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Ball im Landschloss Zabeltitz am 13.12.2008

Unser TDB war Gast des Reichsgrafen von Wackerbarth bei seinem 1.Hof- und Maskenball im Landschloss Zabeltitz.

Unser Verein wurde eingeladen und...
...hier gab es gewisse Irritationen, - wer hat uns eigentlich eingeladen? War es Uwe MÜLLER alias Graf von Wackerbarth als Schlossherr, oder unser TDB- Mitglied Annett JAHN alias Gräfin von Dönhoff, die uns nach Zabeltitz bat, oder kam die Einladung von der offensichtlich nicht mehr existenten IG „Augustus Rex", oder gar von der IG „Der Dreispitz" auf deren Seiten die Einladung veröffentlicht wurde? Ich glaube, dass hier die Presseleute bei ihrem Interview auch nicht ganz klar sahen, da auch noch ein weiterer, (unnötigerweise) neu gegründeter Barockverein Dresdens mit einem geladenen Gast im Spiel war!
Sei es, wie es sei, - auch wenn es bei diesem „1. Hof- und Maskenball" einige Ecken und Kanten gab, die bei einer Zweitauflage gewiss ausgebügelt werden können, - erlebten wir einen vergnüglichen Nachmittag und Abend im Landschloss zu Zabeltitz. Ein kleiner Kreis aktiver Freunde um Annett JAHN und Uwe MÜLLER haben dieses Fest sehr engagiert vorbereitet und fanden im Schlosspalais zu Zabeltitz einen sehr passenden Rahmen.
Leider konnte der TDB nur mit drei Vertretern am Schlossball teilnehmen, da manches Vereinsmitglied, gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit, beruflich sehr stark beansprucht wird.
So fanden sich unsere Vorsitzende Silvia WEISE mit Regina und Bernd SCHWABE überpünktlich im Schloss ein, wo sie nach sehr freundlicher („ „) Begrüßung durch den Schlossherrn, gemeinsam mit weiteren eintreffenden Ballgästen, den Fragen der Presseleute der „Sächsischen Zeitung" Rede und Antwort zum Vereinsleben standen und sich vielfach vom Pressefotografen ablichten ließen. Nach der offiziellen Begrüßung aller Gäste, - wobei ein königliches perlendes Getränk in den Farben gelb und rot kredenzt wurde, desgleichen auch noch etwas hochprozentiger als Cherry und Kirschbrand Marke >>AUGUSTUS REX<<, die Kehlen der Adelsleute beglückte, wurde die Festgesellschaft in den Großen Saal zur Einnahme des Türkentrunkes und dem Ergötzen an vielen gebackenen Leckereien, gebeten. Unserer verehrten Freifrau Louise Henriette von Friesen (alias Christine JAHN) kann bestätigt werden, dass sie einen vorzüglichen Hofbäcker in ihren Diensten hat. Lecker, lecker. Zu den illustren Gästen dieser Kaffeetafel gehörte von unserer Seite auch unser neues TDB- Mitglied Hannelore PETRICK, als Hanneloretta Margareta Gräfin von Silberberg, die in ihrer Rolle als Oberhofmeisterin der Churfürstin / Königin Eberhardine auftrat und in prächtiger Robe glänzte. Selbstverständlich war an ihrer Seite auch der Gemahl, Graf von Silberberg, seines Zeichens Gesellschafter bei Hofe, mit von der Partie. Sehr willkommen waren uns auch die, während der Tafel auftretenden, Musikanten (von der Musikschule Großenhain), die uns mit Geigen- und Cembalospiel, sowie barocken Gesang erfreuten. Nach diesen Gaumen- und Ohrenfreuden galt es dem Herrn für seine Gaben zu danken und die Festgesellschaft pilgerte, etwas fröstelnd, zur altehrwürdigen Dorfkirche Sankt Georgen, wo wir einem Gottesdienst beizuwohnen gedachten. Diesen wünschten wir uns mit Verbindung einer kulturhistorischen Kirchenführung, die vom pensionierten Gemeindepfarrer, mit viel Liebe und Hingabe zu seinem Gotteshaus, vorgetragen wurde. So erfuhren wir: „Unsere Kirche ist geostet, d.h. der Altar ist an der Ostwand. Sie trägt den Namen des Ritters Georg, dem Schutzpatron der Ritter, Reiter und Pferde, der Soldaten und Wanderer.
Das Kirchenschiff ist quadratisch; an der Süd- und Nordseite befinden sich Seitenschiffe. In der Vertikalen werden diese durch Emporen durchbrochen und in der Horizontalen, durch die Orgelempore in gleicher Höhe miteinander verbunden.
Aus den Emporen und Eckpfeilern überspannt ein Netzgewölbe das Kirchenschiff. Der Chorraum ist ebenfalls mit einem Netzgewölbe überspannt. Die Wappen der Erbauer bilden die beiden farbigen Schlusssteine. Die Kirche, dem spätgotischen Stil zuzuordnen, befindet sich heute wieder baulich in dem Zustand wie zur Zeit ihrer Erbauung. Ergänzungen und Veränderungen aus dem 19 Jahrhundert sind mit Ausnahme des jetzigen Altars, bei der vorletzten Renovierung (1949-1950), dankenswerter Weise, größtenteils zurückgebaut worden.
Im Chorraum unserer Kirche sind uns zwei Altäre bekannt. Der gemalte Holzaltar von der Einweihung der Kirche kam nach Hoyerswerda. Der Schnitzaltar mit dem Namenspatron der Kirche, dem Ritter Georg, befindet sich jetzt in der Altarwand der in 3 km entfernten Kirche in Görzig.
Als Altar dient jetzt seit 1839 das Grabmal für die Erbauer der Kirche. Es ist aus Pirnaischem Sandstein gearbeitet und ist eine wertvolle Arbeit von Christoph Walther II. Über einer Säule kann man die Jahreszahl 1582 erkennen. Ursprünglich war das Grabmal an der Nordseite der Kirche, etwa über dem jetzigen Sakristeieingang, angebracht. Die Kanzel ist über 400 Jahre alt. Sie stammt aus der Zeit um 1581 und ist in Holz gearbeitet. Unter dem Chorraum befindet sich die Gruft der 8 Glieder der Familie Pflugk. Dort wurde auch August Christoph Graf von Wackerbarth beigesetzt".

So uns unsere Hofsängerin (Regina SCHWABE) mit einem Weihnachtslied („Es ist ein Ros entsprungen.") erfreute, war die Festgesellschaft animieret und stimmte ebenfalls einen Gesang an. Unser Magister Manfredus Krempe, der Feldprediger, sprach Worte zu uns, die das Herz erwärmten und mit viel Freude füllten. Desgleichen spürten die Anwesenden auch, als sie von der Empore das >>AVE - MARIA<< der Baronessa de Moretti vernahmen. Das sind so die Momente, da gestandene Leute feuchte Augen bekommen.
Zurück im Palais, wurden wir gegen 19 Uhr zum abendlichen Festmahl gebeten. Speisen, wie man sie in früheren Zeiten aufgetafelt haben könnte, erfreuten unsere Gaumen, - wobei Biersuppe wohl lieber in vergangener Zeit verbannt bleiben sollte (meint Graf von und zu...), wohingegen der krustierte Truthahnbraten, angerichtet auf dem Mus von Erdäpfeln und des Stehwurzes, garnieret mit blutrotem Solanum tuberosum, - dem Gewächs, dessen Knollen mittlerweile in unseren Breiten zum Volksnahrungsmittel wurde,( aber wohl damals am sächsischen Hof kaum schon vertreten gewesen sein durfte), ganz besonderen Zuspruch fand. Uns war egal, was schon war oder nicht, und wir aßen mit Genuss, als Nachtisch auch das Omelette mit Käsefüllung. Zwischen den Gängen verlas der Cämmerer und Directheur der Hofcantzeley Graf zu Nau noch eine Botschaft seiner Majestät und es gab zahlreiche Trinksprüche. Da die Sitzordnung ausgelost wurde, konnte man nähere Bekanntschaft mit seinem Stuhlnachbarn machen und manches Schwätzchen führen. Angeregend empfand der Graf von Schwabe zu Nau, beispielsweise das Gespräch mit der Gräfin von Bünau (Beata FISCHER), der er Einiges vom Geschehen aus dem Vereinsleben des TDB berichten konnte. (Erstaunen!) So die ersten Maskierten den Saal nach Aufhebung der Tafel betraten, wurde der Hofball mit einer Polonaise eröffnet und es folgte dem, unter der Anleitung zweier Tanzmeister, ein reges Tanzvergnügen.
Später wurden die Festgäste noch mit einem Fackelumzug im Schlosspark überrascht, aber zu dem Zeitpunkt waren wir schon auf dem Rückweg in die Residenz.
Wir haben dieses Fest mit den besten Eindrücken verlassen und es war uns eine Freude, zu dieser späten Jahreszeit noch einmal mit einigen unserer zahlreichen Freunde der Darstellerszene des 18. Jahrhunderts zusammen getroffen zu sein. Wir bewunderten Eberhard EISFELD als Herzog Ferdinand von Braunschweig- Wolfenbüttel mit seiner Partnerin Ina, als
Dame zu Linken Marie- Chaterine von Aspern, die besonders in der Maskenballgewandung eine wunderschöne Erscheinung darstellten. (Alles von Ina selbst geschneidert, Klasse!)
Elegante Damen waren auch Sandra GERLACH als Oberhofmeisterin von Sachsen- Gotha, Frau von Buchwald und Carola RÖßIGER als Carola Henrietta Dorothea Prinzessin zu Reuß- Plauen, die Gräfin Henriette Charlotte Rogucka (Jutta NESTLER) durfte auch nicht fehlen. Matthieu André le Wony Hoftalileu S.M. nebst Gattin (Hanna) von der Hoftanzgesellschaft „plaisir de la lour" brachte den Glanz des Rokoko in das alte Landschloss. Und wie immer in der Identität des Darzustellenden ungeschlagen, erfreute uns Stefan SCHWARZ mit seiner Partnerin Marina DRECHSLER als Estephan de Noir marquis du petit connait cepew dant lu, nebigst seiner Marquise. Erfreut waren wir auch über die Teilnahme unserer Freunde Steffen LEU als Friedrich Kronprinz von Preußen und Oliver DOERSCHEL als Chevalier von Doerschel de Oliviere. Etwas militärischen Glanz und Zack brachte der Husarenoffizier des IR Herzogtum Mecklenburg- Strelitz in die Gesellschaft und alle im Text schon erwähnten Personen machten uns unsere Teilnahme an diesem 1. Hofball zum Erlebnis, welchem wir uns gern erinnern wollen und auf eine Zweitauflage hoffen. Text und Fotos: Bernd Schwabe



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