Print This Page

Lesung im Friedrich-Jahr am 5.02.2012

Friedrich der Große – Jahr 2012

König und Bruder – beides ist mir teurer als das Leben

Eine Lesung zum Briefwechsel des Preußenkönigs mit seiner Schwester Wilhelmine

( „Hofgalerie Rietschel“ in Maxen OT Schmorsdorf am Sonntag, den 05. 02. 2012 )

 

Wir stehen am Beginn des >Friedrich der Große – Jahres<, in dem der 300. Geburtstag dieses königlichen Schöngeistes, Philosophen und Kriegstreibers Anlass dazu gibt, sich näher mit diesem Monarchen zu befassen und um zu  einer differenzierten Betrachtungsweise von Person, Leben und Wirken Friedrich II. zu gelangen. Schon vor einiger Zeit hat uns unser Vereinsmitglied Gerd JACOB, der „Maxener Alte Fritz“ davon erzählt, dass er eine szenische Lesung zur Person Friedrich des Großen in Vorbereitung hat. Nun ergab es sich, dass am ersten Februarsonntag diese Lesung in seiner Heimatgemeinde Maxen im Ortsteil Schmorsdorf stattfinden sollte. Fast vor unserer Haustür, wollten wir diese Seite von Gerds Traditionspflege kennen lernen und so starteten wir (Regina und Bernd SCHWABE) gen Müglitztal.

Zunächst holten wir unseren Vereinsfreund Siegfried SCHURA ab und in der Stadtmitte stieg noch unsere Freundin Renata LINNÉ zu. Selbst die eisige Kälte dieses Wochenendes hielt uns nicht von unserem Vorhaben ab. In der Stadt und im Tal der Müglitz war, der Winter, abgesehen von den tiefen Temperaturen, nicht augenscheinlich und wir wunderten uns, dass es, mit dem Erglimmen der Steigung zum Flecken Schmorsdorf, nur unwesentlich winterlicher wurde. Frau Holle geizte offenbar sehr und so waren die Höhen um Schmorsdorf nur leicht weiß eingepudert. Angekommen staunten wir nicht schlecht, an diesem gottverlassenen Stückchen Erde so ein schmuck hergerichtetes Gehöft vorzufinden, in dem, im ehemaligen Kuhstall, die Veranstaltung stattfinden soll.

Der Heimatverein Maxen, dem unser Freund Gerd JACOB auch angehört, hat hier sein Veranstaltungsdomizil. Im Winter scheint es hier seltener Veranstaltungen zu geben, denn der völlig ausgekühlte Raum war trotz fleißigem Nachlegen grober Holzscheite nicht warm zu kriegen. Wir hatten aber Gerds diesbezüglichen Hinweis ernst genommen und uns warm angezogen. Wir waren fast die ersten am Veranstaltungsort und meinten, dass die 53 noch leeren Plätze in der Eishöhle nicht besetzt werden würden. Da irrten wir, denn es mussten noch Reservestühle aufgestellt werden. Unser Siggi schraubte seine Videokamera aufs Stativ, mancher Besucher erwärmte sich schnell noch mit einem Becher Glühwein und alle warteten mit Spannung auf das Erscheinen der Akteure.

Zunächst begrüßte uns ein Vertreter des veranstaltenden Heimatvereins Maxen (Andreas RIETZSCHEL), - chic montiert in schmucker preußischer Uniform als Capitain des 12.Infanterieregiments von Fink (der Kerl traute sich was!) und mit Begleitung von Auszügen aus des Fritzen Flötenkonzert Nr.4 D- Dur nahmen die Akteure ihren Einzug. Symbolhaft hing des Fritzens Uniformjacke über der Stuhllehne, denn in der Zeit, in der der zunächst vorgetragene Briefwechsel mit seiner Schwester Wilhelmine, Markgräfin von Bayreuth, fiel, war Friedrich noch Kronprinz, - ein geprügelter, unglücklicher, vom Vater gehasster und unterdrückter junger Mann. Ein ähnliches Schicksal  hatte auch Wilhelmine, die sich dem tyrannischen Vater, der der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. zweifelsfrei war,  nur durch eine Heirat und nicht eben glückliche Ehe nach dem Zwergstaate Brandenburg- Bayreuth, entziehen konnte. So war der Inhalt der frühen Briefe der Geschwister mehr oder weniger vorrangig diesem Thema gewidmet. Später, waren Heiratspolitik und nach dem Tode des Vaters und durch die Lüsternheit und Gier des jungen Königs Friedrich nach fremden Ländern und seiner dadurch unvermeidlichen Kriege, dies die Themen des geschwisterlichen Briefwechsels. Mit den Jahren kam es in den Briefen wiederholt auch zu starken Meinungsverschiedenheiten. Friedrich steckte dabei stark den König und erfolgreichen Feldherren heraus, konnte aber trotzdem nie verleugnen, dass er, der ansonsten dem weiblichen Geschlecht wenig zugetan war, - man nennt ihn auch Weiberfeind- eine große unerschütterliche Liebe zur Schwester empfand. Es ist zu glauben, dass er gegenüber seiner Gattin Elisabeth Christine, nie solche Worte gefunden hat, wie er sie seiner Wilhelmine widmete. Am Ende des Briefwechsels zwischen dem Preußenkönig und der Markgräfin steht der frühe Tod der Schwester und fast 30 weitere Jahre eines Mannes, der Höhen und Tiefen des Krieges erfuhr, Musik und Kunst liebte, der „erste Diener seines Staates“ sein wollte und dabei ein doch rechter, mit sich und der Welt im Hader liegender, Menschenfeind war. Das ein Deutscher Nationalstaat, ohne Grenzen zwischen Klein- und Kleinststaaten, entstehen konnte, dazu hat Friedrich II. den Grundstein gelegt. So gesehen kann man ihn getrost den Großen nennen. Selbst wir Dresdner tun das heute, obwohl er unsere Stadt im Jahre 1756 in Schutt und Asche gelegt hat, aber ebensolches verzeihen wir ja heute unserem EU- Partner von der Insel auch!

Über den Inhalt des vorgetragenen Briefwechsels könnte ich hier einige Seiten schreiben, aber besser ist der Besuch einer der Lesungen von Gerd JACOB (Friedrich II.), der von Brief zu Brief überleitenden Sprecherin Veronika JACOB und von Barbara HÜTTEN, die die Markgräfin von Bayreuth Wilhelmine sprach und die Idee zu Lesung hatte und den Rahmen als Autorin dazu schrieb.

Der starke Beifall und der Umstand, dass man die drei Vortragenden partout nicht gehen lassen wollte, zeigte an, dass nicht nur wir uns an diesem Vortrag begeistert haben. Ich gebe unserer Freundin Renata recht, die meinte: „Ich habe heute einiges dazugelernt und es war anhörenswert.“ Nach dem Wechseln einiger Worte mit den Referenten, begaben wir uns auf den Heimweg und meinten, dass diese Lesung ein sehr guter Beitrag zum „Friedrich- Jahr 2012“ ist. Wir können nur empfehlen, bei der nächsten Offenlegung des Briefwechsels der preußischen Königskinder, dabei zu sein. In Leipzig erfährt man hier mehr: barbara-huetten@leipzig-gohlis.de und in Dresden hier: jacobmaxen@gmx.de  Text und Fotos: Bernd Schwabe/TDB (eingestellt am 06.02.2012)

 



Zurück