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750 Jahre Polenz am 6. und 7.07.2012

Der TDB war dabei:  750 Jahre Polenz – 7./ 8. Juli 2012

 Eigentlich hatten wir zum letzten Leopoldsfest 2011 das Wochenende 6.-8. Juli 2012 für Dessau reserviert, denn der „Verein zur Förderung der Stadtkultur Dessau e.V. „ wollte im Georgengarten ein historisches Biwak zum 16. Sachsen-Anhalt-Tag veranstalten. Mit den Weihnachtsgrüßen erreichte uns jedoch die Nachricht, dass es für ein solches Biwak kein Budget gäbe und der „Verein zur Förderung der Stadtkultur Dessau e.V.“ deshalb – wenn es seitens der Veranstalter gewünscht ist – nur kleine Aktionen während des Festwochenendes mit Vereinen und Darstellern aus der Region veranstalten wolle. Schade, denn was der „Verein zur Förderung der Stadtkultur Dessau e.V. „ mit Engagement und Herzblut in die Hand nimmt, war bisher immer eine gut organisierte Veranstaltung. Denn nicht ohne Grund steigt die Anzahl der mitwirkenden Historiendarsteller zum Leopoldsfest von Jahr zu Jahr. Wenn das nächste Leopoldsfest 2013 stattfindet, könnt Ihr mit dem „Traditionsverein Dresdner Barock e. V.“ wieder rechnen. Auf der Seite des „Vereins zur Förderung der Stadtkultur Dessau e.V.“ fanden wir dann doch einen kleinen Ausschnitt des MDR, der Fürst Leopold (Klaus BRUCKER) und seinen Hofstaat in der Rathauspassage in nachgestellten Räumen des Schlosses zeigt. Im Festumzug stellte dann jedoch ein anderer den Fürsten, dar, der mit dem uns bekannten Klaus BRUCKER so gar nichts gemein hatte.

Auch unseren Historienfreund Bernd SCHALLER erreichte die Nachricht, dass 2012 in Dessau für uns nichts stattfindet. Inzwischen hat es sich ergeben, dass Polenz am gleichen Wochenende seine 750-Jahrfeier ausrichtet - für Bernd SCHALLER die Möglichkeit, die Schlacht am Karrenberg während der Napoleonischen Kriege nachzustellen. Er lud uns ein, doch einmal vorbeizuschauen. Zudem sollte es einen historischen Markt geben. Marlies, besser bekannt als Ledergoldy, und ich bewarben uns dafür und überraschten Bernd SCHALLER bei der Vorbesprechung des Festes mit unsere Anwesenheit. In diesem Zusammenhang wurde unser „Traditionsverein Dresdner Barock e. V.“ auch vom veranstaltenden Festverein „750 Jahre Polenz e. V.“ zum Flanieren am Sonnabend, den 7. Juli eingeladen.

Als wir am Freitag, den 6. Juli, ankamen, wurde gerade eine Gedenktafel zur Schlacht am Karrenberg eingeweiht. So mussten wir ein wenig warten bis Marlies und ich in unsere Marktbuden einziehen konnten. Vorher machten wir aber noch die Runde durchs Biwak und begrüßten die bereits angereisten Militärs, allen voran Anita, Bernd und Steffen SCHALLER, die ihre Zelte quasi einen Steinwurf vor ihrer Haustür aufgeschlagen hatten und die Erfurter Kanoniere um Dieter ROSENTRETER (mit des Kämmerers Lieblings- Steffi im Gefolge), die inzwischen von den Österreichern zu den Franzosen gewechselt sind. Nun hieß es die Stände einräumen, das Nachtlager vorbereiten und Abendbrot essen, bevor wir uns in die gesellige Runde vor dem Zelt von Doris und Herbert DWARS mit Michael SANDMANN, Dieter und Heiko begaben. Im Biwak hinten war die Musik aus dem Festzelt nicht ganz so laut. Zu später Stunde begann es dann zu regnen, was nichts Gutes für den kommenden Tag verhieß. Marlies und ich mussten in unserem Nachtlager darauf achten, dass unsere Decken sich nicht in den Pfützen vollsaugten, die unter unseren Holzbohlen im Stand standen.

Der nächste Morgen begann sonnig, was aber nur vorgaukeln falscher Tatsachen war. Dank der freundlichen Vereinsfreunde von der Kegelbahn, war uns sogar eine warme Dusche vergönnt, bevor das Marktreiben begann. Gegen Mittag traf dann auch der Dresdner Hofstaat mit Graf von Bünau (Siegfried SCHURA), seiner Gemahlin (Elke METZNER), Graf von Weißenberg zu Ossig (Frank WEISE), Gräfin Rutowski (Annett SCHADE), Baronin von Zethau (Renate AL ATRASH) und den hohen Gast am Dresdner Hof, dem Herzog Philipp von Orleans (Rudolf FRITZCHE) ein. Sie lauschten dem Chorgesang im Festzelt, begutachteten die feilgebotenen Waren auf dem historischen Markt und besuchten das Biwak, bevor 14 Uhr zur großen Schlacht geblasen wurde. 14 Kanonen feuerten vom Karrenberg gen Tal. Durch das hohe Gras schlichen sich Militärs mit Musketen an und eröffneten das Feuer. Vom Festgelände aus war alles gut zu sehen. Wie lebendige Zinnfiguren in einem Diorama bewegten sie sich auf dem Berg. Leider setzte dann der Regen ein und die Soldaten kamen alle durchnässt ins Lager zurück. Die Kanonen konnten teilweise nur dank eines Bauern mit Traktor sicher wieder wegbewegt werden. Auf dem Festplatz stimmte unser Hofstaat in die Lieder zweier Musiker aus Stolpen ein, die sich uns als Franz und Emil vorstellten, was aber vermutlich nicht die richtigen Namen sind. Mit einem umgedichteten Lied wurde auch unsere Goldy besungen. Locker leicht brachten die beiden Volkslieder und deutsche Schlager zu Gehör und begleiteten sich selbst auf Gitarre und Akkordeon. Es regnete sich ein, sodass der Hofstaat dann gegen 17 Uhr wieder den Heimweg antrat. Doch dann hatte Klärchen ein Einsehen und bescherte dem Festgelände noch mal einen großen Schwung Besucher. So schlossen wir unsere Läden nicht schon 18 Uhr, sondern erst gegen 21.30 Uhr. Erschöpft und doch glücklich, dass alles nach Plan funktioniert hat, saßen Anita und Bernd SCHALLER vor ihrem Zelt. Alle Anspannung war nun abgefallen. Wir setzten uns auf einen Plausch mit dazu, bevor wir unser diesmal trockenes Schlafgemach bezogen. Die Musik aus dem Festzelt hielt uns aber noch eine ganze Zeit munter.

Nach diesem verregneten Sonnabend wurden wir mit einem sonnigen und fast schon zu warmen Sonntag belohnt. Zum Frühstück wurden wir vom Gesang der Kirchgemeinde im Festzelt begleitet.

Zum Abschlussappell um 10 Uhr waren leider nur noch knapp 100 Militärdarsteller anwesend. Mit gesiegelten Urkunden vom Veranstalter bedankte sich Bernd SCHALLER bei jedem einzelnen Mitwirkenden. Kurz darauf kündigte er die Standkontrolle an, die eigentlich schon am Tag zuvor stattfinden sollte, aber wegen des Regens ausgefallen war. Die Kontrolle verlief im Uhrzeigersinn, sodass wir genügend Zeit hatten, uns vorzubereiten. Sogar ein Begnadigungsschreiben haben wir verfasst, welches Marlies dann vortrug.

Während der Standkontrolle beobachteten wir gegenüber eine
standesgemäße standrechtliche Erschießung eines Standbetreibers an
seinem Stand durch den Stand- Kontrolleur (mit seiner Freundin in anderen
Umständen). Anschließend stand der Standbetreiber ständig wieder auf.

In meinem Stand wollte man einen Babypullover und drei Herrenunterhosen mit verschieden Gerüchen gefunden haben. Es wurde mir unterstellt, neben unserem Ehegatten noch weitere Liebhaber zu unterhalten. Ich erklärte, dass wir trotz unseres geringen Standes doch sehr reinlich sind und unsere Unterwäsche regelmäßig wechseln, auch mein Ehegatte. So wirklich wollte der Kontrolleur (Klaus ZIERIS), der den Premierleutnant im Geniekorps seiner Majestät des Königs von Sachsen (Bernd SCHALLER) begleitete, mir nicht glauben. Mit einem Osterei aus Perlen konnte ich ihn dann doch von unserer Unschuld überzeugen. So erhielten wir beide eine mängelfreie Abnahme und konnten uns wieder unserer Kundschaft widmen. Diese entschwand jedoch gegen 13.30 Uhr, denn 14 Uhr gab es einen Festumzug durch den Ort, den wir leider nicht sahen. So blieb Zeit für ein kleines Schläfchen im Schatten unseres Schirmes, der von Antje RICHTER sanft beendet wurde, denn sie hatte auch für uns Markttreibende eine gesiegelte Dankesurkunde. Nach dem Umzug kamen sie in großen Scharen zurück zum Festgelände und ließen es sich bei Speis und Trank gutgehen. Inzwischen war das Biwak bis auf die Schallerschen Zelte komplett abgebaut und abgereist.

Das Fest, worauf sich der Festverein „750 Jahre Polenz e. V. „ drei Jahre lang vorbereitet hat, war ein sehr gelungenes. Ein herzlicher Dank geht daher an die Organisatoren und allen voran an die Marktleitung Antje RICHTER, die alles im Blick und im Griff hatte – bis zum Schluss. Auch können wir konstatieren, dass die Polenztaler ein sehr aufgeschlossenes und interessiertes Völkchen sind, mit dem man interessante Gespräche führen kann und – man höre und staune – dem der Fächer nicht fremd ist, denn es ist scheinbar in jedem Haushalt mindestens einer in Benutzung. Da kann sich so mancher Städter noch eine Scheibe abschneiden.

Uns hat es sehr gut gefallen und wir sind gern wieder mit dabei, wenn ein Fest ansteht.

Ich meine, für dieses Fest sind mindestens 4 Sterne zu vergeben. (eingestellt am 13.07.2012) Text: Silvia Weise, Fotokommentare: Bernd Schwabe, Fotos (unmarkiert): Frank Weise, Marlies Frohnhöfer

 



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