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Sommerfest am Panometer,25.- 26.07.09

1.Sommerfest am und im Panometer in Dresden- Reick am Wochenende 25./26.07.09

Da hatte doch der Professor noch vor vier Tagen bestes Wetter geweissagt, welches er aus Berlin, zum Ort des Panometer- Sommerfestes, mit nach Dresden gebracht hätte. Was erfüllte sich davon, - zunächst am Samstag? 17 Minuten Sonne, länger anhaltende Regenschauer, Gewitter mit Blitz und Donner, und selbst mit Hagel geizte der Wettergott nicht. Da waren Besucher und Akteure schon für jede kleinste Regenlücke dankbar. Aber das Wetter konnte die gute Laune auf beiden Seiten, - weder bei den Akteuren noch bei den Besuchern, ernsthaft gefährden. Immerhin waren trotz des Schlechtwetters am Samstag mehr als Eintausend Besucher zum Panometer gekommen. Am Sonntag dann wollte wohl Petrus das Versäumte der ganzen Woche nachholen und schickte uns das schönste warme Sommerwetter, so dass die matschigen „Wege" rund um den Erlwein- Gasometer, wo wir agierten, wieder begehbar wurden. Trotz der gepfefferten Eintrittspreise gab es dann am Sonntag einen regelrechten Besucheransturm. Dabei waren auch viele Kinder, die malen, der Märchentante zuhören oder mit Gräfinnen und Grafen das Maillespiel versuchen konnten. Ob Stelzenläufer oder Pantomime, ein Moritatensänger, oder besagte Märchentante die ein Reportiar für Kleinkinder bis zu sexuell aufgeklärtem Erwachsenenvolk auf der Pfanne (sprich: Gusche) hatte, es war schon etwas los am Panometer Dresden. Ob das alles aber ausreicht, um mit dem Sommerfest eine Tradition zu begründen, scheint mir zweifelhaft. Wir als TDB, haben in unserer Rolle des Dresdner Hofstaates unser Bestes dazu beigetragen, dass das Sommerfest doch einigermaßen anziehend und wenigstens etwas barockig wurde. Der versprochene Handwerkermarkt war hingegen mit seinen wenigen Buden und Büdchen mehr als enttäuschend. Und das nicht nur für die Besucher,- einige Betreiber äußerten ihren Unmut recht lautstark. In dem Zusammenhang muss ich mir wiederum die Frage stellen, warum man diesem Sommerfest am Panoramabild des spätbarocken Dresden 1756, nicht die Musik dieser Zeit zugesellt hat, so wie sie von >>Kurfürstlich- sächsischen Barockensemble<< hätte dargeboten werden können. Im Verein mit dem dargebotenen Theaterstück und uns weiteren Robenträgern, wäre echte barocke Stimmung aufgekommen. Das wurde leider vertan und auch wenn sich die kleine Theatertruppe um Prinzipal POHLE und der TDB die allergrößte Mühe gegeben haben, konnte damit der barocke Part nicht hinreichend ausgeschöpft werden.
Das Theaterstück „Schaffe er mir das Gold heran..." vom Autor Wolfgang PETZHOLDT, der darin auch die Hauptrolle, seinen Grafen von Bose, innehatte, erlebte hier am Samstag seine Uraufführung und wurde vom Publikum sehr gut aufgenommen. Mir hat diese Geschichte um die Erfindung des weißen europäischen Hartporzellans und die dabei spielende Rolle der Meißner Fummel, sowie das Spiel der Akteure W.PETZHOLDT, Christine BARTEL (als die Bäckergehilfin „Fummel- Mummel"), Andreas KÜHNERT (als Porzellanerfinder Böttger) und Günther THOMAS (als Reichsgraf von Wackerbarth) unter Regie von Werner POHLE, sehr gut gefallen. Es war schon so, dass die Meldereiter, die die neuesten Porzellanproben in die Residenz zu bringen hatten, ob ihres unterwegs sehr häufig und in großen Maßen gestillten Durstes, sehr oft nur noch Bruch des Weißen Goldes zum Kurfürsten brachten. Dem sollte, durch die Erfindung des findigen Bäckermeisters ZIESCHE aus Meißen, Einhalt geboten werden. Das luftige, äußerst zerbrechliche Backwerk wurde nunmehr den Porzellantransporteuren mit auf die Reise gegeben und wehe dem, der sich nicht gut im Sattel hielt und womöglich nur noch Fummel- Krümmelei vorweisen konnte! So ritt man also seither sehr gesittet und mit durstigen Kehlen und brachte das Porzellan in heilem Zustand an den Hof in Dresden. Die Geschichte des Stückes erzählt davon und wie die Fummel, die es auch heute noch als Touristenattraktion in Meißen gibt, zu ihrem Namen gekommen ist, bzw. gekommen sein könnte... Dieses kleine Theaterstück, an beiden Tagen je dreimal dargeboten, gehörte zu den Höhepunkten dieses Sommerfestes und der Hofstaat mit August dem Starken konnte sich mehrmals daran ergötzen. Glückwunsch den Akteuren um Andreas KÜHNERT (Kulttouren) und dem Spielleiter Werner POHLE. Christine BARTEL brillierte als „Fummel- Mummel" und hat ihren männlichen Mitspielern den Schneit abgekauft. Mir hat das Stück ganz ausgezeichnet gefallen, auch das so herrlich falsch gesungene Sauflied des Duos Böttger und Bose. Ich wollte schon länger mal wieder ins Theater! So schnell kann es gehen.
Obwohl wir auf unserer mondoberflächenähnlichen Entdeckerwiese zu agieren hatten, nutzten wir auch die Gelegenheit, um wieder einmal einem Blick auf unser Dresden im Jahre 1756 zu werfen. Unser Kronprinz Friedrich August (Adrian JÄKEL), der trotz seiner Jugend (welche Ausnahme) sehr an der sächsischen Geschichte und des Barock interessiert ist, war das erste Mal im Panometer und staunte nicht schlecht.
Auch mancher Besucher staunte nicht schlecht, wenn unser Starker August (Tilo MEIßNER) und weitere Darsteller aus dem TDB, einige Schnurren aus damaliger Zeit zum Besten gaben und manche falsche Überlieferung richtig stellten. Wir waren erstaunt, wie begeistert unsere Maille- Bahn aufgenommen wurde. Wir hatten u. a. Besucher aus dem Berliner Umland bei uns, die stundenlang den Schläger nicht aus der Hand gaben und dabei fast die Besichtigung des Panoramabildes verpassten. So verging dieses Wochenende sehr abwechslungsreich und auch wenn der Sternenhimmel über Reick kaum über drei *** Sternchen hinaus kam, haben wir überwiegend gute Eindrücke mit nach Hause genommen. Ehe wir aber unsere Zelte abgebrochen haben, gab es für uns speziell von der Geschichtenerzählerin noch eine kräftig- deftige Geschichte (P 18) und mit Staunen nahmen wir zur Kenntnis, mit welchen Methoden man doch einem Ehemann (in dessen Beisein) Hörner aufsetzen kann. Schauen wir mal, - der Winter, ohne Events, kann lang werden.
Text und Fotos: Bernd Schwabe

 



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