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Pillnitzer Regenflanieren am Nationalfeiertag 3.10.16

Feierlaune anderer Art

Unser feiertäglicher Regenflaniergang in Pillnitz am 3. Oktober 2016

Der 03.10.16, - deutscher Nationalfeiertag, mit zentraler Festveranstaltung in der sächsischen Landeshauptstadt Dresden, deren Himmel sich eher übellaunig als feierlaunig zeigte, war es uns wert, erstmals im Schlosspark zu Pillnitz zu flanieren. So kam der Tag mit „Feiertagsflanieren“ in unser Jahresprogramm des TDB. Sicher, in der Stadt gab es viele Möglichkeiten zu feiern, aber die Wiedervereinigung? Der Rezensent meint NEIN, denn dazu müsste endlich Einheitlichkeit erzielt werden, - nach nunmehr 26 Jahren Nachwendezeit! Solange es keine Rentenanpassung ans Westniveau, keine gleichen Löhne in Ost wie in West, hier erheblich höhere Mieten (lt. Mietspiegel) und Lebenshaltungskosten u  s w gibt, kann er jedenfalls nicht in (staatl. erwünschte) Feierlaune geraten.

Hingegen sollte ihm, und seinen Hobbyfreunden, der trübe Himmel nicht die Laune verderben. Und diese unentwegten Mitstreiter in Sachen Barock, - nicht nur aus Dresden und Umgebung, - immerhin reisten fünf Leipziger an, trafen sich gegen 11:00 Uhr am Parkplatz Maillebahn in Pillnitz. Als unser Geenisch Werner POHLE gegen 10:00 Uhr eine Brieftaube schickte, mit dem fragenden Vermerk: „Regnet es bei Euch auch so, wie aus Kannen?“,- konnten wir noch wahrheitsgetreu jubelnd entgegnen: „Hier ist der Himmel zwar bewölkt, aber offenbar ohne die Neigung sich über uns zu ergießen.“ Genau zum vereinbarten Zeitpunkt unseres Treffens in Pillnitz öffneten sich auch hier die Himmelsschleusen und das mit aller Macht.

Keiner machte aber den Vorschlag, wieder unseres Chaisen zu besteigen. Umhänge und Schirme sollte die größte Nässe mildern, was freilich kaum gelang. Und los ging es zur Maillebahn, wo weitere Unentwegte dazu stießen. Unser Kurfürst und König war da noch nicht dabei.

Am Kassenhäuschen mussten wir löhnen, - irgendwie muss ja das Geld für die, für den Zwingergarten geplanten, Orangebäumchen hereinkommen. Wir halten es hier mit der Mehrheit der Pillnitzer Anwohner, die diese Eintrittsgelderhebung mehrheitlich ablehnen, zumal die Orangen in den 1920er Jahren wegen der kitschigen Wirkung abgeschafft wurden. Es wird sich zeigen, dass es sich hier um rausgeschmissenes Geld handelt. Das eben gekürte Lieblingswort der Sachsen passt zu dieser Angelegenheit: „DIGGSCHN“ könnte man da, - was hochdeutsch, schmollen heißt.

Obwohl schon ziemlich eingenässt, schmollten wir nicht und es zog uns zum ersten Fotostopp (wo wir so einigermaßen im Trocknen standen). Kaum den letzten Drücker auf dem Auslöser, nahte in gewohnt schnellem (und regenbedingt noch eiligerem) Schritte unser durchlauchtigster Landesherr, der als Werner POHLE nicht schlecht staunte, dass, - trotz des miserablen Wetters, sich immerhin 24 Barockfreunde nicht vom Schlechtwetterflanieren abhalten ließen. So stark waren wir in der Tat, an manchem sonnigen Flaniertag, übers Jahr nicht besetzt. Sollte unser Tilo, dort oben eine Wolkenlücke gefunden und unsere Regenschirmgesellschaft gesichtet haben, wird’s ihn gefreut haben, war er doch stets nur seinen „Schönwetterhofstaat“ gewöhnt.

Es regnete inzwischen so heftig, dass selbst das Posieren für weitere Gruppenbilder schnell abgehandelt werden musste.

Unsere werte Hofsängerin, die Moretti (Regina SCHWABE), auch schon ziemlich eingenässt, enteilte gen Schlossschänke, wo sie für uns ein trockenes Plätzchen im Separee selbiger aushandeln konnte. Unsere Hoffnungen auf scheenen heeßen Tärschendrung, Eierschecke, Fladelsuppe ect. erfüllte sich dank einer gut funktionierenden Gastronomie des Hauses, - nur die Hoffnung auf nachlassenden Regen überhaupt nicht. Im Gegenteil, der Regen wurde immer heftiger, sodass der geplante Weg zur Elbterrassentreppe, im Wortsinne, ins Wasser fiel. Stattdessen wurde Plan B beschlossen, - schnellsten Weges zurück zum Parkplatz… Das wollten unsere „Drei Mädels“ zunächst noch nicht, - sie hatten Museumslust, aber die Eintrittspreise erstickten bei ihnen jegliches museale Interesse.

Trotz unaufhaltsam sich leerender Himmelsschleusen wollten wir aber nicht  den Blick auf ein wunderbares Zeugnis barocker Gartenkunst versäumen. In einem hainbuchengesäumten Geviert entdeckten wir die beiden Pfauen, die sämtlich aus pflanzlichem lebendem Material (Sedum, Sempervivum, Echeverien ect) geschaffen wurden. Nicht nur des gelernten Gärtners Bernd SCHWABE Herz jubilierte bei dem Anblick und man nahm in Kauf, dass nunmehr die Übermenge des Regenwasser über den Steiß in die Schuhe abgeleitet wurde…

Abschied ist ein feuchtes Wort, - wir waren es nicht viel weniger, - aber dennoch ging der Wunsch die Runde, im nächsten Jahr das Ganze noch mal bei schönerem Wetter zu wiederholen.

Ich möchte hiermit dem „Allwetterhofstaat“ nochmals dafür danken, dass sich so viele Mitstreiter, trotz des miserablen Wetters nicht davon abhalten ließen, den TDB bei seinem Feiertagsflaniergang zu begleiten. Nächstes Jahr wird für das Vorhaben Sonne eingeplant. Text und Fotos: Bernd Schwabe (eingestellt am 04.10.2016)       

 



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