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Mandaukasernenfest am Pfingstsonnabend den 22.05.2010 in Zittau

Wo einst die Zittauer Gelbe angebaut wurde, die Blumenuhr die Zeit angibt und die Stadtoberen offenbar die Zeit verschlafen - wir reisten nach Zittau im Dreiländereck von BRD, Polen und Tschechischer Republik:
In Robe, mit Noten und Musikinstrumenten zum Erhalt der Mandaukaserne

Uns erreichte die Bitte aus Zittau vom Verein der Freunde der Mandaukaserne, am Pfingstsonnabend, den 22.05.2010 in ihre Stadt zu kommen und am Fest zum Erhalt dieses imposanten Bauwerkes mitzuwirken. Das haben wir Mitglieder des TDB gern getan und auch die Mitglieder des Kurfürstlich- Sächsischen Barockensembles haben gern ihre Instrumente in Zittau aufgebaut und zum Klingen gebracht. Als sächsischer Kurfürst und König in Polen ect. ect. nahm August der Starke gegen 19:00 Uhr auf dem Marktplatz der Stadt die Parade des 3. Infanterieregiments Nr. 102, einer polnischen Militärformation und des Schützenvereins Zittau ab. Militärmusik des Regimentsspielmannzuges Görlitz gab dem Ganzen einen klingenden Rahmen. Den Flair von Kasernenhofmilieu vermittelten Gewehrschüsse und der Donner von Kanonen. Der Vereinsvorsitzende Volker KRETSCHMER begrüßte zuvor die Festbesucher, seine Majestät und dessen Hofstaat, sowie alle weiteren Teilnehmer. Seine flammenden Worte galten nur einem Ziel, den weiteren Verfall dieses ehrwürdigen und noch immer imposanten Gebäudes zu stoppen und statt vielen Geldes für den Abriss, dieses in eine vorläufige Teilsanierung, z. b. des Daches, zu stecken. Hier waren die Stadtoberen Zittaus in besonderem Maße angesprochen, aber skm Cämmerer konnte trotz größter Aufmerksamkeit keinen Vertreter der Stadt ausmachen, geschweige denn zur Sache reden hören. Wer mit so viel Gleichmut zusieht, wie wertvolle Gebäudesubstanz verfällt, obwohl hier der Denkmalschutz stark greifen müsste, versündigt sich. Bleibt zu hoffen, dass das Wirken des Vereins und solche Events wie am hiesigen Pfingstsonnabend die Verantwortlichen aus ihrem Tiefschlaf wach rüttelt. Die Kanonenschüsse vom Marktplatz sollten hier erste Zeichen setzen. Nach ernsten Worten, folgte ein freimütigerer und fröhlicher Part. Unser, für seine humorigen Einlagen bekannte, Freund Lutz SANDMANN nahm unter dem Mannsvolke Zittaus als Leutnant Graf von Lutzmannstein einige Tauglichkeitsprüfungen für den Dienst im Preußische Heer vor, was dem sächsischen Kurfürsten doch recht säuerlich aufgestoßen ist. Daher gab er den Neurekrutierten den guten Rat zum alsbaldigen Desertieren und Aufnahme in das IR Nr.102 (oder jedes andere sächsische Regiment) . Nun, das sollte wohl der Schaden für die Kerls nicht sein, - nur rennen müssen sie gut, schnell und ausdauernd können, - man weiß ja, die Sachsen haben in (fast) jeder Schlacht Reißaus nehmen müssen...
Vom Markt ging es mit Musik und angeführt durch den Kurfürsten und sein Gefolge zum Areal der Mandaukaserne, wo das Event auf der Festwiese (am Martin- Wehner- Platz) seinen Fortgang fand. Was man beim Marsch fast nicht mehr glauben wollte, denn eine Ampel sagte stopp und die Polizei, die uns geleiten sollte, hatte es nicht sehr eilig. Hier im Lager dann, stattete der Kurfürst und König in Polen seinen dort biwakierenden polnischen Landeskindern sofort einen Besuch an deren Leinwandvillen ab. Erfreulich, dass aus dem Nachbarland Historiendarsteller teilgenommen haben und das in sehr authentischer Form. (Solche Gemeinsamkeiten müssen ausgebaut werden)Ein Hebekran, der gegen eine Spende von Jedermann zum Blick über Zittau benutzt werden konnte, nahm auch unseren starken, gewichtigen Landesherrn auf und hob seinen Ausleger nur, als ein „Mitfahrer" den Beförderungskorb wieder verlassen hatte. „Schahh, so leicht ist halt unser Geenisch und Gurferscht nu och wieder nisch zu nähm, nuwahr!"
Auf der Bühne gab es ein kleines Programm barocker Musik, - das Kurfürstlich- Sächsische Barockensemble hatte seine Chaisen nach Zittau gelenkt und gab einige Weisen aus der Zeit August des Starken zum Besten. Ob das an diesem Platz so richtig gepasst hat? Unsere hochwerte Hofsängerin Regina Baronessa de Moretti (Regina SCHWABE) hatte recht stark gegen den Wind, die nicht ganz perfekte Technik vor Ort, den Volksfestcharakter am Platze und das mäßige Interesse der Besucher anzukämpfen. Selbst mit Liebe und Hingabe dabei, wurden diese Widrigkeiten aber gemeistert und der Beifall, den es von Kunstkennern- und Liebhabern dennoch gab, entschädigte dafür. Mit gerunzelter Stirn sah skm August II. wie vor seinen Augen, unter Preußischer Gerichtsbarkeit gegen einen Gefreiten des 3.IG Nr. 102 verhandelt wurde und sein Gnadenerlass raschelte schon in seiner Brusttasche. Jedoch gelang es dem wackeren Leutnant Graf von Lutzmannstein, den Delinquenten vor der Todesstrafe zu bewahren. Ein kleines Handgeld für den Leutnant (verarmter Adel) und der soeben Freigekommene fand sich in sächsischen Militärdiensten wieder! Gastronomisch gut versorgt, in angeregten Gesprächen mit Besuchern und anderen Historiendarstellern verstrickt, verging die Zeit sehr schnell. Majestät richtete noch einige Grußworte an alle Beteiligten und wünschte den Freunden, die sich den Erhalt der Mandaukaserne, in deren Windschatten wir feierten, auf die Fahnen geschrieben haben, viel Erfolg in ihrem Bemühen, dieses imposante Bauwerk zu retten. Es folgten weitere Grußworte, auch von den polnischen Militärs und mancher laute Knall war noch zu hören. Der Jubel und Trubel des Festes setzte sich bis zum Dunkelwerden fort, was die Adelsleute nicht mehr erlebten, da ihre Chaisen zu der Zeit schon auf dem Weg in die Residenz waren. Sie reisten in der Gewissheit ab, hier in Zittau etwas Interesse geweckt und Freude verbreitet zu haben. Wenn damit wenigstens 10 Dachziegel finanziert werden können, dann sollte auch das ein Schritt zum Erhalt der Mandaukaserne gewesen sein.
Wer mehr wissen und selbst helfen möchte, der schaue bitte hier: www.mandaukaerne.de . Text und Fotos: Bernd Schwabe

 




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