdorff (Annerose JENTZSCH), fanden wir schnell den Weg zum Opern- Café. Hier erwartete uns köstliche Himbeercremetorte und ein ziemlich miserabler Kaffee (zumindest beim koffeinfreien des Cämmerers).

So gestärkt hieß es nun der Einladung zur Einführung in die Oper zu folgen. Denn ehrlicherweise sei gesagt, dass uns Gounods Werk unbekannt war.

Da halfen die einführenden Worte der Dame der Besucherinformation sehr:

„Frankreich im Jahre 1642: Der machthungrige Kardinal Richelieu ist als Erster Minister und engster Ratgeber von König Louis XIII. zum unangefochtenen Herrscher im Staat aufgestiegen. Doch die Partei des Königs erhält Unterstützung: Der junge Marquis de Cinq-Mars, einst von Richelieu selbst an den Hof geholt, steigt zum Günstling des Königs auf und schmiedet gemeinsam mit seinem Freund Conseiller de Thou und anderen Adligen ein Komplott gegen den Kardinal. Bestärkt wird er darin durch seine heimliche Liebe zur Prinzessin Marie de Gonzague, die Richelieu an den polnischen König verheiraten will. Doch Richelieu hat seine Spione überall: Seinem Handlanger Pater Joseph, der »grauen Eminenz«, gelingt es, den Verrat aufzudecken und durch geschickte Intrigen und Manipulationen für die eigenen Zwecke zu nutzen. So stellt er die Begnadigung Cinq-Mars’ in Aussicht, wenn Marie de Gonzague der politisch motivierten Heirat zustimmt. Um ihren Geliebten zu retten, willigt die Prinzessin ein. Doch vergebens: Der Rebell des Königs endet nun doch auf dem Schafott.“ (Text: Oper Leipzig)
Nun wissend, begaben wir uns auf einen Erkundungsrundgang durch das Opernhaus, welches in den 1960er Jahren errichtet wurde und noch heute seinen Charme hat und davon zeugt, dass auch in der DDR großartige Vorhaben verwirklicht wurden. Aber wem sagen wir das, - wir, die wir aus der Stadt der Semperoper kommen. Wir waren aufs angenehmste berührt, auch davon, dass wir von den nun zahlreich in den Musentempel strömenden Opernbesuchern, so zahlreich und interessiert angesprochen wurden, - auch von Vertretern des Hauses. Es war schon eine gute Idee, in unseren Roben zur Opernaufführung gekommen zu sein. Dabei haben wir kaum geahnt, was für Pracht an Bühnenkostümen und Bühnenausstattung uns erwarten würde. Auch die Besetzungsliste und das dann von den Akteuren Gehörte und Gesehene, war überraschend und höchsterfreulich.

Pünktlich 18:00 Uhr ging der Vorhang auf, der in seiner goldenen Rahmung schon auf ein nun folgendes prächtiges Specktakulum neugierig gemacht hatte.

Vor unseren Augen und Ohren entspannte sich nun die Geschichte einer unglücklichen Liebe, von Macht und Intrige und der Zeit des Französischen Hofes im 17. Jahrhundert.

Ein hervorragendes Opernensemble wusste zu begeistern. Alle liefen zu Hochform auf, aber dennoch will der Rezensent hier den Tenor Mathias VIDAL, als Marquis de Cinq – Mars hervorheben, - und ebenfalls die Darstellerin der Marie de Gonzague Fabrienne CONRAD und die beiden Baritone Mark SCHNAIBLE (Pére Joseph) und Jonathan MICHIE (Consailler de Thou).

Auch das Ballett, stark im Einsatz (2. Akt), - beeindruckte sehr. Aber der Chor der Oper Leipzig war wahrhaftig >>Stimmliche Gewalt<<. Letzterer erzeugte Gänsehaut. Fantastisch.

Die Oper, in diese erhebende stimmliche Gewalt zu bringen, war dem Gewandhausorchester unter Stabführung David REILAND vorbehalten und gelang!!!

Es hatte sich gelohnt, unter der Allongeperücke und im Justaucorps ziemlich heftig zu schwitzen (das war kein Transpirieren mehr).

Wie formulierte der Theaterkritiker André SOKOLOWSKI:

„Als Gesamtdauer war'n zwei Dreiviertelstunden ausgewiesen - doch es dehnte sich in hochbrutaler Wahrheit auf satt-dicke drei geschlagene Aufführungsstunden (incl. Pause).“ Die künstlerisch, - Gesang, Ballett und Ausstattung, - so hervorragend ausgefüllt waren, dass man dennoch nicht unruhig auf den Sitzplätzen herumrutschen musste.

Nachdem das Publikum einige Male an unpassender Stelle geklatscht hat, war dann der Schlussapplaus verdientermaßen heftig und lang anhaltend. Da waren auch Bravorufe zu hören und teilweise stehende Ovationen zu sehen.

Nach 140 Jahren ist die Mantel- und Degenoper "Der Rebell des Königs" oder "Cinq-Mars" von Charles Gounod wieder auf einer Opernbühne zu sehen. Erstaufführung dieser Inszenierung hier  in Leipzig, war am  11.06.2017 .  Vorher wurde die Oper 1878 zum letzten Mal  in Paris aufgeführt und verschwand dann aufgrund eines Mangels an Sängern aus dem Repertoire.    Mit der Wiederentdeckung dieser weitgehend vergessenen Oper von Charles Gounod wurde hier in Leipzig ein wahrer Schatz der Musikgeschichte gehoben,  -inspiriert von den historisch verbürgten Ereignissen rund um den hingerichteten Verschwörer Marquis de Cinq-Mars.

In der Tat, wir erlebten einen packenden Historien- Thriller, an den wir noch lange denken, - und unsere Freude am Erlebten haben werden.

Dem Regisseur Anthony PILAVACHI, der Choreografin Julia GRUNWALD, dem Ausstatter Markus MEYER und Alessandro ZUPPARDO für die Choreinstudierung, sowie dem Orchester unter David REILAND, ist dieser vergnügliche Opernabend zu danken.

Es war ganz einfach ein Genuss.

Mit einer Wiederholung der Stadtrundfahrt durch Leipzig, jetzt im Glanze seiner abendlichen Lichter, ging es nun gen Heimat. Zum Glück war vom vorausgesagten Schneetreiben nur ganz wenig zu spüren, so dass wir gut in Dresden anlangten und noch knapp vor 24:00 Uhr in die Federn kamen.

Das war wirklich ein lohnender Ausflug nach Leipzig, - nach gutem Einfall unseres Freundes Rudi und der Kartenbesorgung durch Silvia. Im ausverkauften Hause erlebten wir ein Sittenbild aus der Zeit des Frühbarocks, was uns sehr bewegt hat. Hoffentlich denken Regisseure, Intendanten, Ausstatter und Geldgeber bei künftigen Vorhaben daran, wie gut das Publikum diese historische Oper, in ihrem historischen Gewand, aufgenommen hat. Text und Fotos: Bernd Schwabe (eingestellt am 13.02.2018)

 



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