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Barockgartenfest in Großsedlitz am 02.08.09

Feiern im Park des Reichsgrafen von Wackerbarth:
2. Gartenfest im Barockgarten zu Großsedlitz am Sonntag den 2. August 2009

Nach der Premiere im vergangenen Jahr, gab es heuer eine Zweitauflage in diesem schönen und geschichtsträchtigen barocken Objekt vor den Toren Dresdens. Der barocke Part des Festes, welches insgesamt sehr vielgesichtig war und neben neuzeitlichen Händlern auch Renaissance- Mittelalter- und Jahrhundertwendedarsteller sah, oblag dem Veranstaltungsmanagement der Firma Storied Events, hinter dem sich unsere Vereinsvorsitzende Silvia WEISE verbirgt. Der Rezensent kann wohl guten Gewissens sagen, dass ihr dieses Bausteinchen des Gartenfestes sehr gut gelungen ist. Der einzige Moment, der nicht so richtig hin- aber dafür umgehauen hat, war das sehr sehr sommerliche Wetter mit Temperaturen um die 40°C. Da war es stellenweise schon eine Qual unter Reifrock und Allongeperücke und es musste ständig der Austrocknung gegen gewirkt werden. Wir begrüßten unsere Freunde der Potsdamer Tanzgruppe >>les danseurs de Sans, Souci<< unter der Leitung vom Maitre de Pläsier Mike SPRENGER, der vier Tanzpaare in noble Robe und mit viel Geschick und Freude am Barock/Rokokotanz, mit nach Heidenau gebracht hatte. Dazugehörig auch ein Zeremonienmeister zur Ankündigung der Tanzdarbietungen und bei der Eröffnung, gemeinsam mit dem Hofmeister der Dresdner Residenz, dem Grafen von Schwabe zu Nau, auch zur Begrüßung der Besucher und der königlichen Majestäten. Auch Mitglieder benachbarter Vereine und Einzelkämpfer der Barockszene wurden von uns freudig begrüßt. Fest im Programm integriert auch unsere Freunde aus Neustadt/Stolpen Anita, Steffen und Bernd SCHALLER. Letzterer betreute die Festtafel und gemeinsam mit Oberst von Bose (Wolfgang PETZHOLDT) gab er dem Königstreffen den nötigen militärischen Rückenhalt, der durch Musketier Steffen, der in voller Montur und Bewaffnung aufgezogen war, seinen Ausdruck fand. Während die anderen Zeitepochen und das rege Markttreiben im Areal der oberen Schlossterrassen stattfanden, hatte das Barock sein Domizil auf den Terrassen unterhalb der Unteren Orangerie. Hier gab es Musik damaliger Zeit, dargeboten von den Musikern des „Kurfürstlich- Sächsischen Barockensembles" Dresden mit unseren TDB- Mitgliedern Silvia WEISE (Querflöte) und Regina SCHWABE (Gesang), sowie dem jugendlichen Eleven und Musikstudenten Sebastian, der seinen ersten Auftritt mit dem Ensemble mit Bravour gemeistert hat. Als Routinier am Tasteninstrument Manfred KÜGLER, dem man seine Spielfreude ebenfalls angesehen hat. Sehr gut kam beim Publikum auch das Theaterstück „Schaffe er mir das Gold herbei...", der Schauspielertruppe um Manfred POHLE und Andreas KÜHNERT (J. F. Böttger), an, und nun wissen schon einige Leute mehr, was es mit der Meißner Fummel so auf sich hat. Alle Mitspieler, genannt seien noch Christine BARTEL (die Fummel- Mummel), Wolfgang PETZHOLDT ( Autor und Oberst Graf v. Bose) und Günter THOMAS (Graf v. Wackerbarth), sind trotz dieser Temperaturen zu Höchstform aufgelaufen. „Les danseurs de Sans, Souci" erfreuten die ganz ganz harten Besucher, die noch immer in dieser prallen Sonne ausgeharrt hatten, mit ihrer Tanzkunst der Barock- und Rokokozeit. Für die Tänzer war es ein noch größerer Härtetest.... Aufmerksam, aber im Schatten entfernter stehender Bäume, verfolgten die Mitglieder des Leipziger Barock- Freundeskreises „Les Amis dela Cour Saxonne" mit dem Herzog von Sachsen- Zeitz Moritz- Wilhelm (Manfred TWAROG) an der Spitze, das höfische Leben unter dem „Tschirnhaus'schen Brennspiegel". Der Zeitzer Hof begrüßte die Majestäten August II. (Tilo MEIßNER) und Friedrich Wilhelm I. (Mike SPRENGER) und erwies ihnen alle Ehren. Desgleichen ließ sich auch der englische Botschafter nebst Gemahlin (Frank und Johanna ROLLE) nicht nehmen. Seine Aufwartung machte auch Magister Manfredus (Manfred KREMPE) und der Graf von Bünau (Siegfried ?). Während die Herren der Einladung des Preußenkönigs folgten und zum Tabakskollegium an der Festtafel Platz nahmen, scharrten sich die Damen zu ihrem Kaffeekränzchen um die dampfenden Kannen köstlichen Türkentrunkes und frischen sächsischen Blechkuchens. Allen Beteiligten und vor allem auch den Festbesuchern haben diese originellen Programmpunkte sehr gut gefallen. Ausgesprochen lobend muss noch die Gastronomie in unserem Bereich erwähnt werden. Die Wirtschaft (ABZ- Katering) unseres Freundes Olli vom „Zeitgeist" war bemüht, Speisen anzubieten, wie sie so auch in der Zeit des Barock auf die Tische kamen. Dieses Bemühen hatten wir schon anderenorts in einem Landschloss erlebt, was aber kaum überzeugte. Hier hingegen fühlte man sich schon wie an des Polenkönigs und Kurfürsten Tafel geladen. Wir speisten „Kumps- Kraut mit Bratwurst", „Carsiol mit Frigassee", „In Kräuteraufguss gesottene Krebse", „Warme Pastete von Wachteln in mürben Teig gemacht" (sehr lecker) und zum Magenschließen „Apfelstrauben". Wohlgeschmack und sehr moderate Preise ließ auch das Publikum königlich genießen. Auch der Zapfhahn konnte überzeugen und bei der Hitze war er fast ständig geöffnet. Schade war für uns bei diesem Gartenfest lediglich, dass wir so sehr in unser Barockgeschehen eingebunden waren, dass wir von den anderen Aktivitäten auf den Oberen Terrassen kaum etwas mitbekommen haben. Dabei gab es durchaus noch viele weitere Darbietungen, die dem Kurzweil der Besucher dienlich waren. Im Rundsaal spielte der Entertainer Reiner WEISS am Flügel, während Draußen der „facette e. V." mit Kindern Kronen und den Weißen Adlerorden bastelte, es Genussmusik auf dem Parterre der Oberen Orangerie gab, Moritatensänger, Majonettenspielerin, Dudelsackmusiker, Clowns u. a. Kleindarsteller ihr Können unter Beweis stellten und die Parkgärtner das fachgerechte Heckenschneiden vorführten. Wer es kühler haben wollte, der sah sich Filme zum Thema „August der Starke und das Barock in Sachen" an oder wer noch etwas mehr schwitzen wollte, begab sich erneut zur Unteren Orangerie und versuchte sich am Maille- Spiel. So verging der Tag mit vielen Höhepunkten und viel Vergnügen und Schweiß bei Mitwirkenden und Besuchern, - doch dann zeigten sich die ersten Wölkchen, die sich immer mehr verstärkten, in dunklere Farbtöne umfärbten, sich verdichteten und schließlich ein kräftiges und lang anhaltendes Gewitter entluden. Als aber die ersten Regentropfen auf uns hernieder prasselten, war glücklicherweise das hochherrschaftliche Festzelt und Mobiliar schon in die Autos eingeladen und die, nicht vom Regen durchnässten, aber dennoch recht feuchten (schwitz), Roben im Kleidersack verstaut. Gegen 20 Uhr war dieses >>2. Großsedlitzer Gartenfest<< Geschichte und wir auf dem Heimweg. Silvia WEISE, als Organisatorin dieses Events, sagt an dieser Stelle noch einmal allen Beteiligten und Besuchern herzlich Dankeschön und besonders ihren Vereinskolleginnen- und Kollegen dankt sie für die tätige Mithilfe. Das nächste Gartenfest in Großsedlitz kommt bestimmt und dann wollen wir alle wieder mit dabei sein. Es hat uns sehr viel Spaß gemacht, dort zu wirken, wo 1719 der Reichsgraf August Christoph von Wackerbarth das Gut und den Ort Großsedlitz kaufte, bis 1723 nach Plänen des Baumeisters J.C. Knöffel den Park anlegen ließ und ihn dann per geheimen Kaufvertrag an August den Starken schon wieder abtreten musste/wollte, und wo dann ab 1726 durch August den Starken und seinen Sohn rauschende Feste veranstaltet wurden. Unser Fest nahm sich dagegen sicher sehr bescheiden aus, aber Spaß hatten wir ebenso, wie ihn einst die Auguste und ihre Gäste in Großsedlitz hatten. Text und Fotos: Bernd Schwabe



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