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Schlossfest in Heringen am 19.06.2010

Eine Interessengemeinschaft, ein Schloss und viel Spaß:
Wir besuchten am Samstag, den 19. Juni 2010 das Schlossfest im thüringischen Heringen

Was sich an diesem frühen Samstagmorgen in Dresden andeutete und im Wetterbericht verkündet wurde, war alles andere als Reisewetter, aber wir starteten trotzdem, weil man Freunde nicht im Stich lässt. Zunächst scheuchten wir unseren Freund Lars (Reichsgraf von Friesen) in Leipzig aus seiner Studentenbude hoch und dann ging es Richtung Kyffhäuser. Alsbald konnten wir in einer klitzekleinen Wolkenlücke das Himmelsblau erkennen und wurden hoffnungsfroh. Nicht umsonst, denn, als wir des Kaiser Barbarossa Denkmal sahen, und durch die Goldene Aue fuhren, machte diese ihrem Namen alle Ehre. Goldig brachen sich die ersten zaghaften Sonnenstrahlen ihren Weg durch das graue Gewölk, tauchten die Landschaft in goldiges Licht und begleiteten uns bis zu unserem Ziel, der thüringischen Kleinstadt Heringen 2.285 Einwohner), wo sie uns den ganzen Tag über (mehr oder weniger) treu geblieben sind. Vorher machten wir beim Hausschlachter in Windehausen Rast und bekamen eine Kostprobe vom Können thüringischer Wurstmacher. Selten haben wir in eine so schmackhafte Bockwurst gebissen, von den frisch aus dem Rauch kommenden Knackern ganz zu schweigen (Danke für die Kostprobe). Eingebettet in Harz und Windleite erwartete uns nun die Stadt Heringen a. d. Helme und wir sahen schon aus einiger Entfernung das, den Ort überragende, Schloss. Eingerüstet ist dieses ehrwürdige Gemäuer, dessen Bau im Jahre 1327 begann, als dem Ort Heringen auch das Stadtrecht verliehen wurde, aber das ist gut so. Es zeugt davon, dass dem Verfall Einhalt geboten wurde. Als Bauwerk nationaler Bedeutung hat sich dem Schloss auch der Freistaat Thüringen und der Bund angenommen und, das muss besonders hervorgehoben werden, Bürger der Stadt, die sich in ihrem Verein „IG Schloss Heringen 1327" e.V. zusammen fanden, um für den Erhalt des Schlosses zu streiten und zu arbeiten. Sie, die gemeinsam mit dem Schützenverein, dieses Schlossfest organisiert haben, waren unsere Gastgeber - nette, sehr um uns bemühte, aufmerksame und freundliche. Durch Vermittlung der Historiengruppe Nordhausen, (Heinrich der Vogler) während der Parade der Geschichte in Rottleberode, kamen wir zu den Schlossfreunden nach Heringen. Wir kamen als Bekannte mit dem gleichen Anliegen- der Historienpflege - und sind als Freunde nach erfolgreichem Schlossfest wieder nach Hause gefahren. Eines können wir jetzt schon sagen, wenn wir gerufen werden, sind wir gern wieder in Heringen dabei, - spätestens zur geplanten Einweihung des Schlosses im Jahre 2013.
Beim Gehege zweier Huftiere, wovon man sich das eine gern als persönlichen Dukatensch... wünschen würde, warm gelaufen und einige sehenswerte Punkte in Schlossnähe in Augenschein genommen, machte uns Hufgetrappel darauf aufmerksam, dass es gleich 13:00 Uhr ist und das Fest an diesem Samstag mit einer, durch viele Reiter flankierten, Kutschfahrt des Dresdner Hofes und einiger Landadelsleute eröffnet werden würde. So wurde dann der Kurfürst und König August II. mit seiner Begleiterin der Dame zur Linken Aurora Gräfin von Königsmarck von der Schlossherrin Clara Gräfin von Schwarzenburg - Frankenhausen in die Chaise gebeten. Die restlichen Hofschranzen quetschten sich zu viert in eine Zweierkutsche und erlebten so die Besonderheiten der Heringer Straßenzustände. Die meisten Einwohner waren wohl noch beim Mittagsschläfchen, denn viel menschliches Leben begegneten die Kutschfahrer auf ihrer ausgedehnten Tour nicht. Etwas kreuzlahm am Festplatz angekommen, wurden wir zur Tafel gebeten und mit allerlei Tischgebäck und vom besten Bäcker am Platze gesponserten Kuchen bei kräftigem Türkentrunk verwöhnt. Der Kellermeister kredenzte uns leckeren Wein aus der Frucht des Holunders, an welchem selbst unser alter Cämmerer Graf von Schwabe zu Nau nicht vorüber gehen konnte. Das dürfte ein besonderer Hinweis auf die gute Qualität dieses Tropfens gewesen sein. Dann versammelte sich Volk und Adelsleute vor der Schlossfassade und die Schlossherrin Clara hieß alle hochedlen Gäste willkommen und bat skm August um ein paar Begrüßungsworte. Mit einer Weihe des Schlosses durch den Superintendenten der evangelischen Kirche wurde das Fest an diesem Tage eröffnet (offiziell begann es am Freitag und ging bis Sonntagmittag). Der Kirchenchor setzte dabei hörbare Glanzpunkte und unüberhörbar ließen drei Kanoniere ihr Kanonchen krachen. Das war wohl auch ein Tusch für den Kirchenmann, der seinen Geburtstag feierte und vom Haushofmeister Blumen und von August dem Starken beste Wünsche erhielt. Zudem offerierte Majestät noch zwei Perlen sächsischer Sangeskunst und die Hofsängerin, begleitet von der Königmarckchen, gab einige Kostproben ihrer Kunst. Da der Haushofmeister Baron von Moser zu bemosern hatte, dass die de Moretti so ernsten Gesichtes ihm gegenüber träte, wart natürlich auch ihm ein Liedlein gewidmet. Zum wievielten Male hat nun unsere Hofsängerin ihr Herz verschenket und gleiches zur Schenkung vom Gegenüber eingefordert? Während einer Pause in der Übertragung polnischen Schlagergesanges - die CD muss kurz vor dem Heißlaufen gewesen sein, - nahm Majestät die Gelegenheit beim Schopfe um seine „polnischen Untertanen" auf das Herzlichste zu bewillkommnen. Aus Heringens polnischer Partnergemeinde Odolanów war eine Kulturabordnung mit der Musikgruppe „Barysza" Gast des Schloss- und Schützenfestes und so hatte auch der Polenkönig August II. seinen Fanklub beim Fest. Gestärkt durch schmackhaftes Grillgut von besagter Hausschlachterei aus Windehausen, schlossen wir uns Herrn Moser zu einer Schlossführung an. Viel Holz wurde schon verbaut und nach einem Geschoß folgte das nächste, so dass man schon außer Puste kommen konnte. Wie wird es im Schloss eines Tages aussehen, wenn der letzte Handwerker abgezogen und Kunst, Kultur, Brauchtum und... eingezogen sind? Es wäre herrlich wenn wir Dresdner das miterleben könnten. Vom Schnellzeichner portraitiert, rundum glücklich und froh, hier in Heringen neue Freunde und Gleichgesinnte gefunden zu haben, galt es gegen 18:00 Uhr an die Heimreise zu denken. Wir, Tilo MEIßNER (August der Starke), Silvia WEISE (Aurora v. Königsmarck), Regina SCHWABE ( Hofsängerin Baronessa de Moretti), Lars Klaus AßHAUER (Reichsgraf von Friesen) und der Verfasser dieser Zeilen Bernd SCHWABE (Cämmerer Graf v. Schwabe zu Nau) haben einen wunderschönen Tag verlebt und sind mit den allerbesten Eindrücken geschieden. Allen Freunden des Vereins „IG Schloss Heringen 1327" mit ihrem Vorsitzenden Axel HOFMANN an der Spitze und besonders den Eheleuten MOSER ( Frau Moser war für uns das Fleißige Lieschen vom Schloss ), sowie dem Pfarrersehepaar, bei dem sich der Schwarzkittel erst zum Schluss des Events „enttarnte", der aber lebendiger Beweis dafür ist, dass auch die Diener des Herrn sehr menschlich sein können. Ohne das Wissen um sein Amt, hätte ich ihn ganz respektlos als absolute Fetzrübe bezeichnet. Der Mann hat Stimmung verbreitet und seine bessere Hälfte stand ihm nicht viel nach. Und die blaue Feder mit samt der schönen Trägerin hat das Herz des ollen Grafen so erwärmt, dass ihm der Federkiel wie von selbst über das Pergament eilt, um hier diese Zeilen zu verfassen. Nochmals DANKE und AUF Wiedersehen. Fotos und Text: Bernd Schwabe

 



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