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Piratenfest in Jülich vom 20. - 22. 09. 2013

Der Dresdner Hofadel ist unter die Seeräuber gefallen:

Piratenfest im Brückenkopfpark zu Jülich (20. – 22. 09. 2013)

Diesen Bericht möchte ich diesmal mit dem beginnen, was ich sonst zum Schluss bringe, - nämlich die DANKSAGUNG, die mir vorangestellt angebracht erscheint. Zuförderst geht mein Dank, dem sich wohl alle Jülich- Fahrer anschließen, an unsere beiden Chauffeusen Silvia und Regina, die uns sowohl hin, wie wieder heimwärts gebracht haben. Ging mit der Hinfahrt alles glatt, hatte es aber die Heimfahrt in sich… Müde Knochen und Plattfuß (des Autoreifens) machten die Fahrt zum Abenteuer.

Danken möchte ich auch allen TDB- Mitgliedern - und Freunden, die den weiten Weg durch sieben Bundesländer bis nach Jülich auf sich nahmen, um unseren Verein dort beim Piratenspektakel zu präsentieren. Neben Silvia WEISE und Regina SCHWABE waren das Elke METZNER, Renata, LINNÉ, Veronika und Gerd JACOB, die Wenigkeit des Rezensenten (Bernd SCHWABE) und unsere Freunde Christine BARTEL und Wolfgang PETZOLDT. Per Wohnmobil waren Veneta LORENZ und Werner POHLE schon einige Tage eher unterwegs und stießen in Jülich zu uns, - so dass der Dresdner Hofstaat nicht als Rumpf ohne Kopf beim Piratenfest auflaufen musste. Werner ging uns als Kurfürst und Polenkönig voran und hatte neben der aktuellen (Reichsgräfin von Cosel), noch die beiden verflossenen Mätressen Gräfin von Königsmarck und Reichsfürstin von Teschen „am Halse“.

Bedanken möchten wir uns auch bei den Organisatoren vor Ort, die uns ein völlig neues und daher unvergessliches Erlebnis mit ihrem Seeräuberfest beschert haben. Mit unserem Dank möchten wir Ralf WINTERHOFF (der für uns Ansprechpartner war) auch bescheinigen, dass wir mit nur den allerbesten Eindrücken wieder ins Sachsenland zurückgekehrt sind. Ein tolles Fest mit tollen Darstellern und einem nicht weniger tollen Programm, - was schon fast zu umfangreich war. Wir jedenfalls haben nicht alle Programmpunkte schaffen können, waren wir ja selbst darin eingebunden. Danken möchten wir auch Herrn VON DER CRACHT, in dessen Hause wir uns sehr wohl gefühlt haben. Gern kommen wir wieder, wenn die Freibeuter ihre Segel im Brückenkopfpark zu Jülich erneut gesetzt haben…

Beginnen wir unseren Exkurs ins Jülicher Piratenland im heimischen Dresden. Dort war am Freitagmorgen vor der Bosenschen Behausung Treffpunkt und nachdem so nach und nach alle Teilnehmer am Ort waren, glich der Hof sehr einer Sammelstelle für Kleiderspenden. Silvia steuerte dann unseren angemieteten Kleinbus in den Hof und es gelang ihr, alle Roben, Perücken, Kavaliersstöcke, die Restaurierungsutensilien der Damen und den Reiseproviant im Stauraum unterzubringen. Pünktlich 9:00 Uhr ging die Reise via Herzogstadt Jülich los. Unsere Chauffetten wechselten sich am Lenkrad ab und es wurden auch Pausen zum vertreten der Füße und zur leiblichen Stärkung eingelegt. So gelangten wir dann, - zwar mit etwas tauben Hindern und eingeschlafenen Füßen gut gegen 16:00 Uhr in Jülich an. Das Quartier war auch schnell gefunden und die Schlafstellen a.- la „Gemischte Sauna“ aufgeteilt. Regina hat mit der Bestellung dieser Unterkunft einen guten Griff gehabt, wenn man auch beim Betätigen der Türklinken nicht ohne Kunstgriff auskam. Sonst aber war alles paletti… Als wir eingerichtet waren und per Handy Veneta und Werner geortet und zu uns gebeten hatten, ging es zum Brückenkopf- Park, wo wir unsere Mobilcamper begrüßen und schon mal einen Blick auf den Ort des uns erwartenden Spektakels werfen konnten. Zu unserer Überraschung trafen wir dort Michael, den Dessauer Jäger, und seine Petra an . Ein sehr weitläufiges und großzügiges Areal stand dem Piratenfestival zur Verfügung, um hehre Scharen von Besuchern empfangen zu können. Leider empfingen wir die Einladung zum freitagabendlichen Captains Dinner zu spät, um alle unsere Teilnehmer zusammen zu bekommen, was wir als sehr schade empfanden. Aber da waren unsere Musikanten noch auf der Strecke und da deren Weg zunächst erstmal irrtümlich nach Bayern führte, konnten sie erst gegen 1:00 Uhr von Regina den Schlüssel der Unterkunft überreicht bekommen. Bevor aber auch Regina zu ihrem verdienten Schlaf kam, waren wir zur leiblichen Stärkung beim Chinesen und langten beim Buffet kräftig zu. Die Nacht war kurz, für Regina besonders, aber der helle, teilweise sonnige Morgen vertrieb schnell allen unterdrückten Schlaf aus den Augen.

Samstagmorgen, - wir rückten pünktlich 9:00 Uhr im Brückenkopf- Park ein, wo uns der Veranstalter in der Blumenhalle, die an den beiden Wochenendtagen unsere kleine sächsische Enklave (sprich: Auftrittsort) sein sollte, zum Frühstück eingeladen hatte. Die Musiker Bernhard und Thomas gesellten sich dazu und nach allseitiger Stärkung bauten diese ihre Instrumente samt Technik auf und wir richteten unsere fürstlich- festliche Tafel her. Vorsichtshalber hatten wir die besten Silberstücke und Porcellaines in der Residenz gelassen, - man weiß ja nie, bei dieser engen Nachbarschaft zu den Freibeutern…

Zur Mittagsstunde gab es unseren ersten Auftritt, der sich bis zum letzten (18:00 Uhr), alle zwei Stunden wiederholte. Dabei wurde Wert auf ein abwechslungsreiches Repertoire gelegt, - bei der Musik des Kurfürstlich Sächsischen Barockensembles mit den Musikern „Bernard“ und „Tomasch“, sowie der gräflich- königsmarckschen Querflöte (Silvia WEISE) und der Hofsängerin (Regina SCHWABE), -  wie auch bei den Tanzeinlagen des Barock- und Tanztheaters mit Werner POHLE, Veneta LORENZ, Wolfgang PETZOLDT und Christine BARTEL…

Der Brückenkopf- Park belebte sich zunächst recht schleppend, obwohl der Piraten „Grog´n Roll“ und ihre Folkmusic schon von mehreren Bühnen einladend laut über das Areal der Brückenkopf- Bastionen erschallte… Unsere Blumenhalle lag wohl doch etwas abseits, obwohl auch vor deren Türen das Piratenleben tobte. Wir hatten es etwas ruhiger, aber von Auftritt zu Auftritt fühlten wir uns weniger einsam und die Liebhaber ruhigerer Töne spendeten reichlich Applaus. Erfreulich auch, dass unser Tanz- Workshop (welch hässliches Wort für Tanzübungen für Einsteiger) von mal zu mal besser angenommen wurde, wobei wir besondere Freude mit den jüngsten Tanzpartnern hatten. So rau wie wohl das Piratenleben ist, so erstaunlich die Tatsache, dass deren verwegensten und despektierlichsten Physiognomien sich auf die Tanzbühne trauten und gar wohlfeine barocke Tanzschritte aufs „Parkett“ setzten. Uns hat’s gefreut und begeistert. So sehr begeistert, wie die Gruppen, die wir in unseren Auftrittspausen, bei ihren Bühnenprogrammen erlebten. Alle waren gut, sehr gut und deren Art der Musik oder des Vortrages begeisterte auch das Adelsvolk. Der Rezensent ergötzte sich an den rauen Tönen von „Vroudenspil“ ebenso, wie am Auftritt „Mr. Hurleys & Die Pulveraffen“, oder dem Spiel der „Landlubber“  und dem der Gruppen „Pressgang“ und „Pyrates“. Aber die absolute Spitze waren wohl für alle Zuhörer „Ye Bannished Privateers“ aus Schweden, die auf der Hauptbühne agierend, schon dort das Publikum zum kochen brachte und dann bei ihrem „Privatkonzert“ für den Blumenhallenadel, uns so nahe waren, dass der olle Kämmerer der Aufforderung einer jener jungen „Piratenschönheiten“ nicht widerstehen konnte und sich von ihr durch die Halle wirbeln ließ, - bis die Luft raus war!!! „Ach war das Mädelchen scheen…“ (siehe Bild im Fotobericht) …- und die Piratenlieder auch. Wie gesagt, die Schweden waren für uns absolute Spitze und den Festmanagement kann bescheinigt werden, dass ihm mit dieser Gruppe der ganz große Wurf unter vielen großen Würfen, gelungen ist (zumal, wie man hörte, die „Ye Banished Privateers“ bisher noch nie in Deutschland aufgetreten sind). Aber, so muss hier zu lesen sein, - dürfte hier eigentlich keinerlei Aufzählung per Wertigkeit stehen, denn alle Mitwirkenden hatten ihr Publikum und begeisterten dieses und auch uns.

Wenn wir durch das Festgelände flanierten, und dabei die wirklich glücklich ausgewählten Handwerker- und Händlerstände, Bratereien, Bäckereien  und andere Etablissements besichtigten, wurden wir in unseren Roben nicht nur vom Publikum lobend wahrgenommen, nein, auch mancher Pirat erlaubte sich, das Wort an den sächsischen Adel zu richten (der hatte hier ja gewissermaßen Heimvorteil, war doch unser Starker August auch Gefürsteter Herr von Jülich) und sich anerkennend über unser Tun zu äußern. Und hier muss gesagt werden, dass wir im Vorfeld des Piratenspektakels etwas Manschetten hatten, aber wir erlebten hier durchweg nettes, gesittet auftretendes Seeräubervolk, auch wenn es zumeist recht abenteuerlich und teilweise Furcht einflößend aussah und der Alkohol an vielen Zapfstellen lockte.

Zu den angenehm berührenden Momenten des Festes gehörte auch das Zusammentreffen mit der fleißigen jungen Näherin, die sich beim Anblick S.K.M. August II. und/oder dessen adeliger Begleitung, von ihrer Arbeit löste, erhob und mit gesenktem Blick ihre Referenz erwies. Hier müssen wir ehrlich sagen, dass es diesbezüglich in „unserer“ Barockszene erhebliche Defizite gibt. Zuletzt war das in Gotha festzustellen. Da wird durch die Gegend gelatscht und oft nicht wahrgenommen, dass es hier angebracht gewesen wäre, dem Ranghöheren Ehrerbietung zu erweisen. Wir hoffen, dass das noch wird. Das gute Beispiel wirkte befruchtend erinnernd auf uns, und siehe, man erhob sich als Adelsherr- und Dame mit, wenn sich Majestät erhob und nahm erst wieder Platz wenn diese und die Damen alle wieder Platz genommen hatten, - so wie es sich gehört und ja eigentlich von uns (zumeist) praktiziert wird.

Eines dieser erinnerungswerten Momente des Jülicher Piratenfestes war auch der Vortrag der >>TORDENSKIOLD Consult<< von dem norwegischen Darsteller des norwegisch- dänischen Nationalhelden Peter Wessel, dessen Nachfahre er, Lars G. WESSEL JOHNSEN ist und uns diesen beachtlichen Seemann, Freibeuter und Kriegsmann, in bestem Deutsch, nahe brachte. Mit seinen Attacken gegen schwedische Schiffe und Befestigungen, half Peter Wessel der sächsischen Armee im Nordischen Krieg, da er damit Truppen des Schwedenkönigs Karl XII. gebunden hat, die nicht gegen Sachsen/Polen ziehen konnten. So also begrüßte seine königlich- kurfürstliche Majestät August II. den norwegisch- dänischen Seefahrer als Verbündeten. „Die einst bekämpften sich als Feind, sind in Europa heut vereint.“ Hier gilt diese Losung auch. Im Gefolge Peter Wessels befand sich neben einem norwegischen Soldaten auch ein schwedischer Seeoffizier – früher Peter Wessels Feind, - heute hier als Freund Lars G WESSEL JOHNSENS dabei. Wir haben uns über dieses Zusammentreffen sehr gefreut, - nur schade, dass wir Dresdner die einzigen Zuhörer dieses interessanten Vortrages über den großen Seemann Peter Wessel Tordenskiold geblieben sind.

Nach dem letzten Auftritt pilgerte der Hofstaat zur Nordbastion, wo der Tageshöhepunkt, - eine große Seeschlacht nachgestellt wurde. Leider waren wir wegen unseres Auftrittes spät dran und so gab es keine Sitzplätze mehr und auch die Stehplätze waren wegen ihrer Hanglage sehr unbequem, sodass wir uns bald zum Aufbruch entschlossen (leider).

Der Weg durch das abendlich beleuchtete Lager hatte etwas Romantisches, doch unsere müden Knochen ließen uns dem Quartier zustreben, wo auch unsere Mobilcamper Veneta und Werner dazu stießen und wir in netter Runde einen erlebnisreichen Tag abschlossen  

Sonntagmorgen, - wir stärkten uns bei ausgiebigem Frühstück in der Blumenhalle, - unter deren Wipfeln der Palmen und Baumfarne, sowie verschiedenster Feigenarten (Ficus -Gummibäume) es uns besonders mundete. Danach richteten wir unsere Festtafel her, die wir nun etwas mehr in das Blickfeld der Besucher verlegten. Derer kamen erheblich mehr wie am Vortage und mit jeder Vorstellung unserer Musikanten und Tänzer wurde das Programm flüssiger und die Mitmacher am Tanzworkshop mehrten sich. Wir freuten uns, dass das Publikum nun umfangreicher wurde, - besonders dann, als unserem Wunsch entsprochen wurde und unser Auftritt von der Großen Bühne aus lautstark angekündigt wurde. In den Auftrittspausen konnten die Essens- und Getränkebons abgearbeitet werden, was bei köstlichen (selbst zu mahlenden) Kaffeespezialitäten, Mutzbraten u. a. Gaumenfreuden nicht allzu schwer war… Im Gefolge unserer Majestät erlebten wir nochmals das Treiben des Piratenvolkes, - so wie es sich damals auf Tortuga abgespielt haben könnte, - aus Saloons und Spelunken dringt Musik oder das Gepolter einer zünftigen Seeräuberrauferei. Laute Gesänge und wilde Gelage der einzelnen Freibeutercrews beleben den Platz und vor gewissen anrüchigen Etablissements animieren vollbusige Schönheiten zum Besuch ihres Hauses, welches unter Obacht eines Furcht erregenden Kerls steht, der diesen graubärtigen sächsischen Kämmerer argwöhnisch beäugt, als dieser die Dekoltees der Lustbringerinnen mit puren sächsischen Goldtalern füttert… Auch Majestät schaute nicht sehr begeistert, wie hier mit dem Inhalt seiner Staatsschatulle umgegangen wird!  Die Pottopellos (Händler) freuen sich über das Interesse des Sachsenadels an ihren Auslagen und ballen die Fäuste, als dieser kaufunwillig bleibt. Nur die „Giftmischer“, die Parfümiere, sind begeistert, dass Reichsfürstin und Gräfin sich, statt sich beim Seifensieder zu bedienen, mit Duftwässerchen eindecken…  Damit schrecken sie manchen ruppigen Piraten oder seeluftverwöhnten Seemann ab, die diesen „Gestank“ nicht dem Teer, - Schweiß- und Schnapsodem der eigenen Leiber vorziehen wollen. Uns zieht die Pflicht zur Blumenhalle zurück, wo die Bühne auf unser Mitwirken wartet.

Wie schon festgestellt werden konnte, nahm das Publikumsinteresse an den Auftritten des Dresdner Hofstaates (TDB/AKB/Barockensemble) von mal zu mal zu, was natürlich die Akteure entsprechend beflügelte. Besonders unser letzter Auftritt während des Piratenevents war eine ganz runde Sache, - die gesonderte Lautsprecherankündigung hatte bei den Festbesuchern Wirkung gezeigt und unsere Bühnenakteure liefen nun bei reichlichem Publikum zur Höchstform auf. Es war berührend, mit welcher Freude unsere Knirps- Tanzpartnerinnen bei der Sache waren, - was auch für die großen Barocktanzeleven galt. Nach dem der Vorhang gefallen war, gab es das große Auf- und Einräumen, was sich leider hinzog, da der Schlüssel des parkplatznahen Tores, recht lange auf dem Weg war, so dass wir auch die Wiederholung der Piratenschlacht auf der Nordbastion- Bühne nicht erleben konnten. 

Das Knurren unserer Mägen konnten selbst die noch immer aufspielenden Piratenrocker nicht überstimmen. So zog es uns nach Jülich hinein und auf der Suche nach gutbürgerlicher deutscher Küche wurden wir im Restaurant „Bastei“ fündig. Schnell richtete man das Vereinsstübchen für uns her und wir konnten köstlich speisen. Ein Lob an Küche und Tresen, - wirklich ganz vorzüglich. Was der olle Kämmerer dann am Auto vollführte, war weder ein Lobgesang noch Freudentanz (in Hinsicht auf erhoffte Wahlergebnisse), - auf  dass es sich ausgepeert  und weggerösslert hat, - sondern war der Autoschiebetür geschuldet, die schneller zu war, als des Grafen Finger eingestiegen sind. Die Naturkosmetik unserer lieben „Burggräfin“ Veneta linderte den Schmerz etwas…

Wie auch am Vortage schon, saßen wir nach Rückkunft im Quartier noch in gemütlicher Runde beisammen und klönten, lachten, knabberten und schluckten noch ein bisschen. Ein weiterer schöner Tag, an dem wir in Piratenhände gefallen waren,  ging damit zu Ende.

Gut, dass wir uns im Vorfeld des Piratenfestes entschlossen hatten, erst am Montag die Heimreise anzutreten. Damit war für alle Beteiligten, besonders aber für unsere beiden Chaufförinnen, der Stress minimiert. Gegen 8:00 Uhr strichen wir die Segel um wieder in heimatliche Gewässer einzulaufen. Vorher suchten wir uns ein Café zum frühstücken und danach wurde der Anker endgültig gelichtet und ein Blick zurück bestätigte, dass uns keine Seeräuber verfolgen. Aber eine gute Erinnerung an dieses Piratenspektakel, dass es so vorher noch nie in Deutschlang gegeben hat., ging mit uns auf die Reise.

Zu glatt sollte aber unsere Überfahrt nicht gehen. Auf Höhe von Bad Hersfeld bekamen wir auf Breitseite doch noch einen lauten Treffer, der uns zwangsweise zum Ankerwerfen veranlasste. Eine schnelle gelbe Fregatte brachte gelbengelgleich Hilfe, sodass die Steuerfrau schon nach einer Stunde wieder das Lenkrad in die Hand nehmen konnte. Gegen 19:00 Uhr konnte unser Schlachtschiff am „Bose- Kai“ in Dresden anlegen. Kleinere Schaluppen brachten dann die Besatzung in deren Heimathäfen.

Eine Zeitungsüberschrift titelte >>Piraten erobern den Jülicher Park<<, - wir können ergänzend feststellen, dass dieses, für uns so völlig neuartige, Event, auch unsere Herzen erobert  hat. Wir erlebten ein großartiges Wochenende, dass wir noch lange in bester Erinnerung behalten werden. Wir lassen uns gern wieder dafür kapern. Text: Bernd Schwabe, Fotos: Renata Linné (RL) und Bernd Schwabe (eingestellt am 25.09.2013)

 

Ein ganz kurzer geschichtlicher Abriss zum Jülicher Brückenkopf

 

Im II. Weltkrieg mit gesamter Stadt Jülich durch angloamerikanische Bombardements völlig zerstört, ging die Stadt in den 1980er Jahren an die teilweise, sehr kostenintensive, Instandsetzung des Brückenkopfes. Mit Ausrichtung der Landesgartenschau 1998 flossen die nötigen Mittel um den Kernbereich des Brückenkopfes sanieren zu können. Seit der Gartenschau steht das Gelände als Brückenkopf- Park den Besuchern zur Besichtigung und für Kulturveranstaltungen offen. Zur Verstärkung der Sicherheit wurde Jülich im 16. Jh. als Festungsstadt ausgebaut. Dabei wurden die Stadtmauerringe durch Erdanschüttungen verstärkt. Der am westlichen Rurufer gelegene Brückenkopf, als Kronwerk erbaut, diente dem Schutz der Rurbrücke und der Westflanke der Stadt. Dazu dienten auch ein äußerer und innerer Wassergraben, von denen aus, zur noch besseren Verteidigung, Überschwemmungen des Vorlandes möglich waren.

1794 eroberte die französische Armee das Jülicher Land, samt Stadt (nun Juliers geheißen) und Festung. 1799 wurde mit dem Bau des Brückenkopfes (heutiger Gestalt) als mit Gräben umgebenem Erdwerk begonnen. Dieser Wall schützte die Besatzung der Bastionen vor feindlichen Geschossen. Das Kronwerk nimmt 12 ha Fläche ein und ist 600m lang und 300m breit. Der weitere Ausbau der Befestigungsanlagen wurde aber bald von Napoleon (1804) aus Kostengründen gestoppt. Als das Rheinland 1815 an Preußen fiel, wurde Jülich noch bis Mitte des 19. Jh. als Festung unterhalten. Durch die 1860 erfolgte Schleifung der Festungsanlagen, verlor der Brückenkopf jedoch seine strategische Bedeutung und diente nur noch als militärisches Übungsgelände. Ab dem Beginn des 20. Jh. erwarb die Stadt Jülich nach und nach das Gelände des Brückenkopfes und errichtete dort für seine Bürger einige Objekte der Freizeitgestaltung.

Nach Ende des II. Weltkrieges dienten die Gebäude des Brückenkopfes als Notunterkünfte ausgebombter Jülicher Bürger. Als die Kriegswundern vernarbt waren, schuf Jülich an der Nordbastion den „Brückenkopf- Zoo“ als Heimattierpark. Dennoch waren große Teile des Brückenkopfes dem Verfall preisgegeben, was mit der Landesgartenschau gestoppt werden konnte. Das für die Schau errichtete Großraumgewächshaus diente uns unter der Bezeichnung „Blumenhalle“ während des Piratenfestes als Auftrittsort. Das gesamte Areal war ganz hervorragend für die Ausrichtung des Piratenspektakels geeignet und man kann sich Wiederholungen, dieses harmonisch in Frieden verlaufenden Festes, auf diesen ehemaligen Kriegswerken nur wünschen. B.S./Quelle: Stadt Jülich

 

 

 

 

 

 

 



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