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331.Geburtstag der Gräfin Cosel in Stolpen am 17.10.11

Die Burggräfin lädt zum Geburtstag ein:

Wir besuchten die Burg Stolpen um des 331. Geburtstages der Gräfin Cosel zu gedenken

Es zeugt schon von Beständigkeit, wenn man bis zum heutigen Tage 295 Jahre auf dieser mehr oder weniger zugigen, zerfallenen Burg zubringt. Als eine der schönsten, klügsten und mächtigsten Mätresse August des Starken in Ungnade gefallen und im Jahre 1716 auf Burg Stolpen zu „Kerkerhaft“ eingeliefert, welche bis zum Tode ihres einstigen churfürstlichen Geliebten im Jahre 1733 andauerte und danach von ihr freiwillig bis zum eigenen Lebensende verlängert wurde (Bildtext Nr.43 - Die SZ sieht es falsch!), zeugt heute nur noch ein Sandsteingrabmal und eine Bronzeplatte im Burggelände, sowie eine Ausstellung im so genannten „Coselturm“ vom Schicksal dieser sächsischen Grande Dame. Als sich am 17.10.2011 der Geburtstag der Cosel zum 331. male jährte, war es uns Mitstreitern des Arbeitskreises Barock in Sachsen (AKB) angelegen, die wohl bekannteste sächsische Adelsdame des 18. Jahrhunderts in „ihrer“ Burg zu besuchen. Vom TDB trafen sich auf Stolpens Marktplatz Elke METZNER, Regina SCHWABE, Siegfried SCHURA, Bernd SCHWABE und Rudolf FRITZSCHE, der noch ein vom Barock begeistertes Ehepaar als Verstärkung aus Leipzig mitgebracht hatte, mit den Mitgliedern des Barock- und Tanztheaters Christine BARTEL, Wolfgang PETZOLDT, Werner POHLE (als August der Starke) und Veneta LORENZ (in Verkörperung der Gräfin Cosel), um zur letzten Ruhestätte der Cosel auf den Burgberg zu pilgern. Petrus, der sich übers Jahr, mit seinen freigegebenen Überplanbeständen an Regen, nicht gerade beliebt bei der Gilde der Barockdarsteller gemacht hat, meinte es an diesem Montag, den 17. Oktober sehr gut mit uns und bescherte uns einen wirklich goldenen Herbsttag voller Sonne und uns damit auch beste Laune. Zunächst war die Hürde der Kassendame zu nehmen, - sichtlich überrascht gab sie, vom Argument überzeugt, dass diese Robenträger doch gewiss eine Aufwertung für die Burgbesucher darstellen, den Weg frei, ohne dass der Kämmerer Graf von Schwabe zu Nau in sein Talersäckel greifen musste. Wie hatten wir doch recht, denn im Burgareal liefen die zahlreichen Besucher in Scharen zusammen und bestaunten und fotografierten die illustre Gesellschaft in ihren hochherrschaftlichen Gewandungen. Mit Erstaunen nahm das Publikum zur Kenntnis, dass die Dame, die der Burg Stolpen den wohl wichtigsten Stoff in ihrer  langen wechselvollen Geschichte geliefert hat, am heutigem Tage vor 331 Jahren im holsteinischen Gut zu Depenau als Tochter des altehrwürdigen Adelsgeschlechtes derer von Brocksdorff zur Welt gekommen ist. Nach dem wir an der Grabplatte der Gräfin ein kleines Blumengebinde niedergelegt und damit diese bekannte Person der sächsischen Geschichte geehrt haben und die Hofsängerin Baronessa de Moretti (Regina SCHWABE) der leibhaftig und lebendig anwesenden Cosel, die im AKB von Veneta LORENZ dargestellt wird, ein Geburtstagsständchen dargebracht hat, galt es viele Fragen des überaus interessierten Publikums zu beantworten. Natürlich stand die Gräfin Cosel im besonderen Mittelpunkt, und überaus tolerant und manche Schmach der weit zurückliegenden Vergangenheit vergessend, duldete sie ihren einzigen Herrn und Gebieter August an ihrer Seite, was die Papa- und Mamarazzos, sowie die Pressefotografen erfreut hat. Nach vielerlei Fotoposen und weit schweifenden Blicken, in die, von der Herbstsonne vergoldete, Basaltlandschaft rund um Stolpen, mit herrlicher Weitsicht, hieß es sich auf den Heimweg zu begeben. Das warme Herbstwetter forderte seinen Tribut und machte Durscht und auch der Appetit ließ sich nicht länger zügeln. So ging es über den Markt, der Empfehlung unseres Churfürsten folgend, zum Gasthaus „Zur Linde“, welches wohl als Geheimtipp gut bürgerlicher Hausmannskost gehandelt wird. Von der gut 80jährigen Oma angerichtet und mit gutem Bier aus Böhmen oder vom Böhmischen Brauhaus (Großröhrsdorf) kredenzt, konnte man zufrieden sein. Der Kämmerer kannte bisher gesüßte Bratkartoffeln nicht, die auf gleichem Teller, vom Blattsalat die besondere Note abbekamen. Ein schöner Tag im schönen Herbst 2011,- dieser Bericht soll daran erinnern. Text und Fotos: Bernd Schwabe 



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