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Historisches Wochenende vom 06. bis 07.06.09 auf der Westerburg

Eyligt Depesche vomb der Hofcantzeley der Residenza zumb Dresden

So wir geruhet haben, uns vomb vollvolumösen Zustande der Schriften deren Galery anno des Decembry 09 zu überzeughen, war es uns ein schrecklich Zustand, dahier zu sehen, dass den Lichtmalereien zumb dem Wasserschlosse zu Dedeleben jegliche Beschryfftung fehlet.
So ich wohll weiss, dass unser gnädigster Landesherr derartig Versäumen ohne fiehl Wohlwollens sehen wird, ich derwohl meyne weiteren Depeschen mitnichten vom Königsteine schreyben möcht, soll darhier eine entsprechend Zeytung nachgeholet seyn.

Der Sachsen und Preußen Hofstaat zogen eyn in die Westerburg zu Dedeleben in der Provinz Magdeburg anno des (05.) 06. bis 07. Junii 09:

So Majestäth geruhet haben, demb Zyhle Westerburgen schon bey Zeyten, am 05.Junii, zuzustreben, reisten wir, der Directheur der Hofcatzeley Bernhardt Heribert Graf von Schwabe zu Nau, skm Augustus nebigst seyner Dame zur Linken, der ehrenwerten Gräfin Aurora Maria von Königsmarck, gemeynsamst mit unserer Gemahlien der Hofsängerin de Moretti und wohlgeborenen Gräfin zu Nau hurtigst am Folgentage nach. Eyn gar lieblich Flecken Erde tath sich uns bei dem Orthe Dedeleben im nordöstlichen Harzvorlande auf. Des Orthes unkundigst, nahm der Kutscher zunächstens den falschen Weg, jedoch gelangte unsere Chaise in Bälde zumb avisierten Wasserschlosse Westerburg, derwelches das älteste seyner Art in teutschen Landen darstellet. Rufe des Entzückens kamen der wohlwerten Hofsängerin über ihre edlen Lippen, als sie dieses lieblichen Gemäuers ansichtig geworden. So lieget dieses Schloss umgeben von den seltensten Bäume und Strauchwerck in einem Parke vomb 5 Hectar inmitten idyllischer Wassergräben mit allerley Gethier und Grünzeug, wie der hellgelb erblühten Wasseriris und mit eyner anheimeligen Ruhe. Seyt 1200 Jahren ist dies hier zu Orthe so, auch wenn gar garstig Raubgesellen gelegentlich vor der Burgk seynen Mauern lagen. Zum Glücke für uns Nachgeborenen blieb uns dies romantische Wasserschloss erhalten und es scheinet so, dass der neuigst hier haushaltende Schlossherr, der edle Herr Hartmuten von LERCHE, nebigst seyner fleißgen Gemahlien, der Dame Silvien, dies ehrbar Haus der Ewigkeyt zu erhalten sich zumb Zyhle gemachet haben. So hat der Hausherr garhieren Orthens eyn einladend Fuhrwerck geschaffen, in dem zu nächtigen seynen Gästen ein gar großes Plaisier seyn muss. Mit fiehl Wissen und Hingabe konnte der Schlossherr seine zu Gast geladenen Adelsleuthe und Militärs durch die Gemächer seynes Anwesens führen, die da Rittersaal, Gräfliche Amtsstuben, Fürsten- und Spiegelsaal geheißen, aber garwohl in der vomb Holzbildhauer Voltin KÜHNE von 1654 bis 1681 geschaffenen gar prächtigen barocken Schlosskapelle gipfelte. Ganze 100 Thaler hat der damalige Schlossherr, der wohl eyn großer Geizbeuthel gewesen seyn muss, dem Meister gezahlet. Bey Gott, was hätte sich wohl unsere hochedle Majestäth diese Kostbarkeyt kosten lassen? An der Strasse der Romanik directens gelegen, so darhier die Wiege des „Heiligen Römischen Reiches der Teutschen Nation" sey, hat dieses herausragende Bauwerk im Stile der Romanik, Dank des edlen Herrn LERCHE, stetens fiehl zu bieten, - wo da sind Walpurgis, Burgenlauf, Mittelalterliche Tafeleyen und heuer beym „10. Westerburger Kultursommer" sollte es (wieder) eyne >>Zeitreise<< auf dem Burgkareal geben. Daheren erging uns die Eynladtung zumb Dresdner Hof. Neben allerley Rauhvolck wie Wikinger und Friesen, waren zu Gasthe auch geladen, der Hunnenkönig Attila nebigst seynem Weibe und seyner Horde, die Bürgerwehr aus Schöppenstedt (Bürgerwehr, welch erschröcklicher Zustand, - man muss dergleichen im Sächsischen zu verhindern wissen!), eyniges Landsknechtsvolck und unter der weyteren fiehlen Geladenen war der englische Gesandte Sir Bernhard Earl of Febrashire mit Lady Erika, Colonel de Baigts mit Dame, Militär aus Braunschweig, Blankenburg und Warburg sowie Jäger aus Dessau, aber natürlich durften die Unsrigen vom „Weißenfelser Infanterie Regiment Prinz Clemens" nicht fehlen. An der Spitze der Gästeliste standen selbstverständlich die Majestäten von Preußen, Friedrich der Große (Rolf ZAHREN) und von Sachßen und Pohlen, August der Starke (Tilo MEIßNER), samtens ihren Gefolgschafften. Zu Ehr und Würden der Majestäten gab es am Samstage und Sonntags ab der 10. Stunde gar fiehle Darbiethungen der Troupen aus Brandenburg- Preußen und Sachßen, wobey der Kanonen Knalle nicht zumb überhören waren. Viel Exerziers und der historische Aufmarsch mit der Cerenomie der Fahnenweihe (Ehrenbanner des Preußenkönigs für den Burgvogt LERCHE - Westerburg kann jetzt eigene Flagge zeigen), Lanzenübungen der Landsknechte und der weyteren Darstellungen waren für das in Scharen herbey geströmte Volck eyn gar sehenswerter Anblick. Bei nämlichem Panquet ließen sich Adelsleute und Soldatenvolck in bester Harmony gleychenfalls nebeneinander sehen, ohne dass darbey eyn Misston zu vernehmen gewesen sey. Zumb Höhepunkt machte Burgherr Baron von Lerche den samstagabendlichen Zapfenstreich bey Fackelschein, Trommel und Trompeten. Selbst wir, die wir mit unserer Majestät schon bey fiehlen Campements darbey waren, um den Troupen spüren zu lassen, wie ihnen der Oberbefehlshaber complimentiret , waren bey diesem Spectaculum recht gerühret. Kurzweyl während der Tage auf Westerburg gaben das Musizieren fahrender Spielleythe, Erkärungen zum harten Leben des Soldatenvolckes, Führungen des Schlossherren, ein Markt mit allerley Handgefertigtem aus Töpferey, Schreynerey, Schneiderey und noch vielerley...Mitten im Burghoffe, wo die Majestäten die Parade abnahmen und Appell hielten, thronte auf feldsteinernem Fuße der Taubenturm, in dem zu fernen Zeythen das gurrende Federvieh wohnte, um für die Schlossküche heranzuwachsen. Auch zumb jetziger Zeyth wird darinnen geturtelt, wenn sich Frischvermählte in diese erhöhte Kemenate zurückziehen. Schloss Westerburg ist auch eyn Hochzeythsparadies und Majestäten hatten gar fiehl mit dem Schütteln der Brautleythe Hände zu thun. Die hochedle Gesellschafft zog sich nicht ins Turteltürmchen zurück, sondern auf Eynladung des Burgvogtes in eynen Seytenflügel der Burg, wo sie mit süffgen Gerstensaft aus dem Väßgen und reychlich Gesottenem und Gebratenem aufs vortrefflichste tractiret wurde. Eyn gar solides Tractement erwartete die Gesellschaft auch am Samstagnachmittage, als die Gräfin Katharina Anastasia Gräfin von Waleska (Jutta ZÖRNER) und der Unteroffizier des IR Nr. 1 von Winterfeld (Matthias MECHALA) anlässlich deren Geburtstagen, zu eyner reich gedeckten Tafel baten. Es war in der Tath eyn gar honneter Anlass, den alle Geladenen mit Eyfer eyleten taten. Über wie fiehle nette Begegnungen während der offiziellen "Zeythreise" könnte hier publiciret werden, über wie fiehlen Spaß in der Runde von Gleichgesinnten, - egal ob in Robe, der Kledage von Zofe oder Lakai, oder ob in Uniform, könnte hier der Chronisth noch berichten? Ihdenog das bedierffte des Platzes zu fiehl an diesem Orte, hier in der königlich- chursächßichen Galerie der Lichtgemälde. Doch nehmen lässt sich diese Kameradschaft keyner von uns und an alle diese Gemeynschafftkeiten zu denken ist uns stetens eyn gar großes Plaisir. Mit fiehler Freude folgte, beynahe zum Abschlusse dieser „Zeythreise", die Gesellschafft dem Cheff des Hauses zumb eyner Schlossbesichtigung wo deroselbiger eyne detaillierte Specification von Burgk und Kapelle gab. So es uns Bedierfftnis ist, bey unseren Schildereyen der Events Sterne zu vergeben, so haben wir tharbeyen Westerburg, auff expressen Befehl seyner Maith., entschieden, dass nebigst den vier Sternen des Fuhrwerkes (Romantikhotel) wir uns die Ehre geben, der Schlossherrin und dem Schlossherrn für ihre gittige Gastfreundschafft und den hohen Einsatz zumb Erhalt dieses einmaligen romanischen Baudenkmals, unsere höchste Anzahl von Positivsternen zuzufügen: * * * * *. Da uns das Darbeyseyn in Westerburg im Junii anno 2009 ein gar großer Gewinst war, werden wir gern wieder nach Dedeleben kommen umb eyn Fest der Kameradschaft zumb feyern, - gemeynsam mit allen, die solche noch zu schätzen wissen! Eynem allerdings müssen wir nun langsam die Freundschaft kündigen, - und das ist der Wettergott Petrus. Ständig ließ er es nass von Oben kommen, der Saukerl, der verdammigte! Beym Niederlegen dieser Schrifft kam dem Directheur der Hofkantzeley so mancher Schweyßtropfen auf die Stirn, - es ist nicht so leycht, in „falscher" Orthografie damaliger Zeyth zu schreyben (Regeln gab es wohl keyne!), Falsches zu schreyben sey wohl schwerer, aber darumb können sich andere bemühen. Umb diese Schrifft und die Lichtmalereyen mühte sich Graf von und zu Nau alias Bernd Schwabe. ( Eingestellt am 08.12.2009 )



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