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20. Sabinchenfest zu Treuenbrietzen (13.-14.06.14)

Nadin, Regina, Frank, Werner und Bernd bei Manuela, Jaqueline, Nadin, Mike, Matthes, Florian und Sabinchen

20. Sabinchenfestspiele in Treuenbrietzen ( 13. und 14. Juni)

Wir trällerten in Kindertagen das Liedchen zur Moritat von „Sabinchen war ein Frauenzimmer“, aber davon war wohl nicht viel hängen geblieben. Erst als uns unsere Potsdamer Freunde von >>Les danseurs de Sans, Souci<< zur Teilnahme am Treuenbrietzener Stadtfest einluden, kam die Erinnerung an die keusche Jungfer Sabine wieder hoch und im Internet war näheres dazu zu finden , wie dieser gewissenlose Schustergeselle des Sabinchens Unschuld und Ehre raubte. Erst ging er ihr an die Wäsche, aber was das Jüngferlein für Liebe hielt, war nichts weiter als Ausputze und das dumme Ding war so vernarrt, dass es sich für diesen Schlingel am Eigentum ihrer Herrschaft vergriff. Der Schuster hatte hernach viel Zeit über die Verwerflichkeit seines Tuns im finsteren Kerker nachzudenken, - doch des Sabinchens Ruf blieb für ewig geschädigt. Heutzutage passieren ganz andere Dinge, - das Schusterlein wäre mit einigen Tagen gemeinnütziger Arbeit davongekommen und Sabinen hätte lediglich an dem Vorwurf zu tragen, eine recht dumme Gans zu sein. Sei es wie es ist, der Stadt Treuenbrietzen war dieser etwas angestaubte Kriminalfall wert, damit ein recht frisches Stadtfest zu etablieren. Genau vor 20 Jahren gab es das erste Sabinchenfest und daraus entwickelten sich Sabinchen- Festspiele, die für die Stadt und Region ein sommerlicher Veranstaltungshöhepunkt darstellen. Wir als TDB betrachten es als Ehre, bei den 20. dabei gewesen sein zu. Gern wären wir in etwas größerer Besetzung in die (ehemals) sächsische Provinz gereist, aber da gab es noch andere, eher erfolgte Einladungen und einen hohen Krankenstand… So bestiegen wir, die Hofsängerin (Regina SCHWABE), die Zarewna von Russland (Nadin SCHUBERT) und der olle Kämmerer (Bernd SCHWABE) am Freitagvormittag, unsere Chaise und starteten zur Fahrt ins Preußenland. Der ehrenwerte Graf von Weißenberg zu Ossig (Frank WEISE), der als Krautjunker noch durch die Kirschenernte und Heumahd aufgehalten wurde, kam etwas später nach und Majestät, der ebenfalls der Einladung seines königlichen Cousins Friedrich Wilhelm I. folgte, bezog alsbald auch seine Besucherresidenz.

 

 Das Vorauskommando hatte diese schon beschnorchelt und für groß genug befunden. Immerhin befand sich unsere Schlafstatt in der Treuenbrietzener Stadthalle, einem modernen Mehrzweckgebäude. Halle kommt von hallen, - da konnten schon ängstliche Erwartungen betreffs nächtlichem Nachhall gewisser Atemtechniken aufkommen. Dies zumal, da der Soldatenkönig, der es sich nicht nehmen ließ bei seinem Gästen aus dem Sachsenlande zu nächtigen, als besonders betont lauter Schnarcher bekannt ist. Als dann die Adelsfuhre aus Potsdam eintraf, gab es daher schon die ersten Veränderungen zum Gewollten des Veranstalters und so manches Nebengelass wurde zur Schlafstätte umfunktioniert. Das betraf aber nur die Weicheier aus Preußen, - der sächsische Hofstaat genoss zwei Nächte lang die majestätischen Lautäußerungen des Soldatenkönigs, - und trug es mit Fassung und ohne gesundheitliche Schäden. Die Treuenbrietzener Nächte waren ja ohnehin recht kurz…

Von Beginn an wurden wir von den Freunden des Sabinchenvereins, - hier besonders in Persona von Gerald, ganz lieb bemuddelt und unter deren Fittiche genommen. Das Frühstücksbuffet war königlich, was sicher auch zum versprochenen Siebengängemenü zu sagen gewesen wäre, wenn dies nicht (wie wir hörten) vom Golläschen Petrus gestrichen wurden wäre. Aber spätestens seit Täve SCHUR wissen wir ja, wie mit einem „Hungerast“ umzugehen ist!

 

So also, - herzliche Begrüßung unserer langjährigen Potsdamer Freunde um Mike SPRENGER und durch das Dabei sein von Florian, die Gewissheit auf eine vergnüglich- musikalische Nacht. So weit war es aber noch nicht. Nachdem wir als Vorhut der sächsischen Adelsleute und der Potsdamer Hof eingetroffen waren, begaben wir uns, nicht mehr zivil getarnt, zur Kirche, um der feierlichen Eröffnung dortiger Ausstellungen und des Festes der holden Sabine, beizuwohnen. Der Hausherr von St. Marien Herr Pfarrer Gunter SEIDEL hielt eine Rede und freute sich über die guten Wünsche zu seinem heutigen Geburtstag, die der Herr Bürgermeister KNAPE überbrachte. Nachdem alle Reden geredet waren, gab die ehrenwerte Hofsängerin dem Herrn Pfarrer noch ein Geburtstagsständchen. Hier in der Kirche lernten wir auch das adulte Sabinchen- Paar und mehrere allerliebste juvenile kennen. Auch die Rosenbowle, gespendet von der Kirchgemeinde, war zu probieren. Und gern folgten wir, nach dem Offiziellen, der Einladung Geralds ins Eiscafé. Doch dann eilten wir zum Quartier. Hier stiegen wir in bequemere Kledage und wer es nötig hatte, erhielt von Nadin SCHUBERT eine entspannende Massage verpasst.   

Nun, noch immer nicht ganz vollzählig, ging es zur Festmeile um dort die Verpflegungsmarken abzuessen, auf Reihertour per Schaustellerunternehmen zu gehen und den trefflichen Tageshöhepunkt in Form einer Lasershow mit Feuerwerk zu genießen. Wirklich toll, wozu die Treuenbrietzener Sabinchen- Fans in der Lage sind, für ihre Bürger und Gäste auf die Beine zu stellen (und das noch eine ganze Woche!!!). Der OB Michael KNAPE, der während des ganzen Festes immer momentan war, kann stolz auf seine einsatzfreudigen Bürger und Vereinsfreunde sein. Aber auch diese, auf ihren Stadtschuldheißen und gleichzeitigen Vereinsvorsitzenden. Wie es doch kommt, dass man in den kleinen Gemeinwesen (zumeist) eine glücklichere Hand in der Wahl des Gemeindeoberhauptes hat, als z.B. in einer nicht namentlich zu nennenden sächsischen Landeshauptstadt? Nachdem unser lieber FLO seiner Höhenangst beim Schausteller mehrmals getrotzt hatte und uns dabei schon vom Zusehen etwas würfelig zumute wurde, riefen unsere Turnermatten (übrigens hervorragende Schlafunterlagen – selten so gut geschlummert!!!) und wir zogen heimwärts in unsere Sporthalle, nun ganz vollzählig, da vor geraumer Zeit auch Frank und Werner zu uns gestoßen waren. Dort bretterte es den ollen Kämmerer alsbald auf seine Schlafmatte nieder, - dieser erste Tag mit Sabine war halt nicht nur scheen, sondern auch etwas anstrengend.

In süßesten Träumen verstrickt, - dieser Graf zu Nau hatte `s Sabinchen fast in seiner hochherrschaftlichen Kemenate, - rissen diesen irgendwelche ungezogenen Liedpassagen aus seinem Schlaf und ungeahnt schnellen Schrittes eilte der Kämmerer aus seiner riesigen Kammer den Gitarreklängen FLO’s entgegen und so ging es auch für ihn bis in die späte dritte Stunde heiter weiter.

Die Nacht war kurz und das Frühstück, dank der Sabinen und Sabinerische, gar fürstlich (will man ja wohl auch meinen!!!) Auch der Blick zum Himmel stimmte (zunächst) optimistisch, - aber streckenweise war das Wetter eher mistig! Gut gestärkt an Leib und Seele folgten wir den schnellen Schritten Friedrich Wilhelms und Friedrich Augusts und langten alsbald im Festgetümmel an. Über Nacht war der Oberbürgermeister zum Stadtschultheißen KNAPE mutiert und im barocken Outfit war er nun als Gastgeber präsent. Vorher hatte er seinen königlichen Gästen und deren Hofstaaten noch in „Räuberzivil“ die Händler- und Handwerkermeile gezeigt. Dabei hielt das Wetter zunächst noch ganz gut aus, aber man mochte nicht gern zum Himmel schauen. Irgendwann erwischte uns eine Floge doch, aber gastfreundliche Treuenbrietzener gaben uns trockenen Unterschlupf. Andere waren weniger freundlich und wollten doch den Sachsenfürsten beim passieren der „Reichsgrenze“ abfetten… Nur der Einspruch Friedrich Wilhelms verhinderte größere diplomatische Verwicklungen. So war der Schlagbaum auf dem Rückweg offen und wir konnten dem nächsten Programmpunkt zustreben.

Dieser war das Tabakskollegium, wozu der gastgebende Schultheiß mit seinen Stadtgrößen ebenso an der Openair- Tafel Platz nahm, wie der männliche Part des Hofstaates des Soldatenkönigs und des sächsischen Kurfürsten und Polenkönigs. Mit Tabakmischungen, die den Originalen damaliger Zeit nachempfunden waren, wurden die Meerschaumpfeifen gestopft und mancher (sonst militanter Nichtraucher) hatte seine liebe Not dat Dingens zum qualmen zu bringen. Es entspann sich eine lebhafte Diskussion, die viele Themen ansprach und ebenso friedlich verlief, wie die beiden Pfarrer, - der evangelische und der katholische, beisammen saßen. Allerdings hatten beide, obwohl doch am ehesten zuständig, die himmlischen Mächte nicht im Griff und so löschte ein ungezogener Platzregen unsere Piepen aus und löste eine eilige Flucht zu trockenerer Örtlichkeit aus. Hier in der Alten Feuerwache konnte der Disput weitergehen und die dort von Friedrich Wilhelm geäußerten Worte haben den Rezensenten doch sehr ergriffen, - wohl auch, weil es die Worte von Mike SPRENGER waren. Thema war GEMEINSAMKEIT, - hier haben wir wohl alle noch Nachholbedarf. Zumindest die beiden Geistlichen nickten sich zustimmend zu.

Irgendwann war der Sprit alle und es zog uns zu unserer Unterkunft. Hier hatte dann unsere Nadin wieder alle Knethände voll zu tun. Vor allem die geschundenen Füße von Mike hatte eine derartige Erholungskur vonnöten. Den Potten des Soldatenkönigs sieht man schon von außen an, dass sie nicht   sonderlich bequem sind!!!

Nun kam irgendwoher die Nachricht, das spätabendliche Tanzen von >>Le danseurs de San. Souci<< fällt ebenso witterungsbedingt aus, wie das Abendmenü. Dabei hatte die Truppe noch mal fleißig trainiert um hernach topp zu sein. Damit nicht alle Müh’ umsonst gewesen, gab es eine Privatvorführung für das Fußvolk des Dresdner Hofes, - währenddessen sich der sächsische August schon Richtung seiner Residenz befand.

Mitten in unsere Vorstellung platzte  die Meldungt: „Hurtig, hurtig, - es wird doch noch getanzt, - an Sankt Marien wartet schon eine Menge interessierter Leute!“ Also hieß es, die müden Glieder noch mal hoch zu reißen und der Bühne an der Marienkirche zugeeilt. In der Tat, hier wurden die Tänzer aus Potsdam schon aufs sehnlichste erwartet. Was dem Publikum und auch uns geboten wurde, war, erwartungsgemäß, ganz wunderbar, auch wenn dies die äußeren Bedingungen nicht waren. Ganz großes Dankescheen von Eire Sacksen, - vor allem Dir, lieber Mike (Du weißt schon!!!).

Zurück in unsere Heiligen Hallen, hatten dann doch einige das Bedürfnis, ganz eng  an der Sportmatte zu horchen. Der harte Kern hielt noch etwas länger aus. Da der Rezensent nicht zu letzterer Gruppe zählte, kann er über den unsrigen Ausklang des Sabinchen- Festes nichts berichten.

Der Sonntagmorgen sah die Dresdner frühzeitig auf den Beinen, denn der Schlosstriathlon am Jagdschloss Moritzburg erwartete den Dresdner Hofstaat zu seinem Mitwirken. Solidarisch hatten sie sich von ihren Matten gequält und so gab es ein letztes gemeinsames Frühstück mit unseren Potsdamern. Und dann hieß es schon  in die Roben springen und all die Bagage in den Chaisen unterbringen… Dann mussten wir uns, was schwer gefallen ist, aus den Umarmungen unserer lieben Freunde frei machen und der  sächsischen Heimat zustreben. Auf ging es dem Triathlon entgegen, - dabei hatten wir den hier in Treuenbrietzen doch auch schon: Lauf vom Quartier zur Festmeile und zurück (mehrmals), schwimmen im Gewitterguß und gerädert waren wir auch ganz schön!!!

Danke TREUENBRIETZEN mit allen Sabinen und Sabinern, Danke für die herzliche Aufnahme und das schöne Fest – wir holen uns gern mal wieder Eure Stadt nach Sachsen zurück.  Text und Fotos: Bernd Schwabe (eingestellt am 16.06.2014)  Aus technischen Gründen erscheinen einige Bilder nur in Graustufen, - tut mir leid/B.S.



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