Print This Page

Biwack anlässl. der Schlacht bei Maxen 1759

Biwack anlässl. der Schlacht bei Maxen 1759

Erinnerung an eine große Schlacht von 1759 und die Kleinlichkeit heutigen Kleinkrieges
(Mit einem Epilog von Wolfgang Petzold)

Die Gedenkveranstaltung zur Schlacht bei Maxen vor 250 Jahren sollte für unseren TDB der krönende Abschluss dieses ereignisreichen Veranstaltungsjahres 2009 werden, freuten wir uns doch schon sehr darauf, seit die erste Einladung durch den Heimatverein Maxen beim Stadtjubiläum 800 Jahre Dresden ausgesprochen wurde. Kurz nach Neujahr dieses Jahres besuchten wir eine thematische Führung im Panometer Dresden mit Frau Dr. NIGGEMANN-SIMON, die zufälligerweise dem Heimatverein Maxen angehört und uns ebenfalls zu dieser Veranstaltung einlud. Über das Jahr wurden seitens der AG Siebenjähriger Krieg des Heimatvereins Maxen immer wieder bekundet, dass man uns gern in Maxen begrüßen würde.

Wohl wissend, dass sich diese Schlacht gut 25 Jahre nach „unserer“ Zeit ereignete, planten wir das Wochenende um den 3. Oktober fest ein. Obwohl die Vorbereitungen für diese Großveranstaltung schon vor mindestens 3 Jahren begonnen hatten, kam einen knappen Monat vor der Veranstaltung plötzlich von den Organisatoren der Schlachtnachstellung ein Schreiben, dass sich das Adelsvolk in Bauernkleidung zu kostümieren hat, wie es damals auch üblich gewesen sei. Diese Kostümierungen wurden aber nur zu besonderen höfischen Lustbarkeiten getragen, wobei man an der Qualität der Kleidung immer deutlich erkennen konnte, dass in selbiger eine Majestät oder Adelsperson steckte. Wäre man im 18. Jahrhundert in solch einer Kostümierung auf dem Schlachtfeld erschienen, hätte wohl Majestät jeglichen Respekt der Militärs verloren. Was wollte man uns also mit diesem Schreiben sagen? Der Lächerlichkeit preisgeben wollten wir uns nicht. Wie wir von weiteren Mitorganisatoren erfuhren, teilten nicht alle die Meinung des Schreibens und bekräftigten ihre Einladung, sodass wir mit Freunden des TDB nun doch in gewohnter Robe den Weg nach Maxen antragen, aber nur am Sonnabend und nie in der Absicht auf dem Schlachtfeld zu erscheinen.

Zunächst besuchten wir das Schloss, denn der Schlossherr Peter Flache hatte nichts gegen die Anwesenheit des Dresdner Hofstaates, brachte dieser doch zusätzliche Farbtupfer nach Maxen und hatte er uns doch eingeladen. Dort wurden wir von einigen „österreichischen“ Adelsleuten (IG Barock 1690 mit Kerstin DANIEL) freudig in Empfang genommen. Auf der Suche nach denen, die uns unumstößlich ihren Wunsch über unser Erscheinen bekundet hatten, machten wir - August II. (Tilo MEIßNER), seine erste Dame zur Linken – Gräfin von Königsmarck (Silvia WEISE), sein Adjutant Graf von Bose (Wolfgang PETZOLD) nebst Gemahlin (Christine BARTEL), sein getreuer Kämmerer Graf von Schwabe zu Nau (Bernd SCHWABE) und dessen Gattin – die Hofsängerin Baronessa de Moretti (Regina SCHWABE), Aleksander Józef Reichsgraf von Sulkowski (Günter THOMAS) mit seiner Gemahlin Maria Franziska (Ina HIRCHE) und Heinrich Graf von Bünau (Siegfried SCHURA) – uns auf den Weg in den Ort und zum Campement. Viele Besucher waren unterwegs und lobten, was alles auf die Beine gestellt wurde. Auch wir blieben nicht unbemerkt, wollte man doch etwas über uns und die Gründe unserer Anwesenheit erfahren. So war es Majestät ein Bedürfnis, nach dem Marmor zu schauen, der für den Fußboden seines Grünen Gewölbes in Maxen gebrochen wurde. Das liebevoll eingerichtete Museum konnte den Besucheransturm kaum fassen. Als wir nun das Biwak erreichten, wurden wir mit ausgesprochener Herzlichkeit von guten Bekannten und Freunden begrüßt. Selbst preußische Kommandeure und Soldaten machten vor unserer sächsischen Majestät ihre Ehrenbezeugung. Während die Besucher dem Soldatenvolk zum Schlachtfeld folgten, genossen wir die kulinarischen Köstlichkeiten. Bei deftigem Braten und Kuchen hörten wir von Ferne die Kanonen und Musketen grollen. Wohlweislich hielten wir uns vom Schlachtfeld fern. Gut gestärkt zog es uns wieder zum Schloss. Wir lauschten lieblichen Streicherklängen hinterm Schloss, plauderten mit den „österreichischen“ Hofdamen und kamen auch mit Bernd SEIDEL vom Heimatverein – ebenfalls in höfischer Gewandung – in ein interessantes Gespräch. Er und einige Gäste lauschten andächtig, als die Hofsängerin im Musikzimmer des Schlosses ihre Stimme erklingen lies und Majestät die ein oder andere Geschichte dieser Zeit zum Besten gab. Viel Handgeklapper war der Lohn.

Nun begaben wir uns noch einmal zum Campement, um uns von unseren Freunden und Bekannten für längere Zeit zu verabschieden, denn die meisten sehen wir erst im Frühjahr 2010 wieder.

Nach diesen herzlichen Begegnungen kam noch eine weitere hinzu. Als wir uns dem Festzelt näherten, wurde der „Männerchor Dresden-Striesen e. V.“ unserer gewahr und stimmte ein fröhliches Lied an. Als der letzte Vokal den Männerkehlen entlockt war, sorgte unsere ehrenwerte Hofsängerin für freudig erstaunte Gesichter bei den Sangesbrüdern, als sie ihnen „Willst Du Dein Herz mir schenken“ entgegen schmetterte. Man(n) ließ sich nicht lange bitten und nahmen das dargebotene Herz und schenkte ihr dafür „Den heimlichen Kuss“ in Wort und Tat. So beseelt traten wir mit einsetzender Dämmerung den Heimweg an.

Es war für uns ein schöner Tag in Maxen, spürte man doch an allen Ecken, mit welcher Hingabe alle mitgeholfen haben, denn die Veranstaltung bestand ja nicht nur aus der Schlachtnachstellung. Zahlreiche kulturelle und kulinarische Angebote boten den Besuchern Information, Unterhaltung und Kurzweil.Text: Silvia Weise (eingestellt Februar 2010) nach einem Vorlagetext von Bernd Schwabe (eingestellt Oktober 2009,-geändert Februar 2011) Fotos: Bernd Schwabe

 

Epilog: Über die Gefahren des Umganges mit der Vergangenheit

Man kann seine Zukunft nicht erfolgreich gestalten, wenn man sich nicht kritisch mit seiner Vergangenheit auseinandersetzt. Diese Erkenntnis großer Geister aus Wissenschaft und Geschichte ist so neu nicht. Aber bei aller Achtung vor der Vergangenheit, sollten wir nicht vergessen, dass wir heute in einer anderen Epoche leben. Folglich müssen wir erkennen, dass das 18. Jahrhundert das Zeitalter des Feudalabsolutismus war, wir aber heute im 21. Jahrhundert in einer Ordnung der bürgerlichen Demokratie leben, deren unterschiedlichen Gesetzen wir uns letztendlich zu beugen haben. Wenn es also Gruppen gibt, die das Leben vergangener Zeiten bildlich darstellen wollen, so geht das nicht ohne Konzessionen an die Gegenwart. Niemanden wird es heute einfallen, junge Männer zu kastrieren, damit sie auf der Opernbühne Sopranrollen singen. Alle Freunde mittelalterlicher Kultur und des Barock verwenden heute Telefon, Auto, Computer, die elektronischen Medien und andere Errungenschaften moderner Technik, ohne lange darüber nachzudenken. Ja, manche Veranstaltung dieser Art waäre ohne Nutzung dieser Technik überhaupt nicht durchführbar. Aber genauso, wie wir auf veraltete und antiquierte Methoden verzichten und modernste Technik und Technologie anwenden, sollten wir uns auch in geistiger Hinsicht und in den Umgangsformen unserer heutigen Zeit anpassen.
Was war denn nun geschehen? Im November vor 250 Jahren standen sich ein preußisches Armeekorps und die mehrfache Übermacht der österreichischen Armee gegenüber und lieferten sich bei einem sächsischen Dörfchen namens Maxen eine Schlacht, bei der wie selten im 7jährigen Krieg die Preußen unterlagen und der preußischen General von Fink in Gefangenschaft ging (Finkenfang bei Maxen). Das Dorf wurde niedergebrannt, viele Bewohner verloren ihr Leben oder zumindest ihre ganze Habe. Anlässlich dieses Jahrestages wollte der sehr rege Heimatverein von Maxen eine Gedenkveranstaltung inszenieren. Da sie das natürlich nicht allein könnten, luden sie sich Akteure aus ganz Deutschland, Österreich, Tschechei und Polen ein. Sie erwarteten , wie sie mir persönlich mündlich mehrmals bestätigten, dass sich auch die Dresdner Barockszene sehen ließe. Wie das 750jährige Ortsjubiläum bestätigte, konnten sie das Bauernvolk durchaus selbst darstellen. Auf einmal eine Kehrtwendung! Wohl wissend, dass die Dresdner Barockszene ausschließlich adlige und bürgerliche Personen darstellen (mit einem hohen Aufwand an Kleidung, Orden, Schmuck, Schuhe usw.) wurde die Forderung gestellt, doch als Bauern und Handwerker zu erscheinen, obwohl man genau wusste, dass niemand über derartige Volkstrachten verfügte und die Dresdner Bürger des 18. Jahrhundert damit höchstens zum Karneval gingen. Hinter salbungsvoll vorgetragenen Floskeln in einigen Briefen wurde zum Ausdruck gebracht, dass man dann nicht zu kommen brauche. Wer aber war der Initiator dieser Briefe? Wer sollte ausgegrenzt werden? Wer wollte sich hier auf Kosten anderer profilieren? War man sich gar nicht bewusst , dass jede Ausgrenzung von Personen vom gesellschaftlichen Leben grundgesetzwidrig ist? - Und das am Tag der Deutschen Einheit und im 60. Jahr des deutschen Grundgesetzes! Vielleicht sollte aber auch die Überlegenheit der Fraktion der „Militärs" in der Arbeitsgemeinschaft „Der Dreispitz" demonstriert werden, obwohl hinlänglich bekannt ist, dass gesellschaftliche Entwicklung nur in der Einheit von wirtschaftlicher, politischer (also auch militärischer) und kultureller Entwicklung möglich und notwendig ist. Eine Abtrennung oder Verselbständigung eines Faktors ist, im Großen wie im Kleinen immer schädlich. In diesem Zusammenhang muss also auch bezweifelt werden, ob die Schlachtdarstellung wirklich so lebensecht war, w Ein Bericht zum Geschehen in Maxen, welches an die Schlacht vom 20.11.1759 erinnern sollte, kommt in den nächsten Tagen. Wir waren allerding bei der Schlachtdarstellung nicht zugelassen und berichten von unserem Auftreten im Schloss (sehr willkommen) und im Campement (von den Offizellen nicht willkommen) B.S. enn die, Einiges gewöhnten, Preußendarsteller mehrfach kritische Äußerungen machten. Ich selbst äußere mich dazu nicht. Ich habe mich „sittsam" zurückgehalten und das Schlachtfeld gemieden. Was aber die anwesenden, mir gut bekannten, Herren des Arbeitskreises „Sächsische Militärgeschichte" als die hierzulande obersten Autoritäten darüber gedacht haben, weiß ich freilich nicht. Damit verbunden einige Worte zur so genannten „Authentizität", auf der einige selbsternannte Fachleute so vehement pochen. Die muss allerdings stark angezweifelt werden, wenn in dem verteilten Erlaubnisblatt zum Betreten des Kampfplatzes ( bei 6 Textzeilen) 5 offensichtliche Fehler enthalten sind:
- Maria Theresia hatte Anspruch auf den Titel „Kaiserliche Majestät", war aber nie gekrönte Kaiserin, sondern nur Mitregentin ihres Gemahls, Kaiser Franz I. Stephan bzw. ihres Sohnes Kaiser Joseph II., die aber waren keine österreichischen Kaiser, sondern Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation.
- Demzufolge war Maria Theresa auch keine Kaiserin von Österreich, sondern nur dessen Erzherzogin als ihr Erbland, nach der „Pragmatischen Sanktion" ihres Vaters Kaiser Karl VI. von 1713.
- Zu Zeiten Maria Theresias gab es kein Kaiserreich Österreich, sondern erst ab 1804, die Doppelmonarchie Österreich- Ungarn gar erst ab 1867.
- Maria Theresia war Königin von Ungarn und -Böhmen. Dazu wurde sie auch gekrönt.
- Maria Theresia benutzte zur Lebzeiten ihres Gatten ein persönliches Wappen ,das dem Doppeladler nicht aufgelegt war. Das ab 1765 von ihr benutzte Wappen war dem Doppeladler aufgelegt, dessen Fänge jedoch offen waren und Schwert, Zepter und Reichsapfel nicht in den Fängen hielten. Das war nur dem gekürten Kaiser vorbehalten. Der Reichsapfel war dem Doppeladler nie aufgelegt. (Quelle: Franz GALL: "Österreichische Wappenkunde", Wien 1992)
Wie skurril die Situation war, kann man in dem Satz zusammenfassen: Eine nicht anwesende Kaiserin (weil in Wien) bzw. ein nicht anwesender preußischer König (weil in Wilsdruff), belegt einen nicht anwesenden sächsischen Kurfürst (weil bereits verstorben) und dessen nichtanwesenden Hofstaat (wahrscheinlich auch) mit Schimpfworten. (Wahrlich wie die Kinder: „Die wollen uns unser schönes Spiel verderben!" Skurril natürlich auch, dass eine in Österreich geborene Herrscherin, von der Zeitgenossen berichteten, dass sie im ausgesprochen wienerischen Dialekt gesprochen hat, in „gepflegtestem" Sächsisch daherkam. Bleibt noch die Frage offen: „Wo war der General von Finck?" Ich habe ihn nicht getroffen, - vielleicht wegen mangelnder Profilierungssucht (des betreffenden Darstellers, oder weil es keinen gab!). Ich konnte jedenfalls anwesenden Mitgliedern der Familie von Finck dazu keine Auskunft geben. Ob die Entgleisung eines gewissen Herrn Klaus Z... befohlen war oder nur seinem kranken Hirn entsprang, soll hier nicht spekuliert werden, wohl aber dessen Hinterhältigkeit und Feigheit konstatiert werden, - indem er uns erst mit Handschlag begrüßte und uns dann mit seinen Kumpanen vehement belästigte, und das auch noch ausgerechnet und besonders abstoßend an den kleinsten und schmächtigsten Personen unserer Gruppe, unseren weiblichen Darstellerinnen. Verwerflich war besonders, dass er dazu auch noch ausländische (tschechische) Akteure mit hinein gezogen und verleitet hat. Aufgrund dieser Entgleisung kann ich der „kaiserlichen" Darstellerin nur empfehlen fürderhin nicht nur ihren Feldmarschall Daun, sondern auch ihren Vertrauten und Staatsminister Wenzel Anton Graf von Kaunitz, einer der fähigsten Staatsmänner im 18.Jh ) an ihrer Seite zu haben. Vielleicht hätte man dann solche Übergriffe, wie sie schon 1759 schlimm genug waren, bei heutigen Veranstaltungen vermeiden können.
Resümee: Es ist bedauerlich und traurig, dass ein solches Ereignis wie die 250. Wiederkehr der Schlacht um Maxen, welches der Höhepunkt im Jahr 2009 werden sollte und auf das sich viele Barockfreunde, egal ob in Uniform oder Robe, sehr gefreut haben, mit solchen Mißtönen behaftet war. Ich glaube nicht, dass damit weitere Mitstreiter in unserer „Familie" der Barockfreunde gewonnen werden können. Wer so die Dresdner Barockszene einigen will (was dringend vonnöten ist), der irrt oder versucht sie auf eine autoritäre Linie einzuschwören. Damit wird sie aber geschwächt, wenn nicht gar weiter gespalten. Außerdem redet in absehbarer Zeit niemand mehr von einem kleinen Dorf Maxen, aber alle zeigen auf die Dresdner Barockszene. Und, wer auf Dauer so egozentrisch handelt, schart niemanden um sich, sondern ist eines schönen Tages sehr einsam. Text: Wolfgang Petzold



Zurück