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Am 17.10.17 zur Geburtstagsgratulation zur Cosel auf die Burg

Depesche aus der Hofcantzeley zumb der Residenza Dresden

Besuch auf der Burg Stolpen mit Audienz bei der Reichsgräfin

Es war amb 17. Tage des Octobrii anno d.J.d.H. 2017 als sich der ehrenwerte Gouverneur von Dresden und Staatsminister sowie Generalintendant der Gebäude und damit auch Oberbauamtsdirektor und Chef des Bauwesens Christoph August Reichsgraf von Wackerbarth zumb einer baulichen Prüfinspektion auf die Burg beym Gemeinwesen Stolpen begeben haben. Begleitet wurde der hohe Herr vom Kabinettsminister Christoph Heinrich Reichsgraf von Watzdorff auf Pförten, auf dessen gut Rath und manches Male auch auf dessen prall gefüllte Börse Reichsgraf von Wackerbarth mitnichten verzichten wolle.

War es Zufall, gerade heutigen Tages die baulichen Befindlichkeiten der Burg eyner peinlichen Untersuchung zu unterziehen? Dagegen spricht, dassen im Gefolge der beiden hohen Adelsherren noch einige hochrangige Vertreter des Dresdner Hofstaates vertreten waren. Dies waren der Cämmerer S.K.M. Bernhardt Heribert Graf von Schwabe zu Nau, sowien der Stadtmajor vomb Dresden Oberst Alexander Graf von Bose, die eyne kleine Abordnung vom Hofe angeführet. Es waren dies die Damen Amalie Gräfin von Bose, Erdmuthe Dorothea Reichsgräfin von Zinzendorf zu Ebersdorf, Wilhelmine Friedericke Reichsgräfin von Watzdorff, sowien Henriette Baronin von Zetau. Sie alle sollten Interessa am baulichen Zustand des alten Gemäuers der Burg Stolpen haben?

Nun, es sollte sich baldigst herausstellen, dass der Grund derer aller Hierseins eyn völlig anderer war. Nicht die Burg an sich, sondern deren Bewohnerin weckte das Interesse der Burgbesucher. Seyt fielen Jahren ist Anna Constantia Reichsgräfin von Cosel sehr unfreywillige Mieterin im Johannisturm der Burg. Die einstens allmächtige erste Dame am Hofe und Mätresse en titre unseres geliebten Landesherrn Friedrich August I. hatte sich wohl etwas zu weit aus dem Fenster gebeuget und mit ihrer steten Einmischung, ihren Intrigen und nicht zuletzt mit ihrer Gier nach Gut und Geld und Macht den Unwillen der Mächtigen Herren um den Churfürsten zugezogen. In der Auseinandersetzung mit diesen Politikmachern, - angeführet vom Grafen Flemming, - war die Cosel am Ende die große Verliererin. Verbannt auf diese Burg, verbannt auch aus dem Herzen Friedrich Augusts lebt sie nun hier vergessen von der Welt.

Doch das scheinet nur so, wie der Besuch des heutigen Tages zu beweisen suchet. Die kleine Abordnung lenkte ihre Füße den Burgberg hinan, umb der prominenten Gefangenen Ehre entgegen zu bringen, wozu dieser 17. Tag des Octobre bestens geeignet erscheinet. Die Reichsgräfin begehet ihr Wiegenfest, - das 337te heuer. Geboren wart sie als Tochter armer Landadeliger,- ihr Herr Vater führte den Titel eynes Ritters Joachim von Brocksdorff, doch ihr Aufstieg war unaufhörlich (die Geschichtsschreibung kennt ihn zur Genüge), ja ungebremset bis zu ihrem Sturze.

Nimmer mehr wollte August der Große *), wie unsere Majestät von ihren Unterthanen in großer Achtung heutigentags genennet wird, der Dame Cosel unter die Augen treten, auch nicht, wenn diese wieder ein Jahr auf der Lebensleiter nach oben gestiegen ist. Nur eynige Unentwegte um die Grafen Wackerbarth und Watzdorff wagen alljährlich den Besuch und erfreuen die Reichsgräfin mit Blumen. Nun, dem Souverän wird nicht entgangen seyn, dass sich da alljährlich Besuch ansaget, - er duldet es ohne Aufhebens, denn die lange Gefangenschaft der einstigen Granddame ist für ihn kein Ruhmesblatt und das soll wohl nicht aufgerühret werden.

Die Worte des Stadtmajors Grafen von Bose wird das Herz der Gräfin Cosel erwärmet haben und sie an ihre Glanzzeiten bey Hofe erinnert haben. Mit Hochachtung betrachten ihre heutigen Geburtstagsgäste ihre Person und ihre Stellung am Dresdner Hofe, durch die sie wohl als DIE COSEL zur berühmtesten Sächsin wurde. Der Besuch genoss in ihrem (gedanklichen) Dabei sein eyn Tässchen Heeßen und auch eyn Stückel Guchen.

Doch dann zog es die Dame Cosel wieder in ihre Turmkemenate zu ihren Handarbeiten, Studien und der Vertiefung in das Hebräische und das Große Buch der Juden… So wird sie, - die Wir so hoch verehren, bis zum nächsten Jahr ihre Zeit verbringen, wo sie dann wieder Besuch vom Dresdner Hofe empfangen kann. „Gott zum Gruße und lasset Euch die Zeyt nicht lang werden.“

So geschrieben und gesiegelt amb 17.10. Oct. 2017 zumb der Hofcantzeley Dresden von selbiger Directheure Bernhardten Heribert Grafen von Schwabe zu Nau, der sich auch in der Lichtmalerey versuchet hat.

Nachbemerkung: War die Zahl der Geburtstagsbesucher heuer auch etwas schmächtig, so ließen wir es uns auch dieses Jahr nicht nehmen, der hier in Stolpen so lange fern der Welt gelebten Reichsgräfin von Cosel zum Geburtstag zu gedenken. Dazu hatten wir ein Wetter, wie wir es an manchem Hochsommertag nicht hatten. Wir trafen uns 14:00 Uhr am Markt in Stolpen und bestiegen gemeinsam den Burgberg. Angeführt vom Grafen Wackerbarth (Günther TOMAS) und dem Grafen Watzdorff (Siegmar JENTZSCH) waren das die Reichsgräfin von Zinzendorf (Elke METZNER) die Baronin von Zetau (Renate LIEBE), die Reichsgräfin von Watzdorff (Annerose JENTZSCH), die Gräfin von Bose (Christine BARTEL) so wie der Graf von Bose (Wolfgang PETZOLDT) und der Verfasser dieser Zeilen Cämmerer zu Nau (Bernd SCHWABE). Allen Teilnehmern wird gedankt. Wir hatten wieder einen netten Nachmittag und freuten uns über die Beachtung der Burgherren, die uns durch Herrn Bernd KARA persönlich auf der Burg begrüßten und unser Tun lobten. 2018 gerne wieder.

Erklärung *) Die heute von uns benutzte Bezeichnung August der Starke war zu dessen Lebzeiten nicht üblich. Er führte damals noch den Ehrentitel August der Große.



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