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Irrgartenfest am 11.07.09 in Altjeßnitz

Freiherr Hans Adam von Ende lässt bitten:

Irrgartenfest in Altjeßnitz bei Dessau am 11.07.2009
Es kam ziemlich überraschend, als ich von der Bürgermeisterin der Gemeinde Altjeßnitz ,Frau DITSCH, während des Leopoldfestes in Dessau, gefragt wurde, ob ich nicht während des dort am nächsten Sonnabend stattfindenden Dorffestes, den einst dort ansässigen und aus Sachsen stammenden Freiherren von Ende geben könnte. Von der Gestalt und Robe her würde ich gänzlich passen, nur wurde sich ausgebeten, dass dieser Freiherr auch entsprechend und echt sächseln müsse. Was würde mir leichter fallen, zumal man mir zum Lustlager in Moritzburg schon den Spitznamen Sächsischer Franzose gegeben hatte. Also starteten wir am Vormittag des 11. Juli in das anhaltinische Altjeßnitz, wo der Spaß gegen 14 Uhr beginnen sollte. Wir wären überpünktlich dort gewesen, wenn wir den Stau auf der Autobahn bei Bitterfeld mit eingerechnet hätten. So hetzten wir kurz vor knapp zum Ort des Geschehens und nach dem wir uns in Windeseile umgezogen hatten (den Umkleideraum zu finden war schon echt eine Aufgabe), stürzten wir dem Cross der Darsteller Richtung Stellplatz hinterher. Hier wurden wir überrascht, in dem man uns aufforderte, als gastgebendes Edelpaar in der einzigen Kutsche Platz zu nehmen. Nun konnten wir endlich durchatmen und etwas zur Ruhe kommen. Lang war die Umzugsstrecke nicht und unsere Kutsche bog schon eher ab, so dass uns edles und gemeines Volk im Park begrüßen konnten. Wir als Freiherr, nebigst Gemahlien Helene Henriette von Ende (Regina SCHWABE), konnten dort auch unseren Landesherren Leopold von Anhalt- Dessau begrüßen, was schon komisch war, - der popelige Baron wurde kutschiert und der Fürst war „per Beene" unterwegs. Nun, wir haben diesen Begrüßungspart gut gemeistert, unser Sächsisch muss besonders echt gewesen sein, denn mancher Lacher quittierte unsere Rede und manche Passage wurde bei Sprachkundigen in hochdeutscher Übersetzung erfragt. Auch unsere Freunde der Tanzgruppe um Mike SPRENGER war aus Potsdam angereist, aber leider kam es nicht zu deren Auftritt, da Petrus wiederum recht gehässig reagierte und den Park samt Tanzfläche sehr nachhaltig einnässte. So blieb das Rezitieren von Gedichten aus der Barockzeit und es gab in der netten kleinen Feldsteinkirche auch Gesang, der zusätzlich von der Freifrau, die ja eine Nichte in Dresden haben soll, die dort die Hofsängerin Baronessa de Moretti sei, und daher auch etwas sangesbegabt ist, mit reineren Tönen veredelt wurde. Unbesehen vom Wettergeschehen verfolgten die zahlreichen Besucher mit viel Interesse das Kanonenschießen und die erklärenden Worte des Majors Heinz BEHREND. Es war wirklich schade, dass es auch während dieses netten Dorffestes regnen musste. Die Altjeßnitzer und ihre Gäste stärkten aber ihrer Schuldheißin den Rücken und harrten aus. Auch der inzwischen eingetroffene, schon betagte echte Freiherr von Ende, der hier bis 1945 mit seinen Eltern den Wohnsitz hatte, ließ sich vom Wetter nicht beeindrucken und verfolgte das Festgeschehen. So standen sich der falsche und der echte Freiherr gegenüber und letzterer fand es gut, dass man in dieser Form seines Urahns gedachte. Ich konnte versichern, dass uns dies viel Spaß macht. Auch der Irrgarten selbst, der aus Hainbuchen gepflanzt wurde und in seiner Originalität deutschlandweit einmalig ist, zog nicht nur die Besucher an. Allerdings empfahl sich nur ein kurzer Abstecher in das Labyrinth von Heckenbäumen, da unsere Roben sonst als Trockentücher für diese gedient hätten. 2600 qm umfasst das Areal des Heckenlabyrinths, wobei der kürzeste Weg kaum 400 m hat und in 6 Minuten durchschritten werden kann. Wer aber findet diesen gleich? Wir sahen eine Regimentsfahne zwischen den Hecken und wir konnten sie ziemlich lange darin verfolgen. So einfach ist der Weg halt nicht zu finden. 1694 fand der sächsische Landedelmann Hans Adam Freiherr von Ende (1633 - 1706) den Weg in das preußische Altjeßnitz, - man sagt, dass ihm sächsischer Boden zu heiß geworden wäre (warum auch immer), und erwarb vom Herrn von Reppichau ein Rittergut, was in der Erbfolge derer von Ende zu einer spätbarocken Schloss- und Parkanlage umgestaltet wurde. Leider brannte das Schloss 1946 ab und die Fragmente wurden in den 1970'er Jahren abgerissen, so dass sich alle staatlichen Erhaltungsmaßnahmen auf den Park und Irrgarten konzentrieren konnten. Hans Adam von ENDE erlebte die Anlage des Irrgartens nicht. Leopold Nicolas Freiherr von Ende (1713 - 1792) war ein Liebhaber gestalteter Natur und auf sein Geheiß wurde der Park, Mitte des 18 Jahrhunderts (?), mit seinem wertvollen Baumbestand und später das Heckenlabyrinth des Irrgartens angelegt. Diese beiden Elemente stehen heute unter Denkmalschutz und sind der Stolz der Altjeßnitzer und, es ist zu spüren, auch der Bürgermeisterin Frau DITSCH, und macht auch den Gästen der Gemeinde viel Freude. Wir kommen bestimmt bald in geeigneterer Kleidung wieder und werden uns im Irrgarten verlaufen wollen. Gern kommen der Freiherr und seine Freifrau auch im nächsten Jahr zum Gartenfest nach Altjeßnitz, - es braucht nur eine entsprechende Depesche nach Dresden gesandt zu werden. Dann sollte es auch besseres Wetter geben, welches den Bemühungen der Organisatoren dieses netten Festes besser gerecht wird.
Wenn auch das genaue Datum der Entstehungszeit des Irrgartens sehr ungewiss ist, die verschiedensten Quellen nennen die verschiedensten Zeiträume, eines ist ganz gewiss, der Irrgarten ist Garant dafür, dass sich auch künftighin viele Natur- und Heimatfreunde in das kleine Dorf Altjeßnitz zwischen Bitterfeld/Wolfen und Dessau verirren werden. Man sieht sich.
Text: Bernd SchwabeFotos: Helmut Schmitt/TDB



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