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6. Königin- Louise- Feldlager vom 15. - 17.07.2016 in Stavenhagen

Die freundliche Stadt Stavenhagen + ein Bürgermeister zum knuddeln + eine Festwiese im Schlossschatten + ein rühriger Familienclan + ein Meisterkoch + viele verfressene Mäuler + Kanonendonner und Pulverdampf + Lange Kerls + viel Napoleonik + etwas Barock + Maikäferflugbenzin + Fritz Reuter + hinnehmbar gutes Wetter = ein Event, an das man sich gern erinnert6. Königin- Louise- Feldlager vom 15. – 17. 07. 2016

Sachsenadel zu Gast in der Stadt Fritz Reuters, - zu Gast in Stavenhagen

Reichlich 400 km liegt Stavenhagen von Dresden entfernt, was wohl einer der Hauptgründe dafür ist, dass wir den Einladungen nach dort bisher nicht entsprochen haben. Ein (besonderer) Grund für den Besuch dieser hübschen mecklenburgischen Kleinstadt bietet sich aller zwei Jahre, wenn es dort ein Königin- Louise- Feldlager gibt. Das letzte gab es 2014 und unsere Vereinsfreunde Silvia und Frank WEISE waren, stellvertretend für den TDB, dabei und kamen mit einer begeisterten Einschätzung dieses Events zurück. Das war wohl der Grund, warum wir SCHWABEs uns entschlossen haben, diesem fernen Fest, dem übrigens heuer schon 6., nun auch unseren Besuch abzustatten. Erfreulich, dass auch Kathrin und Thomas HEFFT sich dieses Ziel für das Wochenende vom 15. bis 17. Juli freigehalten haben.

Schon am Mittwoch, den 13. Juli war der Start geplant, aber da hielt uns das plötzlich einsetzende Schlechtwetter ab und wir überschliefen das Ganze noch eine Nacht. Der sehr frühe Donnerstagmorgen tat sich sintflutartig auf und wir verkrochen uns wieder in unseren Betten. Gegen 7:30 Uhr gab es einen Silberstreif und wir stiegen in das tags zuvor gepackte Auto und los ging es Richtung MeckPomm… Fahren wäre eine ziemlich unpassende Bezeichnung für diese Tour gewesen, denn bis Berlin war es eher ein Schwimmen…

Dann wurde es von Kilometer zu Kilometer freundlicher und Stavenhagen begrüßte uns sogar mit ein paar Sonnenstrahlen. Vorbildlich vom Organisationsteam DWARS ausgezeichnet, fanden wir die Festwiese sofort ohne Schwierigkeiten und wurden von den (wenigen) schon Anwesenden herzlich und mit vielen Umarmungen begrüßt. Da war die ganze Familie DWARS, - Mama Doris, Vater Herbert, Sohn René, sowie Tochter Saskia mit Sohn und österreichischem Mann schon vor Ort und voll beim werkeln. Auch die vom Schwiegersohn mitgebrachten Landsleute aus dem oberösterreichischen Wels hatten ihr Biwak- Domizil schon eingerichtet und bezogen und wir hatten eine herzliche Begrüßung. Auch unsere lieben Freunde Anita, Bernd und Steffen SCHALLER konnten wir in die Arme schließen. Michael REICHEL aus Erfurt war uns auch kein Unbekannter und wir begrüßten ihn, seine Gattin und deren (vierbeiniges) Kind ebenfalls gar herzlich, - letzteres mit einem (bestechlich machenden) Kauknochen…

Als wir unsere Leinwandvilla aufgebaut und eingerichtet hatten, trafen auch unsere Freunde Kathrin und Thomas aus Hirschfelde kommend ein. Da sich das unsrige Zelt neben deren wie eine Hundehütte ausmacht, füllte das ihrige einen Kombi mit Hänger rundum aus. Aber mit viel System und eingespielten Handgriffen stand auch das Hefft´sche Zelt bald in ganzer Pracht und Fülle.

Steffen hatte vor zwei Tagen Geburtstag und so gab es für ihn einen Grund, einem seiner liebsten Hobbys, dem Kochen, zu frönen. Bald saßen wir alle beisammen und ließen uns Hühnerbeine mit Speckbohnen und Kartoffelecken sehr wohl munden. Das sollte nicht Steffen SCHALLERs einziger Einsatz als Küchenchef bleiben, denn Sonnabendmittags bekochte er das ganze (nun beträchtlich an Umfang zugenommene) Feldlager mit Goulasch, Rotkraut und Klößen. Es hat allen gemundet, auch am Abend die Currywurst a. -la SCHALLER, sodass Steffen kaum hinter seiner (vom österreichischen K&K Heer ausgeliehene) Feldküche vor kam. Da war er froh, dass es zwei drei Mädels gab, die ihm zur Hand gingen.

Am Freitag trafen weitere Darsteller ein, - vornehmlich Militärs und diese aus der Napoleonik- Szene. Aber auch Lange Kerls der Potsdamer Riesengarten schlugen ihre Zelte auf. Fürst Leopold (Klaus BRUCKER) und seine Fürstin (Elke BRUCKER) mit Hofdame (Silke HARP) waren auch Gäste des Königin- Feldlagers. Wir Dresdner nutzten den Tag zum Erkunden des heizbaren Freibades, (oder) des Kellermuseums im Schloss oder der Stadt. Dabei entdeckten wir am Markt eine Gaststätte, die unsere Gaumen außerordentlich gut verwöhnte. Am Abend ging es, angeführt von der Adelsgesellschaft und dem Bürgermeister Bernd MAHNKE zum Marktplatz, wo es vor dem Literaturmuseum >>Fritz Reuter<< (der wurde 1810 in der Stadt geboren) den Eröffnungsappell für das 6. Königin- Louise- Feldlager gab. Zunächst gedachten die Anwesenden ihrem kürzlich verstorbenen Kameraden Michael SANDMANN und ehrten ihn mit einer Salve. Diesen Mann konnte man in der Szene schon als ein Original bezeichnen und wir liebten seine Art. Das Stadtoberhaupt richtete danach sein Wort an die mehr als 100 Biwakteilnehmer in gereimter Form, was sehr gut angekommen ist. Überhaupt, so einen Bürgermeister wünscht man sich und wenn wir in Dresden nun nicht endlich mit Dirk HILBERT einen fähigen Mann an die Stadtspitze bekommen hätten, wären wir auf die Stavenhager sehr sehr neidisch.

Schon am Donnerstag besuchte uns der Stadtobere im Lager und auch während des Freitags überzeugte er sich mehrmals vom Wachsen des Feldlagers. Seit dem ersten Königin- Feldlager begleitet er diese mit seiner Sympathie, Förderung und seinem Wohlwollen. Als wir in der Stadt mit Bürgern sprachen, war stets heraus zu hören, dass Herr MAHNKE sehr beliebt in seiner Stadt ist. Wäre er sonst seit 1984 der erste Mann in Stavenhagen?  

Der Samstag gehörte, wie sollte es in einem Feldlager sein, ganz dem Militär, was sich in unterschiedlichster Form und Art und Weise vom späten 17. bis zum frühen 19. Jahrhundert darstellte. Die Adelsgesellschaft flanierte, angeführt von der Fürstin von Anhalt- Dessau (Elke BRUCKER), derweil durch das hübsche Städtchen und entdeckte dabei einige ganz liebreizende Winkel. Der Aufstieg zum 1740 erbauten Schloss, - heute Sitz des Stadtoberhauptes und der Kommunalverwaltung, bot uns einen schönen Blick auf unsere Gastgeberstadt und das Biwak. Im Stadtpark unterhalb des Schlosses erfreuten Anpflanzungen bunt gemischter Sommerblumen mit Taglilien und Rosen.

Während erste Militäreinheiten ihre Kanonen-(Kugeln) in Gefechtsbereitschaft brachten, haben unsere Frauen (Anita, de Kleene, die Reichel´sche und Regina) auch Kugeln gedreht, - die Klöße zum Goulasch…

Am Nachmittag wurden dann die Kanonen in einem Anderen Teil des Parks in Stellung gebracht und unter Trommelschlag zogen dort die verschiedensten militärischen Truppen ein. Es wurde ein Gefecht damaliger Zeit nachgestellt und, - schämen sollten die sich, - eine erdrückende Übermacht fiel über die Franzosen und unsere tapferen Sachsen her, die sich dann doch, trotz erbitterter Gegenwehr, geschlagen geben mussten. Da halfen die Anfeuerungsrufe des Fürsten Reuß (Thomas HEFFT) und des Cämmerers Grafen zu Nau (Bernd SCHWABE) auch nichts mehr. Dicker Pulverdampf lag über dem Ort des Geschehens und es fand sich etwas ein, was sonst während des gesamten Feldlagers eher rar war, das Publikum (für die doch der Kanonendonner rollte!!!). Natürlich, der Bürgermeister Bernd MAHNKE war darunter.

Während das Mannsvolk Krieg spielte, tafelten die (meisten) Damen in der (geräuschvollen) Nähe und ließen sich hausbackenen Kuchen und Türkentrunk schmecken. Nicht alle Damen des Lagers waren dort, - ein Teil steckte in Uniformen und verhalf den männlichen Freikorpskämpfern zum Sieg auf dem „Schlachtfeld“.  Nach der Schlacht hieß es wieder Essenfassen und Steffen, - erfolglos als sächsischer Soldat, - fuhr hier mit seiner Currywurst einen unbestrittenen Sieg ein. Es schmeckte nämlich wieder ausnehmend gut. Allerdings schützte das ihn nicht vor der Hand des Gesetzes. Mit Selbstbedienungsmentalität behaftet, hatte er dem Bäuerlein Kuh und Sau aus dem Stall geklaut und als ihn dafür die Häscher gefasst hatten, wartete eine Gerichtsverhandlung auf ihn. Was hatte der Junge für ‘n Glück, dass der Alte Dessauer gerade vor Ort war. Fürst Leopold, dem des Delinquenten köstliches Goulasch noch am Gaumen kitzelte, haute den Feldkoch raus und so blieb jener diesmal straffrei, - letztmalig, wie der Fürst betonte.  

Gegen Abend dachten wir an unsere Freunde vom TDB und AKB, die der Dresdner Schlössernacht Jahrhundertwendeflair gaben. Sie teilten mit 6000 Besuchern den Eindruck, dass es um die Elbschlösser immer gut feten ist.

Vor unserem Zelt hier in Stavenhagen fanden sich in nächtlicher „Stille“ einige Biwaker ein, um mit uns bis in die späte Nacht zu lachen, zu schnacken, auch zu trinken und unsere Freundschaften hoch leben zu lassen. Leider hatten wir Sankt Petrus nicht dazu geladen, sodass er sich mit nächtlichem Regen rächte. Nasse Zelte einpacken ist genau das, was jeder Biwakteilnehmer nicht möchte. Aber nach ausgiebigem Frühstück und der Teilnahme am Abschiedsappell, waren die Zelte dann mehr oder weniger trocken. Beim Appell lobte der Fürst (Klaus BRUCKER) den tollen Einsatz der Familientruppe DWARS für das Gelingen auch dieses 6. Feldlagers und besonders lobte er den Feldkoch Steffen SCHALLER der kaum mal den Kochlöffel gegen die Muskete tauschen konnte. Klar gab es für die geehrten (und mit Präsenten beschenkten) Kameraden lautes Händegeklapper. Wir Darsteller unsererseits nahmen Erinnerungswimpel in Empfang, die uns sicher noch lange an dieses schöne Event erinnern werden.

Danke den DWARS´ und allen, die uns dieses schöne Wochenende bescherten. Da möchten wir den Schultheißen Bernd MAHNKE nicht vergessen, - wirklich, ein OB zum knuddeln…

Zunächst die BAB meidend und die B96 für Aalfang und Kirschenjagd nutzend, waren wir dann nach gut 5 Stunden wieder in Dresden und wurden, - wem wundert’s? - von einer kräftigen Husche empfangen… Wir denken, dass wir uns für 2018 den Termin STAVENHAGEN unbedingt vormerken werden. Text und Fotos: Bernd Schwabe (eingestellt am 20.07.2016)

       

 



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