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Event 260 Jahre Schlacht bei Rossbach

Die in Europa heute sind vereint, standen bei Roßbach gegenüber sich als Feind

>>260 Jahre Schlacht bei Roßbach – der TDB war beim Jubiläums- Biwak in Reichardtswerben bei Weißenfels<<

Da wir TDBer gern mal etwas neues unternehmen, waren wir erfreut, dass uns von unseren Weißenfelser Freunden Katrin und Sven WUTTKE die Einladung zur Teilnahme am Jubiläumsbiwak >>260 Jahre Schlacht bei Roßbach<< erreichte. In unserer Barockdarstellung sind wir einige Jahre eher präsent, sodass wir zu überlegen hatten, wie wir uns in das Gesamtbild dieses Events einfügen können, ohne störend zu wirken. Nun, wir beschlossen, unseren Adel (kurzzeitig) abzulegen und als herrschaftliche Bedienstete oder Bürgersleute in Reichardtswerben aufzulaufen. Das würde passen, auch im Bezug zu den Militärdarstellern, die die Zeit des Siebenjährigen Krieges verkörpern. Von dort sind schon mal kritische Stimmen zu hören, aber das war hier nicht der Fall, sodass, so denken wir, wir vom TDB alles richtig gemacht haben. Wir waren willkommen und in das Gesamtgeschehen gut integriert.

Aber um was geht es eigentlich bei dem Event in Reichardtswerben?

Hier ein (ganz) kurz gefasster geschichtlicher Abriss zu dieser verlustreichen Schlacht, die hier auf historischem Boden am 5. November 1757, - also genau vor 260 Jahren, geschlagen wurde.

Auf den Feldern um Reichardtswerben und benachbarten Gemarkungen kam es zu einer der blutigsten Schlachten des Siebenjährigen Krieges. 12.000 Preußische Soldaten standen einer Übermacht von 40.000 Mann der Französischen Armee und der Reichsexekutionsarmee gegenüber. Kaum zu glauben, dass der Sieg nicht an Letztere ging. Die Franzosen standen unter dem Oberbefehl des Prinzen von Soubise, - einem erfahrenen Feldherrn und der Reichsgeneralfeldmarschall Prinz von Sachsen- Hildburghausen befehligte die Reichsarmee.

Der oberste Feldherr der Preußen war der König in persona Friedrich II., dessen taktisches Denken und Geschick viel zum späteren Sieg über die übermächtigen Gegner beigetragen hat. Hier griff die von Friedrich eingeführte schräge Gefechtsordnung. Den Hauptschlag aber führte der Generalmajor der Kavallerie Friedrich Wilhelm von Seydlitz, der mit seinen 6000 Reitern den Sieg über den völlig überrumpelten Gegner erzielte. In 38 Schwadronen Kavallerie verschiedener Regimenter steckte die Kraft zum Sieg über die gegnerische Übermacht.

Seydlitz, der bei dem Gefecht verletzt wurde, erhielt von seinem obersten Feldherrn Friedrich dem Großen, den >Schwarzen – Adlerorden< verliehen und wurde zum Generalleutnant befördert.

Diese blutige Schlacht, mit Opfern auf beiden Seiten, hinterließ 1500 Tote auf dem Schlachtfeld. Die vielen sinnlos geopferten Soldaten erhielten keine Ehrungen, die kamen erst später, so wie die jetzt hier auf historischem Boden durchgeführte Jubiläumsveranstaltung. Dem Alten Fritz war diese Schlacht ein „Spaziergang“, Menschenleben hatten offenbar in seinem Denken kaum einen Wert. Die Schlachtnachstellung soll erinnern, wie schlimm dieser Krieg und alle weiteren damals und heute waren und sind. Das ist keine Verherrlichung des Gemetzels, sondern eine mahnende Erinnerung. Wer das anders sieht, trägt Scheuklappen.

Wir sind also am Freitagnachmittag angereist und haben Reichardtswerben und das Biwak gesucht, was nicht ganz einfach war. Über die Ernst- Thälmann- Strasse (der Namensgeber war Kriegsgegner) gelangten wir zum Feldlager. Hier war man noch voll beim Aufbau der Zelte. Katrin und Sven legten ihre Hämmer und Häringe weg, um uns Neuankömmlingen zur Begrüßung zu Umhalsen. Danach gingen wir auf Beutezug nach Gerstensaft und anderen schöngeistigen Getränken. Novum, wir griffen unbesehen zu einer Flasche alkoholfreien Kräuterschnaps (Sachen gibt es!!!). Auch die Blumen für die Kranzniederlegung am Sonntagvormittag waren zu bestellen. Danach suchten wir unser Quartier, das >Sport- Hostel< nahe der Stadthalle. Vom Herbergsvater herzlich willkommen geheißen, führte er uns zu unseren Zimmern, die uns angenehm überraschten.

Nun warteten wir auf das Ankommen weiterer TDBer. Mit etwas Navigationshilfe fuhr man nicht ein weiteres Mal vorbei und so konnten wir Annerose und Siegmar JENTZSCH, sowie Heidrun und Günther TENNERT im Quartier begrüßen. Zum Glück wurde die Zimmeraufteilung seitens des Vermieters so großzügig gehandhabt, dass keiner in die obere Etage der Doppelstockbetten musste. Alle waren es zufrieden und schnell hatte man sich eingerichtet.

Nun ging es (erneut) zum Biwak, wo nun mittlerweile eine ganze Zeltstadt entstanden war. Darsteller aus allen Ecken Deutschlands, Tschechiens, Frankreichs u. s. w. gaben sich die Ehre und am Folgetag der Schlacht Leben, Spannung und Kanonendonner. Wir konnten auch unsere Freunde aus Hirschfeld Katrin und Thomas HEFFT begrüßen. Freudig war auch das Wiedersehen mit dem DWARS- Clan aus Neubrandenburg, der uns unsere Plätze warm gehalten hatte, damit wir nun an der Tafel kräftig bei dem zulangen konnten, was Katrin WUTTKE als Zeltwirtin gaumenfreudiges gezaubert hatte. Zwischenzeitlich trafen auch unsere Berufstätigen Silvia und Frank WEISE ein. In netter Runde war kaum zu merken, wie die Zeit verstrich. Als wir uns dann zu später Stunde via Quartier auf die Reifen machten, war noch so viel Munterkeit in uns, dass uns dort noch nach längerem Klönen der Sinn stand. Die Nacht war dementsprechend kurz, aber die Matratzen des Hotels waren so gut, dass wir ziemlich ausgeruht in den neuen Tag starten konnten.

Auf dem Weg zum Biwak diente ein Zwischenstopp zum Nachfassen edlen Gerstensaftes und der Abholung unseres Blumengebindes für die Ehrung der Gefallenen der Schlacht um Roßbach, die für den Tag der Schlacht, - genau 260 Jahre danach, am Sonntag stattfinden soll.

Im Lager angekommen, staunten wir nicht schlecht, wie sich das Biwak im Laufe des Samstagvormittags erweitert hatte.

Nach kurzer Besichtigung des Feldlagers ging es in Gruppe zum Museum >>Diorama der Schlacht bei Roßbach<<. Hier erwartete uns eine kleine, aber äußerst feine Exposition, - im Diorama waren 4300 handbemalte Zinnfiguren in der Schlacht zu bewundern. Wir waren nicht schlecht erstaunt. Mitglieder der Diorama- IG gaben Erläuterungen, sodass wir, die wir in der Szene der Militärdarsteller lediglich zu Gast waren, einiges lernen konnten. Ein Eintrag ins Gästebuch war selbstverständlich.

Hier im Diorama- Museum trafen wir auch auf unsere alten Freunde aus Blankenburg. Schön, sich mal wieder getroffen zu haben. Nach ausgiebigem Ausstellungsbesuch ging es zurück ins Lager, wo zur Stärkung schon Bockwurst, Fischsemmel und deliziöser Erbseneintopf lockte. Diese Stärkung war aber auch für den nun anberaumten Umzug durch den Ort Reichardtswerben notwendig. Das Dorf ist lang, - es zog sich und zog sich… Es hatte den Anschein, dass schnell noch ein paar Nachbarorte eingemeindet wurden sind. Und das Militär, dem wir Bürgersleute brav folgten, hatte einen guten Schritt drauf. Aber auch das schafften wir.

Zurück im Biwak wartete dann schon „dor Gaffäh und Guchen“. Ersterer vom Koffeingegner Sven gebrüht (trotzdem sehr gut, - keinesfalls Bliemchenkaffee), letzterer von Katrin gebacken.

Wir ließen es uns munden und wurden faul. Aber ein Lagerrundgang war schon noch drin und dann warteten wir auf den Beginn der Schlachtnachstellung. In der Zeit wurden die Geschütze in Stellung gebracht, was leider beim Transport der größten und schwersten Kanone zu einem Unglücksfall führte. Wir wünschen dem Verunfallten baldige und vollständige Genesung.

Mit der dadurch verursachten Verspätung, - das Publikum hatte brav ausgeharrt, begann dann in hereinbrechender Dämmerung das Schlachtgeschehen. Mehr als 300 Darsteller waren daran beteiligt. In der Ferne sahen wir das Heer der Reichsarmee und der Franzosen anrücken. Auf der Seite der „Kriegsbeobachter“ gingen die Preußen in Stellung. Auf beiden Seiten spuckten die Gewehre und Kanonen donnerten über das Schlachtfeld, was identisch mit dem vor 260 Jahren war.

Wacker schlugen sich die Preußen im Abwehrkampf, die Seydlitzschen Reiter brachen so schnell hervor, dass auch die aufmerksamsten Beobachter sie nicht wahrnehmen konnten, - aber ihr Schlag entschied den Kampf zugunsten Preußens. Die Beobachter aus dem Sachsenland sahen es mit wehem Herzen, dass ihre Kerls, - trotz erbitterter Gegenwehr (wieder einmal) geschlagen wurden…

Aber es beruhigte, denn im Anschluss an das „Gemetzel“ saß man gemeinsam beim Umtrunke. Hingegen die beobachtenden sächsischen Gäste des Schlachtgeschehens sich etwas frustriert zurückzogen, - die einen in die Kirche zum Gottesdienst, die anderen ins Weißenfelser Brauhaus…

Hatte das Wetter bisher so gut aus ausgehalten, wie wir das und auch alle anderen Beteiligten des Events es verdient haben, weckte uns der Sonntagmorgen dann doch mit Nieselregen. Nach opulentem Frühstücksmahl, - großes Lob an die Hotelleitung und die „gute Fee“, schlüpften wir noch mal in unsere Roben und steuerten das Ehrenmal „Schlacht bei Roßbach“ zur Kranzniederlegung an.

Die Härtesten der Harten (wie z.B. die Freihusaren von Kleist) und Vertreter der Gemeinde nahmen daran teil. Wir TDBer und unsere persönlichen Gastgeber selbstverständlich auch. Aber etwas unverständlich war uns schon, dass von den vielen Militärdarstellern nur eine Hand voll den Weg zur Ehrung gefunden hat.

Wir legten jedenfalls, nach dem Kranz der Regionalvertreter, unser Gebinde am Ehrenmal nieder, um den Gefallenen auch dieses sinnlosen Krieges die Referenz zu erweisen.

Das Schlachtrelief und die Gedenksäule haben eine wechselvolle Geschichte und mussten ihren Standplatz oftmalig wechseln um dann zu DDR- Zeiten ganz zu verschwinden. Schön, dass jetzt die damaligen Opfer dem Vergessen entrissen wurden und ihrer, in würdiger Form, durch das wiedererstandene Denkmal gedacht werden kann. Wir haben auch nicht übersehen, dass in diesem Ehrenhain ein Gedenkstein auch den Opfern des 2. Weltkrieges gewidmet ist.

Nach einem Gruppenfoto der Beteiligten führte uns der Weg nochmals zum Feldlager, das nunmehr nur noch wenige Reste der Zelte sehen ließ. Wir verstauten nun unseren ganzen hier deponierten „Krempel“ und waren zum Rückweg gen Heimat bereit. Herzlich nun die Verabschiedung und unser ausdrücklicher Dank an Katrin und Sven WUTTKE, die uns zu diesem interessanten Event eingeladen haben und uns in ihrem Zelt Platz gaben, sowie auch für unser leibliches Wohl sorgten. Das war ganz toll, - wir werden diese Freundschaftsgesten nicht vergessen. Dank an die Mitglieder und Darstellenden Fördermitglieder des TDB, die hier in Reichardtswerben die Ehre des Vereins hochgehalten haben. Ich denke, dass auch der Organisator und Lenker der Schlachtnachstellung Klaus ZIERIS einen Dank für diese perfekt abgelaufene Unternehmung verdient hat. Gleiche Anerkennung für das ganze Organisationsteam dieser Jubiläumsveranstaltung.

Eigentlich wollten wir nun noch gemeinsam zur Uta nach Naumburg starten, oder dem Weißenfelser Schloss einen Besuch abstatten, aber da war wohl bei unseren Freunden die Luft etwas raus.

Wir nahmen nun zunächst die Landstrasse und steuerten Machern an, das uns per Autobahnbeschilderung schon mehrmals auf >>Schloss und Park Machern<< aufmerksam gemacht hatte. Wir möchten nun nach unserem Besuch dort behaupten, dass das ein Geheimtipp ist. Besonders der Park mit seinen Teichen, Quelltempel, Ruinennachbildungen, der Ritterburg und dem Hirschgatter ist den Besuch wert. Für den TDB sicher einmal ein Reisziel.

Und dann gibt es Zufälle, die gibt es eigentlich gar nicht. Bedingt durch Umleitungen kamen wir nach Deuben, wo wir einen Landgasthof ausmachten. Da das Frühstück nicht vorgehalten hat, steuerten wir diesen gastlichen Ort an. Und wer saß dort bei leckerem Mittagsmahle? Wir umhalsten unseren Leipziger Vereinsfreund Rudi FRITZSCHE und konnten ihm von unserem gelungenen Wochenende im Burgenlandkreis berichten.

Nun habe ich also auch hier von diesem beeindruckenden Event berichtet. Dabei nahm ich mir vor, diesen Bericht nicht zu lang werden zu lassen. Aber da es so schön war, gelang mir das nicht, zuviel hatte ich zu berichten. Text und Fotos: Bernd Schwabe (eingestellt am 07.11.2017)



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