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Beim 14. Barockfest in Gotha vom 29. - 31.08.2014

Der Dresdner Hofstaat war vom 29. – 31. 08. 2014 wieder mit dabei:

14. Barockfest auf Schloss Friedenstein in Gotha

Ein Biwakteilnehmer des diesjährigen Barockfestes meinte, als wir dort auftauchten, dass wir schon zum Inventar des Festes gehören würden. Nun, inventarisiert wollen wir dort nicht sein, auch wenn wir als TDB schon ziemlich von Anfang an dabei waren, aber freuen tun wir uns jedes Jahr erneut auf dieses wirklich bemerkenswerte Event. So fieberten wir der 14. Auflage dieses Barockevents regelrecht entgegen und unsere Betten wurden schon nach dem letzten Barockfest für heuer reserviert.

Am Freitagnachmittag trafen wir, Regina SCHWABE (wieder als unsere zuverlässige Chauffeuse) Renate AL ATRASH, Silke BRUX und der Rezensent dieser Veranstaltung Bernd SCHWABE, in unserer Pension ein und auch unser Geenisch Werner POHLE ließ nicht lange auf sich warten. Silvia WEISE war aus beruflichen Gründen etwas später dran und wir warteten auf sie, um gemeinsam zum Eröffnungstreff ans Rathaus zu pilgern. Dort trafen wir viele alte Bekannte und liebe Freunde und auch unsere Vereinsmitglieder Heidrun und Günther TENNERT und Kathrin und Thomas HEFFT, die (wörtlich) ihre Zelte im Biwak aufgeschlagen hatten (aber vorsichtshalber noch in einer ihnen vertrauten Pension nächtigten).

Am Rathaus kamen wir gerade noch zur rechten Zeit, um den köstlichen Ausführungen des Gothaer OB’s Knut KREUCH lauschen zu können. Natürlich begrüßten wir auch das Herzogspaar Friedrich III. von Sachsen- Gotha- Altenburg und Gemahlin Luise Dorothee (Uwe MÜLLER und Annett JAHN) und den Preußenkönig Friedrich II., die mit ihren Kaleschen vorgefahren sind. Zur Seite hatte der Alte Fritz wieder seinen (ich sage nicht, wie die Berliner und Potsdamer ihn nennen!) Philosophenfreund Voltaire, der seit seinem letzten Auftritt merklich an maskulinen Genen zugelegt hat.

Gemeinsam, - und mir will scheinen, dass die Teilnehmerzahl des Vorjahres, die mit 600 angegeben wurde, heuer noch überschritten wurde, - ging es (hinauf und hinab) zur festlich beleuchteten und langsam nächtlich eintauchenden Orangerie (ein Kleinod der Gartenkunst!!!). Hier gab es einen Sektempfang und wir konnten weitere Freunde und Bekannte begrüßen. So konnten wir z. B. auch dem Herrn Minister aus dem Lüneburg’schen begrüßen, dessen Bekanntschaft wir eben erst bei der Potsdamer Schlössernacht machen durften. Und Friedrich (Rolf ZAHREN) ließ andere Gegenüber stehen, um die sächsische Hofsängerin zu herzen. Wegen der Platzangst der Hofsängerin und weil wir noch einen weiteren wichtigen Termin wahrzunehmen hatten, verließ ein Teil unserer Hofgesellschaft das Fest baldigst wieder.

Valentino, unser „Kleiner Italiener“ ließ uns allerdings nicht vorüberziehen und so landeten wir zunächst bei Pasta, Pizza und anderen Leckereien Made in Italia. Nicht nur wir, auch der Wirt unserer Stamm- Taverne, freut sich über unser jährliches Zusammentreffen. Die Regenschirme im Biergarten waren groß, aber nicht ganz groß genug, so dass wir dann doch lieber gen trockenere Gefilde weiter zogen. Irgendwann langten wir dann auch im Quartier an, wo es noch unsere nächtliche Pyjama- Fete gab. Die Matratzen hatten uns nicht lange zu ertragen und bald lockte uns Samstagmorgen Kaffeeduft in den Frühstücksraum…

Nun verwandelten wir uns wieder in Dresdner Adelsleute und frohgemut und erwartungsvoll ging es den Berg gen Schloss hinan. Doch ohne Zwischenstopp ging das nicht. Das Gothaer Original, - der „Thüringer Moshammer“ (eine starke Ähnlichkeit lässt den Vergleich zu!!) Frank BÖRNER ließ uns nicht passieren, ohne dass wir ihm einen Guten Morgen gewünscht hätten. Wir hatten Gotha- Neulinge dabei und die wollten sich nicht satt sehen (an ihm) in der Modeboutique, Antiquitätenabteilung und dem Café mit dem köstlichen hausbackenen Kuchen… Doch vom Schlossberg mahnte uns der Donner der Kanone, dass das Barockfest ruft und so ging es zügig hinein ins Vergnügen (im Wortsinne).Auch nun gab es viele Begrüßungen, - auch unser Herzog von Orleans (Rudolf FRITZSCHE) war per Dampfross aus Leipzig angereist, - und wegen der geteilten Interessen verkrümelte sich unsere Gesellschaft etwas. Ein Marktrundgang lockte und bei Kledage, Schmuck und dem Salzsieder konnte man schon kleben bleiben. Auch ein erster Blick ins Biwak war uns gestattet.

Im Schloss und dessen Hof, gab es ein reich- und vielseitiges Programm, was man als Einzelner nicht schaffen konnte, aber die Konzerte der Gruppe „La Fanfare“ aus Gera oder die Early- Folk Music, oder später Tanz- und Trinklieder von „Les Madelous“ aus Dresden/Leipzig auf der Großen Bühne waren nicht zu überhören und auch die Generalaudienz des Herzogspaares war es nicht. Diesmal war ein anderer Zeremonienmeister vom Herzog engagiert und dieser (Bernhard SCHAREK)waltete seines Amtes mit vornehmer Überlegenheit und Würde. Doch ehe er zur Entfaltung bei dieser Audienz kam, besuchte unsere Hofgesellschaft das Ekhoftheater und hatte einen wunderbaren Kunstgenuss bei Musik von Georg Philipp Telemann und dem getanzten „Hochzeits- Divertissement“ der Tanzcompagnie „Contretem(p)s“ aus Berlin.  Das war wirklich ganz toll.

Nun hallte die Einladung zur Kaffeetafel in TENNERTS Leinwandvilla (im wahrsten Sinne des Wortes), die sie am Vortage im Biwak bei zweistündig fließendem Schweiße errichtet- und ganz liebevoll eingerichtet hatten…

Wir fühlten uns pudelwohl, - zumal der Kaffee gut und der Kuchen köstlich war. Doch wir wollten uns nicht festsetzen, sondern noch etwas mehr vom Barockfest erleben. Im Schlosshof gab es nun eine Reitervorführung, weitere Bühnenprogramme und im Schloss wurde getanzt, - auch mit dem Publikum und willigen Adelsleuten… und besagte Generalaudienz zog Darsteller und Publikum an.

Irgendwann kam (trotz reichhaltigem Imbissangebot und leckeren Honig- Steaks) der etwas größere Hunger (oder wohl mehr der Appetit)  und so zogen unsere 13 Damen und Herren des Hofstaates im Gefolge des Kurfürsten Friedrich August von Sachsen (Werner POHLE) wiederum in die gastliche Taverne des Seniore Valentino. Nunmehr saßen wir unter Dach und Fach und kein Regen dieser Welt (der des Nachtens reichlich über uns hereinbrach) konnte uns etwas antun (im Biwak sah es teilweise wohl etwas anders aus!). Wollen wir nicht zu lange bei den Köstlichkeiten aus Keller und Küche verweilen, denn eine weitere Vorstellung („Der Geizige“  von Moliere) stand im Ekhoftheater auf dem Programm und begeisterte die Zuschauer (Sondervorstellung für Darsteller), ein „Festliches Barockkonzert“ der „Thüringischen Philharmonie“ Gera und nicht zuletzt das Barockfeuerwerk, lockte nochmals den Schlossberg hinauf.

Die Fußlahmen nahmen irgendwann den Weg zum Quartier, wo wir auf die „Spätheimkehrer“ warteten, um gemeinsam die Schlafenszeit zu verkürzten. Wiederum wurde viel gelacht und manche Anekdote aus vergangenen Barock- Zeiten wurde hervorgekramt. Da kamen wir auch auf unseren unvergessenen Tilo MEIßNER. Und es gab die Frage, ob der sich als Kurfürst von Sachsen und König in Polen hätte auch so negieren lassen, wie wir es eben mit unserem Kurfürst erlebten?

Nach gewohnt gutem Frühstück, schlüpften wir am Sonntagmorgen noch mal in unsere Roben und bald sah uns das Barockfest wieder. Nun wurde an den Ständen das erworben, was man sich am Vortage ausgeguckt hatte, oder man entdeckte neue Dinge, gab bei der Begegnung mit dem Herzogspaar seine Referenz ab, hatte nette Gespräche mit anderen Hoheiten, wie Friedrich dem Großen (Rolf ZAHREN) oder dem Herzog von Braunschweig – Lüneburg – Wolfenbüttel (Hans KLEINERT) mit Gemahlin Philippine Charlotte (Margit KLEINERT), oder mit unseren Obristen aus Düren, der Haushofmeisterin Frau von Buchwald (Sandra GERLACH) oder gar mit seiner Exzellenz dem Oberhofmarschall Hanß Adam von Studnitz (Marco KARTHE) u. v. a., so dass zu verschmerzen war, dass ein, zwei Leutchens glaubten, über uns hinweggucken zu müssen. Der Sonntagvormittag sah uns im Schlossmuseum und dort auch (allerdings als Zuschauer) bei den „Barocktänzen zum Mitmachen“ unter Maitre Frank DIETZEL. Scheen war’s und, da wir ja wieder üben werden (sogar mit Tanzmeister), sollten wir nächstes Jahr mittun.

Es kam der Augenblick des Abschieds und der fiel uns schwer, denn wo man sich wohl fühlt, dort möchte man länger verweilen. Viele Hände gab es zu schütteln, auch die der Familie aus Donau- Wörth, die uns am Sachsenzelt in Gewandung aus der Zeit Louis XIV. besucht hatte, wodurch wir (wohl erstmals bei einem Barockfest) eine Fontange als Kopfschmuck der Dame kennen lernen durften. So wünschten wir ihnen und manchem anderen guten Freund, - Rolf ZAHREN umarmte und herzte seine Lieblings- Hofsängerin, die Dürener Obristen und ihre Damen gaben uns ihre gute Wünsche mit auf den Weg, - einen guten Heimweg, den wir nun (früher oder später) selbst anzutreten hatten.

Ehe wir auseinander gingen, resümierten wir, dass wir wieder ein wunderbares Barockevent in Gotha erleben konnten, - seitens der Organisation hatten wir wahrlich nichts auszusetzen und so soll mein Bericht mit einem herzlichen Dankeschön an die Macher des 14. Barockfestes auf Friedenstein enden. Wir kommen gern wieder und dann findet sich, wie es seinem Stande entspricht, vielleicht gar auch eine Kutsche für August den Starken…

Text und Fotos: Bernd Schwabe (eingestellt am 05. 09. 2014 )



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