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Potsdamer Regenschlössernacht vom 20. zum 21.08.16

Bei Schönwetter kann jeder!!!

Einmaliges Erlebnis: Potsdamer Regennacht vom 20. auf 21.08.2016

Bericht von einem hinweggespülten Vergnügen

Wasserspiele sind im Park von Sans. Souci zu erwarten, aber weniger von oben als vielmehr in den dortigen Wasserbecken, wie z. B. der Großen Fontäne im Französischen Rondell. Wir hatten das „Vergnügen“ aber vornehmlich von oben und daher weniger an der Schlössernacht, zu welcher diese Nacht eigentlich werden sollte…

Auf unserer Fahrt vom Sachsenland ins Preußische war noch alles gut und die Schlechtwetterprognose von 70% Regenwahrscheinlichkeit beunruhigte uns bei diesem blauen Himmel kaum.

Gegen 14:00 Uhr erreichten wir unser Hotel im Hans Geiger- Haus (hier wohnte der Erfinder des Geigerzählers) in Babelsberg. Hier warteten wir auf unsere Begleitung aus Hoyerswerda und den Anruf vom Geenisch. Als unsere Freundin Cornelia SCHNIPPA (Reichsfürstin von Teschen in HY) mit ihrer Freundin Kathrin JANOSCHEK eingetroffen waren und sich auch Werner POHLE mit majestätischen Grüßen aus seinem Palais gemeldet hatte, hieß es, - nun aber schnell in die Roben…

Es schien leicht, in Potsdam ein Taxi zu bekommen, - zumindest für die Hinfahrt. Am vereinbarten (für uns) traditionellen Treff im Krongut zu Bornstedt erwartete uns Majestät schon in Begleitung seiner Madame en titre, der Gräfin Cosel (Veneta LORENZ). Leider war Friedrich der Große nicht zur Begrüßung der sächsischen Staatsgäste momentan. Offenbar hatte dieser wieder eine Schlacht zu schlagen, - oder, harmloser ausgedrückt, sein Darsteller in heutiger Zeit, unser Freund Steffen LEU, musste kurzfristig für einen erkrankten Kollegen einspringen und seine Arbeitsschlacht schlagen.

Nachdem wir uns ausgiebig behändelt hatten und schnell noch was gegen den Durscht getan haben, ging es gen San.Souci, wo wir den Eingang an der Historischen Galerieholländermühle passierten. Dort an der Mühle trafen und begrüßten wir das Herzogspaar von HOHENBERG- RUH.

Unser Weg führte zunächst zur Kolonnade, die mit ihren 88 korinthischen Doppelsäulen den Ehrenhof von San. Souci umrahmt, -und wo wir eine barocke Tanzvorführung erwarteten. Da aber kamen uns die Tanzakteure, - wie gewohnt keine Miene verziehend, geschweige einem sächsischen Kurfürsten Referenz erweisend, schon entgegen. Hier machte sich unser verspätetes Eintreffen bemerkbar. Was hatten wir doch für ein Glück, die (etwas überdachte) Kolonnade erreicht zu haben. Denn nun flüchtete alles so schnell wie möglich schutzsuchend darunter. Es öffneten sich die Himmelsschleusen mit ungebremster Wucht und der sich dazu noch einstellende starke Wind sorgten dafür, dass wir doch noch etwas angefeuchtet wurden. Wie ließen es uns nicht verdrießen und unsere Hofsängerin Baronessa de Moretti (Regina SCHWABE) stimmte ein paar nette Lieder an, durch die etliche Besucher angezogen wurden und diese unerwartete Darbietung mit regem Händegeklapper quittierten.  

Nach ca. einer halben Stunde beruhigte sich der Himmel und wir zogen zur Gruft des Alten Fritzen. Dort erwies der polnische König und Kurfürst von Sachsen August II. dem Preußenkönig seine Ehrerbietung. Die auf der Grabplatte von seinen Fans abgelegten Kartoffeln sollen bezeugen, dass Friedrich II. den Kartoffelanbau in Deutschland eingeführt hat. „Soll Er und sie, bei dem Glauben bleiben, - populär mag er die Tartuffeln wohl gemacht haben, aber in deutsche Erde gepflanzt wurden sie gut 50 Jahre früher in unserem sächsischen Vogtland…“ sind wohl die Gedanken, die unserem Starken August an der Grablage durch den Kopf gegangen sein mögen.

Danach hüpften wir zwischen den Pfützen der schlammigen Kieswege zur Galerie des Alten Fritzen, die hinter dem Holländischen Garten in den Jahren 1755- 63 von Johann Gottfried Buring angelegt wurde. Übrigens, wie San. Souci auch, nach Skizzen des königlichen Bauherrn Friedrich II. Tolle Bilder beeindrucken die Besucher, - so auch unsere Begleitung aus Hoyerswerda.  Was haben doch die Meister Caravaggio und Rubens für füllige Prachtweiber auf die Leinwand gebracht, - fern des heutigen femininen Schlankheitswahnes, ganz zur Freude der Männerwelt, die damals noch das Üppige zu schätzen wusste (heute aber wohl in der Minderzahl ist [!]).

Nun strebten wir der Nase nach dorthin, wo es so köstlich schnupperte und nahmen einen Imbiss. Immer und immer wieder, auch auf weiteren Wegen, wurden wir um ein Foto gebeten oder dieses beraubt… Unsere Hoyerswerdaerinnen waren begeistert, mit wie viel Freunde wir Robenträger vom Publikum aufgenommen wurden. Gelegentlich kamen uns auch ein paar „Wattetupfer“ entgegen und wie in den Vorjahren auch das Grafenpaar von Hohenäse, welches sehr von seiner Einmaligkeit überzeugt zu sein scheint. Bei unserer Majestät meldete sich erstmalig der, vor einigen Tagen verdrehte, Fuß, aber wacker ging er uns trotzdem voran.  

Dem Wunsche unserer Lausitz- Mädels folgend stiegen wir nun auf der Mitteltreppe hinab in den Park, was sich hinzog, da wir viele viele Male als  Fotostaffage gefragt waren. Mittlerweile wurde es dämmerig und der Blick vom Gartenparterre zu den Weinterrassen und dem angestrahlten Schloss San.Souci war eine Augenweide. Doch wir bemerkten trotzdem, dass es über unseren Köpfen wieder zu tröpfeln begann…

Beim Tröpfeln blieb es nicht, - Petrus schüttete alle seine Wasserreserven über uns und die Schlössernacht aus. Noch sahen wir die illuminierten Bauwerke des Parks, - wie Windmühle, Neue Kammern, Orangerie- Schloss, Drachenhaus oder Belvedere, aber dann verkürzten wir unseren geplanten Weg, - weg vom Neuen Palais (wo wir das Feuerwerk erleben wollten) und strebten dem Ausgang zur Maulbeerallee zu. Unser Kurfürst konnte mit dem Fuß nicht mehr und wir spürten nur noch Nässe von allen Seiten und sahen vom Schlössernachtprogramm nichts mehr… Es goss und goss und goss noch mehr. Werner und Veneta waren (klugerweise) mit dem eigenen PKW zum Krongut gekommen und humpelten nun nach dorthin zurück.  

Wir hofften, - weitab von einer Unterstellmöglichkeit, auf ein Taxi, aber die gab es nur tagsüber und nach zwei Stunden im strömenden Regen gaben wir die Hoffnung auf. Ein Bus (wohin der fuhr war egal, Hauptsache ins Trockene) wurde (regelrecht) geentert und wir fanden dann auch den Umsteigepunkt zur STRAB, die uns schließlich nach Babelsberg brachte. An die letzten 3 km Fußweg, immer noch im (Niesel-) Regen, wollen wir uns nicht erinnern. 23:00 Uhr aufgebrochen, waren wir dann nun endlich gegen 1:00 Uhr am Quartier. Das geplante gemütliche Beisammensitzen fiel aus, - heiße Dusche und nur noch in die Falle.

Was haben wir nicht schon alles bei von uns besuchten Events erlebt, - Hitzewellen, Sintflut in und um das Zelt, Sturmwarnungen und und und, - aber das hier in Potsdam übertraf wohl alles. Wir waren durchnässt bis auf die Haut, - des Cämmerers stolzer Dreispitz hing ihm als Schlapphut über den Ohren und die Federn waren als solche kaum noch zu erkennen. Nach drei Tagen war ser Adelshut erst wieder einigermaßen trocken. Fragt nicht, wie die Kleider unserer Damen am frühen Sonntagmorgen beschaffen waren.  

Beim gemeinsamen Frühstück mit unseren Lausitz- Mädels mussten wir resümierend feststellen, dass wir, wegen des überwiegend schlechten Wetters, nicht sehr viel von dieser 2016er Schlössernacht hatten. Das war, als wir SCHWABEs in den Vorjahren hier waren, ganz anders. Wir konnten nur loben, auch wenn etwas Regen offenbar zur Schlössernacht in Potsdam dazugehört, - aber was zuviel ist, ist zuviel. Schade, dass unsere beiden Schlössernacht- Novizinnen so enttäuscht wurden, - aber für das Wetter kann keiner, ausgenommen dieser Übelbruder St. Petrus da oben!!!

Kurz nachdem wir uns aus dem gastlichen Haus und von Cornelia und Kathrin verabschiedet hatten und gestartet sind, rief unser Geenisch Werner POHLE an. Er ließ es sich mit seiner Veneta in Potsdam bei nunmehr herrlichstem Sonnenschein im Straßencafé wohl sein und plante noch einen Bummel durch die brandenburgische Landeshauptstadt.

Uns zog es auch noch nicht heimwärts, - etwas Schönes wollten wir an dem Wochenende doch noch erleben. Nackte Schönheiten, wie beim Dresdner Stadtfest, liefen uns nicht über den Weg. Und so machten wir das war, was wir uns schon öfter vorgenommen hatten, und auf dem Weg nach Berlin am Autobahnrand so oft  lesen konnten, den Besuch von >Fürstlich Drehna<. Also fuhren wir an der BAB- Ausfahrt Calau ab und steuerten dem Dörfchen Drehna zu.

Hier waren wir hocherfreut und überrascht, dieses schmucke Schloss (als Hotel genutzt) vorzufinden und im 50 ha großen, von Peter Joseph Linné angelegten, Schlosspark, hielten wir es mehrere Stunden aus. Herrlich diese Ruhe, die Teiche mit Seerosen und viel Getier und die alten ehrwürdigen Bäume und die Pilze, die selbst vom Wegesrand aus einzusammeln gewesen wären.

Interessant sind die Namen, die mit Fürstlich Drehna verbunden sind und uns an Lindenau erinnern. 1521 übernahm die Familie von Minckwitz das (mittelalterliche) Schloss und 1807 hat der Gefürstete Graf von Lynar den Ort in „Fürstlich Drehna“ umbenannt und das Schloss im Stil seiner Zeit modernisiert.

Zu Zeiten der DDR diente das Schoss (im nunmehrig wieder nur) Drehna als Jugendwerkhof. Damals mochte man wohl dort nicht rein und heute dürfte nicht jeder in das noble Schlosshotel rein können. So ändern sich halt die Zeiten. Für uns war dieser Abstecher nach Drehna eine fürstliche Freude, nach verregneten Schlössernachtfreuden. Nun ja, auch an die Potsdamer Regennacht werden wir uns erinnern, wenn auch mit gemischten Gefühlen. Sollte unser Mut für 2017 ausreichen, werden wir dem ollen Fritze wieder einen Besuch abstatten, - aber nur mit Sonnenschirm. Text und Fotos: Bernd Schwabe (eingestellt am 23. 08. 2016)



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