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01.06.- 03.06.2007 - Wiedereröffnung des Fasanenschlösschens in Moritzburg

 

Ein Schlösschen zum Verlieben

Noch ehe wir uns zum Traditionsverein Dresdner Barock zusammengefunden haben, galt unsere Liebe einem zierlichen Bauwerk des Spätbarocks, nämlich dem Fasanenschlösschen im Teichgebiet von Moritzburg vor den Toren unserer Stadt.
Versteckt liegt es, weitab der Hauptstrasse, von Bäumen verdeckt, aber in seiner Schönheit leuchtend und anziehend. Schon mancher Schulausflug hat Generationen von Dresdener zum Schlösschen geführt und die Schüler konnten eine interessante Sammlung gefiederter Sänger bewundern. Ganz aufmerksame entdeckten in den Gemälden der Wände, dass der Künstler ein Faible für Linkshänder hatte, - vermutlich gehörte er selbst dazu.
Ob ein gewisser Kämmerer des Dresdner Hofes Linkshänder war, ist nicht überliefert, - aber einer, der im TDB einen diversen Kämmerer verkörpert, ist es mit Gewissheit und so tippt er diesen Text mit dem Mittelfinger der linken Hand („System Adler stößt zu") in die Tastatur seines PC.
Dabei erinnert er sich an eine, am Fasanenschlösschen beginnende Kutschpartie mit hochedlen Fahrgästen des Dresdner Hofes, die diese bis zum Jagdschloss führte, einige Teiche der Karpfenwirtschaft streifte und viele Spaziergänger der hochedlen Reisegesellschaft ihnen zuwinken sah.
Auch das Fasanenschlösschen hat seinen eigenen Verein und als uns der Verein „Muse am Fasanenschlösschen" rief, folgten wir gern den Einladungen zu Baumpflanzungen. Spender sorgten mit dafür, dass die Lücken der Ahornallee von der Waldschänke zum Schlösschen weitgehend geschlossen werden konnten.
Einen Makel hatten unsere Aufenthalte am Fasanenschlösschen aber doch. Zwar existierte die, lange Zeit nicht mehr betriebene, historische Fasanerie, durch die Initiative des „kursächsischen Fasanenmeisters" Renè KREHER mittlerweile wieder und liefert seither leckeren Fasanenbraten, aber der Mittelpunkt des Areals, das Fasanenschlösschen, blieb verschlossen. 11 lange Jahre waren alle Fensterläden geschlossen, doch hinter diesen tat sich was, - auch dank der 300.00 Euro eines anonymen Spenders, die für diese aufwändige, letztendlich 3,5 Millionen teure Renovierung (nebst Park und Leuchtturm), gut angelegt sind.
Wurde das Schlösschen in vergangenen Zeiten auch als Jagd- Palästchen bezeichnet, und war es dem Bauherrn und Kurfürsten Friedrich August III. und seiner Gattin Marie Amalie Auguste, in der Jagdsaison ein beliebter Rückzugsort vom Regierungsstress, so wurde den Wettinern 1945 dieses Kleinod genommen und diente seit 1947, bis zur dringend notwendigen Renovierung als Ausstellungsort des Staatlichen Dresdener Vogelkundemuseums (Naturhistorisches Museum Dresden).
Nun am Juniwochenende vom 01. bis 03. 06. 2007 war das Fasanenschlösschen, in Erhaltung seiner chinoisen Originalität mit den vielen Zimmern einer Hofhaltung en miniature, bei einem Grundriss von nur wenig mehr als 13 Quadratmetern, erstmals wieder nach langer Zeit für Besucher geöffnet.
Am Freitag, den 01. Juni 2007 war feierliche Eröffnung, wozu sich unser Ministerpräsident Professor Dr. Georg MILBRADT die Ehre gab. In der Kutsche vorfahrend, wurde er und weitere Eröffnungsgäste von einem illusteren Empfangskomitee begrüßt. August dem Starken (dargestellt von Tilo MEISSNER) und etlichen seiner Hofschranzen war es vorbehalten, dieser Eröffnungszeremonie den passenden historischen Rahmen zu verleihen. Dabei dürfte dieser Kurfürst zu seinen Lebzeiten Pläne für ein derartiges Schlossjuwel lediglich im Kopfe gehabt haben. Erst sein Enkel konnte hier, mit dem Schlösschen und umgebenden Park, mit (damals) beschiffbaren Kanälen, sowie dem einzigen binnenländischen Leuchtturm Deutschlands, seine extravaganten Gedanken vom Hofarchitekten Johann Daniel SCHADE in die Tat umsetzen lassen.
Nun im Jahre 2007 konnte der Mann, der die Geschicke des heutigen Sachsen in Händen hat, auch den Goldenen Schlüssel zur Wiedereröffnung des Rokoko- Schlösschens in diese nehmen. Erfreut nahm der Ministerpräsident den Schlüssel von der edlen Gräfin von Dönhoff (dargestellt von Annett JAHN) entgegen, die ihm dieses Zeichen, erfolgreichen Abschlusses der Wiederherstellung dieses großen Kulturprojektes, auf rotem Kissen überreichte.
Nach dem er, als erster Mannes im Freistaat, seine Rede gehalten hatte und weitere Ansprachen über sich ergehen lassen musste, begab sich Georg MILBRADT in das Fasanenschlösschen, wo er nicht nur die Dekore der Zimmer, ausgestattet mit z. T. Originalmöbeln aus der Zeit des späten 18. Jahrhunderts und allerlei ausgestopftes Federvieh, Porzellan und Bilder, bewundern konnte, sondern auch den Gesang der Hofsängerin Regina de Moretti (dargestellt durch Regina SCHWABE), dürfte es unser Ministerpräsident als eine erfreuliche Abwechslung im Alltag seines hohen Amtes betrachtet haben, hier der erste Besucher sein zu dürfen.
Auch unser Hofstaat (Darsteller unseres Vereins) und die Hofmusikanten des Kurfürstlich Sächsischen Barockensembles, die fleißig zur Unterhaltung der Ehrengäste beigetragen hatten, gehörten an diesem Freitag zu den ersten Gästen dieses in neuem Glanze erstrahlenden Juwels spätbarocker sächsischer Baukunst.
Es war uns eine Freude, unter anderem auch mit einer Vertreterin der Familie Wettin, der Prinzessin Irina von Sachsen in ein näheres Gespräch zu kommen. Die Prinzessin war, über unser Dasein in Robe und unser Engagement für die sächsische Geschichte, sehr begeistert.
Auch an den beiden Folgetagen, Samstag und Sonntag waren wir im barocken Habit im Areal um das Fasanenschlösschen unterwegs, - erstmals auch mit unserem Darsteller des kindhaften Kurprinzen Friedrich August II., dargestellt durch unseren 14jährigen Freund Adrian JÄKEL, der das nötige Interesse und darstellerische Vermögen mitgebracht hat. Immerhin hat er in der „Kleinen Komödie" in Dresden schon an der Seite des großen Schauspielers Alfred MÜLLER auf der Bühne gestanden und hat die gesamte Spielzeit 2007, auf der Naturbühne Reichenau bei Pulsnitz, die Hauptrolle des Mogli im „Dschungelbuch" gegeben.
Wir waren alle mit großer Begeisterung am Fasanenschlösschen unterwegs. Wir hätten uns gewünscht, dass die Direktion des Moritzburger Schlosses (zu deren Bereich das Fasanenschlösschen wohl gehört) die Chance genutzt hätte, um Enthusiasten wie uns, denen es mit ihren Auftritten nicht vordergründig um das große Geld geht, auch weiterhin in ihre Arbeit einbindet. Stattdessen nahm man uns am Samstag nach der Wiedereröffnung kaum noch wahr.
Wir indessen freuen uns, dass unser Fasanenschlösschen in 2007,- nach der Wiedereröffnung, 25 000 Besucher in seinen Mauern begrüßen konnte.
Da die Besichtigung nur noch per Führung möglich ist, empfiehlt es sich, rechtzeitig Karten zu reservieren:03 52 07 / 873-0. (Preise 5,00 € Erwachsene und 3,00 € Ermäßigte - Geburtstagskinder haben freien Eintritt)
Vielleicht treffen Sie bei Ihrem Besuch auch einmal auf skm August den Starken und sein Gefolge. Wir würden uns freuen. B.S.

 

 

 

 

Das Fasanenschlösschen in Moritzburg erwartet wieder seine Gäste.

Nach der Winterpause hat ab 1. April (10:00 Uhr bis 17:00 Uhr) das Fasanenschlösschen wieder für Besucher geöffnet. Die Sommeröffnungszeit geht von Mai bis September,- täglich in der Zeit zwischen 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr. Wegen des großen Besucherandranges wird um Kartenreservierung wird gebeten.



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