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Beim 6.Leopoldsfest in Dessau vom 03.- 05.07. 2009

Der Alte Dessauer hat eingeladen:
Der TDB beim 6. Leopoldsfest am 03. bis 05.07.2009 - ein Event der Spitzenklasse

Es stand außer Frage, dass wir zum diesjährigen Leopoldsfest in Dessau- Rosslau wieder mit von der Partie sein würden. Dazu hat uns unsere vorjährige erste Teilnahme zu gut gefallen.
Wir reisten schon am Freitagvormittag an und konnten so in aller Ruhe unsere Zelte aufschlagen. Was in der Szene Rang und Namen hat und seit Jahren in Dessau dabei ist, war ebenfalls schon am Freitag vor Ort und so gab es erst einmal zünftige Begrüßungen mit viel Hallo und Wiedersehensfreude. Zunächst sah es so aus, als wenn der Dresdner Hofstaat, - sprich: der TDB, alleiniger Vertreter Sachsens bei diesem Event sein würde. Doch alsbald rückten Freunde des Weißenfelser Regiments „Prinz Clemens" ein und schlugen ihr Lager in unmittelbarer Nachbarschaft auf. So wurde, im Stimmengewirr der vielfältigsten Teilnehmergruppen, aus allen Teilen der Republik, das Sächsische im Dessauer Stadtpark personell und akustisch verstärkt und verbreitete Wohlklang (für alle?). Wir gaben unser Hier sein auch damit bekannt, indem unsere Hymne „Überall sind Sachsen..." über den Platz erschallte. Irgendwie muss man schließlich die preußische Übermacht erträglich machen. Dieser Satz ist nicht ernst gemeint, denn ohne unsere Preußen, Rolf, Steffen, Norbert, Rita, dem Beute- Preußen Matthias, dem Hofschneider, Olli, den Tänzern um Mike und den Dürener Obristen mit Damen, sowie weiteren guten Freunden, würde die Teilnahme an derartigen Veranstaltungen nur die halbe Freude machen. Auch die „Gute Seele vom Ganzen" wurde von uns mit Herzlichkeit begrüßt und ebenso erwidert. Während der drei Tage war die Gute ständig auf den Beinen, nur damit es uns gut geht und die zahlreichen Besucher ihre Freude haben. Hier ist ein besonderer Dank vom TDB mehr als angebracht, zumal sie im letzten Jahr unseren Geenisch noch des Platzes verweisen wollte. Man gewöhnt sich halt an alles und alle! Heuer wäre ihr diese Abweisung aber auch entschieden schwerer gemacht wurden, denn unser König/Kurfürst (Tilo MEIßNER) hatte zur Verstärkung seine Eberhardine (Iris MEIßNER) mitgebracht. Diese Komplettierung freute uns, und auch die Dame zur Linken skm August II., Gräfin von Königsmarck (Silvia WEISE), die sich dadurch mehr ihrem Gesellschafter, dem braven Grafen von Weißenberg zu Ossig (Frank WEISE) widmen ( oder mehr ran nehmen!) konnte. Zunächst trauerten wir etwas unserem „angestammten" Lagerplatz nach, der uns vor der Nase weggeschnappt, nach, bemerkten aber bald das Positivum der Nähe unserer kleinen Zeltstadt zu einem gewissen, sehr nützlichen Örtchen. Außerdem wären wir bei größerer Entfernung nie in den Genuss der Auszeichnung mit dem „Goldenen WC- Schlüssel" gekommen. Mittlerweile trafen mit dem Grafenpaar von Bose (Christine BARTEL, Wolfgang PETZHOLDT) weitere Dresdner Barockfreunde ein und gesellten sich zum Hofstaat August des Starken. Geschlossen ging es am späten Nachmittag in die Kulturkirche St. Marien, wo die öffentliche Eröffnung des 6. Leopoldsfestes stattfand. Begrüßt vom Bürgermeister und dem Fürsten Leopold (wir sind immer wieder von der echten Darstellung des Alten Dessauers begeistert), gab es den Startschuss für dieses besuchenswerte Event. Neben der Kürung der diesjährigen Schützenkönigin/Schützenkönig, wurden auch Vertreter der „Internationalen Vereinigung der Historienvereine" begrüßt. Der Vorsitzende, ein als Oberst in Österreich ansässiger Holländer (van Veenston (?)), der nicht nur seinen Nachfolger, einen liechtensteinischen Oberleutnant mitbrachte, sondern auch eine Grußbotschaft an Dessau und die mitwirkenden Historiendarsteller darbrachte. Die Potsdamer Barocktänzer „les danseurs de Sans, Souci" gaben, mit der Originalmusik eines femininen Streichmusikensemble (in grässlichen Kostümen übrigens), den passenden kulturellen Rahmen. So begann das Fest schon mit einigen sehens- und hörenswerten Höhepunkten.
Zurück im Lager und die legere Lagerkleidung übergestreift, gab es nun den gemütlicheren Teil dieses Auftakttages. Über dem Lager stand eine wohlriechende Wolke von Grillbratenduft und von hier und da erklangen, mehr oder weniger, wohlklingende Lieder,- welche wohl durch gut geölte Kehlen erzeugt wurden und es wurde gescherzt und gelacht, - mehr als mancher, unfreiwillig wach gehaltener, Frühschläfer zum Lachen fand. Das sanfte Rauschen der unaufhörlich überlaufenden Toilettentanks wiegte uns in einen wohligen Schlaf und der folgende Morgen präsentierte sich von seiner besten Seite. Nach ausgiebigen Frühstück ging es in die Stadtmitte zur Bühne, wo nach Eintreffen der hochedlen Herrschaften und dem Aufmarsch der militärischen Formationen, das Fest dieses ersten Tages eröffnet wurde. Ein schlagfertiger Fürst und ein etwas sanfterer Bürgermeister und viel Musik und lautes Knallen aus den Musketen der Militärs, stimmten die vielen Besucher auf dieses 6. Leopoldsfest ein. Flanieren durch die Innenstadt und Beleben des Biwaks war für uns Darsteller nun angesagt. Im Laufe des Tages verfolgten wir auch das vollständige Tanzprogramm der Gruppe „les danseurs de Sans, Souci", was schon uns Zuschauern das Wasser unter die Allongeperücke trieb, und von den Akteuren ein gerüttet Maß von Durchstehkraft abverlangte. Der Beifall, in der überfüllten Kulturkirche, wusste das Leiden der Tänzer zu würdigen. Während am Nachmittag unsere Edeldamen der Einladung zum Kaffeekränzchen folgten, wohnten die edlen Herren den militärischen Vorführungen, mit Kanonenschießen, im Stadtpark bei. Wie im vergangenen Jahr waren auch heuer sehr viele Einwohner der Doppelstadt Dessau- Rosslau der Einladung zum Fest gefolgt und das Interesse an unserer gelebten Traditionspflege manifestierte sich durch viele Fragen, die wir an unseren Zelten zu beantworten hatten. Auch etliche Darstellerfreunde ließen sich gern zu einem „Schälchen Heesen", - wo man die Bliemchen am Tassengrund nicht sieht, einladen.
Über den Besuch unserer Freunde von der IG „Friedericus Rex" aus Düren freuten wir uns sehr und auch der Oberstleutnant aus Liechtenstein war gern gesehener Gast und wurde freundlich zum Grillsteak eingeladen. Das es nicht zu trocken zuging, dafür sorgte das mitgebrachte "Flaschenlager". Ehe es aber so richtig lustig wurde an diesem Abend, ging es noch mit den Majestäten zum Zapfenstreich ins Schlossareal. Ohne Robe hätte man uns keinen Einlass mehr gewährt, denn der Andrang, auch vor dem Absperrzaun, war groß und es gab kaum noch freie Plätze. Dieser Zapfenstreich ist aber auch ein wirklich krönender Abschluss für den ersten Tag dieses Festes des Alten Dessauers. Es ist erhebend, die, am angestrahlten Schloss, vorbei paradierenden historischen Militärs mehrerer Zeitepochen zu erleben. Dazu die Musik des eigentlichen musikalischen Zapfenstreiches durch die Eichsfelder Musikanten unter Stabführung von Mike (Maik) DONNER... toll!
Es war schwer durch die stark bevölkerte nächtliche Innenstadt zurück zu unserem Campement zu kommen, wo uns, wie schon gesagt, edler Trunk und saftiges Grillfleisch (die Hofsängerin Regina de Moretti (Regina SCHWABE) hatte sich zur Küchenzofe mutiert) erwartete, und wo bald auch unsere Runde durch die Versprengten der Sprenger- Bande komplettiert wurde. Gern hätten wir auch unsere Weißenfelser in unserer illustren Runde gehabt, aber es gibt ja noch weitere Biwaks... Wo Mike SPRENGER und Co. auftauchen ist das Lachen vorprogrammiert und ich glaube, es erklang am Sachsenzelt recht oft und laut und anhaltend. Wo der Kerl nur immer seine vielen Witze her hat? Auch wenn wir unsere Traditionspflege mit viel Ernst betreiben, muss auch Zeit für das Gesellige sein und so hörten wir gern die Lieder unseres Freundes FLO, den es leider in das ferne Suhl verbannt hat. Der Junge könnte mit der Stimme und seiner Gitarre sein Geld besser verdienen! Wir jedenfalls wurden zum Mitsingen hingerissen und es nahte schon der Morgen, als es uns nun endlich in die Falle trieb. Falle ist gut gesagt, wenn die Luft im Doppelhochbett nicht mehr so recht halten will und unsere werte Aurora, nebst Gesellschafter vor das Zelt zu rollen drohen. Zäh ging es den Sonntagmorgen an und die Demut beim Sonntagsgottesdienst war sicher nicht immer nur tiefster Gläubigkeit zuzuschreiben, wohl eher manchem Brummschädel. Es gab weitere Militärvorführungen und auch wir Zivildarsteller waren stark gefragt. Mit den Utensilien damaliger Zeit konnte Mann sich auch den Bart scheren/rasieren lassen und auch am Handwerkerstand unseres Freundes Bernd SCHALLER, dem Offizier es Sächsischen Ingenieurcorps, gab es viel in der Auslage zu sehen und zu erwerben. Wir konnten unserem Freund aus Stolpen, dessen Wissensstand um historische Zusammenhänge von uns bewundert wird, an diesem Sonntag zum 65. Geburtstag gratulieren und wir wünschen uns noch manche Begegnung bei manchem künftigen Event. Höhepunkt des Sonntages, und für Dessau sicher des gesamten Leopoldsfestes, war der Festumzug. Versprochen ist versprochen, - und da der Fürst im vergangenen Jahr vollmundig versprochen hatte, den 2009'er - Festumzug auf dem Pferderücken anzuführen, war er diesbezüglich gefordert und gemeinsam mit seinen Töchtern, den beiden Prinzessinnen, machte der gute alte Leopold eine so schlechte Figur nicht. Unser Polenkönig August der Starke und der Soldatenkönig aus Preußen Friedrich Wilhelm I. hatten es einfacher, denn ihnen stand eine Pferdechaise zur Verfügung. Wir, das Fußvolk, durften schon beim Hinmarsch zum Stellplatz das erste Mal so richtig schwitzen und es wurde beim Umzug nicht besser. Unsere angeknackte Bosin hatte es da "besser", denn sie hielt an den Zelten die Stellung und konnte dort ihr Humpelbein hochlegen. Der alte Kämmerer Graf von Schwabe zu Nau (Bernd SCHWABE) hatte während der Strecke des Umzuges hinreichen Gelegenheit mit mancher jungen Comtesse zu kokettieren, - auch wenn er sich dazu stets weit hinunter beugen musste und seine liebe Not hatte wieder aus dem Kreuz zu kommen. An den Tribünen toll angekündigt, - die dazu benutzten Merkzettel müssen noch aus prähistorischen Zeiten stammen, denn so stark wie angekündigt, war der Dresdner Hofstaat nie, waren wir und die anderen Barockdarsteller echte Hingucker im Festumzug. Das Publikum quittierte unseren Vorbeimarsch in den edlen Roben mit manchem spontanen Beifall. In der Nähe der Kulturkirche St. Marien endete der Umzug und in der „Kühle" der Kirchenhalle hörte ich von einer entzückten „Schuldheißin": „Genau das ist er, der Freiherr von Ende". Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte, ein Wochenende später in Altjeßnitz. Wir gehörten zu den letzten Teilnehmern des Leopoldfestes, die den Festplatz im Stadtpark räumten, und wir konnten konstatieren: „Auch heuer hat sich die Reise nach Dessau- Rosslau wieder gelohnt". So es das siebte Fest geben wird, sind wir TDB'er auch in 2010 wieder mit von der Partie. Dem veranstaltenden Verein und allen seinen Helfern, vor allem unserer inzwischen liebgewordenen Freundin (Name ?), die wir bei der Abfahrt noch am Pferdeäpfelauflesen sahen ( die Frau ist wohl Goldes wert!!) möchten wir ganz herzlich für das tolle 6. Leopoldsfest danken. Der Oberbürgermeister muss doch stolz sein, solche aktiven Bürger in seiner Stadt zu haben und es ist zu hoffen, dass er sich nicht nur damit schmückt, sondern für das 7. Fest des Fürsten Leopold alle erdenkliche Hilfe leistet. Man könnte ja im nächsten Jahr, im Anschluss an seine Eröffnungsrede, diesbezüglich nachfragen! Wir geben für diese Veranstaltung 2009 gern wieder ***** Sterne. Text und Fotos: Bernd Schwabe

 

 



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