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Parade der Geschichte in Rottleberode, 16.-17.05.2009

Im Schatten des Kyffhäuser:
Parade der Geschichte(n) in Rottleberode (16./17.05.2009)

Was zieht uns immer wieder so gern an den Fuß des Kyffhäusergebirges, obwohl die dortige Veranstaltung kein reines Barockevent ist, - eher im Gegenteil, unsere Zeit wurde bisher recht stiefmütterlich behandelt? Nun, der Grund liegt im Namen dieser Veranstaltung. Wir tauchen dort ein in die Geschichte und Geschichten unseres Landes und darüber hinaus auch in die Vergangenheit entfernterer Gegenden unserer Erde. Wo sonst trifft man sonst gleichzeitig auf nordamerikanische Indianer, Wikinger, Ritter des Mittelalters, Vertreter des Barock und der Napoleonzeit (Befreiungskriege), Süd- und Nordstaatler des amerikanischen Sessionskrieges (übrigens friedlich in einem Verein vereint), Darsteller der Gründerzeit oder gar aus der Zeit des letzten deutschen Kaisers? Hier im Kalkwerk KNAUF hat man, dank des Engagements und Sponsorings des Unternehmers, dies alles zu Hauff und auf einem „Haufen". Zudem trifft man dort immer wieder gute Freunde und alte Bekannte und lernt immer wieder etwas dazu und neue Leute kennen. In diesem Jahr kam noch der erfreuliche Zustand dazu, dass wir unser Ziel fast nur auf der Autobahn, ohne das Gezuckele auf überfüllter Landstrasse, erreichen konnten. Da hatte man eher, auch als Fahrer, einen Blick für die vorüber fliegende schöne Landschaft. Majestätisch grüßt Berg und Denkmal des Kyffhäuser und man glaubt, den Kaiser Rotbart Barbarossa grüßen zu sehen und sagen zu hören: „Recht so, pflegt Traditionen und zieht Lehren aus der Geschichte... und wann werdet ihr mich aus meinem tausendjährigen Schlaf befreien und in Rottleberode aufleben lassen?" Und selbst kommen Kindheitserinnerungen auf, die den alljährlichen Aufenthalt im Kinderferienlager im nahen Kelbra zum Inhalt haben und manches in dieser Gegend der Goldenen Aue bekannt erscheinen lassen. So rückten wir nun sehr motiviert im Betriebsgelände des Kalkwerkes ein. Eine Vorhut des TDB war schon vor Ort und hatte unsere Zelte bereits in die kleine barocke Zeltstadt am Fuße des „Feldherrenhügels" eingefügt. Der Standort heuer war neu, nach dem wir im vergangenen Jahr recht unglücklich und gedrängt im Eingangsbereich des Werkes platziert waren und daher kaum Besucher in unseren „heiligen Hallen" begrüßen konnten. Wir waren gespannt, ob wir es diesmal besser getroffen hatten? Leider stellte sich heraus, dass das Barock wiederum im Abseits lag. Dort, wo schon die letzten Jahre das Hauptgeschehen der Geschichtsparade war, tummelten sich die Besucher, angezogen durch allerlei Marktstände und Fressbuden und vielleicht auch durch die Schönheit und Jugend der zahlreich anwesenden Königinnen und Prinzessinnen ( wie Glaskönigin, Zwiebelkönigin, Eisprinzessin usw.), aber den Weg über den „Feldherrenhügel" ins barocke Abseits schafften die wenigsten davon. Schade, dass wir es wiederum so ungünstig trafen. Dafür trafen wir liebe Freunde wie unseren Kronprinzen (Steffen LEU), unsere Freunde aus Blankenburg, an der Spitze mit dem Generalquartiermeister (Winfried FOCKE)und Helge und Franziska, Kalli und weiteren Gleichgesinnten. Geschocktes Erstaunen gab es beim Anblick des Infanteristen Steffan SCHWARZ, den wir wohl eher als Marquis de Noir erwartet hätten. Was es nicht alles so gibt. Auch der Hofschneider durfte nicht fehlen, zumal er sein neuestes Werk, - durch seine hochedle Gattin vorgeführt -, ein Traum von einer Barockrobe, zu präsentieren hatte. Wollte man es bei diesem „noblen Zwirn" den Schönheits, - Zwiebel, - und sonst noch Königinnen verdenken, dass sie beim Hofschneider vorstellig wurden, zumal manche nicht so recht in ihre Kledage passte! So verging die Zeit recht angenehm und die an beiden Tagen mehrmals stattfindende Parade durch das Festgelände brachte Abwechslung und uns auch zu den Zelten, Hütten und Kralen der anderen Darsteller. Auch gab es mehrere Appelle, während dem die einzelnen Darsteller und Darstellergruppen vorgestellt wurden. Hier erfuhren wir auch etwas über die Daseinsberechtigung der modernen regionalen und überregionalen Königinnen. Vorgestellt wurden sie und auch wir, übrigens von einem ganz duften Ansager (Moderator wäre direkt geschimpft), der es in seiner (mittelalterlichen) Art wirklich echt drauf hatte. Man freute sich schon auf die nächsten anzukündigenden Prinzessinneninnen....Das war kein billiger Klamauk, dass war schon wirklicher Humor und Kleinkunst in des Wortes bester Bedeutung. Aber auch aus den militärischen Formationen der verschiedensten Zeitepochen kamen humorige Echos. Ohne das erwartete (erschreckte) Echo blieb dagegen der, vom Kommandeur hoch zu Ross, der Freihusaren von Kleist, zunächst der Hofsängerin und dann noch dem Kämmerer (Regina und Bernd SCHWABE) unvermutet in die Hand gedrückte Pferdeäppel . Dazu hatten Beide wohl in ihrer langjährigen Tätigkeit als Zoofachhändler schon zu viel Sch... der unterschiedlichsten Art in Händen. Zurück im Lager erschreckten uns weniger die Donner der Kanonenschüsse, als vielmehr die mittelalterlichen Steinschleuder, deren Wasserblasen- Geschosse in sehr bedrohlicher Nähe zu unseren Leinwandbehausungen einschlugen. Nach dem dies vom Oberschleuderer korrigiert wurde, waren wir beruhigter und konnten mit mehr Genuss vom Peperoni- Wodka der russischen Waffenbrüder (Befreiungskriege) probieren. Das schlug dann so wie vorher die Steinschleuder durch und selbst ein uralter sächsischer Kämmerer wurde davon scharf wie ein Seitengewehr. Als es dämmerte zuckte es einigen Biwakeure mächtig in den Gliedern und es wurde vor den Sachsenzelten ein barockes Tanzbein geschwungen. Damit der Schwung nicht zu schnell nachlasse, wurde zwischendurch auch immer etwas die Kehle angefeuchtet. So nahm die Nacht in netter Runde ihren Verlauf und wer wollte da von gesäter Zwietracht sprechen. Wohl nur der Sämann selbst(!?) Der Sonntagmorgen sah etwas müde und blasse Gesichter, aber das herrliche Sommerwetter machte schnell wieder gute Laune und Lust auf das Lagerleben. Während die Preußen exerzierten, ging der sächsische Hofstaat das Ganze gemessen an. So machten wir unsere Aufwartung beim ersten deutschen König Heinrich dem Vogeler und folgten den Empfehlungen des preußischen Kronprinzen Friedrich und probierten den Wohlgeschmack der angebotenen Biere aus. Bei der Hitze dieses Wochenendes dürften die Gastronomen diesbezüglich auf ihre Kosten gekommen sein. Wir, in unserem Bedarf, uns über unseren Verein und unser Hobby Traditionspflege mitzuteilen, sicher nicht. Dazu lagen wir wohl alle zu sehr im Abseits. Trotzdem hat uns die Vielgestaltigkeit des Events, mit seinen vielen freundschaftlichen Begegnungen und dem selbst fabrizierten Spaß, sehr gut gefallen und daher sollte es nicht unser letzter Besuch in Rottleberode gewesen sein. Es muss nun doch noch der Pferdefuß kommen! Ja, den gab es buchstäblich in der letzten Minute. Brav, so wie es der Vertrag verlangt, am Veranstaltungsort bis zum Schluss, d.h. bis nach der letzten Parade, ausgeharrt, aber mit besorgtem Blick gen Himmel, der sich blitzschnell zuzog und pechschwarz verdunkelte, mussten wir noch ein gewaltiges Gewitter mit Hagelschlag und schwimmenden Zelten erleben. Jetzt erst nahmen wir so richtig zur Kenntnis, dass wir unsere Zelte in einer Bodenmulde aufgeschlagen hatten: „Eine Seefahrt die ist lustig...". Mit doppeltem Gewicht und beträchtlich zugenommenem Umfang, rotbraun umgefärbt, verstauten wir unsere Leinwandvillen und fuhren recht säuerlich gen Heimat, - bis Leipzig treu verfolgt vom Unwetter. Eine Tortour war an den Folgetagen das Trocknen der Zelte - und dennoch, es war wieder eine schöne Veranstaltung, an die man sich gern erinnern will.
Text und Fotos: Bernd Schwabe

 

 



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