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Wasserschlösser in der Lausitz (13.09.08)

 Besuch am 13.09.08 in Großkmehlen und Lindenau.

Als wir gegen Mittag des 13. September in großer Besetzung in Großkmehlen eintrafen, in der Absicht uns beim 9. Schloss- und Hopfenfest zu verlustieren, war auf dem Festplatz noch absolute Stille, ganz im Gegensatz zu dem, was wir bei unserem Besuch 2006 in dieser kleinen brandenburgischen Gemeinde (hart an der sächsischen Landesgrenze gelegen, - nur 30 Autominuten von Dresden entfernt) erleben durften. Damals wogte ab Mittag reges Leben im ganzen Dorf. Das Rattern der Traktorenparade mischte sich mit Trubel und Wohlgerüchen mittelalterlicher Stände und der überaus gastfreundliche Bürgermeister, Herr Horst MÜLLER, belegte uns sofort mit Beschlag, las uns jeden Wunsch von den Augen ab und machte uns mit einer besonderen Köstlichkeit Großkmehlener Festivitäten, dem "Chmelen - Schwarzbier", bekannt. Uns begeisterte damals diese ungewöhnliche Gastfreundschaft, denn bis dato waren wir im Ort Unbekannte, genauso wie wir, mit unserem Auftreten in historischer Robe, die Gemeindeoberen begeisterten. Damals wurde der Gedanke geboren, auch einmal hier in dieser freundlichen Gemeinde, mit "Wasserschloss" und weiträumigem Park, ein historisches Biwak zu veranstalten. Die Bedingungen sind überaus gut und die Gemeinde, nebst dem hier ansässigen sehr rührigen „Heimatverein 1205", sind begeistert und werden es bei der Organisation an nichts fehlen lassen. Dass dies kein leeres Versprechen ist, hat der Ort, bei seiner 800- Jahrfeier 2005 mit großem Festprogramm- und Umzug hinreichend bewiesen.
Der richtige Anlass ist, den Großkmehlenern und uns vom TDB, das 10. Schloss- und Hopfenfest am Wochenende 12./13. September 2009. Um für die Gemeinde, deren Festbesucher, unseren Szene- Freunden aus allen Ecken unserer Republik (die herzlich eingeladen sind) und uns selbst eine runde Sache bescheren zu können, waren wir heuer in Großkmehlen vor Ort. Wir kamen auch mit der Vorsitzenden des örtlichen Heimatvereins und einigen ihrer Mitstreiter ins Gespräch und die Begeisterung für ein derartiges Biwak in ihrem Ort, ist auch von deren Seiten ungebrochen. Im Gegenteil, nach dem Besuch einer großen Gemeindeabordnung  unseres 1. Lustlager 2008 in Moritzburg, vertiefte sich diese Begeisterung noch und wir alle sind herzlich zum Jubiläumsfest 2009 eingeladen. Schloss und Hopfensaft (von einem Fass Freibier für die Darsteller war schon die Rede), die wunderhübsche ev. Pfarrkirche >>Sankt Georg<<( unter Mitwirkung des Frauenkirchenbaumeisters George BÄHR entstanden), mit den prächtigen sakralen Kunstwerken und der tongewaltigen Orgel des Gottfried SILBERMANN, sowie der weiträumige Park mit altehrwürdigen dentrologischen Kostbarkeiten bepflanzt, bietet den nahezu idealen Rahmen für ein Fest der Freunde des 18. Jahrhunderts. Dabei haben Preußen und Sachsen gleichermaßen Heimvorteil, denn der heute brandenburgische Ort gehörte einst zum flächengroßen Sachsen und ging, nach einem wieder mal verlorenen Krieg, per Gebietsabtretung, an Preußen. Die Nähe Sachsens spürt man heute noch im Dialekt, der nur wenig Preußisches an sich hat...
Wir überzeugten uns nochmals von den örtlichen Begebenheiten, dem Park der dem Zeltlager ebenso viel Raum bietet wie den Vorführungen der Militärs, den sanitären Bedingungen im nahe gelegenen Sportlerheim und seitens der Gemeinde wird ein WC- Wagen bereit stehen und auch 2009 wird ein historischer Markt auch Gaumenfreuden bieten.
(Der Ausschreibung auf unserer TDB- Homepage und in der Anmelde- Rubrik (Termine) im „Dreispitz" wird Näheres zu erfahren sein.)
Wir hatten allerhand erfahren, so dass uns der „gute Geist" der Pfarrkirche St. Georg in sein geheiligtes Reich entführen konnte, wo die liebenswürdige Dame viel erklärte und auch einige Takte auf der Silbermannorgel anschlug. Unsere Hofsängerin, die Baronessa Regina de Moretti war auf die Orgelempore geeilt und bestätigte mit einem passenden Lied die hervorragende Akustik des Gotteshauses.
Nach dem Genusse des süffigen „Chmelener Schwarzbieres" begab sich der Hofstaat nach dem nahen Lindenau, wo es lohnend sein sollte, das dortige Wasserschloss (nur von Außen) und den weiträumigen Park zu besuchen. Park und Schloss gaben eine schöne Kulisse für die obligaten Gruppenfotos ab, - die vielen Schilder „Betreten verboten" gefielen uns hier, wo einst reges Leben von Lehrerseminar und Kinderheim wogte, weniger gut. Vielleicht werden die neuen Schlossherren nicht ewig die Öffentlichkeit missen wollen, zumal reger Besuch auch die Kasse klingeln lassen könnte! (Was dem Erscheinungsbild des Schlosses sicher dienlich wäre!)

Unser Rückweg nach Großkmehlen führte uns, übrigens (als echte „Kaffeesachsen"), auf der Suche nach „ner scheenen Tasse Heesen „ über viele Gemeinden sehr erfolglos, dann bis nach Ortrand, der Stadt, in die Großkmehlen schon längere Zeit eingemeindet ist. Hier im Hotel „Deutsches Haus" wurden unsere Wünsche bestens erfüllt.
Gut gestärkt und mit vielen guten Eindrücken bestückt, erlebten wir die hereinbrechende Nacht und die bunten Lichter des Großkmehlener Fackel- und Lampionumzuges.
In Gedanken sahen wir diesen Zug, angeführt von wackeren Dragonern mit Trommeln und Pfeifen, und gefolgt von weiteren Uniformträgern und hochedlem Volk in guter Robe...
Nächstes Jahr im September könnten wir uns diesen Traum erfüllen und wir freuen uns jetzt schon darauf. Text und Fotos: Bernd Schwabe


Schloss und Park in Großkmehlen
Gemeinsam mit der Pfarrkirche St. Georg bildet das im Norden des Ortes gelegene Wasserschloss aus der Renaissancezeit, einen echten Hingucker, der manchen Vorbeifahrenden zum Verweilen in der netten Gemeinde Großkmehlen verführt.
Das Schloss ist aber mit seinen wuchtigen, etwas an Schloss Moritzburg erinnernden, gewaltig- stattlichen Ecktürmen nicht zu übersehen.
Der Wassergraben führt schon seit „ewigen" Zeiten kein Wasser mehr, was wohl den Grundmauern zugute kommt. Zwei Brücken ermöglichen den Zugang zum Schloss, welches mit hervorragend sanierter Außenhaut allerdings ein noch sehr renovierungsbedürftiges Innenleben hat und nur gelegentlich für Besucher zugänglich ist. Zu den Schloss- und Hopfenfesten kann man in den Kellergewölben des Schlosses das Gruseln lernen oder sich bei einer Führung an der italienischen Handwerkskunst der prächtigen Stuckatur erfreuen. Mit viel Engagement ist der „Heimatverein 1205" e. V. an der schrittweise durchgeführten Sanierung der Schlossinnenräume mit vielen Freizeitstunden beteiligt. Ein Saal kann schon für gelegentliche kulturelle Nutzung freigegeben werden. (Auch hier konnte unsere Hofsängerin schon die tolle Akustik prüfen!) Nach der Enteignung 1945 diente das Schloss
als Betriebsstätte der LPG und als Altersheim. Diese entfremdete (gute) Nutzung war dem Erhalt historischer Substanz wenig dienlich. Heute zur „Brandenburgische Schlösser GmbH" gehörig, wird das Schloss umfassend rekonstruiert und nach einem Nutzer gesucht.
Der 400 Jahre alte Park, der um 4 ha groß ist und reichen Baumbestand aufweist, darunter auch dentrologische Raritäten, ist ein idealer Ort für die Durchführung von Biwaklagern und dazugehörenden Vorführungen. Mittelpunkt der Anlage ist ein Pavillon aus dem 17. Jahrhundert, der in überlieferten Schriften von 1695 als „Lusthaus benennet ward".

Pfarrkirche Sankt Georg zu Großkmehlen
Erste Erwähnung findet die Kapelle 1205, die den größten Teil des heute noch vorhandenen Baukörpers (Chor) im 15. Jahrhundert erhielt. Die kreuzförmige Anlage neuerer Kirchenteile (!716 bis 1718 errichtet) geht auf Anregungen des Baumeisters der Dresdner Frauenkirche George BÄHR zurück. Besondere Glanzstücke von St. Georg sind u. a. der niederländische Schnitzaltar und besonders die Orgel, die Meister Gottfried SILBERMANN in den Jahren 1717/18 erbaute, und deren voller Klang noch heute erfreut.
Schloss Lindenau
Lothar von MINCKWITZ, aus einem heute noch in Radebeul ansässiges Adelsgeschlecht, hat 1584 mit Bauarbeiten am Schloss begonnen. Dabei nutzte er vorhandene Substanz eines alten Wasserturmes. Da es nach den Verheerungen des 30- jährigen Krieges und hinterlassener Not zu Bauernunruhen kam, wurde das Schloss ab 1660 zunehmend in der Form einer Trutzburg weiter gebaut, die nur durch ein gesichertes Torhaus Zugang hatte. Der sächsische Adlige von GERSDORFF legte um 1736 das sumpfige Gelände rund um das Schloss trocken und legte einen Park mit barocken Elementen an, der uns noch heute zum Spaziergang einlädt und erfreut. Das Schloss selbst erfuhr im 18. Jahrhundert mannigfaltigste Umgestaltungen, die im 19. Jahrhundert und dann um 1920, durch den Fürsten von LYNYR, mit den größten Veränderungen fortgeführt wurden. Diente das Schloss in den 1940'er Jahren als Lehrerbildungsstätte, so beherbergte es von 1951 bis 1992 ein Kinderheim. Heute gibt es wieder die private Nutzung durch Schlossherren: „Betreten verboten". B.S.



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