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Senftenberger Festungsspektakel - unser Besuch am Sonntag, den 24.07.2016

Kanonendonner und Pulverdampf, Handwerkskunst, herausgeputzter Sachsenadel und Knöllchen von der Stadt:

Spektakel >>Sachsens Festung in Brandenburg<< am 24. Juli in Senftenberg

Wir wollten nicht glauben, dass heuer noch ein Event möglich wäre, wo auf dem Weg und am Ort des Geschehens die Himmelsschleusen geschlossen bleiben würden. Doch das traf überraschenderweise am Wochenende 23./24. 07. 2016 ein. Nichts hätte dem im Wege gestanden, so wie in unserem Programm ausgewiesen, am Samsatag, den 23. Juli in Senftenberg dabei zu sein. Da aber eine Mail des Veranstalters besagte, dass wir am Sonntag lieber mit unserem Tagesausflug gesehen wären, planten wir um und trafen uns am Sonntagvormittag pünktlich 11:00 Uhr an der Runden Festungspforte. Hier waren (fast) alle unsere 14 Teilnehmer vor der Einlasspforte zum Gruppenfoto versammelt.

Schon der Eingangsbereich bezeugte, dass Schloss und Festung Senftenberg in baulich sehr gutem Schuss erhalten ist. Nach unserem Verlassen der Poterne empfingen uns am Festungswall musikalische Töne mit Trommeln und Pfeifen der Schlosswache von 1757 des sächsischen Glauchau. Das 3. Kreisregiment und das AR „Alter Stolberg“ waren weitere sächsische Truppenteile, die die Gelegenheit gehabt hätten, ihren obersten Feldherrn und Kurfürsten Friedrich August mit allen militärischen Ehren zu empfangen und zu begrüßen. Aber man war wohl zu sehr darum bemüht, dem Publikum Erläuterungen zu ihrem Tun zu geben, was ja auch sehr lobenswert ist.

Nun, der Landesherr lenkte seinen Weg weg von den sächsischen Feldlagern und besuchte den Handwerker- und Händlermarkt , der sehr viele schöne Dinge (an)zu bieten hatte. Am preußischen Feldlager des Freycorps von Kleist wurden der sächsischen Majestät dann alle militärischen Ehrerweisungen zuteil… Ein Besuch des Fürsten beim IR Sachsen- Weißenfels (1704 – 1746) schloss sich an.

Mit einem Schaugefecht setzte sich das Programm des Festungsspektakels fort. Hierbei wurde die Festung von den Sachsen verteidigt, an die Preußen verloren, von den Unsrigen freigekämpft und letztendlich wieder in preußische Hand verloren. Das wurde sehr publikumswirksam dargestellt, - mit viel Gebrüll der Donnerrohre und Pulverdampf en masse…

Dann folgten leisere, eher liebliche Töne, als >>Les amis de la danse baroque << aus Meißen in den inneren Schlosshof einlud und , - mit Verstärkung vom >>Potsdamer Rokoko<<, Tänze des Spätbarock und Rokoko darbot. Die sächsische Majestät, die ja auch sehr gern Tanzschritte aufs Parkett setzt, so sie nicht die kuschelige Wärme der Betten der jeweiligen Mätresse vorzieht, verfolgte, ebenso sein Hofstaat, die Darbietung mit viel Interesse.

Hernach gab sich Majestät so frei und richtete das Wort an das barockinteressierte Publikum. Danach bat er seine Hofgesellschaft zur Bühne, wo sich diese persönlich vorstellte.

Nun galt es für den Hofstaat nur noch, etwas Farbe und barockes Flair ins Festgeschehen zu bringen. Das ist wohl gut gelungen. Da unsere Majestät August der Starke, - respektive sein Darsteller Werner POHLE, gebürtiger Senftenberger ist, lud diese ein, einige schöne Punkte auf dem Festungswall und drum herum zu erkunden. Die Festung im Typ einer Zitadelle existiert bereits seit dem 16 Jh., wobei sie zwischen 1446 und 1814 zum Kurfürstentum/Königreich Sachsen gehörte. Bis 1764 wurde die Festung militärisch genutzt, - danach war sie Gefängnis, Schule und Heimatmuseum. Werner zeigte uns auch den umgebenden denkmalgeschützten Park, der uns in seiner Lauschigkeit emotional sehr angesprochen hat. Gegründet wurde der Park 1912  als „Kaiser- Wilhelm- Park“, um nach 1918 dieses Namens verlustig zu werden. Schon 1911 wurde ein Denkmal für den Turnvater Jahn errichtet und 1962 folgte ein Mahnmal für die Opfer des Faschismus. Vom, zugunsten des Parks zugeschütteten Schlossteich, verblieben im Osten der Anlage noch einige Restwasserflächen die mit wirkungsvoller Ufervegetation und Seerosen bepflanzt sind. Alles sehr dekorativ und ansehenswert.

Nach diesem Exkurs in die Umgebung der Festung, zog es uns wieder hin zu dieser. Da es mittlerweile recht mummelig - warm wurde, zog sich Majestät und sein Hofstaat wieder in die Kühle des Schlosshofes zurück. Hier lernten wir die Madame eines rechten Scharlatans und Lebenskünstlers, des vorgeblichen Goldmachers Hecktor von Klettenberg kennen. Im Gegensatz zu ihrem Gemahl, der kaum etwas brauchbares in seinem Leben geschaffen hat und dieses daher auch auf der Festung Königstein lassen musste, entpuppte sich diese als exzellente Geschichtenerzählerin und wir alle hörten ihr gespannt zu, als sie uns das Märchen von der (heiligen) Frau Holle vortrug. Der Vortrag fesselte uns, - kein Wunder, die da hinter der Madame von Klettenberg versteckt war, ist sonst als Monika AUER die Märchenerzählerin im Schloss Senftenberg… Die gute Frau tat uns recht leid, denn ihr „Kleid“ (besser Leid) war ein schwerer unhandlicher mit Stoff bespannter Metallkäfig, - ein Marterinstrument. Die zuständige Schlossverwaltung sollte Frau AUER eine gesunde Gewandung spendieren.

Mittlerweile war es später Nachmittag und Majestät gab den Wink zum Aufbruch. Der geschah dann auch nach herzlicher Verabschiedung der vielen hier wieder getroffenen alten Freunde und Bekannten. Ach wie waren wir froh, dass es unseren Michael HELM noch gibt. Abschied mit Tränchen.

Tränen des Zorns dann an unseren Kaleschen, wo alle unsere drei Gespanne, mit städtischen Knöllchen "verziert", vorgefunden wurden. Man wird doch die Leute, die mit ihrer Darstellung am Gelingen des Festungsspektakels der Stadt Senftenberg teilhaben, nicht fürs nächste Mal vergraulen wollen? Mit diesem etwas unfreundlichen Schlussakkord und der Hoffnung, beim nächsten Festungsspektakel eine Parkgenehmigung zu erhalten, verabschiedeten wir uns von Senftenberg und einem hier verlebten netten Nachmittag. Text und Fotos: Bernd Schwabe (eingestellt am 26.07.2016)

 



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