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Barockfest auf Friedenstein, 29.-30.08.09

Friedvoll- freundschaftliches Miteinander auf Schloss Friedenstein:

Barockfest auf Schloss Friedenstein in Gotha (28. - 30.08.2009)

Zum (beinahe schon) Sommerausklang, bot sich uns Ende August in Gotha, der fünftgrößten Stadt Thüringens, ein barockes Event, an das wir uns, ob der nahezu perfekten Organisation, noch lange gern, und in Hochachtung der dortigen Organisatoren, erinnern werden. Wir sind daher dankbar, eingeladen gewesen zu sein und gern besuchen wir auch das nächste Schlossfest wieder. Das, hoch über der Stadt thronende, Schloss Friedenstein, bietet einen geradezu idealen Rahmen für ein derartiges Event, welches heuer erstmals über das gesamte Wochenende ging und die Organisatoren dürften sich von der Richtigkeit ihrer Entscheidung überzeugt haben können. Die Veranstaltung war an allen Tagen gut besucht und wurde in der gebotenen Form gern von den Besuchern angenommen. Aber auch die Mitwirkenden und Darsteller konnten es zufrieden sein. Das Rahmenprogramm, die Ausstellungen im Schloss, der gelungene Mix von Händlern und Handwerkern (alle mehr oder weniger mit Erzeugnissen, wie es sie in der Barockzeit auch schon so oder ähnlich gegeben haben dürfte), die Kutschfahrten, das gastronomische Angebot, jenes originelle und originale Karussell, - was schon zur Barockzeit seine Runden gedreht haben könnte (!), das flach gehaltene barocke- und das Höhenfeuerwerk, einige sehr gute Einzeldarsteller (Zauberer, Seelenverkäufer auf Stelzen ect.), Soldatenvolk mit Musketen und Kanonen und Pfeifen und Trommeln und und und, war stimmig und machte dieses Schlossfest zum Erlebnis. Ohne, dass es unseren positiven Gesamteindruck schmälern soll, möchte ich eine kritische Anmerkung machen. Für meinen Geschmack gab zu viele Karnevalskostüme- und Perücken, zumeist in wenig adeliger Haltung, die über den Schlosshof schlürften, seltener schritten! Mancher dieser Darsteller (teilweise auch aus ganz anderen Geschichtsepochen und offenbar mit selbst ausgestellter Einladung) hielt sich für sehr edel, ohne zu merken, dass er lediglich lächerlich wirkte. Hingegen sahen wir überzeugende Adelsleute, wie den gastgebenden Herzog nebst Herzogin, den Herzog von Weißenfels- Zeitz (Manfred TWAROG) mit Gemahlin, oder den Herzog von Hannover- König von England Georg I., den Herzog von Braunschweig mit Dame, den Hofschneider mit Gemahlin, den Kronprinz Preußens, die Oberhofmeisterin von Sachsen- Gotha Frau von Buchwald, die (sonnenballigen) Kavaliere, den Grafen zu Dohna mit Gräfin und weitere, die alle das Barocke des Events überzeugend darzustellen wussten. In diesen Kreis gehörte auch der sächsische Kurfürst und König in Polen August II. (Tilo MEIßNER), - sein Hofstaat nicht ausgenommen (wir haben diesen Anspruch, ohne zu behaupten, schon perfekt zu sein!), der es sich nicht nehmen ließ, aus der fernen Residenz Dresden zur Audienz des Herzogs Friedrich III. von Sachsen- Gotha und Altenburg (Uwe MÜLLER) zu kommen.
Angereist war August der Starke und sein Hofstaat bereits am Freitagnachmittag und schlug sein Biwak im Windschatten eines Seitenflügels des Schlosses in schützender Nachbarschaft der Lichtensteiner Kanoniere und der Zelte des Königlich- Preußischen Infanterieregiments von MÖLLENDORF Nr. 25 auf, - weitab übrigens der nobleren Behausungen der anderen angereisten Adelsleute (!/ das könnte noch ein kleiner Kritikpunkt sein).Während vor dem Gothaer Rathaus, in Anwesenheit des OB Knut KREUCH, das Barockfest offiziell eröffnet wurde, verbrachten wir einen netten Abend bei „Spackfatbemm" und selbst gemachtem Kirschlikör, viel Spaß und Besuch des preußischen Kronprinzen Friedrich und weiterer Adelsleute seines Hofes und der Oberhofmeisterin von Sachsen- Gotha Frau von Buchwald.. Danach war der Vorrat an flüssigem Obst arg geschrumpft und wir hatten die nötige Bettschwere.
Der Samstagmorgen sah uns schon recht früh auf den Beinen, was dem anstehenden umfangreichen Tagesprogramm und dem rauhen nächtlichen und frühmorgendlichen Soldatenleben in der Nachbarschaft geschuldet war. Selbst wenn uns die Matratzen nicht beizeiten losgelassen hätten, die Lichtensteiner Kanonierkompanie hätte uns spätestens gegen 10:00 aus dem Schlaf geballert. Ihr Kanonensalut an der Nordrampe des Schlosses eröffnete den ersten Tag dieses Barockfestes. So sah man den Dresdner Hofstaat schon früh beim Flanieren über den Schlosshof und so mancher Adelherr beugte sein Haupt und manche Adelsdame knickste vor dem Kurfürsten und König August den Starken (obwohl noch Inkognito) . Der englische König Georg I. kam von Hannover herüber und begrüßte seinen „Vetter" August mit grazilem Handschlag. Auch der Herzog von Sachsen- Weißenfels machte seine Aufwartung und der Gesandte des Sonnenkönigs, der Herzog von Orleans (Rudolf FRITZSCHE) machte seine Referenz vor unserem Landesherrn. Unbeeindruckt davon schlürfte mancher Glanzperückenträger ohne den erforderlichen Respekt vorbei. Schade, dem Bild dieses schönen Barockfestes hätte ein authentischeres Auftreten aller Darsteller noch mehr Glanz verliehen. So meinte denn unser allergnädigster Kurfürst und König, dass es wohl eine Lust sei, der Residenzstadt Sachsen- Gotha eine Kutschfahrt zu widmen und so hielt ihm sein getreuer Cämmerer den Wagenschlag auf. Gemeinsam ging es im Gefolge des Herzogs Friedrich III. von Sachsen- Gotha und Altenburg bergab in die Gassen Gothas und wir staunten schon, wie sich dieses Gotha in den letzten 20 Jahren herausgeputzt hat. Viele alte und geschichtsträchtige Bauwerke säumten unseren Weg und an der Orangerie wäre der alte Cämmerer am liebsten von der Chaise gesprungen, zumal er der Besichtigung am Sonntag nicht beiwohnen konnte, da er seinen Landesherrn zu dem Zeitpunkt bereits wieder in die Residenz zu folgen hatte.
Auf Friedenstein gab es derweil ein Konzert der Formation „La Fanfare" aus Gera, deren unermüdlichen musikalischen Einsatz wir während des Events mehrmals bewundern durften. Auch aus dem Ekhof- Theater war Musik zu vernehmen- Arien von HÄNDEL, dargeboten von Victoria KNOBLOCH / Sopran. Schnell kam die Zeit heran, wo der Herzog und die Herzogin zur Generalaudienz baten. Die erlauchte Adelsgesellschaft stand Spalier, als der Herzog mit seiner Gemahlin, angeführt vom Oberhofmeister und dem Zeremonienmeister (Helmut ROSSMANN), und gefolgt von engen Hofvertrauten, den Schlossplatz betrat und auf der Ehrentribüne Platz nahm. Wie es seinem Range entsprach, wurde bei der Vorstellung der Majestäten und der anderen hohen Herren, der sächsische Landesherr August der Starke zuförderst genannt, jedoch hatte sich dieser zu dem Zeitpunkt noch in der Anreise befunden. So wurden zunächst Georg I. , der Herzog von Weißenfels, der preußische Kronprinz Friedrich (Steffen LEU), der Herzog von Braunschweig- Wolfenbüttel (Eberhard EISFELD) und weitere Abgesandte und Kavaliere anderer Höfe in Audienz empfangen. Doch dann tönte doch noch das Trompetensignal, welches die Ankunft des hohen Herrn ankündigte. In rasantem Tempo preschte der Vierspänner August II. durch das Schlosstor und sein Adjutant Graf Alexander Oberst von Bose (Wolfgang PETZHOLD) hatte Eile, den Türschlag rechtzeitig zu öffnen. Während sich alle Häupter neigten, schritt der Kurfürst- König (Tilo MEIßNER) mit seiner Dame zur Linken Maria Aurora Gräfin von Königsmarck (Silvia WEISE), gefolgt von Graf und Gräfin von Bose, der Ehrenloge des Gastgeberpaares entgegen und machte seine Aufwartung und vergab Friedrich III. und seiner Gemahlin seine Huld und den Dank für das gelungene Fest. Sein Erscheinen wurde zum Höhepunkt der Generalaudienz und danach forderte ihn der Herzog zum Rundgang im Schlosshofe auf. Hier besichtigte der Kurfürst, wie immer von seinem getreuen Kämmerer Graf von Schwabe zu Nau (Bernd SCHWABE) begleitet, die Stände der Markttreibenden und Handwerker und für manches sächsische Erzeugnis fand er lobende Worte. War August II. doch ein großer Förderer der einheimischen Gewerke, was zur Blüte Sachsens führte. Danach zog sich unser durchlauchtigster Herr in sein privates leinenes Gemach zurück und der Kämmerer suchte die Begegnung mit anderen Adelsleuten. Dabei lief ihm die Herzogin (Annett JAHN) begleitet von einer Hofdame (Christine JAHN) über den Weg und ihm wurde große Huld entgegengebracht, was den ehrbar ergrauten Grafen nicht wenig erfreute. Auch Georg I. und der Herzog von Weißenfels- Zeitz, sowie der Herzog von Orleans bezeugten dem Grafen ihre Gunst und plauderten ein wenig mit ihm. Danach wurde der Graf von Schwabe zu Nau vom Hofstaat aufgefordert, mit diesem eine weitere Kutschfahrt zu machen. Graf von Weißenberg (Frank WEISE), Gräfin von Königsmark (Silvia WEISE), Graf von Bose (Wolfgang PETZHOLDT), Gräfin von Bose (Christine BARTEL), die Hofsängerin Baronessa de Moretti Gräfin zu Nau (Regina SCHWABE) und schließlich der Graf (Bernd SCHWABE) zwängten sich in die Chaise, die bei barocker Kleidung der Damen schon für vier Personen recht eng war, und so konnten wir gut verkeilt auch den Weg über abfallende und teilweise recht unebene Wiesenstücke des Parks nehmen, Hohlwege passieren und uns am ängstlichen Gezeter der Hofsängerin amüsieren. Das eigentliche Problem kam noch, - beim Versuch, den Wagen zu verlassen. Das verkrampfte Bein des Kämmerers hatte Not, sich aus dem Reifrock der Königsmarck zu lösen und die Nase des Oberst Bose war fest in seinem linken Ohr verschraubt... Ähnlich ging es den anderen Fahrgästen auch. Der aufrechte Gang des Grafen von Weißenberg war dem vermissten Gehstock des Kämmerers geschuldet, da Gf v. Weißenberg diesen im Kreuze hatte... Gut entstiegen gaben wir uns noch etwas der Kultur hin und dann rief schon ein köstlich- königliches sächsisches Abendmahl, - „Pellgardoffeln mit Gwarg und Läberwurscht". Graf von Weißenberg hatte seinen Leibkoch dabei und so konnte nichts schief gehen. Während der Kurfürst eine kleine Unpässlichkeit gesund schlief, begab sich der Hofstaat in den Schlosshof um am „Maskenball" Pläsier zu haben. Angeführt von der Hoftanzgesellschaft „plaisir de la cour" aus Potsdam, nahmen auch unsere Hofdamen am Tanze teil und es sah nicht schlecht aus. Leider ist der Wettergott ein rechter Tanzmuffel und mitten im tänzerischen Geschehen öffnete er seine Himmelsschleusen, was den Abbruch bedeutete. Zum Glück verzogen sich die Regenwolken schnell wieder und bis zum „Festlichen Barockkonzert" der Thüringen- Philharmonie Gotha mit Werken von HÄNDEL, BOYCE und BACH (20:00 Uhr) war der feuchte Spuk vergessen. Nur, wer von den Konzertbesuchern, - auch der letzte Platz war besetzt, kein Taschentuch oder Sitzkissen mit hatte, musste Händels Wassermusik mit feuchtem Hintern erleben... Dem Kämmerer und dem Oberst hat das Konzert sehr zugesprochen und mit bester Stimmung konnte dann noch gegen 21:00 Uhr, mit dem Feuerwerk, ein weiterer Glanzpunkt dieses Festes auf Schloss Friedenstein, erlebt werden. Besonders das flach gehaltene barocke Feuerwerk hat uns TDB'ern sehr gut gefallen. Das Höhenfeuerwerk war farbenfreudiger, aber dafür lauter... Unseren Kurfürsten und König schreckte es vom Lager und während wir alsbald entkräftet in die Kissen fielen, machte er, so ausgeschlafen wie er inzwischen war, noch ausgiebige Besuche bei allerlei Soldatenvolk. Als des Nachtens gegen 2:00 Uhr erstmals die Cola ihren Weg nach Draußen anmahnte, waren die sonore Stimme und das Lachen der Majestät noch ungezügelt zu hören. Wo es was zu Lachen gibt, dort muss es schön gewesen sein. Gotha mit seinem Barockfest auf Schloss Friedenstein war es! Am Sonntagmorgen eilte der Kämmerer als Gesandter des Dresdener Hofes noch zum Gottesdienst, während im Biwak bereits mit dem Packen und Abbruch der Zelte begonnen wurde. Gestärkt durch Gottes Segen nahen dann König und Kämmerer, nebst Hofsängerin den Weg Richtung Sachsen. Die Zofe der Gräfin Königsmarck und der Leibkoch verblieben noch am Orte und erlebten noch einige weitere Höhepunkte des Sonntages dieses Barockfestes, - inklusive Privatführung durch die Oberhofmeisterin Frau von Buchwald (Sandra GERLACH) Ihr danken wir für die Einladung, den Organisatoren für das überaus gelungene Fest und auf alle, die uns mit Wohlwollen begegneten, freuen wir uns schon jetzt beim nächsten Wiedersehen. Nicht erst zum Barockfest 2010 in Gotha, aber gern auch wieder hier, wo es uns so ausnehmend gut gefallen hat, - so gut, dass der >>Directheur der Hofcatzeley<< auf drei Seiten Bericht kam, obwohl er nur eine Seite geplant hat. Schönes Erleben treibt halt zur Mitteilsamkeit. Hier sind die ***** fünf Sterne für ein Super- Event. Text und Fotos: Bernd Schwabe

 

 



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