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Beim Auftritt des Barockensembles in Elstra am 30.10.14 dabei

>> Willst Du Dein Herz mir schenken? <<

Auftritt des Kurfürstlich – Sächsischen Barockensembles am 30. Oktober 2014 in der Kirche St. Michaelis zu Elstra

Eine Vorgeschichte:

Dazu müssen wir etwa 30 Jahre zurückgehen und unseren Blick auf das Städtchen Elstra (oder sorbisch Halstrow) richten. In der dortigen POS unterrichtete eine Lehrerin im Fach Deutsch und gab auch Musikunterricht. Mit Musik befasste sich besagte Lehrerin aber auch außerhalb der Schule in ihrer Freizeit. Sie hatte ein Instrumentalduo gegründet und musizierte zu den verschiedensten Anlässen in der Region. Als Musiklehrerin blieb ihr die besondere Begabung einer Schülerin nicht verborgen. Diese nahm, neben ihrem Mitwirken im Schul- und Kirchenchor, auch fleißig Unterricht auf der Querflöte, und das mit solchem Erfolg, dass die Lehrerin meinte, das Mädel hat das Zeug, um mit ihrer Gruppe künftig als Trio auftreten könnten. Die schulischen Leistungen waren in allen Fächern gut oder gar sehr gut und vom Elternhaus kamen keine Einwände. So war das talentierte Mädchen musizierend dabei, wenn es in der Schule Zeugnisausgaben und andere schulische Höhepunkte gab. Dann kam der Zeitpunkt, dass die Schülerin nach Kamenz in die EOS wechselte wodurch sich Schülerin und Lehrerin aus den Augen verloren.

Schon länger stand der Termin fest, dass das >Kurfürstlich- Sächsische Barockensemble< am Donnerstag, den 30. Oktober in der Kirche St. Michaelis in der alten Töpferstadt Elstra in der westlichen Oberlausitz nahe Kamenz, einen Auftritt haben würde.

So machten sich die vier Musiker Silvia WEISE, Regina SCHWABE, Manfred KUGLER und Thomas REUTER am Vorabend des Reformationstages auf den Weg und alle waren pünktlich (17:00 Uhr) vor Ort. Auch die Verstärkung aus dem TDB, Frank WEISE und Bernd SCHWABE, fand als Ehegesponse in den jeweiligen Chaisen Platz und hatte (trotz gewisser Unmusikalität) auch ihre Aufgaben. Der eine war fleißig beim Aufbau beteiligt und knipste dann während der Vorstellung das eine oder andere Foto und der andere machte die Programmansage. Die Musiker hatten zunächst ihre liebe Not, die akustisch wirkungsvollste Position für sich und ihre Instrumente zu finden und um mit dem Akustiker Henryk SCHUSTER in Einklang zu kommen. Letztendlich konnte festgestellt werden, dass die Akustik der Kirche so hervorragend ist, dass auf die Verstärkungstechnik weitestgehend verzichtet werden konnte. Nur der Kämmerer, der schon mal sein Rednerpult inspizierte, da er zum Maitre de Ceremonique mutiert (wurde), bekam kurz vor dem Beginn der Darbietung ein Headset an die Wange geklebt.

Es war echt kalt im Gotteshaus und als Silvias noch mal auf ihrer Querflöte probte, wollte diese bei den niedrigen Temperaturen nicht so recht und das „Wohltemperierte Klavier“ war gottlob im Programm nicht vorgesehen. Die Hofsängerin zitterte auch ganz schön, aber das war weniger wegen des allgegenwärtigen Lampenfiebers. Sie hatte Angst um ihre Stimme, die dann beim Auftritt nur mit Mühe das tat, was sie tun sollte.

Aber soweit waren wir noch nicht. Im Pfarrhaus wartete ein Imbiss auf uns und der heiße Tee brachte unsere Lebensgeister wieder in Schwung. Während wir dann in unsere Roben schlüpften, trafen auch schon die ersten Konzertbesucher ein. Pünktlich 19:30 Uhr begaben sich die Musiker zu ihren Instrumenten in den Altarvorraum und beim intonieren des Einzugsmarsches zog das gräfliche Adelspaar zu Nau, nebst dem Grafen von Weißenberg in die Kirche ein.

Unter dem Motto: „Willst du dein Herz mir schenken“ konnte nun unser kleines Benefizkonzert zu Gunsten der zu reparierenden Strohbachorgel beginnen. Zunächst richtete der Gemeindepfarrer Herr Friedrich PRÜFER ein paar einleitende und einstimmende Worte an das Publikum und der Kämmerer hatte etwas zur Historie der Stadt und ihrer adeligen Grundherrendynastien, der Kirche und auch etwas zu der derzeit beim Restaurator befindlichen Orgel und dessen Erbauer Abraham Strohbach zu berichten.

In Folge wurden dann barocke Instrumentalwerke bekannter Komponisten wie BACH, HEYDN und HÄNDEL und barocke Lieder, aber auch die bekanntesten Volkslieder zu Gehör gebracht. Aufgelockerte wurde das ganze durch zeitgemäße Rezitationen…

Ein barocker Gassentanz stand auch auf dem Programm und aus dem Publikum fanden sich, nach anfänglichem Zögern, doch noch Mitmacher. Und, es sah so schlecht nicht aus.

„So nun muss ich fort von hier“ war der Abgesang, - doch der Beifall war so stark und  fordernd, dass das Ensemble um eine Zugabe nicht herum kam. Das war dann das „Ännchen von Tharau“, was vom Publikum mitgesungen wurde.

Als hernach der erneute Beifall verklungen war, kam eine ältere Dame nach vorn und bat ums Wort.

Hier nun eine Ergänzung zur Vorgeschichte:

Da begegneten sich zwei Frauen auf dem Elstraer Friedhof und es gab ein Erkennen. Die in Ehren ergraute und in verdiente Pension gegangene Musiklehrerin, Frau Holde LIEBAU und das kleine begabte Mädchen von damals, Frau Silvia WEISE, mittlerweile studierte Musikwissenschaftlerin und im Hobby noch immer gern die Querflöte spielend, sahen sich nach all den vielen Jahren erstmals wieder und hatten sich viel zu erzählen. Als Frau LIEBAU erfuhr, welche gute berufliche, musikbestimmte Entwicklung ihre ehemalige Schülerin genommen hat und dass sie im >Kurfürstlich- Sächsischen Barockensemble< mitwirkt, war sie von Stolz erfüllt und der Gedanke war geboren, dass diese Musikgruppe einmal hier in Elstra in der Kirche St. Michaelis auftritt.

Dass das als Benefiz für die Restaurierung der berühmten Strohbach – Orgel geschah, hat nicht nur Frau LIEBAU gefreut und mit der Dankbarkeit erfüllt, die sie vom Altarraum aus uns Mitwirkenden und den Konzertbesuchern kundtat.

Auch die Vorsitzende des Fördervereins Frau GÖPFERT, die sich mit Cyclamen persicum bedankte, war voller Lob und Dank: „Sie haben unsere Erwartungen um ein Vielfaches übertroffen.“ Mancher der Konzertbesucher blieb, nach dem der letzte Ton verklungen war, noch in der Kirche um sich bei den Akteuren persönlich zu bedanken. Wir haben uns sehr darüber gefreut und werden zum nächsten Ereignis um die Orgel gern der erneuten Einladung folgen. Man sagte uns, und dies wäre eine besondere Ehre, dass sogar der Elstraer Bürgermeister Herr Volker BRANDT (der derartigen Besuchen sonst eher abhold ist) dem Konzert beigewohnt hätte, wenn auch hinter einer Säule versteckt.

Alle Mitwirkenden hatten gefröstelt, - die Hofsängerin hatte nicht unbegründet Angst davor, dass ihr die Töne gefroren im Halse stecken bleiben und auch der Bassist hatte eine kalte Nase und Füsse, sodass wir uns im Pfarrhaus noch eine Aufwärmzeit verordnet haben. Davor aber stellte sich Silvia gern noch zu einem Foto in Positur, dass sie gemeinsam mit ihren ehemaligen Lehrerinnen zeigt. Dann hieß es Kledagewechsel und unsere Siebensachen und die Alpenveilchen in der Motorkutsche verstauen und gen Heimat starten.

Auch wenn das Barockensemble eigenständig agiert, sind wir als TDBer immer gern bereit, mit unserem Mitwirken zu helfen und das Programm abzurunden. Das war so schon öfters, aber diesmal wollen wir es stellvertretend für manches andere gemeinsame Event auf unserer Vereins- Homepage erwähnt haben. Text: Bernd Schwabe, Fotos: Frank Weise (eingestellt am 05.11.2014)

 



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