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George Samuel Götze- Ehrung am 30.09.2017 auf Hubertusburg

Die George Samuel Götze- Ehrung auf Schloss Hubertusburg (30.09.17)

Prolog:

Der Siebenjährige Krieg brachte dem Kurfürstentum Sachsen eine schwere Niederlage und damit Zerstörung und Not in großem Ausmaße. Der Heimsuchung des Berliner Schlosses Charlottenburg folgte die Vergeltung Friedrich des Großen, der befahl, dass im besiegten Sachsen, alles was auf Größe und Glanz des Kurfürstentums verwies, geschliffen werden sollte. Das war wohl ein gröblicher Verstoß Friedrich II. gegen seinen fürstlichen Ehrenkodex. Dieser besagt, dass das Eigentum gleichrangiger Kriegsgegner nicht angerührt werden darf. Das scherte den Preußen nicht und seine Plündertruppen fielen in Sachsen ein und verschonten auch das Jagdschloss Friedrich August II. , „Hubertusburg“ in Wermsdorf nicht. Dieses wurde gründlich ausgeräumt, was noch heute zu sehen ist. Offenbar gehört Hubertusburg nicht zu den Filetstücken unter den sächsischen Schlössern, sodass dieses nicht unter die Schirmherrschaft der Sächsische Schlösser und Gärten GmbH gekommen ist.

Mehr oder weniger leere Räume bestimmen das Bild des Schlosses, aber ein Juwel ganz besonderer Art, blieb erhalten und ist das Glanzstück von „Hubertusburg“. Die Schlosskapelle ist dieses Juwel, in der dank seiner Rettung im Jahre 1761, heute noch katholische Gottesdienste abgehalten werden können.

Wem ist der Erhalt der Schlosskirche im Siebenjährigen Krieg zu danken? Dem Schlosskaplan Anton Norbert Schubert jedenfalls nicht, auch wenn die bisherige Geschichtsschreibung ihm die Rettung der Schlosskapelle zugeschrieben hat. Verklärt und im Reich der Sagen angesiedelt, soll besagter Seelsorger vor Friedrich dem Großen „einen bittend Kniefall gethan haben, damit das Gotteshaus erhalten bleibe…“. Wer will glauben, dass sich der Preußenkönig zu so einem Gnadenakt, gegenüber dem von ihm so gehassten Sachsen, hat erweichen lassen?

Zwei Herren aus Mainz, - die Brüder Claus und Dr. Gert LEGAL, hatten auch ihre Zweifel und recherchierten in der Sache, sichteten unzählige Quellen und nahmen einen Briefwechsel zu Historikern (Jeff KATTENHORN u.a.) in England auf  und besuchten Wermsdorf, wo es zu  einer befruchtende Zusammenarbeit mit dem >>Freundeskreis Schloss Hubertusburg e. V.<< und regionalen Einrichtungen kam.

Im Ergebnis dieser Forschungsarbeit kamen die Herren LEGAL zu dem Schluss, dass dem damaligen Schlossverwalter von „Hubertusburg“ George Samuel Götze, die Rettung der Schlosskapelle zugeschrieben werden kann und muss. Götze suchte die Nähe des Oberplünderers im Dienste Friedrich, des Obristen Quintus Icilius und erweichte das Herz des Feldherrn beim Mittagstisch. Ja, die köstliche Sächsische Küche, - vermutlich eine knusprige Martinsgans, brachte den Obristen dazu, die Schleifung der Schlosskirche zu untersagen. Damit sei erwiesen, nicht ein ominöser Kniefall, sondern ein verwöhnter und befriedigter Gaumen rettete das Gotteshaus. George Samuel Götze ist der wahre Retter und daher werden wohl die SchlossführerInnen auf Schloss Hubertusburg künftig dessen Namen nennen, wenn es um die Rettung dieses sakralen Kleinods geht.

Kein Gemälde zeigt der Nachwelt das Gesicht Götzes, - doch die Anonymität wurde gebrochen, indem im äußeren Schlossareal eine Gedenktafel, zur Ehrung für den Schlossinspektor, enthüllt wurde.

 Wir waren als TDB beim Festakt am 30. September 2017 im Schloss Hubertusburg in Wermsdorf dabei. Wir folgten einer Einladung vom >>Freundeskreis Schloss Hubertusburg e. V.<< und waren die barocke Verstärkung des >>Kurfürstlich – Sächsischen Barockensembles<<, welches für die musikalische Umrahmung des Festaktes im Ovalsaal des Schlosses verantwortlich zeichnete.

Weil wir im mdr- Rundfunk rechtzeitig den Verkehrsfunk hörten, vermieden wir die Anreise auf der Autobahn, da wegen eines schweren Unfalls die BAB ab Kreuz Wilsdruff  längere Zeit gesperrt blieb, - und waren (über-)pünktlich vor Ort. Anders einige Mitorganisatoren und geladenen Gäste, warum das ursprünglich geplante Programm völlig durcheinander kam.

So zogen wir also gegen 15:30 Uhr, gefolgt von Ehrengästen, den Herren LEGAL, Sponsoren, Mitgliedern des Freundeskreises mit ihrem Vorsitzenden Herrn Wolfgang KÖHLER, Vertretern der Stadt und umliegender Gemeinden, sowie weiteren Mitwirkenden und Förderern des Objektes Ehrentafel, sowie zahlreichem interessiertem Publikum zum künftigen Standort der Gedenktafel.Silvia WEISE eröffnete die Ehrung mit  einem Flötensolo

Hier begrüßte Herr KÖHLER die Teilnehmer des Festaktes und brachte seinen Dank aus. Besonders erwähnte er die Herren Claus und Dr. Gert LEGAL, denen es gelungen war, den heute zu ehrenden George Samuel Götze dem Vergessen zu entreißen. Nach weiteren Grußworten kam dann dem Brüderpaar auch die Ehre der Enthüllung der Ehrentafel zu.

Dem folgte die Wortmeldung eines Vertreters des Sächsischen Hofes. Der Cämmerer und Directheur der  Hofcantzeley und Scriptencammer Bernhardt Heribert Graf zu Nau entrollte eine Schriftenrolle und verlas eine Grußdepesche S.K.M. Friedericus Rex. Der Landesherr, der zurzeit in Warschau weilte, ließ es sich nicht nehmen, die anwesenden Herren und Damen zu grüßen und zu danken, dass ein weiteres Stück sächsische Geschichte wahr gemacht und publiziert wurde. 

Dem Cämmerer brachten diese Worte starkes Händegeklapper und ein großes Lob der Autoren LEGAL ein.

Dann ging es ins Schloss, wo im Ovalsaal die musikalischen Klänge des Kurfürstlich- Sächsischen Barockensembles die Teilnehmer am Festakt begrüßte. Es gab weitere Wortmeldungen und die Auszeichnung „Politische Orte in Sachsen“, die Dank des Wirkens des Freundeskreises Schloss Hubertusburg e. V. an diesen übergeben werden konnte. Für die Ausgezeichneten war es eine wirkliche Überraschung und der beigefügte Scheck sorgte für Freude. Damit kann der Verein weitere Objekte in Angriff nehmen.

Das anschließende Referat des Herrn Claus LEGAL basierte auf dem Manuskript seiner Veröffentlichung zur Rettungstat des George Samuel Götze, die in den >>Hubertusburger Schriften< < des Freundeskreises, unter dem Titel „Die Königliche Hofkapelle zu Schloss Hubertusburg im Siebenjährigen Krieg (1756 – 1763)“ erschienen ist. Eine Fülle von Informationen wurde uns damit nahe gebracht. Ein vom Autor, für den TDB, signiertes Exemplar der Begleitschrift zum Festakt, wird uns Gelegenheit geben, unser Wissen zu dieser Zeit und um die Geschichte und Geschichten von Hubertusburg zu vertiefen.

Gern haben wir mit den Organisatoren und allen Anwesenden auf dieses gelungene Miteinander angestoßen. Wegen der (möglichen) Krümelei durfte der hausbackene Kuchen nicht im Saale verzehrt werden, was das Musikensemble zwang, vor leeren Stühlen weiter zu musizieren. Aber Musik hat eine unglaubliche Sogwirkung und so gab es bald dafür wieder reges Publikum, was die Musici gar nicht mehr fort lassen wollte.

Irgendwann verklingt der letzte Akkord und die Barockakteure hatten nun noch Gelegenheit mit Gästen zu plaudern, sowie sich in den (vor-)letzten herbstlichen Sonnenstrahlen im Schlosshof zu ergehen. Freudig war dann auch die Bekanntschaft mit der 17. Sächsischen Fischkönigin, dessen Nähe besonders der olle Cämmerer suchte. Warum wohl? (Als beruflicher Fischzüchter fühlt er sich halt hingezogen zu Karpfen, Schlei und Zander – und wenn die „Schuppen- Majestät“ auch noch so scheen und jung ist, dann…!)

Uns allen, - Silvia WEISE, Regina SCHWABE, Elke METZNER, Nadin SCHUBERT, Rudi FRITZSCHE, Annerose und Siegmar JENTZSCH und nicht zuletzt dem Rezensenten und Cämmerer Bernd SCHWABE, hat unser Ausflug und das Mitwirken am und im Schloss Hubertusburg sehr viel Spaß gemacht. Wir wurden sehr nett aufgenommen und auch als Dresdner Hofstaat angenommen. Gerne mal wieder. Text und Fotos: Bernd Schwabe (eingestellt am 02.10.2017)



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