Print This Page

Besuch der 16. Potsdamer Schlössernacht am 16. 08. 2014

    Als Scouts in San. Souci

16. Potsdamer Schlössernacht am Samstag, den 16. August 2014

Gesprochen haben wir schon öfter über die Schlössernacht im Park des alten Fritzen, aber dabei ist es auch immer geblieben. Dabei berichtete unser Freund Steffen LEU seit Jahren voller Begeisterung von dieser festlichen Nacht in San. Souci und am Neuen Palais. Wir sahen darin ein Pedant zur Pillnitzer Schlössernacht, konnten aber inzwischen feststellen, dass der Festmeile hier im Preußischen kaum das Wasser gereicht werden kann. Alles ist viel größer, Besucherzahlen um ein Vielfaches höher und die Begeisterung des Publikums schien mir auch alle Grenzen zu sprengen. Die Schlössernacht in Potsdam muss man miterlebt haben. Aber alles der Reihe nach.

Zum wiederholten Mal lud uns Steffen zur Schlössernacht nach Potsdam ein, - zuletzt erst wieder in Altjeßnitz, - und diesmal gaben wir ihm keinen Korb. In dem wir ins Preußische reisen, wollten wir auskundschaften, ob das viel gepriesene Event auch mal einen Ausflug aller Vereinsfreunde wert ist. Jetzt schon, sei ein klares JA gesagt.

Am Freitagmittag bestiegen wir unsere Benzinkalesche und steuerten gen Brandenburg. Hier in seiner Heimatstadt Trebbin (30 km von Potsdam entfernt) erwartete uns unser Freund Steffen LEU auf seiner >Freien Scholle<  (Eigenständige und unabhängige Wohnungsgenossenschaft), wo wir in seinem >Klein – San. Souci< unser Zelt aufschlagen durften. Steffen ist dabei, sich ein ganz nettes Fleckchen Erde zu erschaffen, was sich bei dessen Gastfreundschaft, bald noch weiter herumsprechen wird. Ein Blick in seine Wohnung, hatte nicht viel Unähnliches mit einem Museum, - alles sauber, geordnet und mit Liebe präsentiert. Wenn Steffen dann noch in seine Uniform steigt, ist er für uns Sachsen der perfekte Kronprinz Friedrich und in seinem heimischen Umfeld ist er es als Friedrich der Große. Fernseh- und Filmsequenzen, DVD’s, CD’s, Zeitungsausschnitte, Programmhefte, Reiseführer und und und, belegen, dass Steffen hier in Brandenburg (und nicht nur hier) DER Friedrich ist. Wir spürten das in aller Deutlichkeit während der Schlössernacht, als wir Majestät als seine Gäste vom Dresdner Hof  begleiteten.

Zunächst, unsere Leinwandvilla war aufgestellt und eingerichtet, wurde aber geklönt, gelacht und Informationen ausgetauscht und der Gastgeber brachte alsbald den Grill zum glühen. Der leckere Nusslikör machte das gleiche mit des Kämmerers Ohren. Es wurde spät, aber die Nachtruhe verlief ungestört in märchenhafter Ruhe, - diese Freie Scholle ist halt paradiesisch.

Der Samstagvormittag ging gemächlich an, Steffen hatte weitere Dinge zu berichten und irgendwann wollten wir Trebbin sehen, - was wir uns hätten sparen können.

Gegen 15:15 Uhr fuhr das bestellte Taxi vor, welches Steffen nun schon zum 15. Male zur Schlössernacht chauffieren sollte und für uns zur Jungfernfahrt wurde. Unser Ziel war das Krongut, wo wir (dank des vorherigen Wirtes) manche schöne Stunde als barocke Darsteller verleben konnten und nun, rein gastronomisch und auf der Suche nach preußischen Anhaltspunkten nicht fündig werdend, ziemlich enttäuscht wurden. Hingegen hat uns gefreut, dort auf vier Darsteller zu treffen, die, in Uniformen der kaiserlichen deutschen Armee, sofort ihre Anzugsordnung richteten und dem König Friedrich II. salutierten. Wir dachten, sie würden uns zur Schlössernacht begleiten, aber ihr Hier sein begründete sich mit dem Besuch der Sonderausstellung anlässlich des Beginns des 1. Weltkrieges vor 100 Jahren in Cecilienhof. Gut, wenn Darsteller nicht nur gut montiert aussehen, sondern ihrer Darstellung auch politischen Wert und Nachdruck verleihen.

Nach einem Gruppenfoto setzten wir uns Richtung Schlosspark in Bewegung und mit dem näher kommen merkten wir schon, dass hier bis zu 30.000 Besucher zu erwarten waren.

Steffen wurde vom Publikum (bis auf eine Ausnahme: „Orch gucke ma, dor Napoleschon") als Friedrich II. erkannt und fast jeder wollte mit ihm und seiner Begleitung aufs Foto. Es war daher ein schweres Vorankommen, aber Steffen als alter Schlössernacht- Hase kannte auch Wege, wo wir einigermaßen unbehelligt vorangekommen sind. Neben der herrlichen Gemäldegalerie (wir wollten schon immer wieder mal hin) sahen wir dank des kundigen „Schlossherren“ Parkteile, die uns sonst verborgen geblieben sind. Überall waren Podien oder Bühnen, auf denen reklamiert, gesungen, musiziert und geschauspielert wurde, - Kleinkunst bis ganz große Darbietung, - eine tolle Mischung. Mit herabsenken der Dunkelheit wurde es dann ganz romantisch. Lichterketten und Farblichtscheinwerfer tauchten die Schlösser, den Park und seine vielen Gebäude in romantisches Licht und sorgten für optische Stimmung. An der Orangerie, wo das >>Schlössernacht – Orchester<< musizierte, wollte die Hofsängerin partout nicht weiter, - aber das dort Dargebotene war aber auch ein Ohrenschmaus.

Doch dann drängte Majestät etwas nachhaltiger zum Aufbruch, zumal die Luft etwas feucht zu werden schien. Wir wollten zum Neuen Palais, was wir in einer sagenhaften Lichterfülle angestrahlt, zum Greifen nahe vor uns sahen, was sich aber doch als recht entfernt erwies, - und wohin uns das interessierte Publikum nicht so recht hingehen lassen wollte. Die „Preußen“ lieben halt ihren Alten Fritzen und da kam er nicht „ungeschoren“ vorbei. Nur eines verwunderte die Adelsleute aus dem Sächsischen. Da kamen ihrem König so Gestalten entgegen, - herausgeputzt mit kaffeewärmerähnlichen weißen Perücken und schlecht sitzenden Kostümen (die meisten Damen hinterließen einen etwas besseren Eindruck), die gar nicht daran dachten ihrer Majestät die Ehre zu erweisen… Der Alte Fritz nahm es mit Gelassenheit und freute sich über das nette Entgegenkommen des Publikums. Sein Vater, der Soldatenkönig hätte wohl seinen Stock kräftig auf den Rücken der „Weißmützen“ tanzen lassen.

Am Neuen Palais angekommen, gelang es dem König, trotz totaler Überfüllung, einen gut überdachten Platz für sich und die Sachsen zu ergattern. Das war sehr gut so, denn bald sollte es kräftig aus den Himmelsschleusen plattern. Unser trockenes Unterkommen verdanken wir drei überaus vergnügten netten Weibsbildern aus Havelberg, die uns mit ihrer lauten Fröhlichkeit munter hielten. Später gesellte sich noch unsere Potsdamer Freundin Marie (Herr Karl) dazu, die wir zu Beginn unseres Rundganges am Schloss in Gesellschaft einer Barocktanzgruppe sahen. Die Besucher wurden von der Tanzmeisterin Jutta VOSS (eine Meisterin ihres Faches) begrüßt, - allerdings mit dem überhaupt nicht meisterlichen Fauxpas, den soeben eingetroffenen König und Kurfürsten Friedrich II. überhaupt nicht estimiert zu haben, obwohl doch allen gut sichtbar und mit raunen begrüßt. Na, ja!

Inzwischen hatten wir den schönsten Dauerregen, der auch einen bekannten Schauspieler unter das schützende Zeltdach der mobilen Parkgaststätte trieb. Dem Kämmerer wollte und wollte der Name nicht einfallen, aber nun weiß er ihn natürlich, - hat er doch nur wegen Ullrich MÜHE und dem exzellenten Darsteller des Kommissars Joe Hoffer die Serie „Der letzte Zeuge“ in der zdf- neo- Wiederholung angeguckt. Jörg GUDZUHN, - ein toller Schauspieler, dem trockene Füße zur Schlössernacht zu wünschen waren.

Trotz Regen, pünktlich 0:30 Uhr schossen die Feuerwerksraketen am Neuen Palais und gleichzeitig am Schloss San. Souci in den nächtlichen Himmel. Als der letzte Funke vom Himmel gefallen war, sind wir uns alle einig gewesen, dass sich das Ausharren in Feuchte und Kühle gelohnt hat.

1:30 Uhr sollte uns unser Taxi wieder abholen, aber das hatte schuldlos eine Karambolage, so dass wir uns in Geduld üben mussten, aber erstaunt sahen, wie schnell Fressbuden, Bühnen ect. Am Verschwinden waren. Wir glaubten Steffen nun, dass am Sonntagvormittag nichts mehr vom Schlossnachtspektakel zeugen wird. Gegen 4:00 Uhr in der Früh schafften wir es dann doch noch auf unsere Luftbetten und gegen 10:00 Uhr verstauten wir unsere Behausung und die ganze Ausrüstung, die einer Nordpolexpedition würdig gewesen wäre. Aber was sage ich, wie hätten wir manchmal alt ausgesehen, wenn Regina nicht so vorsorglich viel einpacken würde.

Wir genossen ein weiteres Mal Steffen LEUs Gastfreundschaft beim Frühstück und der Abschied fiel uns schwer. Bei Freunden fühlt man sich halt wohl und da ist das so!

Herzlichen Dank unserem lieben Freund Steffen nach Freie Scholle und auf der Heimfahrt konstatierten wir, dass der Besuch der Potsdamer Schlössernacht ein Erlebnis ist, was man sich gönnen sollte. Unseren Vereinsfreunden können wir dieses Event nur wärmstens empfehlen, - es gibt in der Nähe bestimmt eine Jugendherberge oder andere bezahlbare Unterkunft.

Nun Väterchen Czar Pjotr, auch Eure durchlauchtigste kaiserliche Majestät wird sich in und an dieser feierlichen Nacht (in 2015) berauschen können. Sehr bolschoi gutt.  Text und Fotos: Bernd Schwabe (eingestellt am 19.08.2014)

 

 



Zurück