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Herbstflanieren am 10.10.09

>>Abflanieren 2009<<
Herbstlicher Rundgang durch Dresdens barocke Altstadt am 10.10.2009

Uns erreichte der Ruf, das schöne Herbstwetter zu nutzen und in Robe durch unser schönes Dresden zu flanieren. Auch wenn diesen Ruf im TDB nur zwei Mitstreiter hörten, - mancher muss am Samstag arbeiten, war dieser Ausflug mit Freunden (u. a. von der IG Barock 1690) ein wirklich gelungener Abschluss in Sachen Flanieren. Zwar war die Sonne etwas scheu und versteckte sich die meiste Zeit hinter den Wolken, sehr schweren dunklen Wolken, aber das Wasser aus himmlischen Sphären begann erst zu tröpfeln, als wir am späten Nachmittag schon den Kaleschen zustrebten. Wir waren froh, diesen Tag noch einmal genutzt zu haben, um mit unseren Freunden durch den Dresdner Barock zu lustwandeln, - wer weiß, ob sich das wetterseitig heuer noch mal so ergeben wird. Während das Cross des Hofstaates vom neu erstanden Kurländer Palais aus dem Ziel seiner Wünsche zustrebte, kamen die Hofsängerin und ihr Graf aus Richtung Herzogin Garten, wo deren Kusche geparkt war. Da bei Hofe noch einiges in den Ratsstuben zu erledigen war, sind Baronessa und Graf schon etwas spät dran gewesen, was sie schnellen Schrittes wieder gut zu machen gedachten. Das gelang ihnen aber schlecht. Am Zwinger war ein, für die Jahreszeit recht ungewöhnliches, Menschengewimmel, welches vielleicht darauf zurückzuführen sein könnte, dass man einen Blick auf den chinesischen Vizepräsidenten erhaschen wollte. Uns war dieser Herr recht einerlei, - so wie uns der „göttliche Frieden" in Sachen Menschenrechte in China nicht einerlei sein kann, und so wollten Hofsängerin und Kämmerer den Zwinger schnell durcheilen. Doch es stellten sich so viele Lichtmaler in deren Weg und so viele Touristen wollten mit August dem Starken (dem Bärtigen!) und der Gräfin Cosel (die doch aber keinen Urlaub von Stolpen bekam!) abgelichtet werden, wie wir es selten erleben. Im Eilschritt verfolgte uns eine Hochzeitsfotografin, die uns als Staffage zu ihrem Brautpaar haben wollte. Wir taten ihr den Gefallen und sind nun in einem weiteren Album mit Hochzeitsbildern verewigt. Irgendwie kamen wir dann doch frei und auf die Brühlsche Terrasse, wo wir bald die Gräfin von Nostitz mit ihrem Gefolge erspähten. Womit waren sie gerade befasst? Wir kamen gerade zur rechten Zeit, um auch hier mit aufs Hochzeitsfoto zu kommen. Nach artiger Begrüßung ging es dann, mit vielen Unterbrechungen wegen des Fotografierens und zum Auskunft geben über uns als Darsteller, über die historischen Personen hierzu und über die barocken Sehenswürdigkeiten und die Geschichte zur Zeit August II. und seines Sohnes, in Richtung Schlossplatz. Kaum hatten wir die Freitreppe mit den vier Tageszeiten passiert, wurden wir wieder von vielen Knipsern und Fotografen umzingelt. Auch wenn das Vorankommen schwer ist, freut uns das Interesse der Gäste unserer Stadt und wir fühlen uns in Robe als echte Touristenattraktion. Das ist ja auch einer der hauptsächlichen Gründe warum wir immer wieder gern durch unser schönes Dresden lustwandeln und dabei ein möglichst authentisches Geschichtsbild über die, von uns verkörperte, Zeit zu vermitteln - ohne die unsäglichen 365 Kinder des Kurfürsten und den vielen anderen Unstimmigkeiten, die man leider immer und immer wieder zu hören bekommt. Gerade vernahmen wir von einer Gästeführerin, dass das Cosel -Palais ein Geschenk des Kurfürsten an seine Mätresse war. Schlimm, den das Palais gehörte dem illegitimen Sohn des Kurfürsten mit der Gräfin Cosel, Friedrich August von Cosel, - daher rührt der Name des Palais. Mit dieser Anspruchslosigkeit können wir uns einfach nicht anfreunden und „schön anzusehen sein" genügt uns halt auch nicht, wenn wir die Begegnung mit den Gästen und Bürgern unserer Stadt dort suchen wo Dresden am schönsten ist. Irgendwie kamen wir doch noch frei und auf den nahen Theaterplatz vor der Semperoper, wo genau zwischen dieser und der heutigen Gaststätte „Italienisches Dörfchen", einst das so genannte Morettitheater (benannt nach dem damaligen Prinzipal) stand. Hier war einst die Stimme der Hofsängerin Regina de Moretti zu hören, welche den Kurfürsten so entzückte, dass er ihr ein Jahressalär zubilligte, welches den Neid einiger Minister und Räte, die bedeutend weniger im Geldsäckel hatten, hervorgerufen hat. Dann kamen wir doch noch im Zwinger an und staunten über das noch immer sehr rege Besucherinteresse, obschon der Nachmittag fortgeschritten war. Da nach längerer Rekonstruktion das Nymphenbad, - dieser Glanzpunkt Permoserscher Bildhauerkunst, wieder zugänglich ist und einige der Hofschranzen seither speziell noch nicht wieder hier waren, zog es uns an diesen wunderbaren Ort. Es ist dort so schön, dass wir uns eine längere Verweilpause genehmigten. Auch hier waren wir Fotoobjekte, obwohl wohl keiner von uns mit den steinernen Schönheiten in den Nischen des Nymphenbades konkurrieren kann. Langsam ging der Tag dem Abend zu und wir in Richtung Terrassenufer, wozu wir uns den Kenntnisreichen anschlossen, um im „Zwickel" deftige Speisen und Zwickelbier aus Radeberg (nicht aus der „Semper- Brauerei") zu probieren. Die Truppe um Kerstin DANIEL war wohl schon öfter hier, denn der Wirt begrüßte uns in großer Herzlichkeit, wie man halt alte Bekannte begrüßt. Wir zwei Neulinge waren vom Interieur der Gaststätte angenehm überrascht und auch unsere Wahl aus der Speise- und Getränkekarte enttäuschte uns nicht. So verbrachten wir zum Abschluss dieses schönen Tages noch einige nette Momente im Kreise unserer Freunde Kerstin, Sonja, Christine, Ina, Günter und Günther, Siegfried und Wolfgang. Gern werden wir wieder mit ihnen auf Tour gehen, wenn uns die Frühlingssonne in 2010 aus unseren Winterpalästen gelockt hat und wieder der Ruf zu gemeinsamem Flanieren erschallt, - ohne Bumsmusik und Karnevalskostümen. Wer wie wir nach Authentizität und fundierter Wissensvermittlung strebt, ist gern bei uns gesehen und kann sich anschließen... Text und Fotos: Bernd Schwabe



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