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Unser verfrühtes Anflanieren 2017

Verfrühtes Anflanieren

Die Flaniersaison 2017 ist eröffnet

Es ist schon einige Zeit her, dass wir im Schnee flaniert sind. Damals war es eine verspätete Winterpracht im April, heuer hatte das Jahr kaum erst begonnen.

Unsere, in Hoyerswerda beim Teschen- Markt mit uns bekannt gewordene, Freundin, die sorbische Weißstickerin Carola GEPPERT, hatte den Wunsch geäußert, mit Dresdner Barockleuten im historischen Dresden zu flanieren. Dem wollten wir gern nachkommen und so wurde der 5. Januar 2017 dafür auserkoren. Vergangene „Winter“ im Blick, dachte wohl keiner daran, dass zu diesem frühen Termin der Winter (ohne „ “) Einzug halten würde.

An diesem Winterwochentag, - einem Donnerstag, kamen für dieses Vorhaben nur Ruheständler in Betracht und der Cämmerer (Bernd SCHWABE) konnte das Grafenpaar von Bose (Wolfgang PETZOLDT und Christine BARTEL) und das Reichsgrafenpaar von Watzdorf (Siegmar und Annerose JENTZSCH) dafür gewinnen. Auch Majestät August II. (Werner POHLE) hatte sein Kommen avisiert, aber diese bekam ihre Chaise nicht frei und leider hatten Kutscher und der Reisemajor dienstfrei, sodass die Tür der Remise, - vom Schnee zugeweht, - verschlossen blieb. Dazu gab es einen sorbischen Ratschlag: „Eher mal aus dem Fenster des Schlafgemachs blicken…“ Auch wenn sich Frau GEPPERT an der Spitze unserer kleinen Flaniergesellschaft den Kurfürsten gewünscht hatte, erlebten wir einen vergnüglichen Spaziergang im Schnee und stellenweise auch im Schneefall, auch ohne fürstlichen Wegbereiter. Da alle Flanierer warm angezogen waren, - unsere Sorbin in ihrer Tracht ohnehin, hatten wir viel Spaß pur.

Treffpunkt war wie immer das „Schießhaus“ und am modern (und hässlich) zugebauten Herzogin Garten vorbei, ging es zur Ostra- Allee, wo sich unser Zwinger als Puderzuckerwerk präsentierte.

Es war kaum zu erwarten, dass wir Massen von Touristen begegnen würden, aber einige unentwegte Besucher gab es schon. Von diesen spürten wir viel mehr herzlichen Dank und Anerkennung für unser Tun, als es sommers der Fall ist, wenn uns das Publikum doch etwas zu drangvoll ins Bild springt und jedes Privatfoto, durchs dazu stellen, sprengt.

Unser Gast, Frau GEPPERT, war begeistert und die Touristen waren es angesichts unserer Roben und ihrer sorbischen Festtagstracht ebenfalls. Da blieb es doch nicht aus, dass wir zu einigen Fotos gebeten wurden, wozu wir gern bereit waren.

So führten unsere Spuren durch den verschneiten Zwingergarten zur Langgalerie, wo es, wie bei jedem unserer Flaniergänge, den obligaten Fototermin für die Touristen gab. Weiter ging es zum Theaterplatz, wo wir unserem König Johann Referenz erwiesen. Stolz thronte er auf seinem Ross, mit weißer Schabracke und Pelzkragen aus weißem Polarfuchs…

Der Besuch in der Hofkirche, der heutigen Kathedrale Ss Trinitatis, diente dem Bestaunen der sakralen Pracht und auch etwas dem Aufwärmen, der doch schon ein bisschen unterkühlten Flaniergänger.

Innerliches Aufwärmen gab es beim Besuch des Raumarktes (Verlängerung des Mittelalter- Weihnachtsmarktes) im Stallhof, wo dies der Glühwein bewirkte.

Da der Wind mittlerweile sehr stürmisch blies, vermieden wir den Gang über die Brühlsche Terrasse, obwohl deren Treppe der Tageszeiten ein ganz besonders sehenswertes winterliches Bild gab. Aber wir hatten so schon Mühe, unsere Hüte auf den Köpfen zu behalten. Und der Perücke des Reichsgrafen Christian Heinrich von Watzdorf sah man die Unbilden des Wetters ziemlich deutlich an.

So gelangten wir auf den Neumarkt, wo wir, dem Wunsch unserer Freundin Frau GEPPERT entsprechend, uns in die Reihe der Einlassbegehrenden an der Frauenkirche einreihten. Unser Gast war das erste Mal hier in der „Steinernen Glocke“ und sehr beeindruckt. Mit Erstaunen vermerkten wir, vom Kirchenpersonal persönlich begrüßt geworden zu sein.

Nach Minuten der Stille und Einkehr, ging es, wieder an die frostige Luft und auf gesalzenen Wegen zu unserem „Winterpalais“, - dem des Grafen Cosel.  Hier wartete schon das Schälchen >Heeßer und ä Stikkchen Guchen<, - beim Cämmerer war das traditionell, echte, wohl mundende, Dresdner Eierschecke…

Ein Blick aus dem Fenster war nun sehr erschröcklich, denn Frau Holle meinte es mit der Freigabe von Überplanbeständen mehr als gut. Angst kam auf, dass unsere Chaisen einschneien würden. Also beschlossen wir, nachdem der Flockenfall etwas geringer war, den Aufbruch und Rückweg zum „Schießhaus“.

Im Zwinger dann, schüttete die weiße Pracht wieder ganz ungebremst, sodass hier sogar der Schneepflug zum Einsatz kam. Nun aber schnell zu unseren Kutschen, - vorher noch ein Adieu den Putten und anderen Skulpturen, die frierend im Schneegestöber zurück bleiben mussten…

Es war eine eigene Erfahrung, die zu machen, uns noch gefehlt hat, aber Spaß hat unser frühzeitiges Anflanieren trotz, oder gerade wegen des Schnees, mehr als genug gemacht. Als der Himmel mal kurzzeitig eine Lücke in den Schneewolken zeigte, vermeinte der Cämmerer das Gesicht Tilos zu sehen, der da als August sagte: „Messieurdames, ich bin stolz auf Euch, die Ihr nun wohl doch nicht nur mein „Schönwetterhofstaat“ seid…!“ In dem Sinne und in der Gewissheit, unserer Sorbin einen schönen Winternachmittag in unserem verschneiten Dresden geboten zu haben, ging es heim in die wohl geheizte Gute Stube.

Lasst das Jahr so freudvoll weitergehen, wie es justament begonnen hat. Das wünscht sich Euer Cämmerer und Vereinsvorsitzender Bernd Schwabe, der auch diesen Text verbrochen und die Lichtgemälde verfertigt hat. (eingestellt am 07.01.2017)

 

 

 

      

 



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