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6. Hoyerswerdaer Teschenmarkt, 15.- 17.12.17

Und das war der Sechste Streich – der Markt in der  Fürstin Teschens Reich

Der 3. Advent sah uns wieder in Hoyerswerda beim Teschen- Markt

Irgendwie freuen wir uns jedes Jahr auf unsere Rolle beim Weihnachtsmarkt Hoyerswerdas, dem die Reichsfürstin Urszula Katarzyna Lubomirska von Teschen den Namen gab. Berechtigt, will man meinen, hat doch die ehemalige Mätresse August des Starken, nachdem dieser sie nach Hoyerswerda aufs Altenteil geschoben hat, aus dem armen und unbedeutenden Ackerbürgerstädtchen ein blühendes Gemeinwesen gemacht.

Bereits im Jahre 2012 fuhr die Reichsfürstin, begleitet vom Cämmerer Grafen zu Nau mit der Kutsche auf dem Markt ein. Damals wurde die Teschen noch von der Dresdner Darstellerin Renata Linné gegeben, - sehr authentisch mit ihrem polnisch gefärbten Akzent (die Fürstin stammte aus Polen) und ihrem Wissen zur Person der polnischen Prinzessin.

Im Jahr 2013 teilte sich Frau Linné die Darstellung mit der heimischen Gästeführerin Cornelia Schnippa, die dann in den Folgejahren, - bis heute, den Part, auf Wunsch des Veranstalters alleinig und mit Bravour gibt. Wie sich das Ganze entwickelt hat, kann man hier in der Galerie in früheren Jahrgängen nachlesen. Dort steht auch, wie wir uns im Laufe der Jahre als TDB in den Teschen- Markt integriert haben.

Erstmals hatten wir nun heuer unsererseits ein zusammenhängendes Bühnenprogramm an beiden Tagen (Sa./So.) vorbereitet und wir hatten einen eigenen Informationsstand, der auch für Fotoshooting (mit dem Wochenkurier) genutzt werden konnte. Dieser wurde vom Publikum gern für ein kostenfreies Foto mit den Adelsleuten genutzt. 

Traditionell sind unsere Besuche im Kino bei Herrn Sprecher und seinem jungen Nachfolger, in der Kirche und bei >>Kräuter- Meyer<<. Auch das Schloss hätte der Adel aus der Residenz gern besucht, aber dort gab es kein Programm, da Baumaßnahmen laufen.

Auch mit der Unterkunft entschieden wir uns, wie alle Jahre vorher, für das „Café Pinguin“, von welchem man mit nur wenigen Schritten den Markt der Altstadt als Austragungsort des >>Teschen- Marktes<< erreichen kann.

Wiederum übernommen haben wir auch die Prämierung der besten drei Marktstände. Das gestaltete sich am Sonntagnachmittag etwas schwierig, - nicht weil die Anzahl weihnachtlich dekorierter Stände schwer überschaubar war, sondern eher im Gegenteil. Viele Stände und Verkaufswagen hatten keinen oder nur spärlichen Festschmuck angelegt. Der Blick auf den Umsatz trübt offenbar den Anlass,- und dieser, die Adventszeit, ist die Zeit der Lichter und des bunten Schmückens.

Traditionell war heuer auch wieder, dass wir an den Hauptmarkttagen (Sa./So.) vom Veranstalter kaum jemanden ausfindig machen konnten. Ergo gab es die versprochenen Essensmarken erst am Samstagabend, wo einige Darsteller schon wieder auf dem Heimweg waren und wir anderen uns schon auf eigene Kosten durchgefuttert hatten.

Aber ansonsten erlebten wir den 2017er >>Teschen- Markt<< mit viel Freude und Anteilnahme.

Als Vorhut waren Regina und Bernd schon am Freitagmittag vor Ort, wo sie Quartier machten und die Dekoration unseres Standes vervollständigten. Dabei hatten sie besondere Mühe mit dem Christbaum, der mit seinem unebenen ungetopften Wurzelballen partout nicht stehen bleiben wollte. Es gelang dann nach einer Dreiviertelstunde doch noch und liebevoll so geschmückt, wie er es in „unserem“ Jahrhundert, - also dem 18. Jh., gewesen wäre (Äpfel, Kekskringel, Schokoringe ect.) machte er schon was her. Jedenfalls wurde das Bäumchen vom Herzog von Orleans, - unserem Rudi, den wir vom Bahnhof abgeholt hatten, abgenommen und für gut befunden.

Im Quartier erwarteten wir Annerose und Siegmar. Als wir alle in Robe waren, machten wir unsere ersten Runden über den Adventsmarkt der Hoyerswerdaer und erlebten mit einsetzender Dunkelheit den Wandel von Schlechtwettertristesse zu einem Ort der Lichter und Farben.

Nun begegneten wir auch der durchlauchtigsten Reichsfürstin und dem Weihnachtsmann, die wir beide herzlich und mit Freude begrüßten. Der rot gewandete Weißbart hatte Bescherkinder im Gefolge und auch das stumme sorbische „Gotteskindlein“ lief uns über den Weg. Gern ließen wir uns von dessen Birkenrute streicheln, - wissen wir doch mittlerweile, dass dieser Wangenstreich Glück und Gesundheit überträgt. Wer lässt sich nicht gern dafür behandeln. Wir mögen diese alten sorbischen Bräuche und freuen uns, dass sie in der Lausitz noch so gepflegt werden.

Doch dann, gegen 17:00 Uhr gab es einen weiteren Höhepunkt und das war die offizielle Eröffnung des diesjährigen Teschen- Marktes, - durch den ansässigen Bürgermeister Herrn Scora. Es mag nicht nur die Hofgesellschaft aus der Residenz verwundert haben, dass der Herr Schultheiß, in seiner Anmaßung, der Lehnsherrin seiner Stadt, der Reichsfürstin von Teschen nicht das Wort erlaubte!!!

Nun, dafür war die hochedle Dame beim Stollenanschnitt mit tätig. Dabei dachte sie auch an das Adelsvolk und reichte diesem Kostproben des hier so beliebten Weihnachtsgebäcks. Der Striezel sah recht mager aus (lang war er noch), mundete aber, was die Hoyerswerdaer bezeugten, die den Anschnitttisch regelrecht belagerten. 

Nach einem weiteren Rundgang über den Markt lenkten wir, im Gefolge der Fürstin, unsere schritte zur Kirche. Im Gotteshaus sollte es zur Öffnung eines weiteren Fensterchens des >>Lebenden Adventkalender<< kommen. Die Tagesüberraschung sollte die Lehnsherrin und deren Hofstaat sein.

Es gab schon überraschte Gesichter bei den Kindern, als sie das Adventstor durchschritten und im Kirchenschiff Platz nahmen. Nach einigen (vielen) Worten der Teschen (Cornelia kann nicht verbergen, dass sie eine sehr gute Gästeführerin ist) staunten die Kids nochmals, als der Weihnachtsengel (Regina) herein geflogen kam, ein Weihnachtslied (zum Mitsingen) zum Besten gab und dann >>Die Geschichte vom Weihnachtsmann<< erzählte. Ein weiteres Lied beendete unseren Part und nun waren die Kinder gefordert Fragen zu stellen. Das taten sie erstaunlich aufgeweckt und ohne Scheu. Die Erwachsenen äußerten sich zum Schluss auch, indem sie unseren Beitrag als gelungen lobten.

Zurück über den Teschen- Markt, der trotz nasskaltem Wetters noch sehr stark frequentiert war, führten uns unsere Schritte gen Richtung warme Iglus. Hier erwartete uns neben der Wärme auch etwas Gutes für Magen und Kehle. Dazu gesellten sich nun auch die soeben eingetroffenen Berufstätigen Nadin und Silvia, sowie der Fotograf dazu.

Beschlossen wurde diese fröhliche Freitagsrunde im Jentzsch - Iglu bei allerlei Süßem und schöngeistigen Getränken.

Am Samstagmorgen erwartete uns, nach gut verbrachter Nacht in unseren Iglus, ein gutbürgerlich- opulent- pinguinisches Frühstück und erste sportliche Betätigung. Dazu waren schnell alle Tische und Stühle zusammen geschoben und eine Probe von Contradance & Co. konnte uns zeigen, dass wir die Tänze unseres Bühnenprogramms beherrschen.   

Während Regina und Silvia einer Event- Besprechung zustrebten, füllten wir die Leerzeit des Vormittags mit einem Besuch des >>Lausitzcenters<< aus. Hier waren uns in den Vorjahren die schönen Weihnachtsdekorationen aufgefallen. Die wollten wir heuer auch sehen. Es gab aber schon wirkungsvollere.

Doch dann hieß es in die barocken Gewandungen zu schlüpfen, denn die Uhr ging in Richtung Eröffnung des Marktes. Nun, durch das Eintreffen von Heidrun, Martina und Günther personell verstärkt, strebten wir unseren traditionellen Besuchen zu. Im Bürgerhaus trafen wir den Weihnachtsmann, der noch sehr nach Reinhard Flathe aussah und den wir seit Jahren als unseren Freund betrachten können (Wer liebt den Weihnachtsmann nicht!?!?).

Einen weiteren Herrn, dem wir auch sehr verbunden sind, trafen wir in Herrn Sprecher im Kino >>CineMotion<<, welches wir seit Jahren auch anlässlich des >>Teschen- Marktes<< immer gern besuchen. Unsere Neuankömmlinge hatten Gelegenheit den musealen Hintergrund des modernen Lichtspieltheaters zu besichtigen und wir lernten den jungen neuen Chef Herrn Tino Züchner kennen und stießen mit ihm und seinem Vorgänger (der es offenbar auch im Ruhestand nicht lassen kann) auf dieses Kennenlernen mit Sekt an.

Anschließend trafen wir auf ihrem Markt die Reichsfürstin, in deren Gefolge wir nun über diesen defilierten. Dabei hatten die weihnachtlichen Stände unser besonderes Interesse. Mancher von uns hatte schon seine speziellen Preisträger im Stillen gekürt. Bei dem ganzen Trubel ist uns die Fürstin und ihr erlesener Staatsgast Philipp Herzog von Orleans (Rudolf Fritzsche) abhanden gekommen. Also war der Cämmerer zu Nau gefordert, eine Kutsche in Bewegung zu setzen um die hohen Durchlauchten „einzufangen“. Das gelang und der Graf geleitete sie durch dichtestes Publikumsgewimmel zur Bühne, dem Hofstaat vorausgehend.

Die Lehnsherrin Hoyerswerdas begrüßte nun ihre Untertanen und gab ihrer Freude, zu deren so zahlreichem Erscheinen, Ausdruck. Und die Rf. von Teschen ließ es sich nicht nehmen, mit ihren Leuten etwas über vergangene alte Zeiten zu plauschen.

Hernach übergab sie das Wort der Gräfin Königsmarck, die es sich angelegen ließ, etwas über die Modalitäten des Advents in „ihrer Zeit“ zu erzählen. So ergab es sich, die Adelsgesellschaft zu einem kleinen Programm mit Rezitation, Tanz und Gesang anzukündigen.

Diese Darbietungen wurden von den Besuchern mit anerkennendem Händegeklapper quittiert. Die Darsteller waren selbst überrascht, dass alles so sehr gut und beklatscht geklappt hat. Einige Besucher bescheinigten, dass diese neuartige Programmeinlage den Teschen- Markt sehr belebt hat. Man wünschte sich ein Fortfahren in den kommenden Jahren.

Wiederum folgten wir der Fürstin über den Markt und an unserem Stand waren wir weiterhin beim Fotoshoting eingespannt. Das machte allen viel Spaß, aber die nach und nach bemerkbar werdende Kühle trieb uns dann doch in die Wärme unseres „Eispalastes“.

Hier wurde nun wieder ausgiebig geschlemmert und danach unsere Tagesmitwirkenden gen Heimat verabschiedet. Vorher aber sorgte die durchlauchtigste Reichsfürstin noch dafür, dass kein Mitglied der Hofgesellschaft (des TDB) jemals wieder kalte Füße im Verein bekommt. War die Fürstin eine begnadete Landschaftsarchitektin, - von deren Werken der heutige Zoo erhalten blieb und Zeugnis ablegt, lässt sich der Bogen zur Zucht höckerloser südamerikanischer Kamele spannen. In der Tat, am nächsten Tag steckten die erlauchten Adelsfüße bedeutend wärmer (Alpakawolle).

Ein „kurzer“ Umtrunk im Iglu der Inuit Annerose und Siegmar, beschloss diesen zweiten Tag unseres Mitwirkens beim 2017er Teschen- Markt. Den heimwärts strebenden Adelsleuten wurde ein Dankeschön hinterhergeschickt.

Der neue Veranstaltungstag begann, wie oft schon praktiziert, mit einem Foto mit Pinguin, - allerdings nun endlich und erstmals mit Schnee (zumindest etwas). Danach gestaltete sich der Tag nur unwesentlich anders als der Vortag. Der Adel machte die drei Preisträger „Schönster Stand des Teschen- Marktes“ ausfindig, besuchte die „Tourist- Information“ und in liebenswerter Tradition auch heuer den Spezialladen für Tee, Gewürze, Geschenkartikel ect. >>Kräuter – Meyer<<, dessen Chefin uns wieder zum Apfelpunsch einlud.

Zurück auf Hoyerswerdas Adventmarkt, gab es das gleiche Procetera wie am Samstag, - also Einfahrt der Kutsche, Eroberung der Bühne, Begrüßung der Besucher durch die Fürstin und Programm zum Barockadvent. Alles wiederum mit viel Beifall versehen.

Ein Programmpunkt war auch nicht ganz neu. Die drei ermittelten Preisträger der „Besten Weihnachtsstände“ wurden mit entsprechender Urkunde und einem Präsent des Veranstalters (Lausitzhalle GmbH) geehrt.

Seit Jahren sehen wir, wie liebevoll und mit Sachkenntnis sich der Stand >>Archehof<< der Kinder- und Jugendfarm präsentiert, wie begeistert dem Publikum erklärt wird und was die Kinder für schöne Sachen basteln, - alles im Ehrenamt… Da schien uns der 1. Platz mehr als überfällig. Gefolgt wurde mit dem 2. Platz ein Schreiner, der allerlei weihnachtliche Dinge aus Holz gefertigt hat und der 3. Platz ging an eine Stollenbäckerei (Echt Dresdner), deren Verkäufer im historischen Kostüm agierten.

Nach dieser letzten Pflicht begaben wir uns ins Quartier, wo wir noch gemeinsam schlemmerten. Ein Teil unserer Mitglieder machte sich nun auf den Heimweg und die, die noch bis Montagmorgen bleiben wollten, machten sich ans Abputzen unseres Christbäumchens und unserer nett ausgeschmückten Weihnachtshütte…

Ende gut alles gut, - sprichwörtlich!!!

Unsere Heimfahrt, nachdem wir Rudi zum Bahnhof gebracht hatten, war sogar streckenweise besonnt und so war wirklich alles perfekt an diesem Wochenende (bis auf die Verzehrbons, die mal wieder sehr spät in unsere Hände gelangten. Aber verhungert sind wir nicht). So wollen wir hoffen, dass die hochedle Urzula Katarzyna Lubomirska Reichsfürstin von Teschen, noch viele Jahre in ihrem Hoyerswerda residieren möge und ihrem Hofstaat den Gang über ihren Adventsmarkt ermöglicht. Text: Schwabe/Fotos: Weise (eingestellt am 28.12.2017)     

  

 



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