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250.Jahrestag der Schlacht bei Warburg, Biwak vom 30.07. bis 01.08.2010

Gedenkveranstaltung zum 250. Jahrestag der Schlacht bei Warburg- Ossendorf am Heinberg 1760

 

 Die einst bekämpften sich als Feind, sind in Europa heut’ vereint!

 Das große Erlebnis des Jahres 2010 – das Biwak und die Schlachtnachstellung bei Ossendorf .

Der Name sagt es, sieben lange verheerende Jahre von 1756 bis 1763 dauerte dieser Krieg, der hohe Bevölkerungsverluste, Hungersnot, inflationäre Verteuerung und Verknappung der meisten Waren, sowie allgemeinen wirtschaftlichen Notstand brachte, nur weil dem Machtkalkül einer kleinen Herrscherkaste nachgegeben wurde. Im Juli 1760 gelangte der Krieg auch in die Gegend von Warburg, wo es am 31. Juli am Heinberg zu einer blutigen Schlacht kam, die von der alliierten Streitmacht siegreich geführt wurde und mit der Vertreibung des französischen Heeres endete. Zum Schlachthergang, der Geschichte des Siebenjährigen Krieges und dem Werdegang des Schützenvereins Ossendorf e. V. und dessen Sparte „Historische Kanoniere“ hat der Veranstalter eine wunderbare Broschüre herausgebracht. Schnell vergriffen, können alle, die das Heft ergattern konnten, viele interessante Aspekte darin nachlesen. Hier soll hauptsächlich über unsere Teilnahme am Biwak berichtet werden.

Wir TDB’er Silvia und Frank WEISE, Bernd SCHWABE, Siegfried SCHURA und unsere Freunde Christine BARTEL und Wolfgang PETZOLDT waren am späten Freitagnachmittag, den 30.07.2010 im Biwak in Warburg OT Ossendorf eingetroffen und fanden einen, für diese Gedenkveranstaltung nahezu idealen, Platz vor. Egal ob Schreiberstube, Wasserstelle, Latrine, Wegweiser und Hinweisschilder ect., alle diese Örtlichkeiten waren schön rustikal mit Bretterholz verschalt oder aus solchem gefertigt, was dem Platz eine ganz eigene Atmosphäre verliehen hat. In der nahen Heinberghalle des Schützenvereins waren ausreichend sanitäre Einrichtungen vorhanden, die von fleißigen Bienchen während der Tage dieses Events so gut wie ganztägig geputzt und in vorzüglichem Zustand gehalten wurden. Das erlebt man so auch nicht immer. Als wir auf unserem zugewiesenen Platz unsere Zelte errichtet hatten, ging es zunächst auf Begrüßungstour durchs Lager und dann hieß es schon umkleiden, denn gegen 19:30 Uhr  sollte es einen Gedenkmarsch zur Ossendorfer Friedenslinde und zurück zur Heinberghalle geben. Leider schafften wir, wegen des Zeltaufbaus, die Teilnahme an der Einweihung eines Gedenksteines am Heinberg, mit anschließendem Gedenken der damaligen Kriegstoten am Ehrenmal auf dem Friedhof, nicht. Mögen die Worte des Gedenksteins: „Die einst bekämpften sich als Feind, sind in Europa heut’ vereint“ für immer und alle Zeiten und für alle Völker des Kontinents und der ganzen Welt gültig bleiben. Nur Freundschaft und gedeihliches Miteinander bringt die Menschheit voran und so fühlten wir uns, mitten unter einer „Übermacht“ von Militärdarstellern, als "Höfische" gut aufgenommen und ich denke, unser Hier sein hat keinem geschadet, sondern war eher eine Bereicherung für dieses Event, welches von dem, was wir bisher sahen, weder in Größe des Areals, der Anzahl der Zelte und Teilnehmer noch in sonst einer Weise übertroffen wurde. Ein echter Sommerhöhepunkt. Der Hofstaat führte, im Gefolge des Alten Fritzen, den Festumzug an und mit Pfeifen, Trommeln und Trompeten ging es zurück zum Lager. Hier begrüßten uns der Ortsvorsteher Her Markus ENGEMANN und der Vorsitzende des Schützenvereins Heiner FISCHER. In der Halle sprach dann u. a. auch der Warburger OB Michael STICKELN. Auch der Musikverein Ossendorf musizierte hier weiter. Wir zogen uns zu unseren Leinwandvillen zurück, - empfingen Besuche, oder machten welche und hatten schon am ersten Abend manchen Grund um miteinander anzustoßen. Wiederum war die Nacht kurz, aber mangels mitreisenden Kurfürsten Tilo ziemlich ruhig und ungestört. Der Samstag war erster Besuchertag und Interessenten kamen in großer Zahl und hatten ihre Freude am historischen Markttreiben mit vielen Händlern, Handwerkern, Garküchlern und Fleischbrätern, sowie den Roben und Ausführungen  der Adelsleute, dem Feldlager, aber in besonderem Maße an den Vorführungen der Militärdarsteller. Weil gekonnt und mit breitem  Repertoire, haben uns auch die zwei Trommler und der Pfeifer mit der Querflöte sehr gut gefallen und ihr oftmaliger Zug durchs Lager war in keiner Weise störend, - was wir auch schon anders erlebt hatten!  Besonderes Interesse galt auch der Dioramaausstellung in der Heinberghalle. Uns zog es mehrmals zu diesen Schlachtnachstellungen in Zinn. Dann am Nachmittag wurde es unruhig im Lager, Kommandos hallten, Trommeln wirbelten, vereinzelte Schüsse waren zu hören. Die Soldaten rüsteten sich feldmarschmäßig und formierten sich in ihren Einheiten. Fahnen wurden aufgerichtet und dann ging es hinaus zur großen Schlacht. Wir folgten den Truppen und den zahlreichen Besuchern und erlebten am Rande des „Schlachtfeldes“ ein knalliges Spektakel. Meldereiter stürmten zwischen den einzelnen Truppenteilen hin und her. Kanoniere luden ihre Geschütze und die Infanteristen betätigten ihre Ladestöcke. Befehle hallten über das Schlachtfeld und bald donnerte die erste Kanone. Erwidert aus den Gewehrläufen der Gegenpartei erfüllte sich der Platz mit Pulverdampf und dem Sturmgeschrei der Angreifer. Wir standen im Rücken der Franzosen, die sich mit allen Kräften wehrten, aber letztendlich siegten „Unsere“ und so waren wir’s zufrieden. Was dann im Feldlager dran kam, war gewiss das Waffenputzen und sicher wurde auch auf Sieg und Niederlage angestoßen. Eben noch „Feind“ war man am Biertisch bald friedlich vereint. Mit der ersten Dämmerung war die Eröffnung eines historischen Lustgartens angekündigt. Viel war davon nicht zu merken und es löste sich die illustre reinpreußische Tafelgesellschaft schnell auf. Mehr Aufmerksamkeit und Rhythmus brachte das Rahmenprogramm mit der irisch- schottischen Musik und den ausgelassen tanzenden Rockträgern von der Insel. Ihre Kilts wirbelten nur so im Abendwind und lockerten damit das Stoischsteife der Adelsgesellschaft etwas auf. Dann kam das Feuerwerk, oder was der Feuerwerker vermeinte, dass es ist. Monsieur französischen Gesandten hat das Ganze glatt zu Boden geworfen. So ging ein ereignisreicher Veranstaltungstag sehr heiter zur Neige – selten so viel Spaß beim Feuerwerk gehabt. Die Nacht sah noch lange Licht vor den Zelten und hörte Lachen und Lieder und Kronkorken fliegen und Weinflaschen entkorken… Ein wunderbarer Tag ging zu Ende.

Der sonntägige Morgenappell sah alle Darsteller auf dem Rasen des Sportplatzes. Der König ging seine Truppen und die anderen Schlachtbeteiligten ab und bedankte sich für den guten Verlauf der Schlacht(nachstellung). Anschließend gab es wieder reges Markttreiben mit viel Besucherandrang und auch die zivilhistorischen Darstellungen kamen nicht zu kurz und begeisterten das Publikum. Auch die Presse begeisterte sich. Schon am Vortage waren zahlreiche Vertreter hier und so wurden wir an beiden Tagen interviewt, was in den Wochenend- und Montagszeitungen zu lesen und zu sehen war. Trotzdem haben wir keinem den Schneid abgekauft, die Bilder der Schlacht waren großformatig und damit dem Aufwand und den Strapazen  der Militärdarsteller angemessen! An den Verpflegungsstellen, wo man als Darsteller auch gegen Kupons speisen  konnte (Danke den Veranstaltern), gab es Mittagessen, so wie man es sich für das 18. Jahrhundert denkt. Wir TDB’er hielten uns aber an den Buden nicht zu lange auf, denn es zog uns in die nahe gelegene Barockstadt Bad Arolsen. Also bestiegen wir unsere Chaisen und besuchten in bester Sonntagsrobe das Schloss in Arolsen. Kaum festen Boden unter den Füssen, wurden wir schon von einer Gruppe Hobbyfotografen umlagert, die mit unseren Konterfeis später ihre Vereinsseite geschmückt haben. Im Schloss gelang uns gerade noch der Anschluss an eine Führung. Die anderen Teilnehmer bestaunten uns zunächst wie Exoten und später staunten sie und die Museumsführerin über die Kenntnisse der sächsischen Robenträger. Besonders unser Oberst Bose sorgte für Erstaunen über seine Kenntnisse. Leider hatten wir mit unserer Robe keinen Bonus bei den Eintrittskarten und das Fotografieren wurde uns such verwehrt. Dennoch war der Abstecher nach Bad Arolsen keine falsche Entscheidung, - im Gegenteil, man müsste diese nette alte Barockstadt noch mal und dann mit mehr Zeit besuchen. Zurück im Lager flanierten wir noch über den Marktplatz, einige Stände waren schon verschwunden und mancher unserer Freunde sagte uns schon jetzt Adieu. Wir aber harrten aus und zwängten uns mit in die Heinberghalle – es regnete etwas – und nahmen am Abschlussappell aller Historiendarsteller teil. Hier wurde uns unsere Teilnahme beurkundet und es gab ein Erinnerungsgeschenk in Form einer Holzscheibe mit dem eingebrannten Motte der Veranstaltung „Die einst bekämpfte sich…“ Was wäre so ein Appell ohne Danksagung an die, deren Gastfreundschaft, die im Vorfeld sicher mit viel Aufwand lief, wir an diesem Wochenende genießen durften. Die Langen Kerls sprachen es aus und übergaben ein Dankeschön, stellvertretend für alle Freunde des „Ossendorfer Schützenvereins – Historische Kanoniere e.V.“, an die Freunde Stephan KLEINHANS und Elmar SCHERF. Dem konnten wir mit viel Händegeklapper nur zustimmen. Am Abend konnten wir beim Bier dem einen oder anderen Ossendorfer noch persönlich Danke sagen. Der Sonntag ging zur Neige und wir versammelten uns im Zelt der Freunde, die ihre Leinwandvillen erst im Laufe des Montag einschlagen wollten. Beim gemeinsamen Abendbrot – jeder hat seine allerletzten Reserven dazu gegeben – kamen wir auf den gemeinsamen Nenner: „Das Event in Ossendorf war ganz große Klasse und ein wirklicher Jahreshöhepunkt „. Wir hoffen nun, dass unsere dortigen Freunde  bald einen weiteren Grund finden, damit wir hier wieder so großartig campieren und erleben  können. Nach durchregneter Nacht getraute sich am Montagmorgen auch die Sonne wieder hervor und gemeinsam mit recht heftigem Wind machte sie unsere Zelte schnell wieder trocken. Als wir alles verpackt hatten, sagten wir den „ossendorfigen Warburgern“  nochmals Danke und Tschüß bis in Blankenburg. Den anderen Freunden galt unser: „Bis denne“ und wir fuhren ihnen  in den schönen Harz voraus. In wenigen Stunden werden wir uns dort in Blankenburg wieder treffen um ein paar Tage später  am Historischen Wochenende teilnehmen zu können. Ossendorf war schön – Blankenburg wird schön – was will man noch mehr! Text und Fotos: Bernd Schwabe

 

 


 



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