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Historisches Wochenende in Blankenburg, 14.- 16.08.09

In den schönsten Gärten des Harzes:
9. Historisches Wochenende in den Schlossparks von Blankenburg (14.- 16.08.09)

In den zurückliegenden zehn Jahren gab es dieses Event neun Mal und wir sind das vierte Mal hier. Warum kommt man immer wieder gern? Es ist wohl nicht die Einmaligkeit dieses Barockfestes, - da gibt es anderenorts, wie termingleich die Schlössernacht in Potsdam, andere Events mit mehr barocker Ausstrahlung, - aber uns ziehen die zahlreich dort anzutreffenden Freunde an, die jedes Jahr ihre Zelte am Vogelherd aufschlagen und jedes Mal ein Freundschaftstreffen aus diesem (verlängerten) Historischen Wochenende machen. Wer in Blankenburg präsent ist, gehört zum „harten Kern" der Traditionspfleger der Zeit des Barock. Wir sind daher immer gern ein paar Tage länger hier, als wie das Wochenende dauert. Heuer klappte es uns Mitgliedern des Traditionsvereins Dresdner Barock mit der Anreise erst am Donnerstag, aber das war für uns zwingend. Wenn eine gute Freundin, die uns, die damaligen Neuen, gemeinsam mit ihrem Mann Wolfgang, sofort ins Herz geschlossen und ohne viel Federlesens in die Familie der Barockdarsteller aufgenommen hat, - unsere Dagmar PETERS, ihren Geburtstag (mit Erwerb des Seniorenpasses) (nach-)feiert, dann ist es für uns eine freudige Selbstverständlichkeit, die Einladung zur Geburtstagsfete anzunehmen und den Kreis der vielen Gratulanten zu verstärken. Als wir mit Sack und Pack am Donnerstagnachmittag auf dem Biwakplatz eintrafen, waren die Vorbereitungen dafür schon im vollen Gange und wir vermeinten, schon den Duft frisch gebrühten Türkentrunkes zu riechen. Das beflügelte zu hohem Tempo beim Errichten unserer Leinwandvillen und als sich der Kaffeeduft noch verstärkte, stand unser kleines sächsisches Lager und wir Dresdner konnten uns zu den anderen Freunden an die Geburtstagstafel hocken. Was uns hier erwartete, war einmalig. Eine Großbäckerei muss hier aktiv gewesen sein, - 14 verschiedene Kuchen und Torten standen zur Auswahl, - eine köstlicher als die andere. Selbst der Rezensent, der sonst nicht unbedingt ein großer Kuchenesser ist, musste sich bei der Fülle an Köstlichkeiten sehr zurückhalten. Gestillter Appetit macht neugierig und so war zu erfahren, dass die verantwortliche Bäckerei Rita ARBANOWSKI heißt. Seit Tagen war die Backröhre in Ritas Küche unter Dampf und Ehemann Norbert und Hund mussten ausquartiert werden, damit diese gebackenen Highlights in den Wohnräumen zwischengelagert werden konnten. 14 Kuchen und Torten im heimischen Herd gebacken, - jedes dieser Backwerke eine besondere Leckerei, - wenn das keinen Ausdruck von Freundschaft darstellt!?! Eine tolle und wohlschmeckende Leistung von Rita, darin waren sich alle Geburtstagsgäste einig, - nicht nur Dagmar, der man die Rührung angesehen hat. Wir meinen, bei der Jubilarin auch am Abend, als sie ihre Gratulationen und das Geschenk der Geburtstagsgäste entgegennehmen konnte, feuchte Augen gesehen zu haben. Das Geschenk war gut verpackt, in einem Bündel Feuerholz, und entpuppte sich als eine Reise in die Vergangenheit, - in Dagmars bewegte (Hobby-) Vergangenheit. Ob als „Cowboyerin", Indianer- Squaw oder Countrymusic- Fan, - Dagmar hatte schon einige wilde Dinge drauf, ehe sie in den eher ruhigen Gefilden der Barockfreunde landete. Ein Erinnern an die wilden Jahre in Leggins und mit Lasso und der dazugehörigen Banjo- Musik, soll das, von ihren Freunden geschenkte, Country - Wochenende bieten. Ihre Gratulanten wünschten viel Spaß und sagten herzlichen Dank für die gute Bewirtung, denn auch das Abendbuffet bot der leckeren Sachen viele und mancher edle Tropfen benetzte deren Kehlen. Auch Dagmars zahlreichen „Zofen" gebührt ein Dankeschön, denn allein hätte das Geburtstagskind diese Horde von verfressenen Hofschranzen und Soldatenvolkes nicht zufrieden und satt an diese festliche Futterkrippe bekommen. Als kleine Randnotiz sei angemerkt, dass der TDB seine, in einen Strauß gebundenen, blumigen Geburtstagswünsche, mit der barocken Blumensprache damaliger Zeit, zum Ausdruck brachte. Weitere Blumen blühten auf diversen Gläsern, - das Harzer Bier mundete und auch der Wein schmeichelte verwöhnten Gaumen. Mit viel Spaß und angeregten Gesprächen ging es bis weit in die Nacht und wir meinen, dass derartige gelebte Kameradschaft unser Hobby noch anziehender und schöner macht. Dagmar, alles Gute, auf dass wir Dich noch lange haben und gemeinsam unsere barocken Wege weiter gehen können.
Dieser 13. August war und ist für uns Deutsche ein bedeutungsvoller Tag, ein Tag, der 1961 die Trennung Deutscher von Deutschen brachte (und die leider in manchem Kopf weiterhin besteht). Dieser Tag, der Geburtstagsfeier unserer Freundin Dagmar, der 13.08.09 machte uns klar, dass wir in unserem Kreis diese Trennung längst überwunden haben, - der Herbst vor 20 Jahren leitete das neue Miteinander ein und wir leben es heute in unserem Hobby und unserem Alltag. Daher wird uns der 13. August 2009, am Vogelherd in Blankenburg, wie das ganze Wochenende, in allerbester Erinnerung bleiben.
Während im Laufe des Freitag weitere Historienfreunde ihre Zelte über den Dächern Blankenburgs aufschlugen, zog es uns in das geschichtsträchtige Quedlinburg, zu welchem uns unsere Blankenburger Freundin Martine FOCKE schon vor zwei Jahren führte und uns die Sehenswürdigkeiten der Stadt und am Domberg zeigte. Heuer konnten wir unsere Freunde Christine BARTEL und Wolfgang PETZHOLDT zu den Zeugen geschichtsträchtiger deutscher Vergangenheit führen, - da, wo einst unsere Gräfin Aurora von Königsmarck als Pröpstin des dortigen freien Damenstifts ihren Lebensabend beschloss. Auch ein tolles Antiquitätengeschäft und eine Eiskonditorei hatten, wie damals, in Quedlinburg ihre Anziehungskraft. Dabei waren wir nicht blind für so manches, etwas vom Touristenstrom abseits gelegene, Detail. Einige Bilder zu diesem Bericht sollen dies belegen. Unser Frank WEISE war nicht mit von der Partie. Als wir wieder im Lager einrückten, trafen wir unseren Meisterkoch am Suppenkessel an, wo er seit Stunden bemüht war, für 9 hungrige Mäuler, Erbsen zu garen und durch das Durchschlagsieb zu reiben, damit ein Erbseneintopf auf den Tisch kommen konnte, so wie er es auch schon im 18. Jahrhundert tat. Das Originalrezept hatte unsere Silvia WEISE (Gräfin von Königsmarck) ausgegraben und in Franks bewährte Hände gegeben. Es war ein wirklich Lecker Schmaus und es blieb nicht das geringste Restchen übrig. Da konnte uns an den Folgetagen die, vom Veranstalter gebotene, Beköstigung „Erbsensuppe" kaum vom Hocker reißen. Wenn alle Eintöpfe damaliger Zeit so waren, wie der, von uns am frühen Freitagabend verzehrte, kann man verstehen, dass August der Starke ein ausgesprochener Liebhaber von Eintopfgerichten war. Übrigens sehr zum Leidwesen der zu Tisch geladenen, am Hofe beschäftigten, Minister, Ratgeber und Räte, die lieber Gesottenes und Gebratenes auf dem Tisch gesehen hätten. Uns machten die Erbsen lustig und luftig... So konnte es mit Turboantrieb zur offiziellen Eröffnung unseres historischen Biwaks gehen. Dort allerdings machten wir das, was wir während dieses Wochenendes sehr oft und bevorzugt getan haben (mussten), nämlich warten. Ein alter Kämmerer des sächsischen Hofes vertrieb sich die Wartezeit im angeregten Disput und Stockkampf mit seiner königlichen Hoheit Prinz Rudi, welcher sehr großen Wert auf ordnungsgemäße Titulierung legte, aber ansonsten sehr huldvoll zum Kämmerer und einer reizenden kleinen Anbeterin war. Endlich bemühten sich die Herrschaften von Rathaus, die Sponsoren und weitere geladene Gäste, vom Konzert kommend, zum barocken Fußvolk am Vogelherd. Es gab obligate Reden und einen lauten Kanonenknall und ein Knällchen, als polnische Antwort, aus einem Handtaschenkanönchen. Wie die Jahre zuvor, war auch heuer wieder eine Abordnung der polnischen Partnerregion anwesend. Im Laufe des Historischen Wochenendes trafen wir diese Herrschaften alle in ihren prächtigen urtypischen polnischen Trachten an, - so, wie wir die letzten Jahre den Landrat in Blankenburg angetroffen haben, der sich auch heuer über das Zusammentreffen mit seinem polnischen König August II. (Tilo MEIßNER) freute, - vermutlich auch diesmal ohne Nachwirkung für ein historisches Treffen im Nachbarland mit Teilnahme deutscher Darsteller. Schade, dass der Zusammenarbeit in dieser Richtung, von polnischer Seite, so wenig Stellenwert eingeräumt wird. Dem Zusammenrücken der Nachbarn täte das Gegenteil aber sicher gut. Hier in Blankenburg war, wir gewannen zumindest diesen Eindruck, die Sympathie sehr gegenseitig, auch trotz der Verständigungsprobleme. Die polnischen Gäste besuchten uns dann, inklusive des mitgebrachten polnischen Polizeiorchesters, in unserem Biwak und waren sehr interessiert. Auch einige Offizielle Blankenburgs und Sponsoren waren auf einen Informationstrip bei uns. „Gewöhnliche" Besucher sahen wir hingegen während der drei Tage kaum. Unser Lager lag wohl doch zu hoch über Blankenburg und ohne Shuttlebus (wie im vergangenen Jahr) ist da wohl kaum was zu machen. Von den Besuchen der Robenträger am Kleinen Schloss und während des Umzuges abgesehen, schmorte der barocke Part dieses Festes mehr oder weniger im eigenen Saft am Vogelherd. Schade für die erwartungsfrohen Besucher, die auch auf noch mehr verzichten mussten,... aber zünftige „barocke" Blasmusik gab es ja glücklicherweise passend zum Historischen dieses Wochenendes! Der Freitagabend diente den gegenseitigen Besuchen an den jeweiligen Zelten und man hockte zusammen und hatte bis spät in die Nacht viel Spaß und (nicht von allen gut vertragen) Gitarrenmusik und auch die Geräusche, die beim Zeltaufbau der letzten Spätankömmlinge entstanden. Auch am Samstagmorgen weckte uns herrlicher Sonnenschein und die Kommandos des Majors und des Korporals, die versuchten ihre Truppe, nach durchzechter Nacht, mit einigen Exerzierübungen wieder auf Vordermann zu bringen. Im Windschatten mehrerer militärischer Formationen, begaben sich dann auch die zivilen Adelsleute Richtung Kleines Schloss, wo alle Historiendarsteller und die anderen beteiligten Vereine und Gruppen, in bewährter Art und Weise vom „Zeremonienmeister" (diesmal sehr militärisch ausstaffiert) Norbert ARBANOWSKI begrüßt und den Besuchern vorgestellt wurden. Vorher galt es die Füße zu vertreten, etwas gegen den Durst zu unternehmen, und wer schon wieder Appetit hatte, konnte sich an Erbsensuppe des 21. Jahrhunderts gütlich tun. Nach weiterem Hitzetest ging es dann im Festumzug durch eine, so wollte man meinen, fast menschenleere Stadt. Wir hoffen, dass dies der großen Hitze und nicht Interesselosigkeit der Blankenburger zuzuschreiben war. Unser Ziel, das Rathaus, erreichten wir im Gefolge eines Spielmannzuges und des Polizeiorchesters, wo es Aufstellung zum Fototermin gab, - so wie alle Jahre. Dann ging es zurück in die Schlossgärten am Kleinen Schloss, wo wir für die Besucher flanierten und wo es für sie auch militärischen Vorführungen gab. Einige Händler, Imbissstände und Kunsthandwerker gaben zusätzliches Flair. Wir freuten uns, unsere Freunde der Traditionsgruppe >>Friedericus Rex<< aus Düren, - für uns kurz die „Dürener Obristen" mit ihren Damen begrüßen zu können. Sie besuchten uns auch an unseren Zelten im Biwak und skm Kämmerer Graf von Schwabe zu Nau (Bernd SCHWABE) konnte ihnen dort auf rotem Kissen den sächsischen „Spakfatbemm- Orden" überreichen. Wer nach dem Lustlager in Moritzburg so nachhaltig und begeistert von des Kämmerers „Apfel- Zwiebel- Krieben- Schmalz" schwärmte, sollte einen kleinen Nachschub erhalten. (Reaktion per Mail:Liebe Freunde aus Dresden, ich habe mir hier (in Düren) soeben meine 1.Spackfattbemme einverleibt- einfach köstlich !!! Das war eine Riesenüberraschung, die Ihr uns bereitet habt. Herzlichen Dank. Morgen werde ich das Schmalz portionieren und an meine Kameraden verteilen... Viele Grüße Renate und Hansjörg Delhaes.")

Während an den meisten Zelten Kaffeeduft wahrzunehmen war und Ritas letzter Kuchenrest vertilgt wurde, ertönten am Vogelherd auch barocke Töne, durch die talentierten Potsdamer Zwillingsmädchen, samt Mutti. Wie die Abende zuvor, wurde dann überall viel gelacht, teilweise gesungen und am Sachsenlager war die Stimmung auch ganz toll und wir erlebten unsere Hannelore PETRICK (Hofmeisterin Margarete Gräfin von Silberberg) und ihren Mann Alex ( Gesandter in Schweden Alexander Graf von Silberberg) so locker und leicht, wie wir sie bisher kaum erlebten und auch unsere „Bosens" (Christine BARTEL und Wolfgang PETZHOLDT) dürften sich sehr wohl in unserer Runde gefühlt haben. Einige hochsteigende Raketen des Feuerwerks erfreuten uns auch am Vogelherd und Hannelore sah endlich ihre erste Sternschnuppe. Was sie sich wohl gewünscht hat? Ich wünschte mir, dass sie sich in unserem TDB wohl fühlen und unsere Runde weiterhin mit Herz und Verstand verstärken möge. In später Nacht trieb uns dann nur die Vernunft irgendwann in die Betten, wobei Silvia und Frank schon die Nacht zuvor zu Boden gegangen war, da ihr Luftbett irgendwie asthmatisch wurde und die Luft nicht mehr halten konnte. „Ach wie schön ist doch das Lagerleben". Der Sonntag führte uns erneut zur Vorstellung in die Schlossgärten und dort gab es manche nette Begegnung, auch wenn der Besucherandrang nicht berauschend war. Den Organisatoren, die sich redlich Mühe gegeben haben ein schönes Fest auf die Beine zu stellen, gebührt unser aller Dank, den unser Freund Rolf ZAHREN (Friedrich II) in Worte fasste. Auch von diesem 9. Historischen Wochenende können wir vornehmlich gute Eindrücke mit nach Hause nehmen. Nach dem wir auf den Terrassen des „Hotel Am Vogelherd" dem viel gelobten Kuchen zugesprochen hatten, es noch ein Abschiedsstelldichein mit unseren Dürenern gab, mussten wir leider schon an das Abreißen unserer Zelte denken. Als wir dann zum Lebewohl unsere Runde im Lager zogen und es ein letztes Drücken gab, waren wir doch etwas traurig und der Abschied von Dagmar, Erika, Jutta, Petra, Rita, Monica, Wolfgang, Norbert, Bernhard, Rolf, Lothar dem Kerzenzieher, Matthias, den Kerls der Regimenter, dem vierbeinigen „Charmeur de la Bell", nebst tapsigen Spielgefährten und und und, fiel uns doch recht schwer. Wir hoffen auf ein baldiges Wiedersehen - es war wieder schön mit Euch am Vogelherd, auch wenn dort keine Nachtigall zu hören war. Text und Fotos: Bernd Schwabe

 

 



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