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Fortsetzung der TDB-Weiterbildungsreihe am 23. 03. 2014

Eine weitere Fortsetzung der Weiterbildungsreihe, zu den im TDB verkörperten historischen Persönlichkeiten:

Eine böhmische Freiin als Oberhofmeisterin am Dresdner Hof und eine braunschweigsche Prinzessin als Kronprinzessin am Zarenhof Peter I.

Die neuerliche Fortsetzung unserer Weiterbildungsreihe versprach so interessant zu werden, wie das Leben der zu behandelnden Personen damals auch in der Realität verlief.

Zwei Frauen, die zwar keine große Geschichte machten, über die aber dennoch einiges zu berichten ist: Maria Anna Theresa geborene Freiin vom Stain (auch Stein) zu Jettingen Gräfin von Kolovrat – Krakowsky und Charlotte Christine Sophie geborene Prinzessin von Braunschweig – Wolfenbüttel – Lüneburg, nachmalige Zarewna (Kronprinzessin) von Russland.

Dem erwarteten informativen Anspruch wurden die Referentinnen des Tages (23.03.14), - Silke AYDIN und Nadin SCHUBERT, voll gerecht und Silke eröffnete mit ihrer Beamer- Präsentation über die Adelsdame aus Böhmen, unsere Veranstaltung, die nicht wie geplant pünktlich 11:00 Uhr, an bewährtem Ort, dem „Bistrocafé Am Schloss“ beginnen konnte, da wegen des "Dresdner – City – Laufes" unser Veranstaltungslokal  nur schwer erreichbar war und auf Nachzügler gewartet wurde. Als niemand mehr zu erwarten war, konnte unser Exkurs in das Leben der beiden Adelsdamen beginnen.

Das Zusammentragen von Bildmaterial erwies sich für Silke AYDIN schwieriger als ihrer Nachreferentin, da offenbar  kein Portrait, der von ihr dargestellten Gräfin, der Nachwelt hinterlassen wurde. Dennoch gelang ihr eine Präsentation in bunt illustrierter Folge mit hohem Mitteilungswert.

Maria Anna Theresa Gräfin von Kolovrat – Krakowsky war als Freiin vom Stain zu Jettingen, die am 05. August 1688 geborene Tochter von Philipp Ernst und Maria Theresia von Küenburg vom Stain (auch Stein, Staim). Sie verlebte eine sorgenfreie, wenn auch nicht üppige Kindheit, so wie die Nachkommen anderer, nicht eben reicher, Landadeliger auch. Aufstieg konnte diesen Adelsfräuleins nur eine standesgemäße Heirat bringen. Die Hochzeitspolitik derer von Küenburg erwies sich für ihre Tochter Maria Anna Theresa als glücklich, denn am 30. August des Jahres 1713 heiratete diese in Reichstadt den späteren österreichischen Oberlandkämmerer von Böhmen und Stadthalter von Prag, Maximilian Norbert Graf von Kolovrat – Krakowsky (02.10.1658 – 25.05.1721), - einen sehr einflussreichen, mächtigen Mann, dessen Macht die Gräfin weidlich für eigene Interessen zu nutzen wusste. Allerdings währte die Ehe nur knapp 8 Jahre, da der Gemahl durch frühen Tod von dieser Erdenwelt abberufen wurde. Auch ihr Sohn Johann Ernst Philipp verstarb frühzeitig, aber dem gesellschaftlichen Aufstieg ihrer am 02.04.1717 geborenen Tochter Franziska Maria Anna galt nun ihre ganze Aufmerksamkeit.

Durch die Annahme des Amtes einer Oberhofmeisterin bei der sächsischen Kurfürstin und Königin in Polen Maria Josepha (vormalige österreichische Prinzessin), hatte sie selbst eine recht einflussreiche Stellung und so war es ihr wohl ein leichtes, ihre Tochter an den rechten Mann zu bringen. Diesen rechten Mann sah sie, im Gegensatz zu manch anderen damaligen Zeitgenossen, im 1.Premierminister August III., Heinrich Graf von Brühl auf Pförten, einem vom Silberpagen zum mächtigsten Manne Sachsens emporgeschwungenen Günstling des Kurfürsten, - mit unglaublicher Machtgier, Hab- und Verschwendungssucht. Diesem Menschen verschacherte die Kolovrat – Krakowsky ihre Tochter. Am 29. April 1734 erfolgte die Eheschließung. Als Gemahlin des nunmehrigen Reichsgrafen von Brühl war diese Tochter eine schillernde Figur im Dresdner Machtbereich und samt ihrer raff- und prunksüchtigen Familiensippe am beginnenden politischen Niedergang Sachsens in nicht geringem Maße beteiligt.

Die brühlsche Schwiegermutter saß dabei, wie eine Glucke auf ihrem Nest in dieser Welt aus Gier, Prunk und Intrige und legte goldene Eier.

Doch auch ihr Stern sollte (zumindest bei der Kurfürstin Maria Josepha) verblassen, denn seit Anfang der 1750er Jahre wurde man so langsam auf die Machenschaften ihres Schwiegersohnes aufmerksam und Ungnade schwebte über diesem, die allerdings erst nach August III. Tode, durch den neuen Kurfürsten Friedrich Christian (regierte 05.10. – 17.12.1763) rigoros zur Anwendung kam. Brühl wurde aller seiner Ämter entsetzt und sein unrechtmäßig angeeigneter Besitz eingezogen. Diese Schmach erlebte die machtgewohnte Dame nicht mehr, denn am 2. Mai des Jahres 1751 hatte sie ihre Augen für immer geschlossen. Maria Anna Theresa Gräfin von Kolovrat – Krakowsky war eine selbstbewusste Person, die wusste, wie man zur Macht gelangte und diese erhalten konnte, dabei waren ihr wohl alle Mittel recht. Eine interessante Persönlichkeit war sie allemal und der Rezensent denkt, dass es schon auch Mut bedarf, eine nicht unbedingt positiv zu bewertende Person heute darzustellen. Dafür und für die wirklich tief schürfenden Ausführungen ist unserer Freundin Silke AYDIN ganz herzlich zu danken.

Silke beendete ihren Vortrag mit dem Bemerken über ein höchst geheimes Hobby ihrer Gräfin Kolovrat – Krakowsky, - die nämlich (ganz fiktiv) heimlich Eierlikör selbst hergestellt und verkonsumiert haben soll. Ein paar Flaschen wurden neulich im Nachlass der Gräfin gefunden und ihr heutiges Ebenbild verschenkte einige davon an ihre Zuhörer. (Das hätte wohl die echte Gräfin nie getan, - eher hätte diese eine Abgabe gefordert!)

Da bei uns im TDB Pausen keine Raucherpausen sind, konnte alsbald mit dem zweiten Teil unserer Personenvorstellung begonnen werden. Dazu nahm unsere Freundin Nadin SCHUBERT am Laptop und hinter dem Beamer Platz.

Nadins Hingabe ist ganz auf eine braunschweigschen Herzogstochter gerichtet. Eine Prinzessin, die nach einer freudvollen Kindheit bald in eine Welt gehen musste, die ihr fremd war und blieb und auch manches Leid erleben ließ. Charlotte Christine Sophie Prinzessin von Braunschweig – Wolfenbüttel – Lüneburg war, als die spätere Zarewna, - wie im russischen Zarenreich seit Iwan dem Schrecklichen die Kronprinzessinnen genannt wurden, die Schwiegertochter Peter des Großen. Um dazu viel sagen zu können, hat sich Nadin ebenfalls umfassend vorbereitet, Informationen gesammelt und war dabei erfolgreicher als ihre Vorrednerin beim Aufspüren von Bildmaterial.

Die Prinzessin aus Braunschweig war ein aufgewecktes fröhliches Kind, welches ihren Eltern; dem Herzog Ludwig Rudolf und die Herzogin Christine Luise von Öttingen – Ottingen, mit ihrer Geburt als drittes Kind, am 28.08.1694, viel Freude brachte, auch wenn die Prinzessin oft unter deren Strenge litt. Im Alter von sieben Jahren kam das Mädchen als Mündel zu ihrer Tante, der sächsischen Kurfürstin Christine Eberhardine von Sachsen, wo es ein freudvolles und sorgenfreies Leben hatte und eine umfassende Bildung erfuhr. In Religionsahngelegenheiten war die Erziehung rein lutherisch und die protestantische „Betsäule Sachsens“ mag später geseufzt haben, nach Religionswechsel von Gatten und Sohn, nun ihr geliebtes Mündel sich der Russisch- Orthodoxen Religion zuwenden zu sehen (als künftige Zarin ging es nur so!) Bald war die Prinzessin im heiratsfähigen Alter und in Braunschweig dachte man über einen geeigneten Gatten für sie nach.

 Nach damaligem Brauch wurden Heiraten arrangiert, - Liebesbünde gab es wohl äußerst wenige, und sie dienten vornehmlich Macht- und Gebietszuwachs und dienten als Vorwand von Bündnissen. Die Befindlichkeiten und Gefühle der so zusammengegebenen Brautleute, spielte in diesem Spiel um Macht und Einfluss keine Rolle. Die Braunschweigsche Prinzessin Charlotte Christine Sophie schien es dabei besonders schlimm getroffen zu haben, denn Zar Peter I. suchte für seinen Sohn, den er für einen Tunichtgut hielt, eine geeignete Braut.  So wurde Charlotte Christine 1711 mit dem Sohn Peter des Großen, dem Zarewitsch (Kronprinzen) Alexeij Petrowitsch von Russland vermählt. Die Zeremonie fand am 25. Oktober bei der Kurfürstin Eberhardine von Sachsen in Torgau statt. Der Bräutigam verließ sie alsbald in Richtung Zarenreich und dort hatte man es nicht eilig, die deutsche Prinzessin, die eh nur dem Schmieden von Allianzen dienen sollte, am Hofe in St. Petersburg einzuführen.

Eines Tages reiste die Zarewna dann doch ihrem Gemahl nach, - und das mit großem Gepäck und eher unbescheidenem Tross… Sie mag geahnt haben, dass man sie finanziell am Zarenhofe an der kurzen Leine halten würde.

Vom Hof, der Zarin und selbst vom Zarewitsch bekam sie weder Zuneigung noch Liebe zu spüren. Nur der aufgeklärte Zar Peter der Große (eigentlich: Pjotr Alexejewitsch Romanow) begegnete ihr mit Achtung und väterlicher Zuneigung, - womit er ganz das Gegenteil seines charakterschwachen, tob- und trunksüchtigen Sohnes Alexeij war, der seine junge Frau regelrecht misshandelte. Charlotte Christine Sophie hatte kaum noch einen schönen Tag, dabei war sie ein sorgenfreies Leben in Braunschweig und Torgau gewöhnt gewesen. Trotzdem gebar die Kronprinzessin zwei Kinder,- ein Mädchen, welches Natalija Alexeyewna getauft wurde und einen Jungen, der später als Peter II. Zar aller Reußen wurde. An den Folgen dieser letzten Geburt verstarb die Zarewna Charlotte Christine Sophie am 02. November 1715 (jul. Kalender 22.10.1715)… Der Schwiegervater Zar Peter I. konnte den Tod der Prinzessin nur schwer verwinden, der Gatte blieb gegenüber diesem gleichgültig und vergnügte sich, noch während der Aufbahrung der Zarewna, mit seiner Mätresse… Die Zarin Katharina I. musste der Trauerfeier fern bleiben, da sie im Kindbett sich befand. Das wird sie auch kaum näher berührt haben, da auch sie die deutsche Prinzessin nicht mochte und dies ihr zu Lebzeiten spüren ließ. Russische Tränen vergoss am Sarg  seiner geliebten Schwiegertochter vermutlich wohl nur Zar Peter, der kaiserliche Schwiegervater.

Als erstes Mitglied der Zarenfamilie wurde die Welfenprinzessin in der St. Peter & Paul Kathedrale beigesetzt. Peter der Große verzieh seinem Sohne Alexeij den schlechten Umgang mit der Kronprinzessin nie und noch weniger dessen ungehemmtes Lotterleben. Es mag aus heutiger Sicht ungeheuerlich scheinen, aber der Zarewitsch wurde später, im ohnmächtigen väterlichen  Zorn,  auf dessen eigenen Befehl, 1718 zu Tode gefoltert.

Die Zarewna von Russland und geborene Prinzessin von Braunschweig - Wolfenbüttel – Lüneburg Charlotte Christine Sophie ist eine Persönlichkeit vergangener Zeit, an die man sich gern und mit Mitgefühl und Hochachtung erinnern kann. Wir sind froh, dass unsere Vereinsfreundin Nadin SCHUBERT in die Rolle dieser bemerkenswerten und unglücklichen Frau geschlüpft ist und sie mit viel Liebe und Hingabe im TDB verkörpert. Dabei kann sie besonders gut nachempfinden, wie es der Prinzessin aus dem Hause der Welfen (Blankenburg war Residenzsitz der Eltern) in Russland erging, - hat sie doch selbst viel von der guten russischen Seele in sich.

Auch für Nadin gab es dankbaren Applaus für ihre umfassenden Ausführungen per Beamer- Präsentation.

Auch die „Zarewna Nadin“ hatte ihr Schatzkästchen geöffnet und der eine oder andere freute sich über ein Geschenk…

Zwischendurch hatten wir unsere Bestellungen in der Küche abgegeben und es konnte, - wie immer, sehr schmackhaft und reichlich, getafelt werden. Das Gros der Teilnehmer saß noch eine Weile in freundlicher Runde beisammen, - Danke Kerstin DANIEL und Petra TREPPTE, dass ihr unserer Veranstaltung als Gäste mit Interesse beigewohnt habt, - aber der Vorstand separierte sich bald, um ab 14:00 Uhr noch einige terminliche und organisatorische Dinge zu klären. Näheres wird die Vorsitzende demnächst bekannt geben.

14:45 Uhr beendeten wir unser sonntägliches Treffen und strebten mit gesättigtem Geist und Magen befriedigt heimischen Zielen zu. Text und Fotos: Bernd Schwabe (eingestellt am 24.03.2014)

 

 

 

 



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