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7. Magdeburger Festungstage

Wir folgen der Einladung unserer Freunde der Adelsgesellschaft der Garnisonsstadt Magdeburg und dem Ruf des Sanierungsvereins Festungsanlage Ravelin 2 e.V.

 

Schnuppern bei den 7. Magdeburger Festungstagen (07. Mai 2016)

Wir hatten schon in den Vorjahren von diesem Magdeburger Event gehört, aber diesem weniger Beachtung geschenkt, zumal wir immer wieder zu hören bekamen (nicht nur aus Magdeburg), dass es sich bei derartigen Veranstaltungen um rein militärische handelt und dort Leute des Hofstaates (egal aus welcher Residenz) fehl am Platze wären. Nun aber erhielten wir eine Einladung der Ravelin 2- Vereinsfreunde, die in der Teilnahme von Barockleuten bei ihrem Event eine Bereicherung desselben sehen. Und auch unsere langjährige Hobbyfreundin Gabi SCHIEBOLD äußerte, dass sie uns gern zur Verstärkung der Hofgesellschaft dabei hätte. So also nahmen wir uns einen diesbezüglichen „Schnupperkurs“ in Magdeburg vor. Wir, Regina und Bernd SCHWABE wollten mit unserer Teilnahme an den Festungstagen einen Höhepunkt unseres Urlaubs, den wir am Rande Magdeburgs verlebten, setzen. Nach Brocken, Hexentanzplatz, Quedlinburg, Gernrode, der sehenswerten Magdeburger Innenstadt und des Zoos, sowie einem Abstecher nach Leipzig, waren wir auf das Festungsspektakel und unsere Aufnahme dort sehr gespannt.

Gern folgten wir Gabis Einladung in ihr Haus und von dort mit „Sack und Pack“ (dem so überaus dekorative Festzelt der Adelsgesellschaft) zum Festgelände. Hier wurde uns vom Veranstalterverein der Platz für das Zelt zugewiesen und wir erfuhren, dass die 2016er Festungstage erstmals an diesem neuen Ort, - einer anderen Festung in Magdeburg (bisher Festung Mark), der Anlage Ravelin 2 stattfindet. Und ausdrücklich wurde betont, auch auf dem Ankündigungsplakat des Events, dass das Barock dort als Bereicherung angesehen wird und neben Militärs der Barockzeit auch deren höfische Vertreter gern gesehen sind. Das machte uns besondere Lust und neugierig auf diese 7. Festungstage der (ehemaligen) Garnisonsstadt Magdeburg. Während unter den geschickten Händen von Klaus und Petra (unsere Mithilfe mussten wir etwas aufzwingen) das Prachtzelt der Adelsgesellschaft aus Packen von Leinewand, Stricken und Seilen und von Stangen zu solchem erstand, konnte der olle Cämmerer mit Freunde eine „Dame der flinken Nadel“ begrüßen, Rosi RÜPPEL mit Familie. Diese Gewandnäherin aus Frankfurt/Main hatte ihm seine erste Barockrobe erstellt und ihm damit den damaligen Einstieg in das darstellende Barockhobby ermöglicht. Viele weitere Freunde und gute Bekannte schlossen uns nun noch in die Arme. René DWARS und Eltern, Dieter ROSENTRETER, Roland BITTNER und Familie, später Matthias LEWONIG mit Marie, die Schweizerische Feldpost und weitere Damen und Herren der Magdeburger Adelsgesellschaft waren gern gesehene Mitstreiter.

Als sich dann der Tag dem Abend zuneigte, folgten wir gern der Einladung unserer Gastgeberin Gabriele SCHIEBOLD zur Abendbrottafel vor dem Zelt. Nun verabschiedeten wir uns erst einmal, - auch für den Freitag, denn wir wollten es uns nicht nehmen lassen, einen Blick in die Bewertungsbecken der 46. Internationalen Killifisch Gemeinschaft in der Alten Messe Leipzig zu werfen (schließlich war der Rezensent 10 Jahre lang Präsident dieses großen speziellen Vivaristik- Vereins). Auch hier gab es viele herzliche Begrüßungen.

Als wir am Abend noch mal im Festungsareal auftauchten, um den Getränkevorrat etwas zu erhöhen, war das Zelt schon in seiner ganzen gewohnten Pracht eingerichtet und würde an den zwei Folgetagen gewiss echte Hingucker für das Publikum sein.

Während unsere Adelsfreunde zum Festumzug rüsteten, - Gabi hatte mehrere Kutschen organisiert, traten wir unseres Dienst als hochadelige Zelt- Schließ- und Bewachgesellschaft an.

Als gegen 12:00 Uhr der Festumzug mit klingendem Spiel (Spielmannszug Berlin- Pankow) zurück in das Festungsareal einzog, konnten wir neben weiteren guten Freunden auch unsere kursächsisch- polnische Majestät August den Starken (in persona Werner POHLE) begrüßen. Es hat uns sehr gefreut, dass er den Weg zu diesem Tagesausflug nicht gescheut hat.

Die Magdeburger Adelsgesellschaft, verstärkt durch vier erstmals dabei gewesenen (und von Gabi eingekleideten) Elevinnen, sah sich durch den huldvollen Besuch des Sachsenfürsten geehrt.

Gemeinsam mit seinem Cämmerer besuchte er nun einige der ausgewiesenen Programmpunkte und dabei auch den Vorstellungsappell der beteiligten Darstellergruppen. Dieser, so möchte der Rezensent einschätzen war etwas misslungen, - zu lange hinziehend und durch unzureichende Tontechnik kaum zu verstehen. Da war uns auch das laute Organ eines Obermilitärs recht misslich und der Besuch aus Sachsen (der nicht als Staatsbesuch ausgewiesen war) zog sich in die Gastlichkeit des Prachtzeltes zurück, wo er gern der Einladung der Gastgeberin zu lecker Törtchen, Bienenstich, Handmade- Pralinees und starkem Türkentrunk folgte, - der olle Cämmerer übrigens auch. Es war alles wieder so liebevoll hergerichtet, dass man sich wie in Familie fühlen konnte. Eine wirklich nette Runde mit gestandenen Adelsleuten, kleinen dreikäsehochigen Prinzessinnen und ganz souverän (wie ein Alter) unser Prinz Rudi, der uns seine nagelneue Barockgewandung, nicht ganz ohne Stolz, präsentierte. Er hatte schon bei seiner Referenz für den hochfürstlich- durchlauchtigen Gast August II. anerkennende Blicke und Worte des Publikums auf sich gezogen. So elegant und mit Grazie zieht halt nur unser kleiner großer Prinz Rudi seinen Dreispitz. Und er weiß auch, wo und bei wem er dies zu tun hat Da kann sich mancher alt gediente und laute Adelsmann eine Scheibe abschneiden.

Majestät ließ es sich nicht nehmen, seine „Sachsen hoch zu Ross“ im Kavallerielager zu besuchen. Freudig und geehrt erwiesen die Mannen des 19. Kgl. Sächs. Husaren- Regiments „Königin Carola“ von 1791 aus Grimma „ihrem“ Souverän die Ehre, - uneingedenk des Umstandes, dass sie ritten, als dieser Kurfürst schon lange keinen Schenkeldruck mehr hatte…(weder zu Pferde, noch bei Mätresse…). 

Nach einem Umtrunk mit den Grimmaer Husaren begaben sich Majestät weiter und besuchten S.K.H. Prinz Heinrich von Preußen, was ein Gespräch zur Folge hatte, bei dem  unser sächsischer Feingeist kaum zu Worte kam. Auch dem jüngsten Bruder Friedrich II. Prinz Ferdinand gewährte der König in Polen und Kurfürst von Sachsen eine Audienz, - hatte man sich doch erst im vergangenen Jahr in Königs Wusterhausen getroffen.

Doch dann scharrten die königlich- kursächsischen Rösser mit den Hufen und auch der Majestät Adjutant Campio hatte Heimweh auf Sachsen… So verließ uns unser Starker August und gegen 8 Uhr am Abend verspürte der ehrenwerte Cämmerer Graf zu Nau und seine Gräfin das Bedürfnis nach waagerechter Ruhelage…

Wir verabschiedeten uns in aller Herzlichkeit und mit Dank für den wirklich schönen Tag als Gäste der Magdeburger Adelsgesellschaft und des Sanierungsvereins Festungsanlage RAVELIN 2 e. V. Nach einer erlebnisreichen und erinnerungswerten Urlaubswoche wurde uns in der Tat an diesem Samstag noch ein Sahnehäubchen drauf gesetzt. Text und Fotos: Bernd Schwabe (eingestellt am 09.05.2016)

       

    


 

 



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