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Irrgartenfest am 11. Juli 2015 in Altjeßnitz (Raguhn)

Einmal im Jahr irren wir:

Hans Adam Freiherr von Ende bittet zum Parkfest nach Altjeßnitz (11.07.2015)

Seit sich das Barockfieber, neben dem Aquarienvirus, in den Rezensenten eingenistet hat, ist dieser schon in manche Rolle geschlüpft. So gibt er im TDB den Cämmerer S.K.M., im AKB ist er der Secretarius, in einem Spielfilm einer kanadischen Produktionsfirma mutierte er zum Obdachlosen, in Dessau soll er der Mann mit den schönsten Beinen gewesen sein, und seit 2009 ist er gewissermaßen auch der Gastgeber beim Irrgartenfest in der anhaltinischen Gemeinde Altjeßnitz (OT von Raguhn). Denn dort gibt er dem Landjunker von Ende Gestalt und Stimme. Und, was er macht, das macht er gern, - aber einmal im Jahr freut er sich ganz besonders, und das ist der Auftritt beim barocken Gartentag. Da Freude ansteckend ist, hat er auch seine barocken Dresdner Mitstreiter angesteckt, die ihn daher immer gern ans östliche Muldenufer nach Altjeßnitz begleiten. Der Altjeßnitzer >>Förderverein Irrgarten e.V.<<, der, bei nicht mal 500 Einwohnern ca. 40 Mitglieder zählt, hat, seit wir das Irrgartenfest besuchen, einen beachtlichen eigenen (den des Freiherren) Hofstaat aufgebaut und nach anfänglichen Schwierigkeiten mit der Etikette, klappt das von Jahr zu Jahr besser. Auch ein Grund, dass die Dresdner so gerne mitgestaltend am Parkfest teilnehmen. Die Events, auf die zu besuchen unsere Wahl fällt, haben (zumeist) etwas, was uns aufs angenehmste in Erinnerung bleibt, aber Altjeßnitz kann sich hierin die Krone aufs Haupt setzten. Ganz toll, was der Förderverein so auf die Beine stellt. Der dekorative Rahmen, das Programm, die freundliche und umsorgende Aufnahme, - und das in diesem herrlichen Park mit seinen altehrwürdigen Bäumen, der Feldsteinkirche und dem einzigen original erhaltenen Irrgarten Deutschlands, - machen es verständlich, dass der Schreiberling dieses Berichtes und seine Freunde jedes Jahr so erwartungsfroh dem Feste des Freiherren von Ende entgegenfiebern. Lob und Dank den aktiv beteiligten Altjeßnitzer Vereinsfreunden, - hier seien besonders Gudrun und Jochen DIETSCH und Annett PAUL hervorgehoben, aber auch all die, die wie Bienchen um den hochherrschaftlichen Besuch aus der Residenz Dresden herumschwirrten und damit den Freiherrn zum guten Gastgeber gemacht haben.

Wer war der Freiherr Hans Adam von Ende? Er entstammt einem Geschlecht, dass seit dem ausgehenden 17. Jahrhundert (bis 1945) die Grundherren von „Alt Jesniß“ stellte. Im Jahre 1694 hatte Ende (1633 – 1706) das Rittergut  Reppichow erworben und erbaute ab dem Jahre 1699 ein Landschloss im Stile des späten Barock. Auch der Schlosspark wurde in dieser Zeit angelegt. Allerdings war die Anlage des Irrgartens einem seiner Nachfahren, nämlich Leopold Nicolas Freiherr von Ende vorbehalten.

Welche Legende wollen wir uns anlässlich des alljährlichen Parkfestes für den Freiherrn zurechtlegen? „Am Dresdner Hofe gut dotiert bestallt und mit höfischen Ehren überhäuft, war er wohl im Laufe der Zeit eher mehr sich selbst zugetan als seinem Dienstherren dem Kurfürsten. Da half nur noch die Flucht in die hinterste sächsische Provinz, nach Altjeßnitz (bis 1815 sächsisch). Was des Kurfürsten hätte sein sollen, war nun in des Freiherren Kassette und das war so wenig nicht. Der Ritter von Reppichau erhielt für sein Gut eine hübsche Kaufsumme und der Freiherr von Ende wurde zum Bauherren. Irgendwann wurde er dann doch von kursächsischen Spionen im hintersten Winkel des Kurfürstentums aufgespürt und Kurfürst Friedrich August stattete ihm einen überraschenden Besuch ab. Pfuschen wir der Geschichtsschreibung in Handwerk und lassen wir den Sachsenfürst sich wieder mit seinem Steuerflüchtling aussöhnen (so wie wir es beim Parkfest 2013 erlebt haben).“

Ganz ohne Fracksausen kann der Freiherr von Ende nun den Dresdner Hofstaat auf Altjeßnitz empfangen und selbst August des Starken Huld entgegennehmen.

Zunächst hieß es anreisen. Die von der Hofsängerin (Regina SCHWABE) ausgeborgte Kalesche  bot Platz für ihren alten Grafen, die Zarewna Charlotte Christiane (Nadin SCHUBERT) und die Gräfin Erdmuthe Dorothea von Zinzendorf (Elke METZNER).

Als sie pünktlich 12:00 Uhr ankamen und dem Gemeindeamt zustrebten, waren die meisten Darstellerkollegen schon anwesend und in die Roben geschlüpft. So auch seine dhl der Herzog von Orleans (Rudolf FRITZSCHE), der uns mit einer Begleiterin überraschte. Auch unsere Freunde aus Potsdam (Les danseurs de San. Souci) waren schon vor Ort und konnten in unsere Arme geschlossen werden. Dann nahmen wir unseren „Schneewittchenschlafsaal“ in Beleg und bald waren wir vollständig zu Adelsleuten mutiert und bereit, dem Gutpark zuzustreben…

Alles war wieder wundervoll dekoriert, - herrliche Blütenarrangements (Klasse, liebe Annett PAUL) erfreuten das Auge, festliche Tafeln warteten auf die Adelsleute und überall waren höfische Szenerien nachgestellt. Und, was nicht ganz unwesentlich war (nach unserer Hitzeschlacht in Dessau), das Wetter zeigte sich nahezu ideal.

In und um die Kirche sammelte sich die Adelsgesellschaft (hörte dort ein Lied von Regina) und das Freiherrenpaar von Ende nahm schon mal ersten Kontakt mit seinen Altjeßnitzern und den Gästen aus der Umgebung auf.

Vom Zeremonienmeister (Mike SPRENGER) angekündigt, konnte das Gastgeberpaar nun den Herrn aller Reußen Zar Peter I. (Reinhard LAUTERBACH) mit seiner Zarin (Kerstin DANIEL) und seinem Hofstaat begrüßen und für die zuteil gewordene Ehre durch deren Anwesenheit danken.

Sehr versöhnlich reichte Majestät August II. König in Polen und Kurfürst von Sachsen (Werner POHLE) dem Freiherren die Hand und bezeigte der Freifrau seine Gunst.

Nun folgten weitere adelige Festtagsgäste, angeführt von der Gesellschaft des heimischen Landadels und dem Dresdner Hofstaat und weiter der Hofstaat der Residenz in Dessau. Den prächtigen Schluss bildete die Gesandtschaft aus Potsdam, die die neueste Mode vom Hofe des Sonnenkönigs in die anhaltinische Provinz leuchten ließ.

Mit Ehre erfüllt, begab sich nun Hans Adam Freiherr von Ende (Bernd SCHWABE) auf die Bühne, um die wichtigsten Festbesucher, nämlich seine Altjeßnitzer und deren Gäste, zu begrüßen. Er fand herzliche Worte, für die mancher der Preußen da unten vielleicht einen Dolmetscher gebraucht hätte, denn ganz kann Herr von Ende nicht leugnen, dass er einst aus dem Sächsischen kam (will er auch nicht!).

Der Freiherr lud nun seine illustren Gäste an die Festtafel, - ringsum standen ebensolche für die anderen Hofgesellschaften bereit, - und diese konnten nun ihre Gaumen mit allerlei köstlichem Backwerk (nach Altjeßnitzer- Hausfrauenart) verwöhnen.

Nun folgte in bunter Folge ein abwechslungsvolles Programm mit Tanz, Gesang, Rezitation, Akrobatik, Wachablösung des >>Regiments 21 von Hülsen<< (Heinz BEHREND) mit klingendem Spiel und vieles mehr. Sehr ins Auge gefallen sind die Darbietungen des >>Wolfener Ballettensembles<< und der Eröffnungstanz der heimischen Barockgesellschaft hat uns überrascht und erfreut. Was Mitglieder des >>Barock- und Tanztheaters Dresden<<(Ltg.: Werner POHLE/Tanzmeister Dieter SCHLEGEL) zunächst vormachten, - nämlich Barocktanz, wollten wir dann mit einem Gassentanz gemeinsam mit Mutigen aus dem Publikum „nachahmen“… Nun ja, ist alles nicht ganz so einfach!!!

Am späten Nachmittag gab es dafür ein getanztes Sahnehäubchen „Barocke Lustbarkeiten“ – Tänze und Anekdoten des Hofes mit >>Les danseurs de San. Souci<<. Es ist immer wieder ein Genuss, diesen meisterhaften Könnern zuzusehen. Was wir bei den anderen Tanzdarbietungen nicht oder kaum sahen, war die stilvolle Körpersprache während des Tanzes. Da war alles stimmig in Haltung der Arme, der gesetzten Schritte sowieso, der Mimik und des ganzen Körpers, - stilvoll und authentisch eben.

Nach diesem letzten Programmpunkt des Tages, war ein Bummel durch den Park angesagt, der uns auch auf die Beerdigungsinsel der Familie von Ende führte. Es schloss sich ein Besuch der Marktstände an. Hier fand unsere „Bosin“(Christine BARTEL) eine große Liebe. Ein wunderschöner, prächtiger Barocktisch (gut zu ihren Stühlen, Sesseln und der Liege passend) hatte es ihr angetan. Ob diese Liebe wohl in Dresden landet?

Unsere Herzöge (Peter und Volker VON HOHENBERG), das Generalspaar Spörcken (Veronika und Gerd JACOB) die Akteure der Barockbühne und der IG 1690 und die Gräfin Kolowrat (Silke BRUX) verließen uns dann in Richtung Heimat…

 

Mit der Dämmerung nahte der letzte Programmpunkt des 2015er Parkfestes und wir nahmen unsere Plätze an der Bühne ein. Hier erlebten wir dann „Eine Nacht voller Seligkeit“ mit dem >>Salontrio Halle<< (Ltg.: Matthias ERBEN) und den Vokalsolisten Annett BOOSE und Michael MEHNERT.

So beschwingt, wie uns die dargebotene Unterhaltungsmusik (mit viel ausgeharrtem Publikum) machte, ging es in unser Quartier im Gemeindehaus, wo wir noch die Korken knallen ließen und viel Spaß hatten. Nach dem DIETSCHS die „Außenschläfer“ in die Heia abgeholt hatten, kehrte auch bei dem Rest unserer Gesellschaft bald Ruhe ein…

Der Sonntagmorgen sah uns wieder im >>Café am Gutspark<<, wo uns die überaus nette junge Wirtin mit einem noch überauserem opulenten Frühstück verwöhnte.

Nach großer Verabschiedungscour beschlossen HEFFTS, TENNERTS, Nadin SCHUBERT, Elke METZNER und wir SCHWABENS, unseren netten Gastgebern noch etwas beim Abbau des Parkfestes unter die Arme zu greifen. Gemeinsam ging es doch etwas schneller… Ja, so ein großes Fest (ist es für uns Dresdner) will gemacht sein. Da liegt viel Arbeit an, auch noch, nach dem wir uns auf den Heimweg begeben hatten.

Es war wieder ein sehr schönes Erlebnis, dieses Parkfest am Irrgarten in Altjeßnitz. Wir sind auch beim nächsten gern wieder mit von der Partie und bringen uns dann ebenso gern wieder mit ein. Text: Bernd Schwabe, Fotos: Bernd Schwabe, Silke Brux, Nadin Schubert (eingestellt am 14. Juli 2015)

 

  



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