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Burghoffest -Gräfin Cosel lässt bitten- in Stolpen am 25. und 26.06.2016

Mit dem AKB zu Besuch bei der Reichsgräfin von Cosel

Burghoffest >> Gräfin Cosel gibt sich die Ehre<< auf Stolpen (25./26.06.16)

Wir als heimische Barockdarsteller nehmen schon von jeher großen Anteil am unglücklichen Los der damaligen Madame en Titre August des Starken. So ist es uns jedes Jahr Bedürfnis, der Reichsgräfin zu ihrem Geburtstag am 17. Oktober die Ehre zu geben. Wir legen dann dort auf der Burg, auf der Grabplatte, Blumen nieder und zumeist erklingt ihr ein Geburtstagslied oder es wird etwas zu ihrem Schicksal rezitiert. Vor 300 Jahren hat sich mit der Gefangennahme der Gräfin Cosel; ihr Name mit Stolpen verbunden. Damals wurde die prominente, einst sehr einflussreiche und allmächtig scheinende Geliebte unseres Kurfürsten, aufgrund der erfolgreich betriebenen Intrigen der Minister und Ratgeber Friedrich Augusts (und viel eigenem Zutuns), zur Staatsgefangenen auf der Burg. 17 Jahre währte ihre Haft, aber dem Leben in Freiheit entwöhnt, blieb die Cosel nach des Kurfürsten Tod weiterhin Bewohnerin auf Stolpen. 49 Jahre teilte die Reichsgräfin ihr Schicksal mit dem altehrwürdigen Gemäuer der Burg.

Seit Jahren gibt es hier auf der zum Schloss und zur Festung umgebauten und umfunktionierten Höhenburg, ca. 30 Kilometer östlich der Residenz Dresden, auf einem Basaltkegel gelegen, ein Burgfest, ohne dass bei diesem, die bekannteste „Mieterin“ so recht ins Licht des Interesses gerückt wurden wäre. Der Rahmen dieser Feste war eher mittelalterlich mit wenig Bezug auf Anna Constantia Reichsgräfin von Cosel. Dabei dürfte doch gerade sie der Kassenmagnet der Museumsburg in Stolpen sein. Nun, 300 Jahre nach deren Festsetzung auf Stolpen, ist wohl die Zeit gekommen, der hochedlen Adelsdame mit einem eigenen Fest die Ehre zu erweisen, die sie verdient.

Die Veranstalter haben das wohl auch so gesehen und daher sollte das 2016er Burghoffest mit >>Gräfin Cosel gibt sich die Ehre<< titeln… Offenbar wurden die edel gewandeten Adelsleute, die jeweils am 17. Oktober zur Burg hinauf gestiegen sind, als ernsthafte Barockpfleger wahrgenommen und daher angesprochen, ob diese ihrem Burgfest etwas barockes Flair geben könnten. Sie konnten und seit cirka einem Jahr waren wir vom AKB mit der Direktion der Burg und dem der Burg angestammten ortsansässigen „Stadtwache- Verein e.V.“ in Verbindung. Die erarbeitete Konzeption des Festes stellt die Reichsgräfin in den Mittelpunkt, - umrahmt vom Dresdner Hofadel, - ohne, dass das Mittelalter nunmehr außen vor gelassen wurden wäre. Im Gegenteil, die darstellerische Vielseitigkeit der Szene wurde (wie immer) voll in das Fest integriert und Stadtwache, Dudelsack, Schmied, Marktweiber, Falknerin mit (allerliebster) Schleiereule und Bussard, Garküche, Stehgreiftheater und und und…, waren, wie bisher immer, eine Bereicherung des diesjährigen Burghoffestes mit seinem 300jährigen Jubiläum „Cosel als Knacki“.

Wir als Adelsvolk haben diesen Rahmen verstärkt und mit barocker Musik, Gesang und Tanz vergoldet. Das Publikum nahm uns und das Neue begeistert auf. Und wir wollen unsere anfängliche Skepsis nicht verhehlen. Doch nun denken wir, dass dem Barock auf Stolpen künftig auch mehr Platz und Stimme eingeräumt werden sollte. August der Starke und sein Hofstaat besucht dann die Reichsfürstin nicht nur zu ihrem Geburtstag auf der Burg.

Als Vorhut waren wir, - Wolfgang PETZOLDT und Christine BARTEL, und Regina und Bernd SCHWABE - schon am Freitagnachmittag vor Ort und taten die Handgriffe, die zu tun waren, um unser Barock dem Publikum ins rechte Licht zu rücken. Dabei wurden wir vom Guten Geist der Burg Herrn Bernd KARA mit besten Kräften unterstützt. Auch Heidrun und Günther TENNERT, unterstützt von Siegmar JENTZSCH, waren schon am Freitag am werkeln und stellten ihr Barockzelt auf und richteten es ein. Da lief so mancher Schweißtropfen und signalisierte uns, dass es bei diesem Burghoffest ganz heiß hergehen wird!!!

Wir hatten Quartier in einer Pension am Markt und dort, im basaltgemauerten, ältesten Gewölbe Stolpens, genossen wir die dortige belebende Frische und einen nicht minder belebenden Kräuterschnaps. Nach reichhaltigem Abendbrot und einer Plauderrunde in den frühen neuen Tag, winkte nur noch der Bettzipfel.

Am Samstagmorgen trafen mit Nadin SCHUBERT und Gudrun SCHEIBNER die letzten Schlafgäste ein. Nun hieß es in die Gewandungen zu steigen und den albtraumhaft schmalen Weg mit dem „Postauto“ zur Burg zu nehmen. Mit etwas schweißiger Stirn unter der Perücke hat es aber unser guter Oberst von Bose ganz gut geschafft und ergatterte (bei akuter Parkplatznot auf der Kuppe des Burgbergs) auch ein ganztägiges Bleiberecht für seine Chaise. Mit Öffnung der Burgkasse waren wir nun als Adelsgesellschaft für das Publikum im Einsatz und konnten noch manche Hand mit anlegen, um dem barocken Rahmen des Festes gebührlichen Glanz zu verleihen. Und man konnte Bekanntschaften schließen, - wie z. B. mit der netten Falknerin und ihrem Bussard und der entzückenden Schmuse- Schleiereule. Die Hofsängerin, deren Lieblingsvögel schon immer Eulen sind, war mit dem Schleiereulchen ganz happy und hingerissen.

Gegen 11:30 Uhr war dann der Zeitpunkt heran, an dem wir im „Kornboden“ (Kornhaus) als Akteure unseren ersten großen Auftritt hatten (insgesamt 6 Programme). Hier nun war auch der Augenblick, wo wir von Anna Constantia Reichsgräfin von Cosel, in Persona Kerrin BARDOUX, willkommen geheißen wurden. Ihrem Stande gemäß saßen Majestät Friedrich August (Werner POHLE) und die Reichsgräfin erhöht auf bartelschen Sitzmöbeln, von wo diese das Publikum und den, vom Cämmerer angeführten, Hofstaat begrüßten. Sodann erklang Musik des >>Kurfürstlich- Sächsischen Barockensembles<< (vom TDB Silvia WEISE / Querflöte, Regina SCHWABE / Gesang) und dazwischen gab es Tanzeinlagen vom >>Barock- und Tanztheater<< (vom TDB Nadin SCHUBERT, Silke BRUX), - während des Festes insgesamt 6 Auftritte mit zum Teil variabler Programmfolge. War am glühendheißen Samstag der Publikumsandrang zunächst noch verhalten, steigerte sich dieser ständig und am Sonntag war das „Kornbodenhaus“ mehrmals bis auf den letzten Platz belegt (trotz Fußball-EM) . Für den Rezensenten ist dies Beleg, dass wir mit unserem Barock nicht fehl am Platze waren und dieser (auch künftig) zum Programm des Burghoffestes gehören muss, - hier wo die wohl bekannteste sächsische Person der Barockzeit das Gepräge gibt! Diese Cosel (Kerrin BARDOUX) hat es wohl verstanden, die Herzen der Hofschranzen zu gewinnen und auch Majestät hatte wohl wieder etwas von seinen früheren Empfindungen zurück. Dies, obwohl er offensichtlich schon ein Auge auf seine „Beute- Türkin“ Fatmah (Fatima Maria Aurora spätere Frau von Spiegel [Veneta LORENZ]) geworfen hat. Denn kein Tanz, den Majestät nicht mit jener Dame auf die Dielen des „Kornboden“ gelegt hätte.

Rundum kann gesagt werden, - und es wurde uns nicht nur einmal gesagt, - dass wir mit unserem Mitwirken als Flaniergesellschaft, im Barockensemble und im Tanztheater, sehr gut angekommen sind. Das Visitenkärtchen, was nach Veranstaltungsschluss von Kerrin dem Cämmerer übergeben wurde, hatte den handschriftlichen Vermerk: „Vielen Dank“. Mehr Worte braucht es nicht. Auch wir danken und meinen, dass es uns allen sehr viel Spaß gemacht hat, hier auf der Burg unser Barock präsentieren zu dürfen.

Wohl etwas weniger spaßig waren dann die nächtlichen Wetterkapriolen in der Nacht vom Samstag auf den Sonntag. Die Zeltschläfer im Mittelalterlager wurden in den trockenen Kornboden umquartiert, da das Unwetter hätte zur Gefahr werden können. Das mit viel Kraft aufgebaute barocke Präsentationszelt unserer Freunde H. und G. TENNERT widerstand dem Storm und den überweit geöffneten Himmelsschleusen nicht so gut. Doch noch ehe TENNERTs und JENTZSCHs vor Ort waren, behoben Nadin und Regina die schlimmsten Schäden. Den Rest besorgten Heidrun, Annerose, Siegmar und Günther und die (später wieder hervorgekommene) Sonne. Jedes Event hat ein Ende, so auch das Burghoffest und gegen 18:30 Uhr wurde das abgebaut, was über ein schönes frühsommerliches Wochenende zur Freude der Besucher beigetragen hat. Unser El Presidente Wolfgang PETZHOLDT bat mich, hier den Freunden des AKB zu danken, die nun nicht gleich das Gaspedal durchgedrückt haben, sondern beim Abbau (ihm, wie Tennerts) behilflich waren. 

Ich möchte allen TDB- und AKB- Mitstreitern für ihre Teilnahme danken. Das gilt auch dem Tanzmeister Dieter SCHLEGEL, der „seine“ Tänzer während der beiden Tage begleitete. So auch den Musikern des Barockensembles, - hier besonders Manfred KUGLER, der am Sonntagnachmittag noch mal zur Burg und an die Klaviertasten kam, der Hofsängerin (Regina SCHWABE) für ihre Lieder (bis zur Heiserkeit) und die auflockernde spontane Programmmoderation, den Barocktänzern, die mit viel Schweiß und Muskelkater einige uneingeplante Programmlücken geschlossen haben (Hochachtung Gerd JACOB mit seinen 81 Jahren, - ganz toll). Für die Bereicherung des Marktgeschehens danke ich den „Mädels“ um Kerstin DANIEL. Mein Dank auch unserer Christine BARTEL für die stilgerechte Bühnendekoration und nicht zuletzt dem Mann „mit dem Hut auf“, Wolfgang PETZHOLDT, dem der Stein nach gutem Schluss ganz hörbar vom Herzen gefallen ist. Denn dieses erste wirkliche AKB- Event kam besser an, als wir alle wohl selbst gedacht haben.

Ich möchte diesen Bericht, - der ob der vielen Aktivitäten während des Burghoffestes noch viel viel länger hätte werden können, nicht schließen, ohne der Burgdirektion mit Herrn MAJOR, Herrn GAITZSCH, dem Mann an der Technik Bernd KAJA, den Freunden des Vereins „Stadtwache Stolpen e. V.“ mit ihrer liebenswerten Colsel Kerrin BARDOUX und allen weiteren Org.- Leuten, nicht schließen, ohne meinen Dank zu bekunden. Es war schön im Areal des „Cosel- Knastes“, - ein heißes Wochenende ist ja auch besser zu verkraften als 49 lange Jahre, meint Bernd Schwabe, der den Text geschrieben und die Lichtmalereien verfertigt hat. (eingestellt am 29.06.2016)     

 



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