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18. Jahrhundertfest in Marbach 01. - 03.05.2009

Eine ganze Stadt feierte mit:
Marbach am Neckar und sein >>18. Jahrhundertfest<<vom 01. bis 03. Mai 2009

Ein Jubelfest für die örtliche und überregionale Presse aus Marbach, Bottwartal, Ludwigsburg und Stuttgart, die ausführlich, reich bebildet und überwiegend gut orientiert von diesem Stadtfest berichtete.
Wir zitieren aus der Marbacher Zeitung (Nr.101 vom04.05.09):
„Es richt nach Rauch. Viele offene Feuer brennen im historischen Biwak am Neckarufer...
Vom Kurfürst bis zum Fußvolk kampiert allerlei Volk zusammen. Graf Bernhardt von Schwabe zu Nau und seine Gattin, Hofsängerin Regina de Moretti, begrüßen die Gäste schon am Eingang des großen Lagers. „Hochwohlgeborenen Herren und Damen, wir geleiten Euch gerne zur Residenz seiner Königlichen Majestät August des Starken" lädt der Kämmerer des Kurfürsten von Sachsen zur Audienz ins fürstliche Zelt ein. „Man macht das, weil man ein bisschen verrückt ist", gesteht Hofsängerin Regina (SCHWABE) mit einem Augenzwinkern. „Aber auch aus Traditions- und Nationalbewusstsein" schieben die beiden vom Traditionsverein Dresdner Barock nach.... Im Biwak lockere Spiele... und in eindrucksvollem Brokat und schweren Perücken ist würdevolles Schreiten die angemessene Gangart...Die Zelte der Adligen sind reich ausgestattet. Da finden sich kunstvolle Teppiche, gespeist wird aus echtem Porzellantellern und Bleigläsern. Edle Damen sitzen vor den Zelten und fächern sich kühlende Luft zu - in einem echten (damaligen) Biwak sicher auch, um Fliegen und Gestank zu vertreiben (!?)Und dann taucht die eindrucksvolle Gestalt des Kurfürsten (Tilo MEIßNER) auf. Mit wachsamen Blick nimmt August der Starke seine Truppen in Augenschein..." (Autor dieses Textauszuges: Frank Wittmer)

So und ähnlich berichteten alle Zeitungen ausführlich vom >>Marbacher 18. Jahrhundertfest<<, da konnten die anwesenden Sachsen aus deren barocker Landeshauptstadt nur neidvoll blicken und für diese Informationsfülle fast 10 Euro an Zeitungsgeld berappen. Auch selbst und augenscheinlich haben sie sich im Biwak und in der Stadt Marbach ein eigenes Bild gemacht und das Urteil ist kurz auf den Nenner gebracht und kann nur lauten: Ein tolles Fest, wo mit Begeisterung fast die ganze Einwohnerschaft mitwirkte, dazu in eigens dafür geschneiderte Kostüme und Roben schlüpfte (die Stadt richtete mehrere Nähstuben für diesen Zweck ein!) und in ihrem Bürgermeister einen begeisterten Gastgeber und Mitwirkenden hatte. Unser Besuch in der Geburtsstadt Friedrich SCHILLERS und deren Stadtfest unter dem Motto: „Der Herzogsbesuch in Marbach" wird uns ewig in Erinnerung bleiben. Für die, von uns besuchten Events, vergeben wir Sternchen. Wo es uns ganz außerordentlich gut gefallen hat, sind fünf Sterne als die Höchtszahl fällig - Marburg hätte ****** verdient. Es war uns möglich, schon am Donnerstag, den 30. April an des Neckars hellem Strande unsere Zelte aufzuschlagen (oder besser gesagt, in Beschlag zu nehmen, da uns unsere schon eher anwesende Freundin Silvia diese Arbeit schon abgenommen hatte.). So blieb Zeit, um in diesem sehr umfangreichen und gut 200 Leute beherbergenden Zeltlager, unsere mittlerweile recht zahlreichen Freundinnen und Freunde ausführlich begrüßen zu können. Am nächsten Tag schlugen weitere Edle und Militärs ihre Leinwandvillen auf. In einer derartigen Größe hatten wir ein Biwak bisher nicht kennen gelernt. Das sollte schon für die Organisatoren sprechen und ausreichender Lohn für ihr Engagement sein. Zunächst „beschnorchelten" wir die nähere Umgebung des Lagers, die sich fast idyllisch am Neckarufer ausmachte und machten erste Bekanntschaft mit Culex pipiens,- der Gemeinen Stechmücke. Es stellte sich im Laufe unseres Campements heraus, dass dieses Insektenweibervolk (die Männchen nähren sich von Pflanzensäften, werden aber auch tot geklatscht, - sind also wie alle Kerle die Gear...ten) so gemein nicht war. Frank bemühte sich derweil ums Feuer anmachen! Am Abend wurde noch lange vor den Zelten gequatscht und gelacht und bei den Sachsen wurde, neben anderen Spirituosen, dem „Königsmarcksche Schokoladenlikör" sehr rege zugesprochen. (Lecker,lecker) Nach recht kühler Nacht,- trotz innerer Erwärmung durch das „Gesöff" der Königsmarckerin, weckten uns Trommeln und Pfeifen der preußischen Militärs („Mer hädden se in dor Luft zermähn gennen, die Ästers".). An der Feuerstelle machte sich Frank zu schaffen. Stippvisiten nach Marbach und dann noch die Wahrnehmung der angebotenen Stadtführung für Robenträger, machte uns mit diesem netten und ehrwürdigen Barockstädtchen, seiner Historie und seinen großen Männern, wie unserem Nationaldichter Friedrich von SCHILLER und dem Göttinger Professor Tobias MAYER, der als Geograph, Physiker und, weltweit berühmt, als Astronom wirkte, bekannt. Wir sahen das einstige (Interims-) Rathaus, was den Herzog Carl Eugen veranlasste zu sagen: „Marbacher baut euch endlich ein ordentliches Rathaus". Die Bürger taten dies und so konnten wir am besagten „richtigen" Rathaus am Freitagnachmittag vom Oberbürgermeister Herrn Herbert PÖTZSCH, in einer begeisternden Herzlichkeit, und mit viel Interesse an unserem Tun in der Traditionspflege, begrüßt werden. Er dankte für unser Kommen und Mitwirken und versprach, uns und allen zu erwartenden Besuchern, dass Marbach ein guter Gastgeber für dieses erste Barockfest sein wird. Es zeigte sich, dass dieser tolle OB,- dessen Qualität wir uns für Dresdner Bürgermeister wünschen, nicht zuviel versprochen hat. Marbach und alle Beteiligten, - Einwohner wie Darsteller vom Neckarufer, sorgten dafür, dass mehr als 25.000 Besucher ein einzigartiges Freudenfest erleben konnten. Dass der Bürgermeister während dieses Wochenendes zum Schuldheiß PÖTZSCH mutierte, also in Robe beim Fest erschien, wunderte uns schon fast nicht mehr. Der Mann hat halt seine familiären Wurzeln im (zumindest damaligen) Sächsischen. Wem wundert's! Am Samstagvormittag gab es dann die offizielle Eröffnung vor dem Rathaus, wo der Schuldheiß die angereisten Majestäten August II. und Friedrich II., sowie den hiesigen Herzog Carl Eugen und das ganze große Gefolge von Edelleuten und Militärs bewillkommnte. In der Stadt, die Autofrei gemacht wurden war und liebevoll im damaligen Zeitgeist dekoriert wurde, gab es dann den ganzen Tag auf mehreren Bühnen szenische Darstellungen, mit Schwerpunkt zum großen Sohn der Stadt, SCHILLER und Musik und Tanz. Wir trafen unsere guten Bekannten vom Krongut wieder, die musikalische Familie aus Potsdam, die der Alte Fritz als Hofmusikanten mit nach hier gebracht hatte, und die wiederum mit ihrer barocken Musik zu begeistern wussten. Beifall gab es auch für die Tänzer aus Dresden, die das Rathausportal bevölkerten und mit ihren Tanzschritten für barocke Festlichkeit sorgten. Hier trafen wir auch den Dresdner Stadt- und Platzmajor Oberst Graf Carl Alexander von Bose und seine Gemahlin Amalia Gräfin von Bose (Wolfgang PETZHOLDT und Christine BARTEL), die uns im Verlaufe unseres Campements einen Gegenbesuch am Neckar machten. Das Adelsvolk war in der Stadt verteilt im Einsatz um dem Fest das entsprechende barocke Gepräge zu geben und die Neugier der vielen Besucher stillen zu helfen. Das hier verspürte Interesse der Festbesucher, ob in der Stadt oder im Biwak, war (von Dessau abgesehen) für uns einmalig und auch sie verdienen fünf ganz dicke Sternchen dafür. Unser etwas Fußleidender Kurfürst/König und alle anderen Robenträger holten sich regelrecht Franzen an der hochherrschaftlichen Guschen, - was eine erfreuliche Mutation darstellte. Graf und Gräfin von Schwabe zu Nau hatten den genialen Einfall (und waren auf die Einladung der Tänzer um Prinzipal Müller auf den Leim gegangen, die selbst lieber dem Weine zusprachen)) und besuchten, wie kann es für Leute aus der Luther- Hochburg Sachsen anders sein, einen Gottesdienst in der protestantischen Stadtkirche. Dieser Gottesdienst wart im Stil des 18. Jahrhunderts gehalten, was uns angelockt und auf schwerste Geduldsprobe gestellt hatte. Die Predigt wollte und wollte nicht enden, der gräfliche Hindern hatte schon Schwielen und aus dem Munde hing die Zunge heraus... Die Christen damaliger Zeit müssen besonders gottesfürchtig gewesen sein, wenn sie regelmäßig derartige Tortouren über sich ergehen lassen haben. Als wir den blauen Himmel wieder sahen, regte sich unser Magen und so schlossen wir uns den Barocktänzern an und stiegen in einen der Weinkeller hinab. Hier gab es schwäbische Spezialitäten für den sächsischen Hunger und vom Wirt spendierte Kehlebefeuchter. Die Hofsängerin dankte in aller Namen und schmetterte eines ihrer Lieder unter das Gewölbe der Kellerwirtschaft. Dann ging es retour ins Lager wo wir uns am Lagerleben beteiligten und über die Unmassen Besucher staunen konnten. Frank war noch am Feuer in Gange! Am Abend lud der Organisator zu einer besonderen Attraktion an das Neckarufer. Auf den Flößen der Innung der Neckarflößer wurden szenische Darstellungen aus der Zeit des 18. Jh. vorgeführt. Dazu erschallten vom anderen Ufer die Gewehrsalven der Langen Kerls aus Potsdam und es erklang von dort auch Musik, die das ganze Spektakel stimmungs- und wirkungsvoll umrahmte. Die Adelsleute, am Ufer in guter Sicht platziert, hatten da nicht schlecht staunen. (Das Schauspiel wurde am nächsten Tag wiederholt und sah noch mehr Zuschauer wie am Samstag!).
Mit der Dämmerung waren wir von Jutta ZÖRNER und Matthias MECHALA zu einer Geburtstagsnachfeier eingeladen und hatten an rustikaler Tafel gut Zugreifen. Bis spät in der Nacht, die Trommler und Pfeifer waren mit ihren Klängen des Zapfenstreiches schon längst vorbei und hingen vermutlich auch an den Bechern, wurde gefeiert und für das nächtliche Schnarchkonzert getankt. Wer des Nachtens seinem Harndrang folgend das Zelt gen WC verließ, konnte ein schauerliches Konzert aus allen Ecken und Enden des Lagers vernehmen. Unser Tilo hatte hierin gleich mehrere Meister gefunden! Am Morgen, Frank bemühte sich, das Feuer in Gang zu bringen, um dem Türkentrank die rechte Temperatur geben zu können, lockte wiederum das schönste Sonnenwetter und im Laufe des Vormittags verteilten sich die Campiere auf das Lager, die Stadt und manche zog es in die engere Umgebung. Ein großer Anlass war gegeben und der Kurfürst von Sachsen, assistiert durch seinen Kämmerer, lud die Majestäten und hochwohlgeboren Herrschaften an die Zelte des Dresdner Hofes, denn es galt, einem Mann Ehre zukommen zu lassen, dem Ehre gebührt. Unser Frank war derweil am Feuer, - nanu, - nicht anzutreffen? Nun, der Kurfürst/König zückte seinen Degen und ließ den Baron Christop Wilhelm von Ossig vor sich niederknien. Für seine Verdienste um das Kurfürstentum und am Dresdner Hof, seinen Fleiß und seine Treue, belehnte der Landesherr den Baron mit der Grafschaft Weißenberg. Nunmehr kann sich der Geehrte als Graf von Weißenberg Baron zu Ossig ausweisen. Und um den Hals darf er sich mit dem Weißen Falkenorden schmücken. Vom Kämmerer Graf Schwabe zu Nau, auf rotem Kissen dargereicht, wurde der Graf auch hiermit geehrt. Hohe Herrschaften wie Wilhelm der Soldatenkönig und sein Sohn Friedrich aus Preußen (Dass der Vater jünger ist als sein Sohn, das macht den Preußen keiner nach, - unser gemeinsames Auftreten macht es möglich!!) nahmen als hohe Gäste an der Zeremonie teil und gratulierten dem neuen Grafen anschließend auf das Herzlichste. Der Gratulationscour schlossen sich die Preußischen Obristen aus Düren nebst ihren edlen Damen ebenso an, wie Graf Christop August von Wackerbarth, Gräfin Maria Magdalena von Dönhoff, Graf und Gräfin von Bose, Louise Henriette Freifrau von Friesen und natürlich auch der gesamte Dresdner Hofstaat und viele weitere Adelsleute aus Preußen, Bayern u. s. w. .Militärische Ehren erwiesen dem Grafen von Weißenberg die Kerls des IR „Prinz Clement" aus Weißenfels Anschließend platzierten sich die Herrschaften vor dem Königszelt und lauschten dem Konzert, dem neuen Grafen zur Ehre, dass die musikalischen Damen, - Mutti und die beiden Töchter, uns allen zur Freude gaben. Ein kurzer Blick zur Feuerstelle, - Frank noch immer nicht zur Stelle. Das scheint sich zum Skandal auszuweiten. Viele Besucher nahmen am Zeremoniell und der Musikdarbietung teil und waren davon sehr angetan. Ganze Landheimbesatzungen belagerten Majestät und Tilo war in seinem Element und wusste Interessantes zu berichten. Auch die Hofsängerin hatte ihre Freude und bot einem Gast aus dem fernen Birma (Myanmar) eine Kostprobe ihres gesanglichen Könnens. Dieser Herr war ganz außer sich. Derweil sah man es an der Feuerstelle glimmen, aber wo ist der Feuerstellenwart? Mit aufziehender Dämmerung schlüpften die bisherigen Adligen in ihren Lagerlook und der gemütlichere Teil des Tages konnte beginnen. Ein Wunder, unser lieber Frank macht sich wieder am Feuer zu schaffen. Dafür vermissen wir den Grafen von Weißenberg. So sitzen wir denn, Silvia, Hannelore, Regina, Tilo, Frank, Axel, Bernd und Mike SPRENGER und Freunde und und und beisammen und geben den Lachmuskeln Arbeit und dem Gaumen leckeres Geschnetzeltes und Schokolikör und den nächtlichen Schnarchdarbietungen Stoff für Stimmgewaltigkeit. Bevor die Morgendämmerung und Nebel vom Neckar her herauf gekrochen kommen, löscht Frank das Feuer. Die Nacht ist kurz und unruhig, das morgendliche Trommeln und Pfeifen ist so störend wie die Tage vorher und Frank hat das Feuer in Gang gebracht und einem Tässchen Heeßen kann nun zugesprochen werden. Leider heißt es nun Abschiednehmen von unseren Freunden, - viele von ihnen bauen auch jetzt am Montag erst ihre Zelte ab, Abschied auch von der gastlichen Schillerstadt Marbach und den vielen begeistert mitwirkenden Bewohnern und deren rührigen Bürgermeister PÖTZSCH. Sie und der Herzog, die Flößer, die Darsteller von Schiller und anderen Berühmtheiten der Stadt, die Waschweiber, die Marketenderinnen, die Stadtedlen, die Kellerwirtschaften, die schön geschmückten Holdergässchen und alle, die dieses erste 18. Jahrhundertfest zum Erfolg gemacht haben, werden noch lange in unserer guten Erinnerung bleiben. Dieser Bericht soll dazu beitragen. Frank will sich inzwischen Feueranzünder und ein neues Feuerzeug anschaffen. Das nächste Lagerfeuer brennt bestimmt. Text und Fotos: Bernd Schwabe

 

 



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