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Besuch der Ausstellung ZEITSPRÜNGE am 05.04.2012

Edle Gewandungen im Palais im Großen Garten zu Dresden

Eröffnung der Ausstellung  Zeitsprünge von Absolventinnen  der Hochschule für Bildende Künste Dresden am Gründonnerstag, den 5. April 2012

 Unser Terminaufreißerspezialist Siegfried SCHURA, stets mit dem richtigen Rischer für uns interessierende Veranstaltungen behaftet, nahm uns, Annett SCHADE, Elke Metzner, Renata, LINNÉ und den Rezensenten an die Hand und mit zur Eröffnungsveranstaltung einer Ausstellung zweier Genres, - Kostümgestaltung und Malerei, in das Barockpalais in Dresdens Grüner Lunge, dem Großen Garten. Vom 6.04. bis 13.05.2012 (Mi.-Sa. 14:00 – 18:00 Uhr und So. u. an Feiertagen 11.00 – 18:00 Uhr) können dort Arbeiten von Studentinnen der Hochschule für Bildende Künste und des Dresdner Malers SCHÜTZE besichtigt werden.

Wir waren vorab zur Eröffnung dort und waren beeindruckt und über das Geschneiderte aus „unserer Zeit“ sehr erfreut. Am liebsten hätte man diese herrlichen Roben von den Kleiderpuppen genommen und wäre selbst hineingeschlüpft. Von der Renaissance über Biedermeier, Jugendstil, Jahrhundertwende und Moderne waren die verschiedensten Stilepochen vertreten und meisterlich gearbeitet. Ich musste immer wieder zum „DANDY“, dem Gecken aus der Biedermeierzeit (1815-1843), nicht weil ich jemals ein solcher war, sondern weil man an dem Model regelrecht den Arbeitsaufwand sehen konnte. Beachtliche 297 Arbeitsstunden hat die Schöpferin Frau Franka EHRET dazu gebraucht. Da vergehen Begehrlichkeiten von selbst… Blickfänge waren alle Exponate, aber die Nummer Eins von uns Barockenthusiasten war das Prachtkleid der bürgerlichen Geliebten Louis XV., der Madame de Pompadour, die nicht nur ihren königlichen Geliebten beherrschte, sondern den ganzen französischen Staat und sie bestimmte die Mode ihrer Zeit. An allen europäischen Höfen wollte man den gleichen Pomp, die gleiche Raffinesse und die von ihr gesetzten Trents nachahmen. Ein Gemälde von Francois Boucher (um 1756) gab die Vorlage, nach der Frau Adriane GÖHL ihr Werk angefertigt hat. Die Robe atmet regelrecht die Pracht des Rokoko, mit aller Übertreibung und Maßlosigkeit, aber auch dem handwerklichen Können, derer, die dieses Kunstwerk aus Stoff geschaffen hat. 300 Arbeitsstunden, handwerkliche im wahrsten Sinne des Wortes, waren vonnöten. Allein vom grünen Stoff (Seide) wurden 18 Meter verarbeitet. Jedes Teil wurde selbst hergestellt,- wie z.B. die zahlreichen Rosenblüten, die das Kleid schmücken. Von den erschröcklichen  Erstellungskosten möchte der  Rezensent lieber schweigen… Handarbeit,- zumal künstlerische, soll ihren Preis haben.

Gern haben wir auch bei Moritz und Agnes, dem Kurfürstenpaar verweilt, dass in ihren Gewandungen die Renaissance verkörpert. Mit wertvollem Material, viel Handarbeit und Einfühlungsvermögen und Ideen, - z.B. die digitalbedruckten Köpfe der beiden Herrschergestalten. Es ist erfreulich, dass die Schöpferinnen, Frau Theresa NICOLAI (Moritz von Sachsen) und Frau Antje WIEDEMANN (Agnes von Hessen) jetzt schon wissen, dass Ihr Werk Platz in der Dauerausstellung auf Schloss Klippenstein finden wird. Fast 1000 Arbeitsstunden finden damit einen gerechten Lohn und die Museumsbesucher auf Klippenstein ein Ausstellungsobjekt besonderer Güte. Zunächst stutzte man, denn die Kleiderpuppe war recht männlich geformt, aber die Gewandung ließ weibliche Formen durchblicken. Bis ins Detail wurde hier gedacht und gearbeitet. Es war ja nun mal so, dass in den Theatern der Shakespeare- Zeit auch Frauenrollen von Männern gegeben wurden. Hier im Palais war die TITANIA aus des großen englischen Theaterschriftstellers Williams S Stück >>Ein Sommernachtstraum<<, in ihrem aufwändig gefertigten Kostüm, ein weiterer Knüller der Ausstellung. Kompliment an Frau Sabine SCHOWE. Begehrlich haftete dann auch der Blick von uns Kerlen des TDB am Justaucorps des Jean- Baptiste Grenouille, dessen Gewandung schon was wäre…, aber das Schicksal dieses Giftmörders, der durch die Hand des Henkers sterben sollte, neideten wir ihm weniger.

Was Frau Laura BRANDT zur Ausstellung beisteuern konnte, war hingegen so, dass man schon gern selbst am adeligen Leibe tragen würde.  Im Bilderteil meines kleinen Berichtes sind weitere Ausstellungsstücke zu bewundern, die ich aus Platzgründen hier nicht näher und umfassend beschreiben möchte. Gern erwähnen will ich die Bilder eines Dresdner Malers, von dem ich mir den Namen SCHÜTZE gemerkt habe, der wohl voller Liebe zum Großen Garten ist, was dem Dresdner eigen ist, aber so wirkungsvoll mit Pinsel und in Farbe auf Papier/Leinwand gebracht, werden die wenigsten von uns die Stimmungsbilder unseres Stadtparks wiedergeben können. Es ist ein Plus, dass neben dem Kontrast der Sandsteinskulpturen, die den Witterungseinflüssen entzogen im Palais Asyl  fanden,- und den Kostümschöpfungen der Kunststudentinnen, auch Malerei von dem Ort zugesellt wurde, in dem in alter Erhabenheit das älteste sächsische Barockbauwerk sich erhebt. Den jungen studentischen Künstlerinnen (Kunsthandwerkerinnen wäre schon fast abwertend), dem Meister von Pinsel und Farnpalette, den Musikern, die die Eröffnungszeremonie mit ihren Gitarrenklängen umrahmten, den Organisatoren und dem Verein der Dresdner Palais- Freunde sei ebenso für diesen vergnüglich- interessanten Nachmittag gedankt, wie unserem Freund Siegfried SCHURA, der uns auf diese Ausstellung aufmerksam gemacht und mit dahin genommen hat.

Wünschen wir uns immer viel Leben im Garten- Palais und, dass es in allen Teilen wieder in alter Vorkriegsschönheit entstehen möge. Was wir jetzt schon sehen konnten, macht uns optimistisch. Einen Besuch der Ausstellung >>ZEITSPRÜNGE<< kann man nur wärmstens empfehlen. Text und Fotos: Bernd Schwabe (eingestellt am 6.04.2012)

 



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