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Zum 336. Geburtstag der Cosel auf die Burg Stolpen (17.1.16)

Immer wenn die ersten Blätter fallen, laut Trompetenklänge hallen, - die uns sagen immerdar, die Cosel ist nun älter um ein Jahr

Besuch der Reichsgräfin anlässlich ihres 336ten Geburtstages

Im Traditionsverein, wie im AKB, werden Traditionen gepflegt und so, wie es anlässlich des Geburtstages unseres Kurfürsten S.K.M. August II. immer zu ihm in die Gruft der Dresdner Kathedrale geht, ersteigen wir jedes Jahr am 17. Oktober den  Burgberg zu Stolpen, um der Cosel, - als bekanntester weiblicher Person der Dresdner Barockzeit, an ihrem Geburtstag zu gedenken.

Einst, als Maitresse en titre des Polenkönigs und Kurfürsten von Sachsen, die mächtigste Frau im Kurfürstentum, gedachten nach ihrem Fall, während ihres langen Lebens in Verbannung, wohl nur wenige Menschen der Anna Constantia. Aus einer unstandesgemäßen Ehe des Joachim Ritter von Brocksdorf mit der begüterten Bürgerstochter Anna Margarethe Marselis, hervorgegangenen, erhielt Anna Constantia eine, für damalige Verhältnisse bei einem Mädchen, sehr gute Ausbildung, die wohl auch ein Grund dafür war, dass sich August der Starke so stark zu ihr hingezogen fühlte, aber auch der Grund ihres Sturzes. (Sie war wohl zu klug, was sie dazu brachte, sich immer wieder in die Politik einzumischen, woraus ihr viele Feinde erwuchsen und schließlich die Entfremdung ihres durchlauchtigsten Gebieters einbrachte.) Einer relativ kurzen Zeit der Macht, ging eine Zeit der Unbedeutung voraus und folgte jahrzehntelange Verbannung und Abgeschiedenheit.

Mit 14 war ihre Kindheit beendet und sie wurde an den Hof des Herzogs Christian Albrecht auf Schloss Gottdorf (Schleswig) geschickt, wo sie der Fürstentochter Sophie Amalie als Hofdame dienen musste. Letztere kam an den Hof des Herzogs von Wolfenbüttel Anton Ulrich, - ihr Hoffräulein Anna Constantia musste folgen. Diese gebar 1702 ein Kind, was ihr ihre erste Verbannung (nämlich die vom Herzogshofe) einbrachte. Zurückgeschickt auf das Gut ihrer Eltern in Depenau, entrann sie der dörflichen „Idylle“ durch die 1703 geschlossene Ehe mit dem sächsischen Generalakzisedirektor Adolph Magnus Graf von Hoym, den sie 1699 kennen lernte und am 02.06.1703 heiratete. Zunächst lebte das Paar auf Schloss Burgscheidungen, (- was den Bezug dafür liefert, dass das dortige Schlossfest der Cosel gewidmet ist, - mit August II., - ein Fauxpas!!!) ehe es sich auf einem Landschloss des Dorfes Laubegast bei Dresden einrichtete.

Die Ehe war nicht sehr glücklich und wurde 1706 geschieden, was wohl sehr dem Betreiben des, über beide Ohren verliebten, Kurfürsten geschuldet war. Denn August der Starke hatte die Gräfin Hoym am 7. Dezember des Jahres 1704 erlebt, wie sie beim Löschen eines Brandes in der Hoymschen Stadtvilla selbst mit Hand anlegte. (Kraszewski und andere Sagenerzähler machen uns Glauben, dass Graf Hoym seine Ehefrau beim Wetten an den Kurfürsten verspielt hätte), - und setzte alles daran, die Dame in seine Arme, bzw. sein Bett zu bekommen. Das gelang. Nunmehr war dem Aufstieg der Tochter eines unvermögenden Landadeligen bis zur Reichsgräfin (1706 vom Kaiser in diesen Stand erhöht) nichts mehr im Wege. Allerdings ebnete dann ihr schier unstillbare Machthunger und unersättliche Gier, sowie das Bestehen auf ein Eheversprechen auch den Weg für ihren schnellen Sturz. Und so verbrachte die Reichsgräfin Cosel ihre weiteren Tage bis zum Eingang in die Ewigkeit (31.03.1765), zunächst 17 Jahre als Verbannte und danach, der Welt entrückt, 32 Jahre als Einsiedlerin auf der Burg Stolpen. Auf eine Rehabilitation oder ein ordentliches Gerichtsverfahren mag die Gefangene bis an ihr Ende umsonst gehofft haben.  Heutigentags ist die Reichsgräfin wohl die bekannteste Sächsin der Augusteischen Zeit. Und wir sind ihre Geburtstagsgäste, - Jahr für Jahr.

Auch heuer war der Besuch der Reichsgräfin an ihrem nunmehr schon 336. Geburtstag angesagt. Dazu trafen sich 11 Robenträger (und 1 Zivilist) am 17. Oktober auf dem Marktplatz von Stolpen. Wir waren avisiert, was uns ungehinderten Zugang (ohne Abführung an den Akzistedirektor) an der Kassenschranke ermöglichte. Mittlerweile sind wir nicht nur gelittene, sonder sehr willkommene Geburtstagsgäste der prominentesten Bewohnerin der Burg.

Zielstrebig folgten wir dem Weg zur Grablage der Reichsgräfin. Wie für uns gemacht, war das Wetter trocken und sehr zugig war es auch nicht. Hatte zunächst der Kurfürst /Werner POHLE) etwas über die Cosel und die Burg zu berichten, legten wir danach Blumen auf der Grabtafel nieder oder platzierten sie auf dem Gedenkstein. Dann intonierte die Hofsängerin (Regina SCHWABE) ein Liebeslied, was man auch schon zu Tagen der Cosel gesungen hat und ihr an ihrem Geburtstag gewidmet war. Die wenigen Besucher der Burg nahmen gern an unserer Gratulationskur teil.

Nun stellte sich Kaffeedurscht ein und wir statteten dem Schlosscafé einen Besuch ab. Wir hatten gar nicht damit gerechnet, dass die Freilichtlokalität, so nahe am Saisonende, noch geöffnet hatte. Bei lecker Torte und guter Bohne wurde am Gartentisch geschwätzt, nächste Termine besprochen und unsere Vereinsfreunde Heidrun und Günther TENNERT berichteten von ihrem gerade erst beendeten Urlaub im „Fidel- Land“. Auch wenn man dem Land ansieht, dass es unter der US- Blockadepolitik gelitten hat, die Menschen sind lebenslustig, nicht resignierend und den Verhältnissen entsprechend eingerichtet, - und die Natur bot einmalige Sehenswürdigkeiten, sodass wir Lust verspürten, Kuba Si – auch einmal zu besuchen.  

Vorerst wollen wir uns aber mit Stolpen, seiner Burg und seiner “Burggräfin“ begnügen und uns schon die Einladung zum 337. Cosel- Geburtstages im Terminkalender 2017 vormerken. Text und Fotos: Bernd Schwabe (eingestellt am 18.10.2016)

 

   

 

  

 



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