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Festumzug 600 Jahre Mühlbach am 30.09.2012

Festumzug im schönen Müglitztal

600 Jahre Mühlbach bei Maxen – der TDB war dabei

Der TDB war schon bei einigen Festumzügen dabei – einige Mitglieder waren schon im Umzug anlässlich der 800Jahrfeier Dresdens zu sehen, mehrmals auch schon den Elbhang entlang zu diesem Dresdner Volksfest, und heuer gaben wir in Freiberg beim Tag der Sachsen  dem Festumzug einen kleinen Teil barocke Prägung. Warum sollten wir da der Einladung unseres Vereinsfreundes Gerd JACOB nicht nachkommen um in seiner Heimatgemeinde Müglitztal, beim Festumzug zum 600. Geburtstag des Ortsteils Mühlbach- Häselich, teilnehmen?

Natürlich waren wir dabei, - und, von einigen klitzekleinen Unebenheiten abgesehen, hat es uns allen ganz wunderbar gefallen, - zumal wir den Eindruck hatten, dass die ganze Einwohnerschaft von Müglitztal an ihrem Festumzug teilgenommen hat. Es war direkt verwunderlich, dass trotzdem noch so viele Festbesucher den Straßenverlauf des Umzuges säumten. Mühlbachs Ruf wurde offenbar weithin gehört und so ließ das Publikum nicht auf sich warten. Wenn wir vom TDB ehrlich sein wollen, dann haben wir vor Gerds Anfrage mit dem Ortsnamen Mühlbach nicht viel anfangen können, - wir erfuhren von unserem Freund, dass es, wie Maxen und einige andere umliegende Gemeinden (wie Schmorsdorf und Crotta) zu einem Gemeindeverbund (Großgemeinde) vereinigt wurde. Etwas mehr erfuhren wir in Mühlbach selbst, als wir, nach dem Umzug, die Historische Ortsausstellung im modernen Spritzenhaus der Gemeinde besuchten. Weitläufig besiedelt wurde die Gegend im Schatten und Schutze der Burg Dohna, deren Herrschaft mit Jeschken von Dohna erlosch und Meißnisch wurde… Maxen war dort ein befestigtes Vorwerk und bot den Ansiedlern Schutz durch die Herren von Dohna. So entstanden dort die Flecken Mühlbach und Häselich, die zwischen 1200 und 1300 besiedelt wurden. Als erstmalige urkundliche Erwähnung galt bisher das Jahr 1412, doch die Festorganisatoren stöberten in Vorbereitung ihres Jubiläums im Staatsarchiv in alten Akten und siehe da, dort wird die erste Erwähnung Mühlbach – Häselichs auf den 28. September 1408 datiert. Damit wäre die 600Jahrfeier um 4 Jahre verschlafen, aber die Mühlbacher blieben dabei, dass ihr Orts- Geburtstag heuer am Wochenende 29/30.09.2012 gefeiert wird – und das war gut so!

Zurück zu den Siedlungspionieren. Sie erhielten von den Burgherren Land und kamen damit in die Abhängigkeit der Zinspflicht. In Jahrhunderten lassen sich hier solche kleinen ärmlichen Wirtschaften nachweisen. In Mühlbach waren es 8 Bauern und in Häselich bebauten 3 den kargen Boden. Die Wirtschaften ernährten die Bauernfamilien so recht und schlecht, und so mussten sich die Töchter und Söhne bei dem Grundherrn als (unfreie) Mägde und Knechte auf dessen Rittergut verdingen. Um 1600 zählte Mühlbach um die 20 solcher Anwesen. Jahrhunderte lang blieb die Gegend der Großen weiten Welt Außen vor und die Einwohnerzahl blieb so gut wie unverändert. Im Jahre 1890 waren es 150 Einwohner, zehn Jahre später 450 und 1954 wurden 760 Mühlbacher- Häselicher erhoben. Nach der Wende Anfang der1990er Jahre ging gewiss ein Großteil der Jugend weg und vielleicht gäbe es Mühlbach gar nicht mehr, wenn die Bodenpreise hier nicht bedeutend  günstiger als in der nahe liegenden Landeshauptstadt wären. Also, Mühlbach und seine Gemeindeschwestern leben und boten sich als schmucke, farbenfroh- saubere Landgemeinde Sachsens dar.

Da kann man sich gut und gerne viele Geburtstagsgäste einladen. Wir vom TDB, -Regina SCHWABE, Silvia WEISE, Siegfried SCHURA, Bernd SCHWABE, Frank WEISE und unsere Freundin Silke AYDIN waren 12:00 Uhr vor Ort und brachten unseren Kurfürsten August III. , dargestellt durch unser Gründungsmitglied Tilo MEIßNER, mit. Wir besuchten zunächst das Festzelt und bekamen, mit dem Radetzky- Marsch, die letzten Klänge des Sächsischen Polizeiorchesters mit. Hier empfing uns das Publikum herzlich und befragte uns zu unserem Outfit und unserem Tun. Dann ging es zum Sammelplatz für den Festumzug, wo wir auch eine Verpflegungsstelle für Festdarsteller fanden. Mit Bockwurst, Cola und/oder Gerstensaft gestärkt, erfreuten wir uns am Eintrudeln der verschiedenen Darstellungen des Festumzuges. Dann nahte des sächsischen Hofstaates „Lieblings- Feind“, der Kurfürst von Brandenburg und König von Preußen, Friedrich II., der dem Sachsen- Kurfürst und Polenkönig August III. die Hand zur Begrüßung reichte.(Was es doch so alles gibt!) Nachdem unser TDB- Freund Gerd JACOB, der auch Mitglied im Maxener Feuerwehr- und Heimatverein (dem Hauptveranstalter des Dorffestes) ist, Tilo begrüßt hatte, schüttelte er auch uns TDB’ern die Hände und freute sich, dass wir seinem Ruf gefolgt sind und am Festumzug teilnehmen wollen. Wir begrüßten die Militärs der IG 7jähriger Krieg, die wir kaum erst in Marquardt verabschiedet hatten und als auch die Husaren mit ihren Rössern vor Ort waren, konnte sich der Festumzug in Bewegung setzten.

Unsere Majestäten hatten, ihrem Range entsprechend in nobler Kutsche Platz genommen, - in ihrem Rücken,  als „Gepäckstück“ gut verstaut, der Kämmerer, welcher allerdings während der Fahrt und insbesondere beim galoppierenden Schlussakkord manche Ängste auf seinem schmalen harten Sitzbrett auszustehen hatte und dann doch lieber mit dem Hofstaat per Beene mitgelaufen wäre. Der Sprecher an der Strecke hatte viele Bilder anzukündigen, - von den ersten Siedlern über finstere Ritter, Mittelalterliche Bauern, Krämer und Spielleute, bis hin zur Neuzeit – Vertreibung, Bodenreform und Neubauerntum, LPG- Gründung, DDR- Alltag und Nachwendezeit (von Reisefreiheit bis Betriebssterben)… Natürlich hat das Barock nicht gefehlt, aber dass das Soldatenvolk und die Hofschranzen angekündigt, die hohen Majestäten Friedrich und August hingegen nicht, ist und bleibt ein unverzeihlicher Lapsus (und gehört zu dem wenigen Kritikwürdigen, der ansonsten vorzüglichen Veranstaltung!) Wie eingangs schon erwähnt, war der Umzug ellenlang, - bunt, vielseitig und geschichtsträchtig und von allen Teilnehmern augenfällig mit viel Liebe und Hingabe gestaltet und durchgeführt. Es führte zu weit, hier alle Darsteller und Festwagen zu beschreiben, - siehe im Bildteil dieses Berichtes, dort finden sich einige wenige Beispiele.

Jedenfalls, als wir am Ziel angelangt waren, hatte sich der Schluss des Zuges noch gar nicht in Bewegung gesetzt… Nun begaben wir uns nochmals ins Festzelt, wo leider gerade kein Programm war und eine (Selbst-)Vorstellung einzelner Darsteller nicht fehl am Platze, aber offenbar nicht in Erwägung gezogen war. Kaffee und Kuchen schmeckte uns trotzdem Damit unser Hier sein nicht gar so abrupt endigte, begaben wir uns mit Friedrich dem Großen zur Ausstellung zur Geschichte des Jubel- Ortes und tankten einiges Wissen. Danach ritt der Preußenkönig zu seiner Einquartierung nach Maxen zurück und die Kutschen des Dresdner Hofes strebten wieder der Residenz zu. Uns hat dieses wirklich nette Dorffest (respektive der Festumzug) sehr gefreut und gefreut hat uns auch, dass es Tilos Gesundheit wieder einmal erlaubte, uns zu einem Event zu begleiten. Danke Tilo, Du hast auch als August III. (der Schwache) überzeugt und warst stark in Deiner Rolle. Nachtrag: Wer von uns hat wohl geahnt, dass das unser letzter gemeinsamer Auftritt sein sollte?

Und noch etwas war freudig, - nämlich, dass  das Stoßgebet der beiden Mitorganisatorinnen Regina ULLRICH und Karin SIMMERT, - in der SZ gen Himmel geschickt, offenbar und augenscheinlich erhört wurde und gewirkt hat, - Besucher und Teilnehmer waren reichlich da, Sponsoren gab es wohl auch und über das Gelingen brauchen sich die beiden Damen überhaupt keine Gedanken zu machen, womit auch der letzte Wunsch seine Erfüllung haben wird, - nämlich, dass man sich noch lange an diese sonnige Jubiläumsfeier Mühlbach- Häselichs erinnern wird. Also wir vom TDB werden es und dieser Bericht soll eine Erinnerungshilfe sein. (****)  Text und Fotos: Bernd Schwabe



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