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Besuch des Ostereiermarktes in Neuwiese am 8. April 2017

Bei des Osterhasen fleißigen Helfern:

Besuch des Ostereiermarktes in Neuwiese am 08. April 2017

Nunmehr für uns eine liebgewordene Tradition, wollten wir auch heuer nicht verabsäumen, dem Osterland in der Lausitz einen Besuch abzustatten, um den dortigen fleißigen Volkskünstlern über die Schulter zu schauen.

Wir besuchten in Elsterheide im OT und gleichnamigen Landgasthof Neuwiese, den diesjährigen Ostereiermarkt. Etwas erweitert durch Familienangehörige, trafen sich 16 Barockdarsteller in Neuwiese und gingen geschlossen zum Ort des Geschehens. Dieser war der große Saal des Gasthauses. Ehe wir in diesen gelangten, konnten wir unsere sorbische Freundin aus Bad Muskau, Frau Carola GEPPERT, an ihrem Weißsticker- Stand begrüßen. Zum Glück konnten wir das. Wir alle waren froh, unsere Freundin wieder gesund und fidel anzutreffen.

Eine andere Freundin, nämlich Cornelia SCHNIPPA, die hier in der Region die Reichsfürstin von Teschen verkörpert, hatte es sich nicht nehmen lassen, ihren königlichen Gebieter und die Dresdner Hofschranzen persönlich zu begrüßen. 

Herr Werner BÖHME, vom veranstaltenden >>Verein zur Pflege der Regionalkultur Mittlere Lausitz e. V. << , erwartete uns schon ungeduldig und führte den Dresdner Hofstaat in den Großen Saal. Der war brechend voll, von erwartungsfrohem Publikum und ringsum waren die Stände der Ostereier- Veredler mit ihren farbenfreudigen österlichen Auslagen besetzt. Die Volkskünstlerinnen- und Künstler waren hier schon voll in ihre Arbeit, der Verschönerung von Hühner- und Enteneiern per Bossier, - Kratz, - oder Ätztechnik, vertieft.

Unser Eintreffen war der Startschuss für die offizielle Eröffnung des Ostereiermarktes und wir erlebten nun etwas ganz allerliebstes. Ein buntes Völkchen von Mädchen und Buben aus Neuwiese, schmuck gekleidet in sorbischer Tracht, nahm nun die Tanzfläche des Saales für sich in Beschlag. Sie boten uns ein vorösterliches sorbisch- deutsches Programm (natürlich zweisprachig) mit Akkordeonweisen, Tanz und Gesang, was sehr anrührend war und uns Städter aus der Residenz so begeisterte, wie es uns überrascht hat. Da wir vom TDB schon unsere eigene Erfahrung mit der „Annemariepolka“ gemacht hatten, waren wir besonders von diesem Programmpunkt angetan. Besonders der kleinsten, und vermutlich jüngsten, Akteurin widmeten wir besonders unsere Aufmerksamkeit, - auch wenn sie zwei Schritte setzen musste, wo ihre Mittänzer nur einen brauchten…

Jedenfalls haben uns die Veranstalter mit diesem Programm eine ganz große Freude bereitet, an die wir uns noch lange gern erinnern werden. Der starke Beifall für die kleinen Akteure sagte alles.

Nun schickte Herr Böhme seine Tochter Kirsten und seine (wie ich wegen der Ähnlichkeit vermute) Enkeltochter, - schmuck in Tracht der Sorbinnen gekleidet, mit dem Blech Osterkuchen in die Runde. Der Cämmerer, der laut Frau Kirsten, ihnen letztes Jahr den Kuchen vom Blech gerissen habe, verzog sich daher mal lieber ganz bescheiden mit seinem Schnellmalerpinsel, und, verewigte aus Distanz, - wie der Churfürst (Werner POHLE) zum Vorkoster auserkoren wurde.

Der Cämmerer besuchte dann die Hoflieferantin Frau Beaten MÖLLER von „Kräuter- Meyer“ auf der Bühne und ergötzte sich an der Lecker- Zitronenbowle…

Natürlich haben wir auch die Auslagen der Ostereierkünstlerinnen- und Künstler in Augenschein genommen, hatten mit den Handwerkskünstlern manch nettes Gespräch und erfuhren von ihnen viel über ihre künstlerische Beschäftigung. Dabei konnte man auch die Trachten näher betrachten und erhielt einiges Hintergrundwissen dazu vermittelt.

Besonders der Arbeit der jüngsten Künstlerinnen war unser Interesse gewidmet. Es ist schön, wenn diese Volkskunst von Generation zu Generation weitergegeben wird.

Nun aber lockte dass, was Küche und Keller des Landgasthofes zu bieten hat und der Hofstaat nahm an der, extra für ihn hergerichteten, Tafel platz. Gesättigt und zufrieden machten wir noch mal eine Runde zu den Angebotsständen, verabschiedeten uns vom Veranstalter und unserer Freundin Frau GEPPERT, um dann gen Dresden zu starten.

Doch das sollte nicht unser Endziel sein. Kurzfristig beschlossen wir den Besuch des Schlosses in Königsbrück und der dortigen Kamelienschau. Leider klopften wir an verschlossenen Türen. Der „Kamelien- Verein“ lässt nur Sonntags einen Blick auf diese schönen Blütenpflanzen werfen und der Schlossbesitzer hält alles verriegelt und verrammelt und hat dabei noch so wenig Kulanz, dass er den Kamelienfreunden eine fette Miete auferlegt hat. Nur dafür, dass sie mit dem Kamelienhaus ein Kulturgut bewahren (dürfen)!!! Man muss nicht raten, aus welcher Himmelsrichtung der neue Schlossherr kommt… Dass das Land Sachsen dieses herrliche Schloss so einfach (sicher, wie üblich für Äppel und Ei) verscherbelt ist ein Skandal. Gerade im ländlichen Raum wäre eine Kultur- Oase daraus zu machen gewesen. Aber unser aller Geld geht für andere Dinge weg, nicht für ureigenste Belange.

Uns zog es nun zur offen stehenden Türe der benachbarten Kirche, doch auch die stand nicht für uns offen. Zumindest wusste ich von keinem unserer Gruppe, dass er eine Konfirmandenprobe nötig hätte.  Also bugsierte uns der Herr Küster mit netten Worten zur Mauer des Kirchhofes und erzählte uns etwas über die Geschichte des Gotteshauses und der Stadt Königsbrück. Das war sehr erbaulich und so bestiegen wir zufrieden erneut unsere Chaisen, die wir gen Moritzburg steuerten, wo uns auf der Schlossallee die Kaffeetafel im Gasthaus „DREISPITZ“ erwartete.

Danach strebte ein Jeder der Hofgesellschaft eigenen Zielen zu. Der Cämmerer hatte nun noch eine 90Jahrfeier anzusteuern, - wo er die Festrede zu halten hatte, eine andere Kutsche eilte gen Ossig und der Rest zog noch eine Runde um die Moritzburg.

Dieser Samstag war rundum sehr erlebensreich, wenn auch etwas anstrengend, aber wirklich mit wunderbaren Eindrücken gespickt. Wir wissen jetzt schon, dass es uns auch im nächsten Jahr, kurz vor Ostern, wieder gen Ostereierland ziehen wird. Text und Fotos: Bernd Schwabe (eingestellt am 10.04.2017)



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