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Historisches Feldlager zum Stadtfest 800 Jahre Dessau, 5. - 7.07.2013

Dessau 1213 – 23013

Historisches Feldlager zum Dessauer Stadtjubiläum vom 5. bis 7. Juli 2013

Die Doppelstadt Dessau – Roßlau feiert 800 Jahre Stadtrecht der größeren Schwester und am ersten Juliwochenende gab es daher in Dessau ein Stadtfest nach bekanntem Muster, - Bühne am Markt, Riesenrad, Buden bis zu St. Marien und, - bestens organisiert vom >>Verein zur Förderung der Stadtkultur Dessau e. V. <<, mit einem Historischen Feldlager im Stadtpark, welches wiederum gut durch Darsteller- und Darstellergruppen belegt war und ein darin integriertes Programm enthielt. Entgegen dem, was wir eben in den kleinen Landstädten Bad Gottleuba und Neustädtel erlebten, was die Stadt Dessau nicht in der Lage, einen Festumzug in ihr Jubiläumsprogramm zu integrieren, was nicht nur von uns als sehr sehr schade empfunden wurde, weil es dem Sonntagvormittag einer Attraktion entriss.

Wir TDBer reisten am Freitagmittag an. Familie WEISE war zuerst vor Ort und hielt die Stellung. Soeben durch ein gutes Tässchen Kaffee gestärkt, legten sie Hand mit an und so stand die Leinwandvilla der Fam. SCHWABE im Handumdrehen. Die Motorchaise mit Wolfgang PETZOLDT am Lenkrad und Christine BARTEL, Elke METZNER und Siegfried SCHURA an Bord, war bereits im Hotel eingeritten und unser Freund Rudi FRITZSCHE war, mit der Bahn aus Leipzig kommend, zuerst in Dessau vor Ort und hatte bei unserem Eintreffen schon ein stärkendes Schläfchen weg. Gewohnte Schlusslichter waren Veronika und Gerd JACOB, die ebenfalls im Hotel nächtigten. In unserer unmittelbaren Nachbarschaft fand sich das Zelt von Katrin und Sven WUTTKE, sowie von Michael HELM, was uns erfreute und im Verlaufe des Festes zu netten Zusammentreffen führte. Gern begrüßten wir auch den Hofschneider Mathias LEWONIK und das Mariechen, Anita, Steffen und Bernd SCHALLER, Steffen LEU (Kronprinz) Fürst und Fürstin non Anhalt - Dessau (Klaus und Elke BRUCKER), DEN Dessauer Jäger und viele weitere. Ganz besonders freute uns, die per Telefon und Mail schon eher anvisierte Bekanntschaft mit dem leibhaftigen Herzog Karl Friedrich Volker HERZOG von HOHENBERG mit Partner Peter vollziehen zu können. Vom Mariechen vorgestellt, waren die beiden Herren, am Samstag/Sonntag an unseren Zelten zu Gast und fühlten sich offenbar ganz wohl in unserer Mitte. Ihr Bestreben, als Darsteller in die Barockszene einzutauchen, wollen wir als TDB/AKB unterstützen. Der Weg ihres Landschlösschens in Miltitz ist ja nicht weit, so dass engeren Kontakten nichts im Wege stehen sollte. Die Einladung zum nächsten barocken Flanieren wurde von unseren beiden neuen Freunden schon dankend angenommen. Auch das Ehepaar VON BÜNAU konnten wir bei uns begrüßen und damit unsere Bekanntschaft auffrischen Ebenfalls dicht in unserer Nachbarschaft befand sich das Renaissancezelt der Dessauer Tanzgruppe >>Saltatio Burgus<<, was nicht nur zu erfrischend freundlichen Gesprächen und Kennen lernen führte, sondern uns auch meisterhaft vorgetragene Tänze vergangener Zeiten bescherte.

Freitagabend, gegen 19:00 Uhr zogen die militärischen Formationen am Appellplatz auf und auch der Dresdner Hofstaat begab sich zum Eröffnungsappell des Feldlagers. In gewohnt gekonnter Manier, lautstark und mächtig bestimmend, nahm der Fürst (Klaus BRUCKER) das Zeremoniell in die Hand und ging die Front der Militärs ab und schritt vor die versammelten Hofleute, um von dort Lebenszeichen geäußert zu bekommen. Das gelang ihm noch am ehesten bei Prinz RUDI, ansonsten musste er schon seine Stimme tüchtig heben. Schlau, wie der Dresdner Hofstaat nun mal (nicht) ist, erschien er mehrheitlich inkognito, so dass der Kutscher des alten Grafen zu Nau verschüchtert dem Fürsten Leopold eine Antwort stammelte… Als alle Gruppen und Adelsleute vorgestellt waren, erinnerte Klaus BRUCKER mit ehrenden Worten an unseren, im Frühjahr verstorbenen, Freund Tilo MEIßNER , dem Darsteller August des Starken in der IG „Der Dreispitz“ und dem TDB/AKB. Mit einer Schweigeminute nahmen die Teilnehmer des Feldlagers Abschied. Danach zogen die Truppen zu ihren Zelten ab, - und, - es wäre ganz im Sinne Tilos gewesen, dass sie dort der fröhlichen Ausgelassenheit freien Lauf ließen. Unterstützt wurde das durch Freibier, Freilimo und der Bekochung durch >>Kochverein Anhalt – Dessau<< Wir alle nutzten das Gebotene, zumal es uns ausgezeichnet mundete. An unseren Zelten verwöhnte uns Veronika JACOB mit leckerem Thunfischsalat und Wein und wir gedachten bei jedem Bissen und Schluck deren soeben gefeierten 50. Geburtstages (oder war es der 40., oder?) Als die Bequembettenhöflinge abgezogen waren, wurde es in fröhlich- gemütlicher Runde noch recht spät, bis wir den Kampf gegen die blutrünstigen surrenden Flugherscharen aufgaben und ermattet auf unsere Strohschütten (sprich: Luftbetten) fielen.

Der Samstagmorgen war wiederum in herrlichsten (später fast unerträglich hitzigen) Sonnenschein gebettet und die frischen Brötchen aus der Feldkanzlei weckten schnell unsere Lebensgeister. Der Morgenappell sah weitere (später angereiste) Teilnehmer und nun waren auch die Eichfelder Musikanten unter Stabführung von Mike DONNER zu hören. Es gab wieder die Vorstellung der teilnehmenden Gruppen und Personen und Pulverdampf zog über den Platz.

Interessiert verfolgten wir die Darbietungen der Gruppe >>Saltatio Burgus<<, die auch die Besucher in ihre frühbarocken Tänze mit einbezog. Leider gelang dem ollen Kämmerer die rechtzeitige Flucht nicht und so konnte er sich dem Begehren einer der Tänzerinnen nicht entziehen, und musste das Tanzbein schwingen. Das MUSS war schnell vergessen, denn die Tanzpartnerin verströmte weniger Mitleid, als vielmehr Charme und freundliche Nachsicht… Später waren auch Barocktänze der Dresdner Tanzgruppe >>Les amis de la danse Baroque<< zu sehen. Auch diese Tanzeinlagen waren sehenswert und animierte das Publikum zum Mitmachen.

Während wir uns in den (mehr oder weniger vorhandenen) Schatten zurückgezogen hatten, - es wurde unerträglich heiß, hielten die ehrenwerte Gräfin Camas und der Baron von Pöllwitz auf der kleinen Bühne mannhaft aus, während sie dem Publikum den neuesten Klatsch und Tratsch vom Preußischen Hofe mitzuteilen hatten. Es ist immer wieder vergnüglich, diesen beiden Originalen zuzuhören. Während dieser Zeit waren fleißige Desselmännchen- und Weibchen am werken, um die „Historische Damen – Kaffeetafel des >Barocken Lustlagers< zu richten. Das Ergebnis war so sehenswert, wie die dann angebotenen Werke der Confiserie Dessauer Zuckerkünstler. Der Rezensent kann das beurteilen, denn er wurde mit einigen anderen Herren gebeten, die nicht besetzten Lücken der Tafel aufzufüllen, was ihm zunächst doch recht genierlich war, - „Damen Kaffeetafel“, - aber der Genuss ließ alle Bedenken schwinden. Auch die anderen Herren des TDB – Hofstaates hatten die vorhandenen Lücken schnell erfasst und saßen… Nur unser bescheidener Graf von Weißenberg wollte davon nichts wissen, - er hat halt doch mehr maskuline Gene als die anderen von uns… 

Sicher nicht nur für den Berichterstatter, war der Auftritt der >>Traditionsreiterei der Seydlitzkürassiere<< ein ganz großer Höhepunkt dieses Events.  Sonst hatten wir nie Gelegenheit, die Reiterei zu verfolgen, weil immer etwas weitab vom Biwak. Heuer schloss sich das Areal der Reiterdarbietungen unmittelbar an das Lager an. Leider etwas kleinflächig, konnte nicht alles aus dem Reservoire der Reiter und Pferde herausgeholt werden, aber das Gesehene begeisterte. Der Kämmerer, der voll Interesse zusah, hatte einen Standplatz erwischt, der vollsonnig war und zu leichtem Wanken führte, was ihn zur schnellen Flucht in den Schatten veranlasste (-leider)…

Die Dessauer hatten sich wieder zahlreich aus der Kühle ihrer Wohnungen getraut und so konnten wir uns im >>Lustlager<< (klingt wie eine Anleihe vom „Dresdner Lustlager“) den Fragen des Publikums stellen. Wie schon erwähnt, gaben uns Volker und Peter, die Herzöge von HOHENBERG, die Ehre und bedauerten, unsere Vereinsvorsitzende Silvia WEISE, mit der sie schon erste Kontakte hergestellt hatten, nicht anzutreffen. Aber die ehrenwerte Gräfin von Königsmarck, nebigst Hofsängerin Baronessa de Moretti (Regina SCHWABE) waren zu einer Visite in Blankenburg, wo ihr Erscheinen unabkömmlich (und der weiteren Kontaktpflege des TDB dienlich) war. Zum Frühstück am Sonntagmorgen sollten sie wieder im Dessauer Feldlager eingetroffen sein.

Eine nächtliche Hiobsbotschaft hatte dann zur Folge, dass am Sonntagmorgen die Familie SCHWABE an eine schnelle Heimreise zu denken hatte und ihr Zelt abbrach. Vorher aber erlebte der Hofstaat am Samstagabend noch den erstmals aufgeführten großen Kavallerie – Zapfenstreich mit den „Seydlitzern“ und ein kleines Feuerwerkchen über den Dessauer Dächern. Diskoklänge und Gegröle bis in den Morgen sorgten für unruhigen oder keinen Schlaf und waren der Vorbereitung zum schnellen Aufbruch dienlich. Volker und Peter entboten ihren Morgengruß, - auch unser „Herzog“ Rudi FRITZSCHE begrüßte uns frühzeitig und unsere Mädels waren pünktlich zum Frühstück anwesend. Danach wurde das Auto geladen und, - diesmal ohne große Verabschiedungscour, Kämmerer und Hofsängerin starteten, mit kummervollen Stirnfalten, gen Heimat…

So konnte der Rezensent nur über den Freitag und Samstag dieses Wochenendes in Dessau berichten, - auch die Fotos beschränken sich auf diese Tage.  Frank WEISE, der fleißig am Sonntag fotografierte und Silvia WEISE, die aufmerksam das Festgeschehen im Stadtpark Dessau verfolgte, werden den zweiten Teil dieses >>Historischen Feldlagers<< zum 800jährigen Stadtfest kommentieren. Habe man etwas Geduld. Text und Fotos: Bernd Schwabe (eingestellt 10.07.2013) 

800 Jahre Dessau-Roßlau – der Sonntag im Feldlager     

Nachdem unsere Hofsängerin und unser Kämmerer unerwartet am Sonntagmorgen ihre Zelte bereits abbrechenund den Heimweg antreten mussten, richtete sich der übrige Hofstaat für einen weiteren ereignisreichen und sonnigen Tag. Dieser begann 10:00 Uhr mit dem Feldgottesdienst. Kurz darauf kündigte Fürst Leopold höchst persönlich vier prunkvoll gewandete Damen im Lustlager an und hofierte. Es waren keine geringeren als Zarin Katharina die Große von Russland (Kerstin DANIEL) mit Damen ihres Hofstaates (Petra TREPPTE, Sonja BADERSCHNEIDER und Marlies FROHNHÖFER). Die Lützower ließen sogar eine donnernde Kanonensalve zu Ehren der Zarin  hören.

Das waren aber nicht die einzigen gekrönten Häupter dieses Tages. Drei Wochen zuvor durften wir vom TDB und unsere sächsischen Freunde aus Weißenfels im Marquardt ekstatischen abendlichen Tänzen beiwohnen und waren der Meinung, dass diese eine Ehrung wert sind. So hatten Gräfin von Suhm (Katrin WUTTKE) und unserer Kämmerer Graf von Schwabe zu Nau (Bernd SCHWABE) mit weiterer weiblicher Unterstützung bereits am Sonnabend eine Schärpe gebastelt und einen rosabeschleiften Efeukranz gewunden. Graf von Rutowski (Michael HELM) ließ die Dessauer Jäger samt ihrem Chef (Michael PAKROPA) gegen 11:30 Uhr antreten, um unter dem wachsamen Auge des Fürsten Leopold die Ehrung vorzunehmen.

Was dieser Ehrung vorausging, lest Ihr im Bericht von Marquardt. Nach gebührenden Vorworten durch Graf von Rutowski dekorierten die Gräfin von Suhm und Aurora von Königsmarck den überraschten Dessauer Jäger (Michael(a) PAKROPA) mit Schärpe und Kranz als „Miss(t) Marquardt 2013“. So verschönert wies Ihr Fürst Leopold an, eine Runde durch das gesamte Lager zu machen. Allerdings wurde der Dessauer Jäger nun von Fürst Leopold zum Leutnant erhoben. In diesem Rang wird über derartige Ausschweifungen eher hinweggesehen.

Im der Zwischenzeit waren die Tänzer von „Les amis de la danse baroque“  eingetroffen und präsentierten sehr gekonnt barocke Tänze. Zum Abschluss Ihrer Präsentation wurde auch das Publikum mit einbezogen. So kam es, dass auch Fürst Leopold mit seiner Gattin und unser Baron von Spörcken ebenfalls das Tanzbein schwangen. Auf dem Weg zu unserer leinwandigen Behausung begegneten wir Sabine und Rudolf von BÜNAU und den beiden Herzögen von HOHENBERG. Sehr interessante und anregende Gespräche wurden geführt und zwischen den Adligen neue Kontakte geknüpft.

Da der Festumzug von Seiten der Stadt Dessau bereits im Vorfeld der Veranstaltung abgesagt wurde, nutzen Aurora von Königsmarck und der Kammerjunker des Grafen von Weißenberg die freie Zeit liebe Freunde im Biwak zu besuchen und ein paar Worte zu Wechseln. Anita, Bernd und Steffen SCHALLER waren schon dabei, die Zelte abzubrechen. Da kamen wir zu spät, uns die erweiterte Küche von Steffen in Augenschein zu nehmen. Weiter führte uns der Weg zu den Mecklenburg-Strelitzern, die uns ein Fotoband von ihrer letzten Veranstaltung zeigten. Der Termin für nächstes Jahr steht schon fest in unserem Kalender. Weiter zog es uns zum preußischen Hofschneider und Marie. Gemeinsam mit Marie ging es dann 14 Uhr zum Abschlussappell. Nacheinander wurden alle teilnehmenden Gruppen und Einzeldarsteller nach vorn gerufen und wurden mit einer Urkunde, einem Fahnenband und einem festen Händedruck von Fürst Leopold verabschiedet. Hofrat Raumer dankte mit gebrochener Stimme auch dem ausrichtenden Verein des Biwaks im Stadtpark „Verein zur Förderung der Stadtkultur Dessau e. V.“, denn es war wieder einmal ein sehr gelungenes und sehr gut organisiertes Biwak. Deshalb auch unser Dank und Lob an die Organisatoren. Und auch der Wettergott hat uns bis zum Schluss nicht im Stich gelassen.

Nun hieß es Zelte abbauen und den Weg gen Heimat antreten. Glücklicherweise hatten wir ein schattiges Plätzchen, sodass der Abbau nicht so schweißtreibend wurde. Unsere Hotelschläfer hatten da etwas weniger Aufwand und schafften es noch, sich die Ausstellung zu Fächern und Fächersprache im Schloss Oranienbaum, unweit von Dessau, anzuschauen. (Text: Silvia Weise - eingestellt am 10.07.13)

 

 



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