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Flanieren in den Sommeranfang 2015 (21.06.15)

Ein Anfang mit Ladehemmung:

Unser Sommeranfangsflanieren mit wenig Sommer am 21.06.2015

Da wollten wir also den Sommer in unseren edlen Gewandungen begrüßen und zu dessen Anfang, den Touristen und uns zur Freude, in die Sommersonne eintauchen, wenn wir mit unserem Auftreten wieder barockes Leben in das steingehauene Barock bringen. Aber mit der Sonne hatte es dieser Sommeranfang nicht so sehr, - eher mit Kühle und kräftigem Wind…

Vorher trafen wir uns zum AKB- Stammtisch im „Schießhaus“, wo schon mal in dessen altehrwürdigen Mauern der Donner grollte und uns (schmächtige Teilnehmergruppe) auf das Draußen einstimmte.

Zu acht ging es an der Baustelle des Herzogin Garten vorbei zum Kronentor, wo uns weitere Flanierwütige schon aufs sehnlichste erwarteten. 

Auf den Fotos, die diesmal von unserer, in Zukunftszivil gewandeten, Zarewna Nadin SCHUBERT stammen, ist der Teilnehmerkreis unserer Flanierrunde zu sehen. Unser Geenisch (Werner POHLE) verabschiedete sich nach dem Stammtischtreffen, da er noch einige Anweisungen im Hoftheater zu geben hatte. So gingen also dreizehn Adelsleute auf ihren Spaziergang zu den schönsten historischen Ecken unserer Heimatstadt.

Bereits beim Betreten des Zwingergartens hatten wir die erste nette Begegnung. Ein Brautpaar, - wenn wir es richtig verstanden hatten, aus Südkorea, lief uns über den Weg und man sah dessen freudiges Erstaunen, ob der so historisch gewandeten Flaniergesellschaft. Ihr(e) Hochzeitsfotoraf(en) ließ(en) sich ein derartiges Motiv nicht entgehen und so waren wir schnell der barocke Rahmen für manches moderne Hochzeitsfoto. Zunächst etwas erschröcklich, folgten die Jungvermählten der gestenreichen Aufforderung unserer Hofsängerin (Regina SCHWABE) unter das Kronentor, wo es eine tolle Akustik gibt, und wir Adelsleute schon ahnten, was das Brautpaar dort erwartet. Beide waren hocherfreut und gerührt über das für sie vorgetragene deutsche Lied… Brautjungfern haben wir keine entdeckt, aber dafür einen allerliebsten strohhutbehüteten kleinen Kavalier, in den sich unsere Gräfin Kolowrat- Krakowsky (Silke BRUX) schier verliebt hatte und ihn nicht wieder herausgeben wollte. Andererseits müssen auch wir eine sagenhafte Anziehungskraft besitzen, denn mancher Tourist, - weitab von jeglicher Contenance, hing uns fast am Latz oder auf’m Buckel. Das ist nicht immer sehr angenehm, auch wenn wir gern per Foto mit in die Heimatländer unserer Dresdenbesucher reisen!

Es war ein regelrecht schwer vorankommendes, kaum so zu nennendes, Flanieren und mit viel Mühe schafften wir es bis auf unsere „Semper- Treppe“, wo Fotoapparate in Vielzahl klickten, aber Uns wollte es einfach nicht gelingen, von Nadin eine Aufnahme schießen zu lassen, worauf nur wir als Flaniergesellschaft abgelichtet sind. Dann gelang das doch noch und wir strebten unserem Sachsenkönig Johann entgegen. Auch hier ging es nicht ohne Zivilisten auf dem Bild.

Nun ging es Richtung Brühlsche Terrasse und endlich, hier standen wir (wenn auch nur für einen kurzen Augenblick) nun in Positur, ohne Zukunftsmenschen am Arm…

Auch auf der Terrasse wurden wir nur so umschwirrt von Fotofreunden, - vor allem von den kleinen mandeläugigen, wo sich der Rezensent denkt, dass die ihren Urlaub erst zu Hause per Beamer- Präsentation so richtig erleben werden.

Irgendwie war das diesmal für uns irgendwie ermüdend und wetterbedingt etwas fröstlich unter Jabot und Reifrockgewandung, sodass keiner dem General von Spörcken (Gerd JACOB) zum Hasenberg folgen wollte. Also stiegen wir in der Nachbarschaft des Sekundogenitur- Cafés zur Münzgasse hinab. Auch hier Touristen über Touristen, aber die hatten mit ihrem Bier und Kaffee, ihrem Sächsischen Sauerbraten oder der Eierschecke zu tun und wir konnten relativ zügig passieren. Das Palais des Friedrich August von Cosel lud uns zum wiederholten Mal zur Rast bei Gaffäh und Guchen ein. Und weil dieser Flaniergang ohnehin etwas verschoben lief, folgte die Mehrheit des Hofstaates auch dem Ranghöchsten, dem Generalleutnant, nicht bis hinein in die Kaffeestube, sondern platzierte sich im Gartenlokal. Der Cämmerer und Secretarius hatte sich im Stillen gewünscht, dass es einen richtig heftigen Regenguss geben solle, um die dort platzierte Adelsgesellschaft wie die Hasen laufen zu sehen. Nee, nee ganz so ungenetsch ist der olle Graubart nun doch wieder nicht!

Der Aufbruch führte über den Neumarkt und dort schien der Hofstaat festgeklebt, so dass der General von Spörcken seiner weiteren Anführerschaft entsagte und sich beim Cämmerer entschuldigte. Irgendwie und irgendwann gelangten wir, am Fürstenzug vorbei, dann doch wieder in den Zwingergarten, - um es auch dort wieder rings um uns herum klicken zu hören…

Hier hatten wir nun noch einige nette Begegnungen, - u. a. mit Landsleuten aus Israel, den USA und China, aber auch mit allerliebsten Hunderassen (kleineren Kalibers) und deren scheenen Frauchen. Unsere Mamarazzi Nadin hatte alle Finger voll zu tun, um uns schöne Erinnerungsbilder schenken zu können.

Obwohl unser Rundweg klein war (er wird von mal zu mal kürzer), war die Zeit schon ziemlich vorangeschritten (Gründe wurden weiter oben erörtert) und nun galt es gegenseitig Abschied zu nehmen. Am Zwingergraben vorbei amüsierten uns die niedlichen Entenkükchen und es freute uns, dass die verfressenen Krähen diesen heranwachsenden Nachwuchs nicht mehr schnabelgerecht der Entenmutter wegschnappen können.

So verlief nun unser Flanieren in den Sommeranfang und wir würden uns freuen, auch mal wieder in einer größeren Gesellschaft den Weg durch unser schönes Dresden nehmen zu können. Text: Bernd Schwabe, Fotos: Nadin Schubert (eingestellt am 24.06.2015)

    



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